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Lein

© C. Heyer/PhytoDoc

Heil- und Kulturpflanze Lein

Lein ist eine alte Heil- und Kulturpflanze und wurde vielseitig genutzt: die reifen, getrocknete Samen (Leinsamen, Lini semen), das Öl der Samen und die Fasern.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Ölfarbe, Leinwand, Heilpflanze – ein wahres Multitalent

Lein (Linum usitatissimum), vielen auch bekannt als Flachs, wird schon seit Jahrhunderten vielfältig verwendet. Flachs ist in ganz Westeuropa verbreitet. Mit dem Öl stellte man früher Ölfarben und Buchdruckerschwärze her. Den Stängel nutzte man, um Flachs zu produzieren, welches dann zur Herstellung von Stoff (Leinwand) diente. Zu Heilzwecken werden vor allem die Samen verwendet, zu diätischen Zwecken das Öl, denn enthält wertvolle mehrfach ungesättigte Wirkung. Angeboten werden ganze, gequetschte, geschrotete oder gemahlene Leinsamen sowie das Leinöl, das sehr empfindlich ist und daher dunkel und kühl gelagert werden sollte. Omega-3-Fettsäuren hemmen den entzündlichen Stoffwechsel und sind daher eine wichtige Bereicherung für den Speisezettel.

Wogegen hilft Lein?

Die therapeutische Anwendung der Samen am Menschen basiert vorwiegend auf langer Erfahrung. Die Kommission E hat die Anwendung bei Entzündungen im Darmbereich bei Abführmittel-geschädigtem Darm, bei Reizdarm, bei entzündeten Darm-Divertikeln (Divertikulitis), bei Magen- und Darmschleimhautentzündung sowie bei Verstopfung bestätigt.

Derzeit gibt es eine lebhafte Forschungstätigkeit über Leinsamen und -öl für zahlreiche Anwendungen (Bluthochdruck, Arteriosklerose, Hyperlipidämie, Herz/Kreislauferkrankungen, Krebs (Brust-, Darm-, Prostata), zyklisches Brustspannen, Menopausebeschwerden). Allerdings ist die Aussagekraft dieser ersten und vorläufigen Studien für eine sichere Empfehlung noch nicht ausreichend hoch, dennoch ist eine gewisse antientzündliche Wirkung der Omega-3-Fettsäuren nicht von der Hand zu weisen.

Achtung: Leinsamen dürfen nicht eingenommen werden, wenn eine organische Erkrankung Ursache der Verstopfung ist.

Heilwirkung von Lein

Die Schleimstoffe aus dem Leinsamen nehmen viel Wasser auf und quellen dadurch stark auf. Diese Volumenzunahme stimuliert die Darmbewegung und der Schleim macht den Stuhl zusätzlich geschmeidig. Der Schleim trägt zur Reizlinderung und auch zur Gleitverbesserung bei. Man nimmt außerdem an, dass sich der Schleim über die Oberfläche des Magens und Darms legt und besonders auf entzündete Bereiche schützend und reizlindernd wirkt.

Leinsamenöl enthält sehr viel Linolensäure, welche zu den lebenswichtigen Fettsäuren gehört. Ungesättigte Omega-3-Fettsäuren (Anteil etwa 50% in der Droge) haben darüber hinaus einen entzündungshemmenden Effekt durch seine Wirkung auf den Stoffwechsel von Entzündungsmediatoren (Arachidonsäurestoffwechsel). Bekannt ist dies auch von anderen Omega-3-Fettsäuren (wie in Leinöl, Rapsöl, Fisch, Perilla-Wurzel u. a). Geeignet ist eine Omega-3-Fettsäuren reiche Ernährung bei entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma. Die traditionelle Heilkunde setzt die Samen auch bei Durchfall ein, denn die quellenden Samen nehmen sowohl die Flüssigkeit als auch Bakterientoxine auf. Dadurch reduziert sich die Stuhlfrequenz und die Darmpassage verlangsamt sich.

Leinsamen senken die Fettspiegel (Triglycerid- und Cholesterinspiegel) sowie den Zuckerspiegel im Blut, wie vorläufige Versuche an Tieren und kleinere Studien am Menschen zeigen. Ebenfalls durch Tierversuche fand man blutdrucksenkende Eigenschaften. Am Menschen sank aber nach einer 14tägigen Diät mit Leinöl der Blutdruck lediglich um 5%. Daneben sollen Fließeigenschaften des Blutes verbessert werden und Arterioskleroseschäden vermindert werden. Aussagekräftige Versuche am Menschen fehlen jedoch.

