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Kamille

Kamille hat einen hohlen Blütenboden, 10 bis 15 weiße Zungenblüten und goldgelbe Röhrenblüten.

Alleskönner Kamille

Kamille gehört zu den wertvollsten Heilpflanzen, da sie eine unglaubliche Vielfalt an Anwendungsmöglichkeiten bietet. Sie hilft bei Entzündungen von Haut und Schleimhaut, bei Magen-Darm-Krämpfen oder auch bei Halsschmerzen.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Kamille kompakt: Die wichtigsten Fakten

Die Echte Kamille (Matricaria recutita (L.) R = M. chamomilla L.) aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) gehört bei uns zu den beliebtesten und damit auch am häufigsten verwendeten Heilpflanzen in der Naturheilkunde. Wegen ihrer entzündungshemmenden, antibakteriellen und heilungsfördernden Eigenschaften wird sie bei Haut- und Schleimhauterkrankungen häufig eingesetzt. Auch bei Magen-Darm-Beschwerden lindert und beruhigt das Öl aus den Kamillenblüten die Krämpfe.

Kamille enthält unter anderem ätherische Öle, Flavonoide und Polysaccharide. Es ist sowohl eine äußerliche als auch innerliche Anwendung der Kamille möglich. Gängige Präparate gibt es in Form von Flüssigextrakten, Salben, Bade- und Inhalationszusätzen. Auch Öle sind sehr beliebt.

Kamille ist sehr gut verträglich und Nebenwirkungen sind bei Pflanzenzubereitungen mit guter Qualität sehr selten. Die Kamille ist wegen der Breite ihres möglichen Einsatzes, ihrer guten Heilwirkung und des guten Nutzen-Risiko-Verhältnisses eine der wertvollsten Heilpflanzen.

Wie gut hilft Kamille?

Auch wenn vorerst nur wenige klinische Studien vorliegen, haben die Labor- und Tierversuche, vor allem aber die Erfahrungswerte überzeugt. Die Wirksamkeit der Kamille ist bei vielen verschiedenen Erkrankungen anerkannt. Die Kommission E zählt dazu die äußere Anwendung bei Haut- und Schleimhautentzündungen, Mund- und Rachenentzündungen sowie Erkrankungen im Anal-und Genitalbereich. Bei der inneren Anwendung lindert die Kamille erfahrungsgemäß Krämpfe im Magen-Darmbereich sowie entzündliche Erkrankungen der Schleimhaut. Als wirksam angesehen wird daneben die Inhalationen bei Erkrankungen und Reizzuständen der Luftwege, auch wenn hier objektive Daten fehlen.

Sinnvoll eingesetzt werden kann die Kamille nach Erfahrungswerten daneben innerlich bei Durchfall und äußerlich bei trockener Haut, Candida-Infektionen und Menstruationsbeschwerden (Sitzbäder).

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit

Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde

Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial

Heilwirkung von Kamille

Magen-Darm-Beschwerden

Das Öl der Kamillenblüten wirkt krampflösend auf die Darmmuskulatur und hilft gegen kolikartige Bauchschmerzen. Kamille hemmt die Magensäuresekretion und erleichtert das Abheilen von Magengeschwüren. Mitverantwortlich sind auch die entzündungshemmenden Eigenschaften der Terpene (wie Bisabolol) und Flavonoide (Apigenin). In der Homöopathie wird Kamille in hohen Verdünnungen auch gegen Erbrechen und Durchfall eingesetzt.

Beruhigende Wirkung

An Mäusen, Ratten und am Menschen konnte man eine beruhigende und angstlösende Wirkung von Kamille nachweisen. Einige Inhaltsstoffen (z.B. Apigenin) binden im Gehirn an denselben Rezeptor wie viele andere synthetische Beruhigungsmittel (Benzodiazepin-Rezeptor). Kamillenextrakte enthalten außerdem den Neurotransmitter GABA (γ-Aminobuttersäure), der eine Schlüsselrolle bei Stress und Angstreaktionen einnimmt und zentral dämpfend wirkt. Die beruhigende Eigenschaft ist in der Volksmedizin längst bekannt und Kamillentee wird zur Entspannung und zum Schlafen getrunken.

