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Medizin am Wegesrand

© C. Heyer/PhytoDoc

Gesunde Wildkräuter

Welche Wildkräuter Sie jetzt sammeln können – und wie gesund Löwenzahn, Giersch, Brennnnessel, Gundermann, Vogelmiere und andere oft als "Unkraut" verschriene Pflanzen sind.

Von: Eva Pantleon

Unbekannte Multitalente

Schnittlauch, Dill und Petersilie. Vielleicht noch etwas Basilikum und Majoran hier und da. Viel mehr haben die meisten deutschen Kochtöpfe zum Thema „Kräuter“ nicht zu bieten. Was eigentlich erstaunlich ist. Schließlich sprießen die so leckeren wie gesunden Alternativen jetzt überall aus dem Boden.

Doch Wildkräuter sind in unseren Breiten noch immer die eher unbekannten Multitalente. Denn Hand auf Herz: Würden Sie „Gundermann“ und „Guter Heinrich“ nicht auch eher für zwei wackere Gesellen aus einem mittelalterlichen Versroman halten?

8 Wildkräuter im Porträt

Und auch bekanntere Wildkräuter wie Giersch, Brennessel & Co. werden von vielen unterschätzt. Zwar mögen diese, zugegeben, im Garten zwischen den Rosen nicht immer für Freude sorgen. Doch als Salat oder Gemüse zubereitet ist das „lästige Unkraut“ nicht nur lecker, sondern auch gesund. Denn die meisten Wildpflanzen enthalten neben vielen Nährstoffen auch deutlich mehr Bitterstoffe als gezüchtete Pflanzen, da sie sich mehr behaupten müssen oder ihre Wurzeln tiefer in die Erde graben.

Dieser bittere, würzige Geschmack mag anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein, hat dafür aber gesundheitliche Vorteile: Bitterstoffe regen den Stoffwechsel an. Und wem der Geschmack zu intensiv ist, der mischt die Wildkräuter einfach mit anderem Gemüse.

Lesen Sie im Folgenden, welche Wildkräuter es jetzt am Wegesrand, auf Wiesen oder im eigenen Garten zu entdecken gibt:

Große Brennnessel: Das Multitalent

Als Kind ist die erste Bekanntschaft mit der Brennnessel meist unerfreulicher Art. Denn nomen ist hier omen und bedeutet rote Quaddeln am Bein, sollte man ahnungslos durch die Wiesen streichen. Doch wer sich davon nicht abschrecken lässt, findet in der „Urtica dioica L.“ – der Großen Brennnessel, die etwa 60 bis 150 cm hoch wächst – ein echtes Multitalent: äußerst schmackhaft und sogar gesünder als Spinat.

Zum Ver­gleich - 100 Gramm Brenn­nes­sel ent­halten:

  • 713 Mil­li­gramm Cal­ci­um (Spi­nat 117)
  • 4,1 Mill­gramm Eisen (Spi­nat 1,5)
  • 800 Milli­gramm Beta-Carotin (Spi­nat 549).

Ihre kleine Schwester - Urtica urens L. –, die nur 15 cm bis 45 cm hoch wächst, ist dagegen weniger zum Verzehr geeignet: Wegen ihres allzu starken Besatzes mit Brennhaaren wird sie auch das „kleine Biest“ genannt.

Leckere Rezepte mit Brennnesseln:

Aus jungen Brennnesselblättern lässt sich ein leckerer Salat zubereiten (z.B. mit Gurke), oder man kocht die Pflanzen wie Spinat als Gemüse oder Suppe. Auch lecker: gehackte Brennnesselblätter in Pfannkuchen einbacken & diese dann an eine Fleischbrühe geben.

Den besten Geschmack haben die ersten, etwa 20 Zentimeter langen Pflanzen im Frühjahr oder bei größeren Pflanzen die Triebspitzen. Sie enthalten neben den oben bereits genannten Wirkstoffen noch Magnesium, Silizium, Natrium, Kalium, Gerbstoffe, Histamine, viel Chlorophyll und verschiedene wertvolle Pflanzensäuren. 

Die Brennnessel wirkt blutreinigend, hilft überschüssige Harnsäure auszuscheiden und zu entwässern. Damit ist sie ein ausgezeichnetes Kraut bei Rheuma und Gicht. Darüber hinaus stimuliert sie die Verdauungsdrüsen von Magen, Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase und wirkt mit ihrem hohen Eisengehalt blutbildend.

Wildkräuter-Smoothie mit Brennnessel und Brennnesselsamen im Schälchen auf einem Holztisch.

Smoothie: 

Brennnesseln lassen sich auch ganz einfach in Smoothies verarbeiten: einfach ein paar Blätter mit in den Mixer geben.

Der Wildkräuter-Smoothie "Rapunzel" kommt auch bei Kindern gut an und auch bei denjenigen, die das Wildkraut nicht pur verzehren möchten. 

Hier geht's zum > Brennnessel-Smoothie Rezept!

Wie man der Brennnessel unversehrt zu Leibe rückt:

Die ganz jungen Pflanzen enthalten noch kein Nesselgift. Und ansonsten gilt: die Pflanze unten am Boden abknicken und über Kopf halten. Dann mit der ge­schlos­se­nen Hand kurz und en­er­gisch ein­mal von der Bruch­stel­le hin zum Kopf strei­fen. Damit wer­den die glasartigen Brennhaa­re – die bei falscher Berührung wie eine Injektionsnadel Toxalbumine und Histamine unter die Haut spritzen – abgebrochen, da sie alle zum Licht und in Wachs­tums­rich­tung wach­sen.

Andere Möglichkeiten: die Triebe in ein Tuch wickeln und stark wringen, sie kurz blanchieren oder ihnen eine kräftige Dusche verabreichen. Ist die Pflanze getrocknet, verliert sie ebenfalls ihre reizende Wirkung.

Hübsch und heilsam – das Gänseblümchen

Statt liebes-orakelnd seine Blütenblätter abzuzupfen, sollte man das Gänseblümchen lieber in den Mund stecken. Denn das auch als Tausendschönchen bekannte Pflänzchen wirkt nicht nur schleimlösend, blutreinigend und entwässernd, sondern ist auch ein gutes Mittel bei Hautproblemen und Beschwerden der inneren Organe (z. B. Leber, Galle). 

Anwendung: schmackhaft und dekorativ zugleich: die leicht bitteren Blüten auf den Salat streuen.

Gänseblümchen (Bellis perennis):

© C. Heyer

Ansonsten einen Tee zubereiten: dazu 1 TL getrocknete oder 3 TL frische Blüten mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen. Bei Hautunreinheiten den abgekühlten Tee mit einem Wattebausch auf die Gesichtshaut tupfen.

Achtung – ist es wirklich Bärlauch?

Seit ein paar Jahren ist Bärlauch wieder groß in Mode – und das zu Recht: Ist der „Waldknoblauch“ doch nicht nur äußerst lecker, sondern auch ein echtes Heilmittel. So konnte etwa an der Universität Homburg/Saar nachgewiesen werden, dass Bärlauch-Frischblatt-Granulat die Blutzirkulation steigert und die Fließeigenschaften des Blutes entscheidend verbessert (daher unbedingt auch bei Tinnitus probieren!).
Außerdem können durch die verbesserte Durchblutung Stoffwechselprodukte schneller abtransportiert werden, was bei rheumatischen Erkrankungen hilfreich ist. Und obendrein enthält Bärlauch auch weitaus mehr Eisen, Magnesium, Mangan und gesundheitsfördernde Schwefelverbindungen als der bekanntere und wesentlich geruchsintensivere Knoblauch. Alles in allem macht das Kraut also seinem Namen alle Ehre – und verleiht echte Bärenkräfte.

Leider aber steht dem unbeschwerten Genuss ein kleines Problem im Wege: Wer Bärlauch selber sammeln möchte, sollte auf der Hut sein.

Denn die Blätter sehen dem Maiglöckchen, dem Aronstab und der Herbstzeitlose zum Verwechseln ähnlich – und alle drei sind hochgiftig. Viele empfehlen daher als Test, das gesammelte Kraut zwischen den Fingern zu reiben. Riecht es zart nach Knoblauch, ist es Bärlauch. Das Problem dabei: Hat man schon mehrere gepflückt, dann riechen die Hände und die ganze Umgebung nach dem intensiven Bärlauch, so dass der Geruchstest zum Schluss nicht mehr eindeutig ist.

Noch ein Tipp zum Unterschied Bärlauch- und Maiglöckchen-Blätter: Bärlauch-Blätter wachsen immer einzeln aus dem Boden, die Blätter des Maiglöckchens wachsen zu mehreren an einem Stiel.

Wenn dennoch Unsicherheiten bestehen – lieber die Finger davon lassen und auf dem Markt Bärlauch-Blätter aus Kulturen kaufen!

Zubereitung: Bärlauch sollte nicht zu lange erhitzt werden, da sonst die wertvollen Nährstoffe verloren gehen. Lecker schmeckt er im Salat, als Pesto, als Dip, auf der Quiche, mit Spaghetti … und… und … und …

Löwenzahn – die Zeigerpflanze

Ob nun Butterblume, Pusteblume, Hundeblume oder eben doch einfach Löwenzahn genannt – tritt die Pflanze auf einer Wiese in Massen auf, gilt es aufzupassen. Denn Löwenzahn ist eine sogenannte „Zeigerpflanze“. Wenn nichts anderes mehr die Wiese bevölkert, ist das ein Hinweis darauf, dass massenweise Dünger oder Pestizide gespritzt wurden. 

Also besser: Finger weg von solchen Wiesen – zudem Löwenzahn, im Gegensatz etwa zur Brennnessel, das Gift aus dem Boden aufnimmt. Ansonsten aber kann und sollte man ihn jetzt nach Herzenslust sammeln: Die jungen Blätter ergeben einen schmackhaften Salat, die Blüten lassen sich zu einem sehr schmackhaften Gelee verkochen und die Wurzeln kann man mit der Gemüsebürste gereinigt über den Salat schnippeln.

Die gesundheitlichen Vorteile des Löwenzahns liegen neben einem hohen Kaliumgehalt vor allem in seinen Bitterstoffen. Diese aktivieren den Stoffwechsel, regen die Bildung von Magensaft und Galle an und fördern die Ausscheidung über Leber und Niere. Allerdings gilt auch hier: Die Menge macht's. Ein übermäßiger Verzehr kann aufgrund der Bitterstoffe und Harze des Löwenzahns zu Magen-Darm-Problemen führen.

Giersch – gut gegen Gicht und Rheuma

Er bringt so manchen Gärtner zur Verzweiflung. Dabei ist dem wild wuchernden Gesellen eigentlich ganz einfach beizukommen: nicht ärgern, sondern aufessen lautet die Parole auch im Falle des „Giersch“ – schließlich trägt er seinen lateinischen Artnamen nicht umsonst. Der lautet “podagraria” und das bedeutet nichts anderes als “das Podagra (Gicht) heilend”. In England heißt der Giersch „goutweed“ (Gichtkraut) und in Frankreich nennt man ihn podagraire (Gichtheiler).

Doch auch ohne Gicht gibt es gute Gründe, den Giersch in den Kochtopf statt auf den Kompost zu werfen: zum einen jede Menge Vitamin C (deutlich mehr als Zitronen), Mineralstoffe (Eisen, Kupfer, Mangan) und Spurenelemente und zum anderen ein fein-würziges, an Petersilie erinnerndes Aroma (besonders bei den jungen Gierschblättern), das gut in den Kräuterquark, ein Risotto oder zu einer Kräutersoße passt. Ältere Blätter ergeben, in Butter und Knoblauch gedünstet, ein wohlschmeckendes Gemüse.

Zur medizinischen Anwendung eignen sich zerquetschte Blätter als Umschläge auf schmerzenden Gelenken. Auch ein Absud aus den Blättern hilft als Badezusatz bei RheumaGicht oder Krampfadern.

