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Kamille

© C. Heyer/PhytoDoc

Alleskönner Kamille

Kamille gehört zu den wertvollsten Heilpflanzen. Sie hilft bei Entzündungen von Haut und Schleimhaut und bei Magen-Darm-Krämpfen.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Kamille wirkt entzündungshemmend, heilungsfördernd und antibakteriell

Die Kamille (Matricaria recutita) gehört zu den beliebtesten und damit auch am häufigsten verwendeten Heilpflanzen. Wegen ihrer beruhigenden und heilungsfördernden Eigenschaften wird sie bei Hauterkrankungen und Infektionen eingesetzt. Bei Magen-Darm-Beschwerden wirkt das Öl der Kamillenblüten beruhigend und krampflösend. Auch im Mund-Rachenbereich, bei Entzündungen der Schleimhaut bzw. Infekten der oberen Atemwege schafft Kamille anhand ihrer entzündungshemmenden und antibakteriellen Wirkung Abhilfe. Kamille enthält unter anderem ätherische Öle, Flavonoide und Polysaccharide. Es ist sowohl eine äußerliche als auch innerliche Anwendung der Kamille möglich, je nach Beschwerde. Gängige Präparate gibt es in Form von Flüssigextrakten, Salben, Bade- und Inhalationszusätzen. Auch Öle sind sehr beliebt

Wogegen hilft Kamille?

Kamillenextrakte weisen eine ausgeprägte entzündungshemmende Wirkung auf. Sie können äußerlich und innerlich mit gutem Erfolg bei Entzündungen von Haut und Schleimhaut - wie Mund, Darm und Genitalbereich - eingesetzt werden. Auch bei milderen Magen-/Darmbeschwerden wie Krämpfen und Blähungen ist Kamille nützlich. Eine beruhigende Wirkung wurde ebenfalls nachgewiesen.

Kamille ist sehr gut verträglich und Nebenwirkungen sind bei Pflanzenzubereitungen mit guter Qualität sehr selten. Die Kamille ist wegen der Breite ihres möglichen Einsatzes, ihrer guten Wirkung und des guten Nutzen-Risiko-Verhältnisses eine der wertvollsten Heilpflanzen.

Heilwirkung von Kamille

Magen-Darm-Beschwerden

Das Öl der Kamillenblüten wirkt krampflösend auf die Darmmuskulatur und hilft gegen kolikartige Bauchschmerzen. Kamille hemmt die Magensäuresekretion und erleichtert das Abheilen von Magengeschwüren. In der Homöopathie wird Kamille in hohen Verdünnungen auch gegen Erbrechen und Durchfall eingesetzt. Auch die entzündungshemmenden Eigenschaften der sogenannten Terpene kommen bei dieser Anwendung zum Tragen.

Beruhigende Wirkung

An Mäusen, Ratten und am Menschen konnte man eine beruhigende und angstlösende Wirkung von Kamille nachweisen. Einige Inhaltsstoffen (z.B. Apigenin) binden im Gehirn an denselben Rezeptor wie viele andere synthetische Beruhigungsmittel (Benzodiazepin-Rezeptor). Kamillenextrakte enthalten außerdem den Neurotransmitter GABA (γ-Aminobuttersäure), der eine Schlüsselrolle bei Stress und Angstreaktionen einnimmt und zentral dämpfend wirkt. Die beruhigende Eigenschaft ist in der Volksmedizin längst bekannt und Kamillentee wird zur Entspannung und zum Schlafen getrunken.

Kamille hilft bei Frauenleiden aller Art

Durch die krampflösende und schmerzlindernde Wirkung bessert Kamille Menstruationsbeschwerden. Antibakteriell und entzündungshemmend wirkende Sitzbäder oder Spülungen helfen, das Scheidenmilieu zu normalisieren. Kamille ist auch zur Nachsorge im Wochenbett geeignet, zur Pflege der Brustdrüse in der Stillzeit sowie zur Säuglingspflege.

Fördert die Wundheilung und hilft bei Infektionen

Aus der Kamille wurden mehrere Verbindungen isoliert, welche die Wundheilung beschleunigen. Die Schleimstoffe wirken vor allem auf den Schleimhäuten entzündungshemmend und reizmildernd. Daneben hemmen Kamilleninhaltsstoffe das Wachstum von Bakterien und Pilzen und vermindern die Wundinfektion. Ebenso wird das Immunsystem stimuliert. Ein wässrig/alkoholischer Auszug aus Kamillenblüten reduziert die Wasseransammlung im Gewebe (Ödemhemmung).

Was die Kamille sonst noch kann

Bei äußerlicher Anwendung wirken die Inhaltsstoffe der Kamille nicht nur an der Oberfläche, sie können auch in tiefere Hautschichten eindringen. Ebenso verstärkt der Inhaltsstoff Bisabolol die Aufnahme anderer Arzneistoffe. Kamille hat auch eine geruchsmindernde Eigenschaft und eignet sich daher gut zur Körperpflege.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Erkrankungen und Entzündungen im Anal-/Genitalbereich (Sitzbäder)
  • Haut- und Schleimhauterkrankungen (incl. Mundhöhle und Zahnfleisch),
  • bakterielle Hauterkrankungen (Akne vulgaris, Dermatitis, Ekzeme, Furunkel, Entzündungen und Wunden allgemein): Förderung der Heilung
  • Luftwege, entzündliche Erkrankungen und Reizzustände der
  • Magen-Darmkrämpfe
  • Magen-Darmtrakt, Entzündungen

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Darmerkrankungen, chronisch entzündliche (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
  • Durchfall
  • Hautverletzungen, oberflächliche
  • Insektenbisse
  • Körpergeruch: geruchneutralisierend
  • Leichte Magen-Darmbeschwerden: Dyspepsie, Darmgeräusche, Blähungen
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
  • Menstruationsbeschwerden, Dysmenorrhö
  • Neurodermitis
  • Pflege der Brustdrüse in der Schwangerschaft und Stillzeit, Brustdrüsenentzündung
  • Pilzinfektionen durch Candida (im Mund und Genitalbereich)
  • Säuglingspflege
  • Sebostase, trockene Haut
  • Schutz vor Magen-/Zwölffingerdarmgeschwüren und Übersäuerung des Magens
  • Stress: nervöse Verdauungsbeschwerden
  • Unruhe, leichte, Schlafstörungen: beruhigend
  • Ulcus cruris, Decubitus,
  • Verletzungen, Operationswunden, Dermabrasio

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Fibromyalgie
  • Heuschnupfen (Inhalation)

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Am besten wirksam sind Flüssigextrakte aus Kamillenblüten sowie konzentrierte Lösungen, die auf Inhaltsstoffe eingestellt wurden (ätherisches Öl oder Apigenin-7-glucosid). Daneben gibt es Puder mit 10% Trockenextrakt, Badezusätze, Tropfen und Salben.

Kamillenprodukte werden wegen ihrer entzündungshemmenden, duftenden und deodorierenden Eigenschaften in vielen Haupflegeartikeln, Waschlösungen und Schminkartikeln zugesetzt. Es konnte nachgewiesen werden, dass Kamille positiv auf den Hautstoffwechsel wirkt.

Hausmittel

Innerliche Anwendung als Tee

Bei Magen-Darmbeschwerden: 3 g Kamillenblüten (1 Esslöffel) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. 3 - 4 mal täglich zwischen den Mahlzeiten eine frisch zubereitete Tasse trinken.

Äußerliche Anwendung:

  • zum Gurgeln, Spülen oder für Umschläge: 3-10 g Kamillenblüten mit 100 ml kochendem Wasser zubereiten.
  • zum Inhalieren: ätherisches Kamillenöl mit heißem Wasser übergießen und die feuchten Dämpfe inhalieren. Um die Wärme einzufangen, empfiehlt es sich die Schüssel und den Kopf mit einem Handtuch abzudecken.
  • als Badezusatz: für 10 l benötigt man 50 g Blüten; diese werden als Tee in einer kleinen Menge Wasser zubereitet (z.B. ½ l) und dann im Badewasser verdünnt. Einfacher ist die Verwendung von Kamillenkonzentraten.

Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte ein Arzt konsultiert werden.

Wirkstoffe

Ätherisches Öl (0,3 bis 1,5%): Sesquiterpene sind wesentlicher Bestandteil des Kamillenöls: Bisabolol, Bisabololoxid A, B, C, Bisabolonoxid, trans-β-Farnesen. Das Chamazulen entsteht erst bei der Wasserdampfdestillation aus der farblosen Vorstufe Matricin. Das Öl ist daher blau bis blaugrün gefärbt.

Polyine: Öle können bis zu 25% chemisch reaktive Spiroether (En-In-Dicycloether) enthalten. Dies sind labile Substanzen und daher in technisch gewonnenem Öl nicht oder nur in Spuren enthalten.

Flavonoide: Für die Kamillenwirkung sind Flavonoid- und -monoglykoside, acetylierte Flavonmonoglykoside und ihre Aglyka von Bedeutung (0,5% Apigenin-7-glucosid).

Polysaccharide: Die Schleimstoffe (verschiedene Zuckerverbindungen; Polysaccharide) sind in den Kamillenblüten lokalisiert.