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Johanniskraut – Tipps zum Sammeln und Verarbeiten

© Printemps - Fotolia.com

Am 24. Juni ist Johannistag

Soll Johanniskraut tatsächlich nur am 24. Juni und zur Mittagszeit gesammelt werden? Wir klären dieses Missverständnis auf.

Von: Heidemarie Wolter

Tausendsassa Johanniskaut

„Kein Kraut ist in allen Ländern zu finden, das in Heilung der Wunden, Quetschungen, Verrenkungen, alten faulen Schäden diesem beykomme“ schrieb Paracelsus. Wenn man heutzutage jedoch an das Johanniskraut denkt, fallen einem zuerst die stimmungsaufhellenden Eigenschaften ein. Doch neben dieser, in zahlreichen Studien bestätigten Wirkung, ist Johanniskraut auch ein gutes Wundheilmittel [1, 3].

Ob nun bei Sonnenbrand, Schürfwunden, zur Pflege trockener Haut, bei Magen-Darm-Verstimmungen oder als Stimmungsaufheller – das Johanniskraut ist ein wahrer Tausendsassa. Jedoch unterliegen die Wirkstoffe im selbstgesammelten Kraut (im Gegensatz zu z.B. Pflanzen aus kontrolliert, ökologischem Anbau) gewissen Schwankungen [3]. Dennoch sollte man sich das Vergnügen des eigenen Sammelns nicht entgehen lassen, kann doch dadurch die Hausapotheke wertvoll ergänzt werden.

Zur Therapie leichter bis mittelschwerer Depressionen sind allerdings nur standardisierte (d. h. auf einen immer gleichen Wirkstoffgehalt eingestellte) Trockenextrakte geeignet. Diese bekommt man in Kapselform in der Apotheke, empfohlen wird die tägliche Einnahme von 900 mg Gesamtextrakt. Mehr zur Wirksamkeit und Produkttipps hier.

Tipps zum Sammeln

In Deutschland gibt es viele Johanniskraut-Arten. Doch nur das Echte Johanniskraut, auch Tüpfel-Johanniskraut oder Tüpfel-Hartheu genannt, (Hypericum perforatum L.) hat aufgrund der Zusammensetzung und dem Gehalt an Wirkstoffen (v.a. Hypericin) eine heilkräftige Wirkung [1, 2, 3, 4]. 

Blatt des Tüpfel-Johanniskrauts, Hypericum perforatum

© Michael Gasperl - wikipedia


Der deutsche Artname "Tüpfel" und der lateinische Name "perforatum" weisen auf die vielen durchscheinenden Öldrüsen in den Laubblättern hin. Das Blatt sieht durch die vielen Öldrüsen aus wie perforiert, also durchlöchert. Häufig wird das Echte Johanniskraut mit dem Gefleckten Johanniskraut verwechselt, was aber nur sehr wenige Öldrüsen in den Blättern aufweist.

Am häufigsten wird das Echte Johanniskraut mit dem Gefleckten Johanniskraut (Hypericum maculátum CR.) verwechselt, welches z.B. kein Hypericin enthält und keine Heilwirkung hat. Dabei ist die Unterscheidung ganz einfach: Das Echte Johanniskraut hat einen 2-kantigen Stängel (bei dem man eindeutig die zwei erhabenen Längsleisten spüren kann) und asymmetrische Kronblätter, die nur an einer Seite gezähnt sind. Das Gefleckte Johanniskraut dagegen weist einen 4-kantigen Stängel und symmetrische Kronblätter auf [4].

Die Bedeutung des 24. Juni

Vielerorts hat sich die Überzeugung gehalten, dass Johanniskraut am 24. Juni (Johannitag, Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers) voll erblüht und auch am heilkräftigsten ist, wenn es an diesem Tag gesammelt wurde. Diese Annahme geht wahrscheinlich unter anderem darauf zurück, dass drei Tage zuvor die Sommersonnenwende stattfindet. Am 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, steht die Sonne an ihrem höchsten Punkt am Himmel und hat folglich auch am meisten Kraft. Und da das Johanniskraut schon seit Paracelsus‘ Zeiten als reine Sonnenpflanze gilt, die ihre Kraft durch die Sonne erhielt, war es in früheren Zeiten selbstverständlich, dass die Heilwirkung des Johanniskraut an diesem Tag ebenfalls am höchsten war.

In der Realität sieht es jedoch so aus, dass Johanniskraut – je nach vorherrschenden Wetterbedingungen – bereits schon vor dem 24. Juni oder auch erst danach in voller Blüte steht. Daher ist die beste Zeit, um sämtliche Blütenstände als auch Blätter vom Johanniskraut zu sammeln, von Mitte Juni bis Ende August [1]. Für das Rotöl wird das blühende Kraut benötigt, d.h. sowohl Knospen, Blüten, Früchte als auch Blätter. Für Teemischungen werden nur die Blüten verwendet [1, 2].

Nur zur Mittagszeit sammeln?

Auch die häufig vertretene Meinung, dass Johanniskraut – und hier vor allem die Blüten – zur Mittagszeit gesammelt werden sollte, wenn also die Sonne am höchsten steht, ist nicht mehr haltbar: Untersuchungen haben ergeben, dass der Gehalt der Inhaltsstoffe nur zu maximal 20 % von der Sonneneinstrahlung beeinflusst wird [3]. Das bedeutet, dass sehr viele weitere Faktoren, u.a. auch Standortbedingungen und Bodenbeschaffenheit, Einfluss auf den Gehalt der Inhaltstoffe haben.

