Ihr Portal für Gesundheit,
Naturheilkunde und Heilpflanzen

natürlich gesund

Mistel

© C. Heyer/PhytoDoc

Komplementäre Krebstherapie mit Mistel

Mistelextrakte haben eine sehr lange Tradition in der Krebstherapie, die auf Rudolf Steiner zurückgeht. Heute liegt der Einsatz der Mistel bei circa 46 Prozent der Krebsfälle. 

Von: PhytoDoc-Redaktion

Wogegen hilft Mistel?

In der Volksmedizin werden Misteltropfen vor allem zur Langzeitbehandlung leichter Fälle von Bluthochdruck, zur Kreislaufunterstützung und zur Arterioskleroseprophylaxe eingesetzt.

Alternative Krebstherapie mit Mistel

Auch in der Krebstherapie haben Mistelextrakte zur Injektion eine sehr lange Tradition, die auf Rudolf Steiner (ca. 1920) zurückgeht. So war der Mistelextrakt in der anthroposophischen Medizin das Kernstück der Krebstherapie. Später konnte diese Therapie auch in der Schulmedizin Fuß fassen. Heute wird die Mistel bei ca. 46 % der Krebstherapien eingesetzt.

Erfahrungsgemäß positiv

Ein Einsatz von Mistelprodukten in der Tumortherapie wird immer noch kontrovers diskutiert. Die am häufigsten genannten positiven Effekte betreffen die Überlebenszeit sowie die Lebensqualität. Eine systematische Aufarbeitung der 23 kontrollierten klinischen Studien bewertete aber Studiendesign, -durchführung und -publikation als unzureichend. Die Methodik läge teilweise weit unter dem heute als optimal erachteten Standard. Zwar fehlt die offizielle Anerkennung der Wirkung, doch ist die Mistel nicht annähernd so gefährlich wie die gängigen Medikamente zur Chemotherapie. Fachleute aber fordern übereinstimmend methodisch bessere Studien.

Erfahrungsgemäß führen Mistelpräparate zu einer Verbesserung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, der Lebensqualität und zur Verringerung von Nebenwirkungen bei der Chemotherapie. Die hohe Therapietreue der Patienten spricht ganz deutlich für die Mistel.

Erstattung von Mistelpräparaten

Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel 2004 dürfen homöopathische Mistelpräparate in der adjuvanten Krebstherapie künftig nicht mehr auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Die Verordnung von auf Mistel-Lektin standardisierte Präparaten ist aber weiterhin zur palliativen Therapie bei bösartigen Tumoren möglich. Anthrposophische Präparate sind außerdem auch bei bösartigen Krebserkrankungen und zur Rezidivprophylaxe erstattbar.

Mistelinjektionen müssen von Fachleuten dosiert werden und sind nicht zur Selbstmedikation geeignet!

Heilwirkung von Mistel

Mistel-Präparate kommen in zwei verschiedenen Darreichungsformen zum Einsatz: Einmal als Injektion zur unterstützenden Krebstherapie und als orales traditionelles Arzneimittel zur Kreislauf-Unterstützung.

Injektionstherapie

Präparate der Mistel werden in niedriger Konzentration zur Stimulation des Immunsystems injiziert. Die Wirkung schreibt man insbesondere den Lektinen und Viscotoxinen zu. Mistelextrakte und -präparate werden heute vorwiegend zur unterstützenden Tumortherapie verwendet. Man verspricht sich davon neben der Stimulation des Immunsystems auch eine allgemein kräftigende sowie stimmungsaufhellende Wirkung. In höheren Konzentrationen nutzt man die zellgiftige (zytotoxischen) und teilungshemmende (zytostatische) Wirkung gegen Krebs. Daneben soll die Bildung von Blutgefäßen im Tumor gehemmt werden. Das verhindert die Versorgung des Gewebes und unterdrückt so das Tumorwachstum. Darüber hinaus soll die Regenerierung des Knochenmarks gefördert werden. Allerdings konnten nicht alle klinischen Studien einen statistisch signifikanten Nutzen der Misteltherapie bei bösartigen und streuenden Tumoren feststellen.

Erfahrungsgemäß verbessert die Mistel die Lebensqualität sowie die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Die Mistel verringert die Nebenwirkungen einer Chemotherapie und fördert den Appetit. Das Gewicht nimmt zu und der Schlaf normalisiert sich. Auch das Frieren unter einer Chemotherapie bessert sich. Insgesamt ist die Mistel das beste bekannte Medikament gegen die Müdigkeit bei Tumorpatienten (Fatigue-Syndrom). Der Wirkmechanismus der Mistel ist jedoch nur in Ansätzen bekannt.

Orale Misteltherapie 

Für Misteltropfen gibt es eine jahrzehntelange Anwendungstradition in der Volksmedizin zur Unterstützung der Herzkreislauf-Funktion (auch blutdrucksenkende Eigenschaften werden dem Mittel zugeschrieben). Diese Wirkung ist bisher noch nicht durch Studien am Menschen wissenschaftlich abgesichert, Labor- und Tierversuche liefern aber erste positive Daten.

Bei Misteltee konnten die blutdrucksenkenden Eigenschaften bisher nur unzureichend wissenschaftlich nachgewiesen werden. Ebenfalls sind die Anwendungsgebiete „degenerative Entzündungen“, „Herzstärkung“ und „Beruhigung“ noch nicht zweifelsfrei belegt.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Segmenttherapie bei degenerativ-entzündlichen Gelenkerkrankungen (Setzen lokaler Entzündungen durch Injektion von Mistelextrakt in die Haut als Reiztherapie)
  • Unspezifische Reiztherapie (Palliativtherapie) bei bösartigen Tumoren (Spritzen unter die Haut)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Abwehrschwäche, Steigerung der Immunreaktion (Injektion)
  • Besserung der Befindlichkeit von Krebspatienten (Appetit, Gewicht, Schlaf, Frieren, Leistungsfähigkeit, Stimmung)
  • chronische Müdigkeit
  • Tumorschmerzen, lindernd

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Bluthochdruck, moderat blutdrucksenkend (oral)
  • Entzündungen
  • Hemmung von Krebswachstum und Metastasebildung (experimentell)

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Handelsprodukte und isolierte Verbindungen der Mistel werden in der Regel als Injektionen angeboten. Man spritzt sie unter die Haut, in die Venen oder ausnahmsweise auch direkt in den Tumor.

Eine Misteltherapie sollte bei Tumorerkrankungen in den ersten beiden Jahren nach der Operation durchgeführt werden, denn in dieser Zeit ist das Risiko eines Rückfalls am höchsten. Die Therapie kann in allen Phasen der Erkrankung und begleitend zu Standardbehandlungen (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung) stattfinden. Vor dem Beginn der Behandlung sollte der Immunstatus festgestellt werden. Die Injektionstherapie mit Mistelpräparaten muss sich genau an den Herstellerangaben orientieren, denn eine Überdosierung führt zu einer Unterdrückung der Immunreaktion.

Für einige Anwendungsgebiete (nicht Krebstherapie!) wird die Mistel auch als zerkleinertes Material angeboten.

Dosierung

Kaltauszug: Gegen Bluthochdruck und zur Arterioskleroseprophylaxe: Man übergießt das zerkleinerte Material (2,5 g) mit kaltem Wasser (Droge pro Tasse) und lässt die Mischung 12 Stunden bei Raumtemperatur stehen und seiht dann den Rückstand ab. Pro Tag trinkt man ein bis zwei Tassen.

Mistelpulver: 2 bis 6 g des Pulvers werden drei Mal täglich eingenommen.

Flüssigextrakt

  • Extractum Visci fluidum EB: mittlere Einzelgabe 0,5 g
  • Mistelflüssigextrakt BHP 83: drei Mal täglich ein bis drei Milliliter

Getrocknetes Mistelkraut sollte kühl und lichtgeschützt aufbewahrt werden.

Zulassung von Mistelpräparaten

Nach Aussagen des Bundesgesundheitsministeriums können standardisierte Präparate und anthroposophische Mistelpräparate zur begleitenden Behandlung oder palliativ als Standardtherapie bei bösartigen Tumoren auf Kassenrezept verordnet werden. Die Erstattung sollte sicherheitshalber voher mit der Krankenkasse abgeklärt werden.

Die Mistel ist in vielen anderen Ländern für die Krebstherapie nicht zugelassen.

Misteltropfen zur oralen Therapie sind als so genannte "Traditionelle Arzneimittel" in Deutschland zugelassen und nicht verschreibungspflichtig. Als „traditionell“ dürfen Arzneimittel bezeichnet werden, deren Einsatz sich seit langem bewährt hat, die vor In-Kraft-Treten des Arzneimittelgesetzes (AMG) rezeptfrei erhältlich waren und deren Nachzulassung das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgrund positiver Qualität und Sicherheit offiziell erteilte. Für traditionelle pflanzliche Arzneimittel liegen jahrzehntelange Anwendungen und Erfahrungsberichte vor.

Wirkstoffe

Zucker bindende Proteine: Lektine (0,1%): Mistellektin I–III; jedes Lektin besteht aus zahlreichen Isolektinen.

Viscotoxine (0,1 %): Viscotoxine A, B, P

Saccharide: Polysaccharide, Oligosaccharide, Schleimstoffe

Phenylpropane

Phenolcarbonsäuren: Kaffeesäurederivate

Flavonoide

Phytotherapeutische Präparate werden auf einen bestimmten Gehalt an Mistellektinen eingestellt.