Rezept: 2 große Hände voll Gierschblätter mit 2 Liter kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann ins Badewasser geben.

Achtung: Giersch hat einige ungenießbare Doppelgänger, deshalb achten Sie beim Sammeln darauf, dass der Blattstengel im Querschnitt dreieckig ist.

Vogelmiere – delikat im Salat

Auch sie ist kein allzu gern gesehener Gast bei Hobby-Gärtnern, aber dafür mit ihren kleinen weißen sternförmigen Blüten überall leicht zu finden. Mit ihrem aromatischen, an frische Maiskolben erinnernden Geschmack bereichert die Vogelmiere jeden Salat und jedes Pesto.

Auch in puncto Nährstoffe muss sich das zarte, aber trotzdem äußerst robuste Kraut nicht verstecken: Es enthält beachtliche Mengen an Vitamin C, Eisen und Kalium sowie Provitamin A, Kalzium, Magnesium, Zink, Kieselsäure und Saponine (aufgrund derer aber nicht zu große Mengen verspeist werden sollten). 

In der traditionellen Heilkunde gilt die Vogelmiere als Heilpflanze mit schmerzlindernden Eigenschaften und ein Extrakt daraus soll gut gegen Rheuma und Gelenkschmerzen helfen. Pfarrer Kneipp empfahl sie aufgrund der schleimlösenden Saponine als Hustenmittel.

Guter Heinrich – der wilde Spinat

Er ist nicht mehr allzu häufig anzutreffen. Doch im Umkreis bäuerlicher Siedlungen, an Straßen, Wegen, Zäunen und Dungstätten lässt er sich noch finden: der gute Heinrich - eine 30 bis 80 Zentimeter hohe Pflanze, die nährstoffreiche Böden liebt und aufgrund ihres hohen Gehaltes an Vitamin C und Eisen auch „wilder Spinat“ genannt wird. Die jungen Blätter gelten als Salat oder Gemüse als Delikatesse. Medizinisch wird ein Aufguss zur äußeren Anwendung bei Hautkrankheiten empfohlen.

Gundermann - die "Soldatenpetersilie"

Kaum einer kennt ihn heute noch. Was auch daran liegen mag, dass der Gundermann sehr klein und unauffällig wächst:
Seine vierkantigen Stengel kriechen zum Teil auf der Erde. Nur der obere, purpurblau blühende Teil reckt sich gen Himmel.

Kulinarisch & medizinisch hat das Pflänzchen einiges zu bieten:

So nannte man es im Mittelalter nicht ohne Grund „Soldatenpetersilie“ – äußerlich hilft Gundermann vor allem bei schlecht heilenden, eitrigen Wunden (gund = ahd. Eiter) und innerlich dank seiner ätherischen Öle bei Erkältungskrankheiten (auch hier gilt der Bezug zum Eiter – also besonders bei Bronchitis, Sinusitis etc.).

Daneben geben seine Blätter auch einer Maibowle oder einem Kräuterquark den letzten Pfiff – allerdings sollte man Gundermann sparsam dosieren, da sein Aroma sonst zu dominant ist.

Rezept: Für einen Tee aus Gundermann 2-3 junge Triebe pro Tasse verwenden und 3 mal am Tag 1 Tasse bis zum Abklingen der Beschwerden trinken.

Abschließend noch einige Tipps zum Umgang mit Wildkräutern:

  • Sammeln Sie Wildkräuter unbedingt abseits von Hundewiesen und Straßen und nur solche, die Sie (evtl. mit Hilfe eines Buches) eindeutig identifizieren können.
  • Ernten Sie Wildkräuter möglichst am Vormittag, da die Kräuter dann am saftigsten sind.
  • Meiden Sie zum Schutz vor den Eiern des Fuchsbandwurms beim Sammeln bevorzugte Reviermarkierungsstellen (Hügelkuppen, Felsen, Baumstümpfe, Wegkreuzungen) und spülen Sie das Sammelgut gründlich ab.