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Koriander

© stock.xchng/salsachica

Koriander: Die Petersilie Asiens

Beliebtes Gewürz – mit blähungslindernder und antimikrobieller Heilwirkung.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Wogegen hilft Koriander?

Mit Koriander clever würzen

Koriander ist eine alte Kulturpflanze und wird weltweit als Gewürz verwendet. Er besitzt dokumentierte krampflösende, blähungslindernde und antimikrobielle Eigenschaften, wie dies für eine Pflanze mit ätherischen Ölen zu erwarten ist. Als Würze trägt der Koriander so zur Bekömmlichkeit der Speisen bei.

Bis auf zahlreiche Labor- und Tierversuche aus Asien fehlen jedoch klinische Prüfungen, welche die Eigenschaften des Korianders wissenschaftich fundieren. Die Kommission E hat die positive Wirkung auf die Verdauung im Jahr 1986 voll anerkannt. Heute dürfte das Urteil vermutlich etwas umfangreicher ausfallen, denn Koriander wird erst seit dem Jahr 2000 lebhaft beforscht. Hinzuzufügen wären dem Profil noch weitere positive Effekte: Koriander dürfte auch schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Mehrere Versuche zeigen, dass die Pflanze den Stoffwechsel beeinflusst und vor Organschäden (Leber, Herz, Haut, Magen, Darm) schützt. Außerdem ist Koriander ein Geheimtipp gegen Gerüche: Das Kauen von Korianderfrüchten vertreibt zum Beispiel Mundgeruch.

Heilwirkung von Koriander

Krampflösend bei Verdauungsbeschwerden

Die Früchte werden traditionell gegen Verdauungsschwächen mit dyspeptischen Oberbauchbeschwerden, Völlegefühl und Appetitlosigkeit empfohlen. Sie sind leicht krampflösend, blähungstreibend und verdauungsfördernd.

Als Bestandteil von Abführmitteln soll Koriander krampfartige Magen-Darm-Störungen lindern, denn viele dieser Mittel begünstigen Koliken. Auch gegen Reizdarm ist eine Koriander-Kräuterteemischung (Pfefferminze, Melisse, Koriander) in Kombination mit Flohsamen offensichtlich eine nützliche Behandlung, so eine Pilot-Studie. Ebenso dürften entzündliche Darmerkrankungen darauf ansprechen. Größere klinische Studien müssen folgen.

Antibiotisch

Die ätherischen Öle des Korianders wirken gegen Bakterien und Pilze. Besonders gut wirkt das Aceton- und Etherextrakt der Früchte sowie das ätherische Öl. Es macht durchaus Sinn, dass die Früchte seit der Antike äußerlich zur Behandlung von Wunden und Verbrennungen verwendet werden. Auch bei der Verwendung gegen Verdauungsbeschwerden, Blaseninfektionen und als Spülung bei Augenleiden dürfte die antibiotische Eigenschaft zu Buche schlagen.

Antibiotische Eigenschaften zeigen sich je nach Bakterium bereits bei 0,04% bis 0,25%igem ätherischem Öl, Wirkungen gegen den Hefepilz Candida bei 0,05 bis 0,4%. Konzentrierte ätherische Öle sind zwar reizend, Tests an Freiwilligen zeigten aber eine gute Verträglichkeit: Selbst bei 1%-igen Lösungen hat man keine Rötungen oder Hautreizungen festgestellt.

Schmerzen

Als Reizmittel („Counterirritans“) wird das ätherische Öl des Korianders bei schmerzenden Gelenken, Rheuma und Menstruationsstörungen eingesetzt. In Indien streicht man bei Kopfschmerzen eine Koriandersamenpaste auf die Stirn. Eine Variante ist die Tinktur mit 45%-igem Alkohol, die Pflanze wird darin für 3 Wochen eingelegt. Das Einreiben soll schmerzende Rheumagelenke, Verspannungen und Muskelkater besänftigen.

Überprüft ist diese traditionelle Anwendung nur im Tierversuch: So konnte der Koriandersamenextrakt mit einer deutlichen Abschwellung der betroffenen Gelenke punkten. Der Extrakt von Samen und Blättern ist nachweislich entzündungshemmend. Auch bei Verspannungsschmerzen könnte Koriander hilfreich sein: der Tierversuch zeigt einen muskelentspannenden Effekt.

Stoffwechsel: antioxidativ und schützend

Im experimentellen Tiermodell für Leberschäden hielt die Fütterung mit Koriandersamen oder -blättern die Entwicklung eines Leberschadens auf. Die Blätter waren dabei deutlich wirksamer als die Samen. Darüber hinaus waren Versuchstiere vor Bleieinlagerungen in den Knochen und Nierenschäden geschützt. Der Markt hat bereits mit Präparaten zur Ausleitung von Schadstoffen reagiert. Klinische Studien fehlen aber.

Des Weiteren schützte ein Extrakt (aus den Samen der Pflanze) Versuchstiere vor einem experimentell ausgelösten Herzschaden sowie Magengeschwüren. Verantwortlich sind die antioxidativen Eigenschaften der Polyphenole im Koriander.

Im Diabetes-Modell war der zuckersenkende Effekt des Korianderextrakts zu vermerken und die Bauchspeicheldrüse der Tiere produzierte mehr Insulin. Begleitend dazu fielen auch die Blutfette und der oxidative Schaden im Stoffwechsel. Ebenfalls gibt es Anhaltspunkte für eine blutdrucksenkende Eigenschaft . Bei übergewichtigen und diabetischen Ratten verminderte der Koriandersamenextrakt so die Risikoparameter für Herz- und Gefäßerkrankungen. In Indien ist diese Tatsache seit langem bekannt und Koriander ein Bestandteil von Heilpflanzenmischungen gegen Diabetes.

Kosmetik und Hautpflege

Übrigens: auch die Haut soll durch den antioxidativen Extrakt vor Schäden und Alterung bewahrt werden. Im Laborversuch lindert Korianderöl (0,5%) Sonnenbrand, wenn es nachträglich aufgetragen wird. In der Wirksamkeit lag es aber deutlich hinter einem kommerziellen kortisonhaltigen Präparat. Zu beachten ist, dass man die Haut nach der Korianderölbehandlung nicht Licht aussetzen sollte.

Daneben ist der Blattextrakt desodorierend - er beseitigt also unangenehme Gerüche. Koriander ist daher ein Bestandteil von Mundwässern sowie Hautpflegeartikeln. Korianderöl trägt zu deren Haltbarkeit bei und ist darüber hinaus ein natürlicher Duftstoff.

Sonstiges

Das ätherische Öl des Korianders soll gegen Würmer helfen, Insekten vertreiben und die Larven von Stechmücken abtöten. Außerdem schützt es Saatgut vor dem Befall von Pilzen, wie Laborversuche belegen konnten.

In der Aromatherapie gilt das Korianderöl als erotisierend, angstlösend und stärkend. Zumindest bei Mäusen reduziert der gespritzte wässrige Extrakt die Angstreaktion. Weiter schreibt man dem Korianderöl eine Gedächtnisstärkung zu. Auch dafür gibt es Belege: Die Versuchstiere zeigten eine schnellere Lernreaktion.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • dyspeptische Beschwerden (Verdauungsbeschwerden, Blähungen, leichte Magen-Darmkrämpfe), Appetitlosigkeit

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Mundgeruch
  • Reizdarm, entzündliche Darmerkrankungen

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Augenleiden (lokal als Aufguss für Spülungen)
  • Blasenleiden (diuretisch, antibiotisch)
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Gelbsucht
  • Hautinfektionen, Wunden
  • Husten, Fieber (Indien)
  • Mund- und Rachenleiden
  • Schmerzen, Muskelkater, Rheuma, Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Neuralgien
  • Stress, Angstzustände, Schlaflosigkeit

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Verfügbar ist Koriander meist als Tinktur, Extrakt sowie Teemischung und Kräuterbitter. Es dient u.a. der Anregung des Appetits und zur Bekämpfung von Magen-Darmbeschwerden.

Dosierung

Samen:

Etwa 3g getrocknete Früchte bzw. die entsprechende Menge Öl gelten als angemessene Tagesdosis.

Aufbewahrung

Vor Licht schützen. Wenn möglich nur ganze Früchte bei höchstens 25 °C trocken lagern. Pulver in aromadichte Behältnisse abfüllen.

Tee:

Zwei Teelöffel Korianderfrüchte vor Verwendung quetschen, mit etwa einer Tasse siedendem Wasser aufgießen, 10 bis 15 min abgedeckt ziehen lassen und abseien. Soweit nicht anders verordnet ist, wird mehrmals täglich eine Tasse des frisch aufgegossenen Tees empfohlen. Am Besten genießt man ihn zwischen den Mahlzeiten.

Tinktur:

10 bis 20 Tr. nach den Mahlzeiten einnehmen.

Wirkstoffe

Samen

ätherische Öle: etwa 1% des Trockengewichts der Früchte, Linalool als Hauptinhaltsstoff (60–70%), die Zusammensetzung variiert je nach Fruchtreife und Herkunft: Borneol, p-Cymol, Campher, Geraniol, Limonen und α-Pinen (etwa 3 bis 6%), sowie Spuren anderer Terpene, wie das Triterpen Coriandrinondiol

Cumarine: Scopoletin und Umbelliferon

Phenylpropanverbindungen

Phenolcarbonsäuren (gering): Kaffeesäure-, Ferulasäure- und Vanillinsäurederivate Chlorogensäure

Speicherstoffe: fettes Öl 13 bis 21%, Petroselinsäure (ca. 38%), Ölsäure (ca. 37%) und Linolensäure (ca. 14%)

Unreife Früchte und Blätter

Aldehyde: Decanal und Tricen-2-al

Cumarine: Furoisocumarine Coriandrin und Dihydrocoriandrin

Flavonoide (gering): 3-O-Glykoside von Quercetin und Kämpferol