Eine neue Studie aus dem Jahr 2017 bestätigt die schlaffördernde Wirkung bei älteren Menschen. Sie hatten 2 Mal täglich eine Kapsel mit 400 mg Kamillenextrakt erhalten. Nach vier Wochen war die Schlafqualität der Senioren deutlich besser als in der Kontrollgruppe mit Placebo.

Kamille hilft bei Frauenleiden aller Art

Durch die krampflösende und schmerzlindernde Wirkung bessert das Heilkraut Menstruationsbeschwerden. Antibakteriell und entzündungshemmend wirkende Sitzbäder oder Spülungen helfen, das Scheidenmilieu zu normalisieren. Kamille ist auch zur Nachsorge im Wochenbett geeignet, zur Pflege der Brustdrüse in der Stillzeit sowie zur Säuglingspflege.

Fördert die Wundheilung und hilft bei Infektionen

Aus der Kamille wurden mehrere Verbindungen isoliert, welche die Wundheilung beschleunigen. Die Schleimstoffe wirken vor allem auf den Schleimhäuten und am Zahnfleisch entzündungshemmend und reizlindernd. Daneben hemmen Kamillen-Inhaltsstoffe das Wachstum von Bakterien und Pilzen und vermindern die Wundinfektion. Ebenso wird das Immunsystem stimuliert. Ein wässrig/alkoholischer Auszug aus Kamillenblüten reduziert die entzündlichen Schwellungen im Gewebe (Ödemhemmung).

Kamillenhaltige Salben/Cremes eignen sich daher bestens zur Behandlung strapazierter Haut. Behandelt werden geschlossene Hautreizungen sowie bereits verschorfte Wunden. Bei offenen Wunden trägt man die Salbe nur auf die Wundränder auf. Fetthaltige Cremes sollen nicht in größere, offene Hautwunden gelangen.

Was die Kamille sonst noch kann

Bei äußerlicher Anwendung wirken die Inhaltsstoffe der Kamille nicht nur an der Oberfläche, sie können auch in tiefere Hautschichten eindringen. Ebenso verstärkt der Inhaltsstoff Bisabolol die Aufnahme anderer Arzneistoffe. Kamille hat auch eine geruchsmindernde Eigenschaft und eignet sich daher gut zur Körperpflege.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Am besten wirksam sind Flüssigextrakte aus Kamillenblüten sowie konzentrierte Lösungen, die auf Inhaltsstoffe eingestellt wurden (ätherisches Öl oder Apigenin-7-glucosid). Daneben gibt es Puder mit 10 % Trockenextrakt, Badezusätze, Tropfen und Salben.

Kamillenprodukte werden wegen ihrer entzündungshemmenden, duftenden und deodorierenden Eigenschaften in vielen Haupflegeartikeln, Waschlösungen und Schminkartikeln zugesetzt. Es konnte nachgewiesen werden, dass Kamille positiv auf den Hautstoffwechsel wirkt.

Hausmittel

Innerliche Anwendung als Tee:

  • Bei Magen-Darmbeschwerden: 3 g Kamillenblüten (1 Esslöffel oder 2 Teelöffel) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Etwa 3 - 4 mal täglich zwischen den Mahlzeiten schluckweise und ungezuckert eine frisch zubereitete Tasse trinken.
  • Bei krampfartigen Bauchschmerzen mit Blähungen: Bewährt haben sich dabei Teemischungen mit Kümmel-, Fenchel-, Anissamen oder Pfefferminze. Die Samen werden erst in einem Mörser zerquetscht, damit sich die ätherischen Öle freisetzen. Man nimmt 1 Teelöffel Samen und 1 Teelöffel Kamillenblüten. Mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen. Alternativ: Kamillenöl haltige Präparate und Fluid- und Trockenextrakte.
  • Bei Reizmagen oder Magenschleimhautentzündung mischt man bei: Pfefferminzblätter, Melissenblätter und Kalmuswurzelstock. Etwa 1 EL der Teemischung mit 150 ml kochendem Wasser aufbrühen. Nach 5-10 Minuten Zugzeit abseihen und je nach Bedarf 3-5 Tassen pro Tag trinken.
  • Bei Magenschleimhautentzündung, Magen-, Zwölffingerdarmgeschwüroder Reizmagen behandelt man mit einer Kamillenrollkur: Sie brauchen 15 g Kamillenblüten, eine Kamillentinktur, 1 Liter heißes Wasser und eine Thermoskanne. Zunächst einen Kamillentee herstellen (1Liter heißes Wasser 5-10 Minuten Zugzeit) und die Tinktur zugeben. In die Thermoskanne abfüllen und tagsüber trinken. Morgens beginnt man mit einer Rollkur. Dazu trinkt man zwei Tassen Tee auf nüchternen (!) Magen. Dann legt man sich nieder und bleibt 10 Minuten auf dem Rücken liegen. Danach dreht man sich 10 Minuten zur Seite und verfährt so in alle Richtungen. Damit kann der Tee die Magenwand optimal benetzen. Zur Entspannung legt man sich danach nochmals für etwa 30 Minuten ins Bett. Die intensive Wärme eines Leibwickels verstärkt die Wirkung nochmals. Besonders wirksam ist eine ein- bis zweiwöchige Kuranwendung.
  • Bei Sodbrennen und Gastritis verstärkt man die Wirkung der Kamille zusätzlich mit Leinsamenschleim. Dazu lässt man 2-3 Esslöffel Leinsamen über Nacht in 250ml Wasser quellen. Am Morgen wird die schleimige Lösung kurz aufgekocht und anschließend die Samenschalten über einem Leintuch abgefiltert. Den ganzen Tag über schluckweise trinken.