Daher raten wir, dass jeder an dem Tag und zu der Tageszeit sammeln sollte, die für ihn persönlich am besten ist – d.h. unter Berücksichtigung der Arbeitszeiten, des eigenen Biorhythmus etc. Nach Ansicht der Autorin ist es mit am Wichtigsten, vor allem da man vorhat seine gesammelten Pflanzen (in welcher Form auch immer) zu konservieren, dass man mit diesem Sammelgut schöne Erinnerungen verbindet – zum Beispiel an einen schönen, entspannten Spaziergang an einem sonnigen, warmen Tag mit seinen Liebsten…

Hausmittel

Wie bereits erwähnt haben Untersuchungen ergeben, dass der Wirkstoffgehalt bei Selbststammlungen (im Gegensatz zu gekauften Drogen aus zuverlässigem Anbau) variieren kann [3]. Dennoch stellen wir drei Rezepte vor, die als Hausmittel sehr zu empfehlen sind und auch ganz einfach selbst hergestellt werden können.

Das bekannteste Johanniskrauterzeugnis: Rotöl

Vor allem bei leichtem Sonnenbrand, Schürfwunden oder einfach nur zur Pflege trockener Haut sollte dieses Öl in jeder Hausapotheke vorhanden sein. Die Herstellung ist ganz einfach, auch wenn man etwas Geduld mitbringen muss:

Blühendes Kraut (d.h. sowohl Knospen, Blüten, Früchte als auch Blätter) in ein Glasgefäß füllen, leicht anquetschen, z.B. mittels eines Mörsers und mit Olivenöl oder Sonnenblumenöl übergießen bis alle Pflanzenteile bedeckt sind. Durch das Anquetschen werden die Zellwände zerstört und der rote Farbstoff kann in das Öl übertreten. Das so gefüllte Gefäß wird nun verschlossen und für 6 bis 8 Wochen in die Sonne gestellt. Täglich schütteln. Man kann im Prinzip zusehen, wie das Öl von Tag zu Tag einen rötlicheren Ton annimmt. Nach dieser Zeit abseihen und das Rotöl in dunklen Flaschen aufbewahren. Es ist ein Jahr haltbar.

Rotöl herstellen: So geht's

© Heike Rau - Fotolia.com

Blühendes Kraut (d.h. sowohl Knospen, Blüten, Früchte als auch Blätter) in ein Glasgefäß füllen, leicht anquetschen, z.B. mittels eines Mörsers und mit Olivenöl oder Sonnenblumenöl übergießen bis alle Pflanzenteile bedeckt sind. Durch das Anquetschen werden die Zellwände zerstört und der rote Farbstoff kann in das Öl übertreten. Das so gefüllte Gefäß wird nun verschlossen und für 6 bis 8 Wochen in die Sonne gestellt. Täglich schütteln. Man kann im Prinzip zusehen, wie das Öl von Tag zu Tag einen rötlicheren Ton annimmt. Nach dieser Zeit abseihen und das Rotöl in dunklen Flaschen aufbewahren. Es ist ein Jahr haltbar.

Tee für ein sonniges Gemüt

Vor allem an trüben, dunklen Wintertagen ist solch ein wärmender und durch die vielen Blüten an den Sommer erinnernder Tee eine Wohltat. Eine tatsächliche stimmungsaufhellende Wirkung ist jedoch nicht erwiesen – zumindest nicht durch die Inhaltsstoffe. Wohl aber zaubern die Erinnerungen an Sammlung und Verarbeitung einem bei jedem Schluck ein Lächeln auf die Lippen. Für diese Teemischung benötigt man zu gleichen Teilen die folgenden getrockneten Pflanzen:

Von dieser Mischung ca. 1 TL mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser aufgießen, 10 Minuten ziehen lassen, danach abseihen und – im Winter am besten gut eingekuschelt unter einer warmen Decke – genießen.

Aus Großmutters Zeiten: Schlaf-Wohl-Kissen

Auch wenn Johanniskraut fast keinen Geruch verströmt, können die leuchtend gelben Blüten zu einem besseren Schlaf beitragen. Und zwar wie folgt:

  • Baumwollhülle – je nach Wunsch 10 x 10 cm oder 15 x 15 cm
  • 150 g getrocknete Kräuter, z.B. Johanniskrautblüten, Melissenblätter, Lavendelblüten, Honigkleeblüten, Rosenblüten

Die getrockneten Kräuter zu gleichen Teilen in die Baumwollhülle geben und die Hülle verschließen. Dieses Kissen, in der Nacht neben dem Kopfkissen oder auch auf dem Nachttisch platziert, hilft sowohl durch seinen zitronig-süsslichen Duft als auch durch die schönen Erinnerungen an die Sammlung dieser Pflanzen zu einem besseren Schlaf.

Quellen

[1] Bühring U. (2005): Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Sonntag-Verlag, Stuttgart

[2] Fischer-Rizzi, S. (2008): Medizin der Erde, AT-Verlag, Baden und München

[3] Schilcher H., Kammerer S., Wegener T. (2010): Leitfaden Phytotherapie, Elsevier / Urban & Fischer, München

[4] Seybold, S. (2011): Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und der angrenzenden Länder, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim