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Mädesüß

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Das Wiesen-Aspirin

Die Blüten des Mädesüß können sowohl frisch gepflückt als auch in getrockneter Form als Aspirin-Ersatz bei Erkältungen helfen.

Von: Heidemarie Wolter

Die Wiesenkönigin mit der Heilkraft wie Aspirin

Aufrecht wie eine Königin mit leuchtend cremeweißen Blüten und einem Duft nach Honig und Vanille überragt diese Heilpflanze mit ihrem hohen Blütenstand alle anderen Pflanzen und sogar die Süßgräser der Wiese. Daher wird sie im Volksmund auch „Wiesenkönigin“ genannt. Diese Pflanze hat auch wirklich die Kraft einer Königin inne: Aufgrund seiner Inhaltsstoffe hat das Mädesüß entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung und findet daher, quasi als Aspirin-Ersatz, u. a. bei Erkältungskrankheiten Anwendung. Deswegen wird diese Heilpflanze auch als „Wiesen-Aspirin“ bezeichnet.

Wogegen hilft Mädesüß?

Aufgrund seiner entzündungshemmenden und fiebersenkenden Eigenschaft wird das Mädesüß hauptsächlich zur unterstützenden Therapie bei Erkältungskrankheiten eingesetzt [1, 4, 6, 7]. Diese Indikation wird durch die positiven Monografien von ESCOP, HMPC und der Kommission E bestätigt.

Zusätzlich findet das Mädesüß wegen seiner schmerzlindernden Wirkung z. B. bei rheumatischen Erkrankungen, Gicht und chronischen Kopfschmerzen Anwendung. Auch in Form von Waschungen oder als Auflage bei Juckreiz und leichtem Sonnenbrand wird es verwendet [1, 2]. Zudem wird es aufgrund seiner aquaretischen Wirkung bei Blasen- und Nierenbeschwerden genutzt [1, 4]. Diese Indikationen konnten in Studien bislang noch nicht ausreichend überzeugen. In der ESCOP-Monografie wird zwar auf den Einsatz des Mädesüß als Diuretikum hingewiesen, jedoch wird betont, dass wissenschaftliche Studien diese Anwendung noch nicht hinreichend unterstützen. Nur bei der HMPC ist als Anwendung die Linderung bei leichten Gelenkschmerzen mit in die Monografie aufgenommen worden.

Achtung: Bei bestehender Salicylatüberempfindlichkeit sollte die Pflanze nicht eingesetzt werden!

Heilwirkung von Mädesüß

Mit Aspirin-ähnlicher Heilkraft gegen Fieber und Entzündungen

Die fiebersenkende und entzündungshemmende Wirkung vom Mädesüß kommt sowohl durch die in der Heilpflanze enthaltenen Phenylglycoside als auch durch die Salicylaldehyde und Salicylsäuremethylester in den ätherischen Ölen der Pflanze zustande. Diese beiden letztgenannten Inhaltsstoffe reagieren mit der Cyclooxygenase und hemmen so die Bildung von weiteren Entzündungsmediatoren [6]. Die fiebersenkende Wirkung wird dabei zusätzlich von den in der Pflanze enthaltenen Flavonoiden unterstützt [1, 4, 6, 7].

Multitalent Flavonoide

Die im Mädesüß enthaltenen Flavonoide können aber noch mehr: Neben ihrer erwiesenen Wirkung als Diaphoretikum sollen sie zusätzlich aquaretische Wirkung haben. Zudem werden ihnen, zusammen mit der ebenfalls in der Heilpflanze enthaltenen Ascorbinsäure, antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen nachgesagt. Daher scheint auch ein positiver Einfluss auf die Heilung von Magengeschwüren wahrscheinlich.

Die Gerbstoffe der Wiesenkönigin

Das Mädesüß scheint wirklich königliche Kräfte zu haben, da dieser Heilpflanze sogar anticancerogene Wirkungen zugesprochen werden. Verantwortlich hierfür soll der in der Heilpflanze enthaltene Wirkstoff Rugosin sein, welcher ein Bestandteil der Gerbstoffgruppe der Ellagitannine ist. Dem Komplex der Ellagitannine werden darüber hinaus auch adstringierende, wundheilungsfördernde, schmerzlindernde und antimikrobielle Wirkungen nachgesagt [1, 4, 6, 7].

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

Die Hinweise aus traditioneller Anwendung oder Laborversuchen sind zu wenig überzeugend und gehen über einen experimentellen Status nicht hinaus. Es gibt bisher keine korrekten oder positiven klinischen Studien.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Als Fertigarzneimittel steht im homöopathischen Bereich eine Urtinktur (Spiraea ulmaria Urtinktur DHU Dilution) zur Verfügung. Im Akutstadium einer Erkältung sollten 2 bis 4 ml der Urtinktur eingenommen werden [1].

Außerdem ist Mädesüß als Kraut (Filipendulae ulmariae herba; Syn. Spiraeae ulmariae herba) oder als Blüte (Filipendulae ulmariae flos; Syn. Spiraeae ulmariae flos) in Apotheken erhältlich und seine Blüten sind, neben Weidenrinde und Linden- und Holunderblüten, Bestandteil von Erkältungs- und Grippetees [1, 7].

Diese Tees werden in verschiedenen sogenannten „fixen Zusammensetzungen“ angeboten, die vom Apotheker, je nach Indikation, zusammengestellt werden können. Bei der Zusammensetzung wird unterschieden, ob der Tee eher schweißtreibende oder eher fiebersenkende Eigenschaften haben soll. Ein eher schweißtreibender Tee ist z. B. der sogenannte „Erkältungstee III“ mit den Komponenten Holunder-, Linden- und Mädesüßblüten. Ein Tee, der eher fiebersenkend wirkt, wie z. B. der „Erkältungstee IV“, setzt sich aus Weidenrinde und Holunder- und Lindenblüten zusammen [7]. Eine weitere Mischung, die man sich auch gut selber zusammenstellen bzw. von der Apotheke zusammenstellen lassen kann, besteht aus 35 % Holunderblüten, 35 % Lindenblüten, 20 % Mädesüßblüten und 10 % Kamillenblüten. Hierbei werden zusätzlich zu den Wirkstoffen der anderen Komponenten die leicht beruhigenden als auch entzündungshemmenden Eigenschaften der Kamille genutzt.

Hausmittel

Die Zubereitung und Dosierung der Erkältungs- und Grippetees erfolgt immer auf die gleiche Art und Weise: 1 EL der Teemischung wird mit 250 ml kochendem Wasser übergossen. Den Tee 10 Minuten ziehen lassen, danach abseihen und heiß trinken. In der Akutphase einer Erkältung sollten mindestens 5 Tassen am Tag getrunken werden [1, 3, 7].

Wirkstoffe

  • Phenolglycoside: bis zu 0,5 % Monotropitin und Spiraein
  • Ätherische Öle: mit 75 % Salicylaldehyde und Salicylsäuremethylester
  • Flavonoide: in den Blüten bis zu 6 % und im blühenden Kraut ca. 3-4 %
  • Gerbstoffe: 10-15 % Ellagitannin und Gallotannin
  • Vitamine: Tocopherol und Ascorbinsäure