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Botanischer Steckbrief von Myrrhe

Der antike arabische Exportschlager

In Ägypten ist der Gebrauch von Myrrhe bereits 3000 Jahre v.Chr. belegt. Als begehrtes Gut wurde die Myrrhe über weite Strecken gehandelt und kam bis Nordafrika, China und Indien. Auf der Weihrauchstraße brachte man sie von Oman am roten Meer entlang über Syrien, Kleinasien und die Peloponnes bis nach Rom. In der Kosmetik der alten Römer war das Mittel nicht wegzudenken. Der Wohlgeruch sollte außerdem den Gestank der römischen Straßen überdecken. Dieser kostspielige Luxus war aber Göttern, Königen und Reichen vorbehalten, denn die Myrrhe war ähnlich wertvoll wie Gold, Elfenbein und Gewürze.

Aussehen und Herkunft

Der Myrrhebaum ist ein bis zu 3 m hoher Strauch oder gedrungener Baum aus der Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae). Von den stämmigen Ästen schält sich die silbrige Rinde in papierartigen Streifen. Da die Pflanze auf flachgründigen und trockenen Böden gedeiht, sind die Blätter klein und ledrig um die Verdunstung zu reduzieren. Gegen Tierfraß verteidigt sich die Pflanze mit dornigen sparrig abstehenden Ästen und mit seinen Inhaltsstoffen. Die kleinen, rispenförmigen Blüten sind rosafarben bis gelb und entstehen kurz vor der Regenzeit, sodass für die Fruchtentwicklung Feuchtigkeit zur Verfügung steht. Es entwickeln sich geschnäbelte, etwa 12 mm lange Früchte.

Heimisch ist der Spezialist für trockene Standorte in Gebieten von Nordostafrika (Somalia, Äthiopien, Kenia) bis Arabien (Jemen, Oman). Verwendet wird das Gummiharz des Baums, die eigentliche Myrrhe oder das ätherische Öl. Es wird aus dem Harz gewonnen.

Bitter, aromatisch und konservierend

Der Name Myrrhe leitet sich vom arabischen Ausdruck „murr“ her, es bedeutet so viel wie bitter, der charakteristische Geschmack des Produkts. Myrrhe quillt mit Feuchtigkeit, und klebt beim Kauen an den Zähnen fest.

Seit Jahrhunderten schätzt man auch den aromatischen Geruch. Man setzte Myrrhe mitunter dem Wein zu, um sein Verderben zu verhindern und ihm ein feines Aroma zu verleihen. Das Öl riecht würzig mit holzig-süßer Note. In der Aromatherapie steht die Myrrhe für Erdung, Ruhe, Entspannung aber auch Regeneration.

Myrrhe: mit Duft gegen Krankheit und Dämonen

Der Glaube, man könne mit den guten Gerüchen auch Dämonen, Krankheit und Tod besiegen, hielt sich sehr lange. Bei den alten Ägyptern galt die Myrrhe als wirksames Mittel, um Unheil abzuwenden und das Leben zu schützen, als Balsamierungsmittel sollte sie ewiges Leben garantieren. Im Mittelalter wurde Myrrhe bei uns in den Krankenhäusern als Räucherwerk verbrannt, um das Miasma – Krankheitsdunst und Ansteckung – zu vertreiben. Die wirklichen Ansteckungswege – wie pestverseuchte Flöhe, Bakterien und Viren – kannte man natürlich noch nicht. Im 10. Jahrhundert galt Myrrhe als Mittel gegen die Pest. Man gab es außerdem Reisenden als Schutz mit auf den Weg. Nach allem was man heute weiß, war das mit Sicherheit eine sinnvolle Maßnahme.

Gewinnung

Das Harz der Myrrhe wird in der Regel aus Wildbeständen – seltener aus Kulturbeständen geerntet. Erntezeit ist nach der Regenzeit, dabei wird das austretende Harz abgesammelt. Das Anritzen der Stämme erhöht zwar die Produktion, liefert aber ein minderwertiges Produkt.

An der Luft erstarrt das Material zu rotgelben bis rotbraunen Klumpen.

Myrrhae tinctura (Tinctura Myrrhe, Myrrhentinktur) ist ein Auszug des pulverisierten Harzes mit hochprozentigem Alkohol (1:5; 90-96%).

Tropft man die Tinktur in Wasser, entsteht eine trübe, leicht gelb gefärbte Suspension.

Das ätherische Öl der Myrrhe gewinnt man durch Wasserdampfdestillation aus dem Harz. Nach dem Abkühlen des Destillats scheidet sich das Öl ab.

Andere Arten

Auch andere Commiphora-Arten liefern Gummiharze - mit anderen traditionellen Anwendungsschwerpunkten:

  • Bdelliumharz oder Falsche Myrrhe (aus der indischen C. mukul) erniedrigt den Blutcholesterol- und Fettspiegel und ist ein wichtiges entzündungshemmendes Mittel der ayurvedischen Medizin. Sie regt außerdem die Schilddrüse an und gilt als Mittel zum Abnehmen
  • Gileadbalsam oder Mekkabalsam (aus Commiphora opobalsamum (L.)) Engl. wird ähnlich wie die Myrrhe verwendet – bei Magenbeschwerden und Infektionen, außerdem bei Fieber und bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege.
  • Bisabol-Opopanax (Bisabol-Myrrhe) ist in der Parfümindustrie begehrt. Als Zusatz zu Damenparfüms, Seifen- und Duftstoffen bildet sie die langsam flüchtige Basisnote.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen