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Johanniskraut

© C. Heyer/PhytoDoc

Johanniskraut bei Depression

Klinische Studien belegen: Johanniskraut hilft bei leichten Depressionen, Stimmungsschwankungen, Angst- und nervösen Zuständen.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Arzneipflanze des Jahres 2015

Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist in Europa und Asien beheimatet und besonders für seine stimmungsaufhellende Wirkung bekannt. Johanniskraut wirkt dabei ähnlich wie bekannte Antidepressiva: die Wiederaufnahme von Botenstoffen (Neurotransmitten) aus den Umschaltstellen zwischen zwei Nervenenden werden dabei gehemmt. Dafür verantwortlich ist vermutlich der Inhaltsstoff Hyperforin, der auch antibakteriell wirkt. Weitere Inhaltsstoffe des Johanniskrauts, beispielsweise das Hypericin oder die Flavonoide, wirken antiviral und entzündungshemmend. Die Anwendungsgebiete des Johanniskrauts umfassen weit mehr als depressive Verstimmungen, Depressionen, Angstzustände oder psychovegetative Störungen. Johanniskraut kann auch bei stumpfen Verletzungen, leichten Verbrennungen, bei Verdauungsbeschwerden, Gedächtnisschwächen oder chronischer Müdigkeit eingesetzt werden. Eine orale Einnahme der Johanniskrautpräparate ist üblich, bei Verletzungen kann alternativ eine äußerliche Anwendung erfolgen.

Wogegen hilft Johanniskraut?

Die wichtigste Indikation von Johanniskraut ist die Behandlung von leichten Depressionen, depressiven Verstimmungen, Stimmungsschwankungen, Angst- und nervösen Zuständen. Zur Wirkung liegen zahlreiche positive klinische Studien vor.

Im Altertum war Johanniskraut ein Mittel zur Wundheilung. Johanniskraut wird auch heute noch bei Wunden und Verbrennungen, ferner bei Magen- und Darmentzündungen verwendet. Experimentell wurden für Johanniskrautextrakte auch antivirale Effekte gezeigt; wegen den starken Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten war es zur Behandlung von HIV nicht geeignet. Die WHO befürwortet Johanniskraut nur bei äußeren viralen Infektionen.

Achtung: Hypericin kann bei hellhäutigen Menschen in Kombination mit Sonnenlicht zu schädlichen Reaktionen führen. Schützen Sie Haut und Augen!

Konzentrierte Johanniskrautextrakte haben zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Wenn Sie Medikamente einnehmen, fragen Sie erst Ihren Arzt, ob Sie Johanniskrautpräparate einnehmen können!

Heilwirkung von Johanniskraut

Johanniskrautextrakt wirkt
- gegen Bakterien (durch den Inhaltstoff Hyperforin)
- gegen Viren (durch den Inhaltstoff Hypericin)
- gegen Entzündungen (durch die Flavonoide)
- gegen Depressionen

Johanniskraut hemmt die Wiederaufnahme von Botenstoffen (so genannte Neurotransmitter wie Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA und L-Glutamat) aus den Umschaltstellen zwischen zwei Nervenenden (synaptischer Spalt). Die klassischen Medikamente gegen Depressionen (die Trizyklika und die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRI) haben einen ähnlichen Wirkungsmechanismus. In klinischen Studien mit wäßrig-alkoholischen Johanniskraut-Extrakten konnten beruhigende, antidepressive und angsthemmende Wirkungen festgestellt werden. Der entscheidende Wirkstoff ist vermutlich das Hyperforin.

Die vollständige Wirkung tritt erst nach zwei bis drei Wochen ein.

Depression
Da Johanniskraut-Extrakte seit langer Zeit in der Volksmedizin gegen depressive Störungen angewendet wird, prüften Ärzte und Wissenschaftler folgende Fragen:
- Sind Johanniskrautextrakte wirksamer als Scheinpräparate (Placebo) bei der Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen?
- Sind sie genauso wirksam wie Standard-Medikamente gegen Depressionen?
- Haben sie weniger Nebenwirkungen als Standard-Medikamente gegen Depressionen?

Zur Beantwortung dieser Fragen wurden 37 klinische Studien ausgewertet:

Johanniskraut zeigte in mehreren Studien eine positive Wirkung gegen depressive Störungen. Bei schwerwiegenden Depressionen konnte jedoch keine positive Wirkung gegenüber Placebo (Scheinpräparat) festgestellt werden.Johanniskraut zeigte eine ähnliche Wirkung wie Standard-Antidepressiva. Die Patienten, die Johanniskraut-Extrakte erhielten, schieden aus den Studien aufgrund von Nebenwirkungen weniger häufig aus als Patienten, die ältere Standard-Medikamente einnahmen. Der Vergleich von Johanniskraut-Extrakt mit bestimmten Medikamenten, welche die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin in die Nervenzellen hemmen (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, SSRI), war statistisch nicht von Bedeutung.

Bei einer Auswertung mehrerer klinischer Studien an insgesamt 544 Patienten, die an leichten bis mittelschweren Depressionen litten, konnten zwei Symptomenkomplexe für die Beschreibung des Wirkprofils von Johanniskraut-Extrakt zusammengefasst werden: Der erste Komplex beinhaltete die Leitsymptome der Depressivität, der zweite Komplex die Ängstlichkeit durch Depressionen und Schlafstörungen. Für beide Symptomkomplexe wurde eine deutliche Verminderung durch Johanniskraut-Extrakt und eine Verbesserung im Vergleich zum Scheinpräparat nachgewiesen.

In den USA empfehlen Wissenschaftler die Einnahme von Johanniskraut nur bei leichten Depressionen. Bei mittleren bis schwerwiegenden Depressionen sollte Johanniskraut aufgrund der uneinheitlichen Datenlage und der fraglichen Qualität der freiverkäuflichen Produkte jedoch nicht die erste oder zweite Wahl sein.

Vor kurzem wurde eine Studie veröffentlicht, die an 135 Patienten mit schwerwiegenden depressiven Störungen durchgeführt wurde. Diese erhielten für 12 Wochen täglich entweder 900 mg standardisiertes Johanniskraut-Extrakt, 20 mg Fluoxetin (ein Antidepressivum, Serotoninwiederaufnahme-Hemmer) oder ein Scheinpräparat (Placebo). Johanniskraut-Extrakt erwies sich wirksamer als Fluoxetin und war auch dem Placebo leicht überlegen.

Abgesehen von der antidepressiven Wirkung von Johanniskraut sind die Effekte gegen andere hier aufgeführte Erkrankungen beim Menschen wissenschaftlich noch nicht gesichert.

Alkoholismus
Bei Ratten, die auf Grund einer besonderen Züchtung Alkohol bevorzugen, verringerte die Einnahme von Johanniskraut-Extrakt die Alkoholaufnahme. Die Autoren führten diesen Befund auf den Wirkstoff Hyperforin zurück.

Gedächtnis
In einem Experiment an Ratten erhöhte sich durch die langfristige Einnahme von Johanniskraut das Lern- und Erinnerungsvermögen.

Chronisches Müdigkeitssyndrom
Während einer sechswöchigen Therapie mit Johanniskraut-Extrakt nahmen bei 20 Patienten die subjektiv empfundene Müdigkeit sowie die depressiven und ängstlichen Stimmungen ab.

Prämenstruelles Syndrom (Beschwerden vor Einsetzen der Regelblutung)

Bei 19 Frauen besserten sich in einer Studie die Beschwerden nach Einnahme von Johanniskraut-Extrakt.

Aktivität gegen Viren
In einigen offenen Studien an HIV-positiven Patienten, die Johanniskraut-Extrakt einnahmen, verbesserten sich sowohl klinische Laborwerte als auch Werte des Immunsystems

Entzündungen
Wie im Reagenzglas mit menschlichen Zelllinien festgestellt wurde, hemmt Johanniskraut-Extrakt die Bildung eines Enzyms, das an Entzündungsreaktionen beteiligt ist (die induzierbare NO-Synthase, iNOS).

Prostata-Krebs
Im Reagenzglas und an Nacktmäusen wurde festgestellt, dass Johanniskraut-Extrakt das Tumorwachstum und die Anzahl der Metastasen vermindert.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Angst
  • depressive Verstimmungszustände
  • dyspeptische Beschwerden
  • nervöse Unruhe
  • psychovegetative Störungen
  • Verdauungsbeschwerden (ölige Johanniskrautzubereitungen)

äußerliche Anwendungen (ölige Johanniskrautzubereitungen):

  • Behandlung und Nachbehandlung von scharfen und stumpfen Verletzungen (Prellung, Zerrung)
  • Muskelschmerzen (Myalgien)
  • Verbrennungen 1. Grades

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Einschlafstörungen, Schlafstörungen
  • Ekzem, trockenes, Neurodermitis
  • Erbrechen aus psychosomatischen Gründen
  • Fibromyalgie (versuchsweise)
  • Gallenwegsbeschwerden, funktionelle
  • Herzbeschwerden, funktionelle
  • prämenstruelle Stimmungsschwankungen
  • psychosomatische Bauchschmerzen
  • Reizblase, nächtliches Einnässen
  • Schlafstörungen wegen Depression
  • Schwindel durch psychosomatische Ursachen
  • Tinnitus, Entspannung bei

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Alkoholkrankheit, Nikotinsucht: Erleichterung der Entwöhnung
  • Chronische Müdigkeit
  • Gedächtnisschwäche
  • Mastodynie (versuchsweise)
  • Migräne
  • Neuralgien
  • virale Erkrankungen (Influenza, Herpes, Poliovirus II, HIV)

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Johanniskraut-Extrakt gibt es in Form von Tabletten, Kapseln, Dragees, Filmtabletten, Öl und Tee. Die Extrakte und Handelspräparate sollten 0,1 – 0,3 % Hypericin und 1 – 6 % Hyperforin enthalten.

Die Kommission E empfiehlt als mittlere Tagsdosis 2 – 4 g. Dies entspricht etwa 500 – 800 mg der gängigen Extrakte.

- Tee: Morgens und abends werden jeweils eine ganze Tasse (2 Teelöffel auf 150 ml Wasser) getrunken.

- Kapseln oder Filmtabletten, die 250 mg bis 600 mg eines Trockenextraktes enthalten, werden 2mal täglich 4 bis 6 Wochen lang eingenommen. Dieser Trockenextrakt sollte mit 50- bis 60%igem Alkohol extrahiert worden sein.

Die antidepressive Wirkung setzt erst nach 2 – 3 Wochen ein. Nach Abklingen der Depressionen sollte das Johanniskraut-Extrakt bei Erstmanifestation mindestens ein halbes Jahr, bei Rückfällen auch länger eingenommen werden.

Nicht apothekenpflichtige Präparate

Johanniskraut-Präparate werden in Deutschland in Apotheken, Drogerien und Supermärkten angeboten. Aus einer Studie geht hervor, dass die meisten nicht apothekenpflichtigen Präparate der Johanniskraut-Extrakte eine zu geringe Dosierung in ihren wirksamkeitsrelevanten Inhaltsstoffen aufweisen. Um sicherzugehen, dass das Präparat genügend Wirkstoffe enthält, sollte man es aus der Apotheke beziehen.

Wirkstoffe

  • 2 – 4 % Hyperforin (vermutlich ein Isoprenoid)
  • 2 – 4 % Flavonoide (Hyperosid, Rutosid, 3,8’-Biapigenin
  • 0,1 % Naphthodianthrone (Hypericin und Pseudohypericin)
  • Emodinanthranol
  • 10 % Catechingerbstoff
  • ätherisches Öl