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Myrrhe

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Myrrhe: Teures Gut für die Gesundheit

Myrrhe ist ein altes Heilmittel und hilft unter anderem bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Teures Gut für die Gesundheit

Myrrhe (Commiphora myrrha) ist das Harz eines strauchartigen Baums, der auf der arabischen Halbinsel beheimatet ist. Ihre natürliche Funktion ist vermutlich die Abwehr vor eindringenden Schadorganismen. Dabei ist das Wirkspektrum sehr breit und Myrrhe wurde zu einem wichtigen Heilmittel mit dem Ruf, das Leben zu schützen. Als Parfum, Kosmetikum, Arzneimittel, Räucherwerk und konservierendes Mittel fand das teure Gut Anwendung. Das medizinische Einsatzgebiet der Myrrhe war dem des nahe verwandten Weihrauchs sehr ähnlich.

Dass Myrrhe mehr kann als Dämonen vertreiben lehrt nicht nur die Tradition, das zeigen auch erste wissenschaftliche Versuche: Sie hat vermutlich tatsächlich so manches Leben gerettet. Schon lange bekannt ist die adstringierende, desinfizierende, entzündungshemmende und wundheilende Wirkung der Myrrhe.

Verkauft wird das Harz immer noch als Räucherwerk, aber auch als Pulver in Tablettenform, als Extrakt (Tinktur) oder ätherisches Öl. Außerdem ist es Bestandteil zahlreicher Kosmetika.

Wogegen hilft Myrrhe?

Myrrhe, der antike Lebensretter

Myrrhe ist in Afrika, im mittleren Osten und in China ein lange bewährtes Heilmittel, das gegen Wunden, Entzündungen und Schmerzen sowie Infektionen aller Art eingesetzt wurde. Mit dem Einzug der modernen Medizin kam die Myrrhe aus der Mode. Heute gebräuchlich ist nur noch die Anwendung bei Entzündungen an der Mund- und Rachenschleimhaut. Weniger bekannt ist der Einsatz bei Magen- und Darmbeschwerden: Als Bestandteil des Schweden-Bitter hat Myrrhe auch bei uns schon länger Tradition. Als Aroma nutzt man Myrrhe immer noch zur Parfümierung wohlriechender Seifen, Mundwässer und Zahnpasten.

In den letzten 35 Jahren erfährt die traditionelle Heilpflanze vermehrt wissenschaftliches Interesse. Die Untersuchungen stammen vor allem aus Ländern mit althergebrachter traditioneller Nutzung, konsequente klinische Studien am Menschen jedoch sind noch sehr selten.

Die vorliegenden Hinweise lassen vermuten, dass Myrrhe-Zusatz zur Behandlung von entzündlichen Haut- und Schleimhauterkrankungen (Darmentzündung), Schmerzen und Infektionen tatsächlich brauchbar ist.

Heilwirkung von Myrrhe

Wundpflege: das Mittel für Krieger

Herodot beschreibt die Myrrhe als Heilmittel für die Wunden der Soldaten im persischen Krieg. Mit Wein gemischt soll es außerdem betäubend wirken. Sicher war das ein erfolgreiches Verfahren, denn heute weiß man aus Tierversuchen von der schmerzstillenden und antientzündlichen Wirkung des Harzes. Der Alkohol hat die Wirkung vermutlich noch verstärkt. Man nahm das Mittel auch gegen Gicht- und Kopfschmerzen. Verkauft werden heute noch myrrhehaltige Mittel gegen Nervenschmerzen („neuropathische Schmerzzustände“). Ganz abgesehen davon hilft die adstringierende Eigenschaft der Myrrhe, das Blut zu stillen. Daneben hält die desinfizierende Myrrhe Wundinfektionen in Schach. Behandelt wurde auch Lepra und Syphilis. Nachgewiesen ist tatsächlich eine antimikrobielle Wirkung gegen Bakterien (Escherichia coli, Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa) und Pilze (Candida albicans). Außerdem wird auch das Immunsystem durch Myrrhe ordentlich angekurbelt.In Saudi Arabien ist Myrrhe auch ein beliebtes Mittel beim diabetischen Fuß-Syndrom. Die zahlreichen bereits bestätigten Teilaspekte lassen eine Wirkung annehmen, Studien zum Thema fehlen noch.

Myrrhe macht schöne Haut

In alten Zeiten diente Myrrhe in Lotionen nicht nur dazu, die Haut zu parfümieren, zu reinigen und zu befeuchten, sie sollte auch die Durchblutung anregen und die Haut straffen. Heute noch sind Kosmetika auf dem Markt, denen zum Schutz, gegen Pickel und Hautunreinheiten oder Falten Myrrhe zugesetzt wird. Auch zur Pflege rissiger Haut an Händen und Füßen oder bei Ekzemen und Problemhaut empfiehlt man traditionell Produkte mit dem Harz oder dem ätherischen Öl der Myrrhe.

Schleimhautschutz

Myrrhe ist auch auf der empfindlichen Schleimhaut anwendbar, die alten Sumerer behandelten sogar infizierte Zähne damit. Als Zusatz für Mundwässer, zur Spülung bei Mund- und Racheninfekten, bei Zahnfleischentzündung und anderen Zahnfleischerkrankungen, bei Mandelentzündung und Mundgeschwüren ist Myrrhe immer noch sehr beliebt. Auf Grund der desinfizierenden und entzündungshemmenden Gesamtwirkung ist ein positiver Effekt zu erwarten, wenn dies auch noch nicht durch Studien erhärtet ist.

Erkältung

Dioskurides empfahl die Myrrhe bei chronischem Husten, Katarrh und Heiserkeit der Stimme. Vor allem bei Kindern mit Husten wurde Myrrhe eingesetzt. Bei Erkältung soll Myrrhe der Erleichterung von Nasenatmung und dem Abhusten dienlich sein. Leider fehlen genauere Untersuchungen. Wegen der antibakteriellen, antiviralen und immunstimulierenden Gesamtwirkung ist auch diese Anwendung nicht aus der Luft gegriffen.

Darm

Im Mittelalter wurde Myrrhe für Darmkrankheiten und Cholera eingesetzt, auch heute noch ist Myrrhe als Mittel gegen Reisedurchfall aktuell. Sie soll außerdem die Verdauung stärken, Übelkeit vertreiben und bei Darmproblemen helfen. Tierversuchen zur Folge lindert Myrrhe Krämpfe und Entzündungen der Darmschleimhaut und wirkt gegen Infektionen und Würmer. In französischen und englischen Pharmakologie-Büchern wird sie zur Behandlung von Enddarmentzündung aufgeführt (Zäpfchen). Klinische Studien zum Thema Hämorrhoiden liegen aber nur mit dem Harz der verwandten Pflanze „Falsche Myrrhe“ (Commiphora mukul) vor. Eine neuere Studie zeigt den erfolgreichen Einsatz von Myrrhe in Kombination mit Kamille und medizinischer Kohle gegen entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa). Das Myrrhepräparat wirkte hier ähnlich effektiv wie die Standardtherapie (Mehr dazu: Myrrhe gegen Colitis ulcerosa). Dabei war das Präparat selbst bei der Langzeittherapie gut verträglich (Dosierung 100mg Myrrhe pro Tablette, Tagesdosis 300mg). Möglich wäre auch eine Wirkung bei Reizdarm und Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Parasiten

Traditionellerweise wird Myrrhe gegen zahlreiche Parasiten eingesetzt (Fadenwürmer, Saugwürmer wie Leberegel, Pärchenegel, Darmegel, sowie Protozoen wie Trichomona, Cryptosporidium und Giardia). Ein Präparat mit einem Extrakt (Mirazid) wurde gegen zahlreiche Parasitenerkrankungen getestet. Wenn auch nicht immer eine Heilung erzielt werden konnte, wurde häufig die Parasitenlast deutlich gesenkt.

Was sonst noch erforscht wird

Einzelne Versuche lassen vermuten, dass Myrrhe den Blutzucker senkt. Hohe Dosen von Myrrhe-Harz sollen sogar Krebszellen im Reagenzglas und bei Tierversuchen schädigen. Für eine Anwendung sind die Daten zu unsicher und die Wirksamkeit nicht erwiesen. Auch die traditionellen Anwendungsgebiete Gelbsucht, Müdigkeit und Schlangenbisse sind nicht belegt. Die Chinesische Medizin greift bei Blutstau zur Myrrhe. Ein injizierter Myrrheextrakt entfaltet einen antithrombotischen Effekt bei Mäusen, ob der Effekt bei oraler Aufnahme beim Menschen auch auftritt, ist nicht geprüft.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, Halsschmerzen

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Darmerkrankungen, leichte Darmentzündungen, Colitis ulcerosa (versuchsweise)
  • Darminfektionen
  • Gelenkbeschwerden, Rheuma, Arthritis (traditionell)
  • Hämorrhoiden (traditionell)
  • kleinere Hautentzündungen, Wunden und Abschürfungen
  • Zahnfleischentzündung, Prothesendruckstellen, Aphthen oder Stomatitis, Mandelentzündung, Mundgeschwüre (adstringierend)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Erkältung (Erleichterung von Nasenatmung und Abhusten, traditionell)
  • Frauenkrankheiten, Menstruationsschmerzen, ausbleibende Regel, Gebärmutter Tumore (nur TCM), Wechseljahrsbeschwerden (traditionell)
  • Geschwüre, Verbrennungen und Brüche (traditionell)
  • Mundgeruch (Halitosis; traditionell)
  • Parasiten (traditionell)
  • Reizdarm (unsicher)
  • Schmerzen (Kopf-, Gelenk-, Wundschmerzen, Brüche; traditionell)
  • Verdauungsschwäche (Malabsorption; traditionell)

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Vertrieben wird der Extrakt aus dem Harz als Tinktur oder Tabletten mit dem Myrrhepulver. Auch Mundwässer und Zahnpasta mit Myrrhezusatz sind erhältlich. Nicht zuletzt wegen des Aromas gibt es auch Duftwässer und Räucherwaren mit dem Harz. Myrrhe soll die Haut verjüngen, straffen und schützen und wird daher in zahlreichen Cremes, Lotionen und Körperpflegeprodukten verarbeitet.

Dosierung

Äußerlich

Unverdünnte Myrrhetinktur wird zwei- bis dreimal täglich auf die betroffenen Stellen aufgetragen.

Als Mundspülung oder zum Gurgeln nimmt man bis zu 60 Tropfen Tinktur auf 1 Glas warmes Wasser.

Wirkstoffe

Harz
  • wasserlösliche Glycoproteine: 4-Methyl-glucuronogalactan-Protein
  • Schleime: komplexe Polysaccharide (mit Arabinose, Galaktose, 4-Methylglucuronsäure und Aldobiuronsäure)
  • Phenole: α- und β-Heerabo-Myrrhol, Heeraboresen, α-, β- und γ -Commiphorsäure und Commiphorinsäure
  • Sterole: Campesterol, Cholesterol und β-Sitosterol
  • Terpene: Die Triterpene 3-epi-α –Amyrin und α-Amyrenon, das Sesquiterpen β-Eudesmolacetat, das Monoterpen Isolinalylacetat, die pentacyclischen Triterpene Lupeon und 3-epi-Lupenylacetat

ätherisches Öl aus dem Harz (3–6%):

  • Terpene: Sesquiterpene (β-Elemen, δ-Elemen) und Furanosesquiterpene vom Elemen-, Eudesmen-, Guajen- und Germacrentyp, Furanoeudesma-1,3-dien (etwa 50%); wenig Monoterpene
  • Terpenderivate: Sesquiterpenalkohole (Elemol und β-Eudesmol), Sesquiterpenlacton (Commiferin)
  • Phenylpropanderivate