Sollten sich die Beschwerden nicht bessern, ziehen Sie einen Arzt zu Rate.

Äußerliche Anwendung:

  • zum Gurgeln, Spülen: 3-10 g Kamillenblüten mit 100 ml kochendem Wasser aufgießen und 10 Minuten ziehen lassen. Danach die Blüten abseihen. Den Tee etwas abkühlen lassen und möglichst warm zum Gurgeln verwenden. Mehrmals täglich für einige Minuten Gurgeln. Man kann auch den Tee durch eine verdünnte Tinktur oder Extrakt verstärken!
  • für Umschläge: Dazu nimmt man die obige Zubereitung, tränkt einen Waschlappen oder ein reißfestes Zellstoffpapier mit dem Tee und legt es noch lauwarm auf die Haut. Man kann die Stelle mit einem Handtuch oder mit Frischhalte-Folie abdecken. Höhere Wirkstoffmengen erreicht man mit standardisierten alkoholischen Kamillenauszügen, in Cremes und Salben.
  • zum Inhalieren und für Gesichtsdampfbäder: ätherisches Kamillenöl oder alkoholische Kamillenextrakte mit heißem Wasser übergießen und bei Nebenhöhlenentzündung die feuchten Dämpfe inhalieren. Um die Wärme einzufangen, empfiehlt es sich bei der Inhalation die Schüssel und den Kopf mit einem Handtuch abzudecken. Vorsicht herantasten, Dämpfe werden schnell zu heiß auf der Haut!
  • als Badezusatz: für ein Kamillenbad benötigt man 50 g Blüten auf 10 Liter Wasser; Sie werden als Tee in einer kleinen Menge Wasser zubereitet (z.B. ½ l) und dann im Badewasser verdünnt. Einfacher bei den großen Volumina ist die Verwendung von Kamillen - Konzentraten.

Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte ein Arzt konsultiert werden.

Wirkstoffe

  • Ätherisches Öl (0,3 bis 1,5%): Sesquiterpene sind wesentlicher Bestandteil des Kamillenöls: Bisabolol, Bisabololoxid A, B, C, Bisabolonoxid, trans-β-Farnesen. Polyine: Öle können bis zu 25% chemisch reaktive Spiroether (En-In-Dicycloether) enthalten. Dies sind labile Substanzen und daher in technisch gewonnenem Öl nicht oder nur in Spuren enthalten.
  • Cumarine: Umbelliferon, Herniarin
  • Flavonoide: Für die Kamillenwirkung sind Flavonoid- und -monoglykoside, acetylierte Flavonmonoglykoside und ihre Aglyka von Bedeutung (0,5% Apigenin-7-glucosid).
  • Flavone: Apigenin
  • Polysaccharide: Die Schleimstoffe (verschiedene Zuckerverbindungen; Polysaccharide) sind in den Kamillenblüten lokalisiert.

Das Chamazulen entsteht erst bei der Wasserdampfdestillation aus der farblosen Vorstufe Matricin. Das Öl ist daher blau bis blaugrün gefärbt.