Neben Soja sind Leinsamen eine reichhaltige Quelle von Phytoöstrogenen. Die Bedeutung dieser Stoffe für die Behandlung von Menopausebeschwerden und Krebs (Brustkrebs, Prostatakrebs) wird derzeit lebhaft untersucht. Bis zur Verabschiedung einheitlicher Leitlinien wird aber noch Zeit vergehen. Leinsamen sollen auch die Entwicklung von Darmkrebs hemmen.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Dickdarm, geschädigter (nach Missbrauch von Abführmitteln)
  • Divertikulitis (Entzündung von Darmausstülpungen)
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und Dünndarmentzündung (Enteritis)
  • Reizdarm-Syndrom (Colon irritable)
  • Verstopfung (ohne organische Erkrankungen)

Äußerlich:

  • Entzündungen, lokale (Breiumschlag)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Bauchschmerzen, krampfartige, Oberbauchbeschwerden
  • Fettwerte, erhöhte (Hypercholesterinämie)
  • Gelenkschmerzen, entzündliche Erkrankungen wie Arthritis, Rheuma (Öl)
  • Durchfall, Magendarmkatarrh, lindernd
  • Hämorrhoiden, weicher und glatter Stuhl
  • Husten, trockener Reizhusten
  • Hautentzündung (Schleim äußerlich reizmildernd; Öl innerlich entzündungslindernd)
  • Reizmagen
  • Schleimhautreizungen, entzündliche (Halsschmerzen, Heiserkeit)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Bluthochdruck
  • Diabetes, Verlangsamung des Blutzuckeranstiegs nach dem Essen
  • Herzkreislauferkrankungen, Schlaganfall, vorbeugend (Omega-3-Fettsäuren)
  • Karbunkel, Furunkel, Geschwüre und andere Hautleiden

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Man verwendet ganze, gequetschte, geschrotete oder gemahlene Leinsamen.

Dosierung

Leinsamen sollen im Allgemeinen regelmäßig und über eine längere Zeit eingenommen werden, um eine laxierende Wirkung zu erzielen.

Das Öl ist sehr empfindlich. Schmeckt oder riecht es ranzig, ist es nicht mehr ausreichend wirksam.

Im Gegensatz zu geschrotetem Material sind ganze oder gequetschte Leinsamen haltbarer.

Innerlich

Erwachsene

Verstopfung: 1-2 EL ganze Samen (ganz oder "aufgeschlossen", aber nicht geschrotet) mit 150 ml Wasser, zwei- bis dreimal täglich zwischen den Mahlzeiten einnehmen. Leinsamen nicht vorquellen lassen! Sie sollen erst im Darm aufquellen.

Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und Dünndarmentzündung (Enteritis): 2-3 EL geschrotete (zerkleinerte) Samen als Schleim einnehmen

Kinder

1-4 2-3 x täglich, 2-4g

4-10 2-3 x täglich, 3-6g

10-15 2-3 x täglich, 6-10g

Achtung:

Leinsamen immer mit ausreichend Wasser einnehmen (etwa 150 ml auf 1 EL Samen)!

Nicht zusammen mit Milch einnehmen. Sie verhindert die Quellung!

Äußerlich

Breiumschlag: 30–50 g Leinkuchenmehl mit Wasser als feucht-heiße Kompresse

(Etwa 125 g gepulverte Leinsamen werden mit 1 Tasse heißem Wasser zu einem Brei angerührt und in Stoff eingeschlagen auf die Entzündung gelegt).

Wirkstoffe

Die äußere Zellschicht der Samenschale enthält große Mengen an Schleimstoffen (6–10%).

Der Samen selbst besteht aus

  • 35–45% Öl (darunter 48-58 % α-Linolensäure, 14-22% Linolsäure und 13-26% Ölsäure)
  • 20–25% Eiweiß
  • 25% Ballaststoffe (Zellulose, Hemizellulose, Lignin)
  • Sterole und Triterpene (Cholesterol, Campesterol, Stigmasterol und Sitosterol)
  • 1% cyanogene Glykoside (Linustatin und Neolinustatin bzw. Linamarin und Lotaustralin)