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Odermennig

Gewöhnlicher Odermennig (Agrimonia eupatoria). © C. Heyer/PhytoDoc

Odermennig: Mit einem Empfehlungsschreiben aus der Antike

Dioskurides lobte die Pflanze als Mittel gegen Haut-, Darm- und Lebererkrankungen. Aktuell kommt die adstringierende Heilpflanze bei Hals- und Darmbeschwerden zum Einsatz.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Odermennig: das "Königskraut"

Der Gewöhnliche oder Kleine Odermennig (Agrimonia eupatoria) ist ein einheimisches Gewächs, dennoch kennt die Heilpflanze nicht jeder. Bei einem flüchtigen Blick ähnelt der Blütenstand des Odermennigs einer Königskerze. Darum auch der Name „Königskraut“ im Volksmund. Das Odermennig-Kraut (Agrimoniae herba) wird schon seit der Antike als Heilpflanze verwendet. Dioskurides lobte die Pflanze als Mittel gegen Haut-, Darm- und Lebererkrankungen. Auch bei Hildegard von Bingen finden sich Rezepte zum Odermennig. Übrigens nutzt auch die Traditionelle Chinesische Medizin, den auch dort heimischen Behaarten Odermennig (A. pilosa Ledeb). In neuerer Zeit beschränkt sich die Anwendung auf die adstringierendWirkung des Odermennigs auf Haut- und Schleimhaut. Verkauft wird meist das getrocknete Kraut, es sind aber auch Extrakte verfügbar.

Wogegen hilft Odermennig?

Traditionell aber noch aktuell

Schwerpunkt der Anwendungen sind Reizungen von Haut und Schleimhaut. So greift man zu Odermennig bei leichten Durchfallerkrankungen und Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie der Haut. Die Kommission E bestätigt diese Indikationen. Wegen der deutlich adstringierenden Wirkung ist diese Empfehlung offensichtlich. Auch die antientzündliche Eigenschaft gilt bei einer Heilpflanze mit „Polyphenolen“ als plausibel. Zu den Vorteilen zählt auch die leicht lindernde Wirkung gegen Juckreiz sowie Schmerzen. Zusammen mit antibiotischen und antiviralen Nebenaspekten liefert der Odermennig bei oberflächlichen Reizungen genau das richtigen Gesamtpaket.

Insgesamt ist die Studienlage eher dünn. Die Anerkennung als Heilpflanze bekam der Odermennig nur wegen der langen traditionellen Nutzung.

Heilwirkung von Odermennig

Odermennig wirkt „abtrocknend“

Wichtige Inhaltsstoffe des Odermennigs sind die zusammenziehenden Gerbstoffe (Polyphenole aus der Gruppe der Catechine und Gallotannine). Wie viele andere gerbstoffhaltige Heilpflanzen wird Odermennig bei äußerlichen Verletzungen, insbesondere zur Blutstillung, verwendet. Die Gerbstoffe schließen die Oberfläche ab und trocknen sie aus. Dabei haben Sie noch einen sehr günstigen Nebeneffekt. Diese adstringierenden Stoffe sorgen auch für die antivirale und deutliche antibakterielle Aktivität von Odermennig-Extrakten. Dieser Umstand wird durch Laborversuche gestützt. Kompressen und Spülungen der Haut sollen darüber hinaus das Abheilen leichterer Wunden oder Hautentzündungen beschleunigen.

Odermennig für die Schleimhaut

Aber nicht nur bei äußerlicher Anwendung entfalten die Inhaltsstoffe ihre Wirkung, sie können genauso gut innerlich eingesetzt werden. Angriffsziel sind dann die Schleimhäute. Bei Schleimhautentzündungen im Mund oder dem Rachen kann man mit der Abkochung spülen und gurgeln. Dabei nimmt man die Wirkung am pelzigen Gefühl auf der Zunge wahr. Genau das ist gemeint mit der Eigenschaft „abtrocknend“. Die Gerbstoffe vernetzen die Oberflächenproteine der Schleimhaut. Was zurück bleibt, ist eine verdichtete und schützende Schicht. Typische Anwendung sind alle Beschwerden in Mund, Rachen und Hals sowie Zahnfleischentzündung, Mundsoor oder Aphthen.

Zum Trinken eignet sich der weniger konzentrierte Odermennigtee bei leichterem akutem Durchfall. Der Überlieferung nach soll er auch den Darm entspannen. Auch bei Hämorrhoiden ist eine Waschung mit dem Sud sinnvoll. Und noch eine Wirkung hat der Odermennig im Darm: Das „Agrimophol“ aus dem Chinesischen Odermennig setzt Darmwürmer schachmatt.

Odermennig als Blasentee fraglich

Die Überlieferung schreibt dem Odermennig eine harntreibende Wirkung zu. Möglich wäre es, denn Polyphenole haben häufig eine diuretische Wirkung. Damit sind die Indikation Blasenentzündung/Harnwegsinfekte/Nierengries durchaus nicht falsch, wenn auch wissenschaftliche Belege dieser traditionellen Anwendung fehlen. Ebenfalls unklar, ob Odermennig Harninkontinenz lindert. In der Erfahrungsheilkunde gilt Odermennig als Mittel gegen Bettnässen.

Traditionelle Anwendungen: Leber- und Gallenleiden

Zu den in vielen Ländern verbreiteten Anwendungsgebieten des Odermennigs zählen Leberkrankheiten und Gallenstauungen. Wenn es auch keine Untersuchungen am Menschen gibt, beschreibt eine koreanische Arbeitsgruppe eine schützende Wirkung auf die Leber von Versuchstieren. Sie wurde durch chronischen Alkohol geschädigt. Dabei scheint die antientzündliche sowie die antioxidative Wirkung unterstützend zu wirken.

Experimentell: Odermennig fängt Radikale

Oxidative Vorgänge durch reaktive Sauerstoff-Spezies („ROS“) sind im Körper an vielen Gewebeschäden und Alterungsprozessen oder degenerativen Erkrankungen beteiligt (Nervenerkrankungen, Krebs, Katarakt, Diabetes…). Oxidativer Stress entsteht auch durch fatale Nebenwirkungen von chronischen Entzündungen. Außerordentlich viele Heilpflanzen haben antioxidative Nebenwirkungen, Odermennig ist hier keine Ausnahme. Dennoch schlägt der Odermennig - mit seinen hohen Konzentrationen an Polyphenolen - im Wettbewerb die Artischocke.

Die „Polyphenole“ des Odermennigs gehören zu den typischen antioxidativen Verbindungen. Diese Stoffe fangen gefährliche Radikale ab und entschärfen sie. Dabei schützt der Extrakt, zumindest im Tierversuch, die Leber und die Nerven im Gehirn vor Schäden. Und noch eine positive Botschaft gibt es: Sogar nach regelmäßigem Teegenuss ließ sich der antioxidative Effekt im Blut nachweisen (2 x 200 ml Tee, 30 Tage).

Tierversuch: Odermennig senkt Blutzucker

Beginnt die Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 2) muss die Bauchspeicheldrüse immer mehr arbeiten, um gegen die Insulinresistenz anzukämpfen. Odermennig wurde nach Tierversuchen mit dem Prädikat „insulin-artige Wirkung" belegt. Dabei stärkt er nicht nur die Funktion der Bauchspeicheldrüse. Der Extrakt aus Odermennig sorgt dafür, dass weniger Glukose ins Blut kommt: Er bremst nämlich den Abbau von Stärke zu kleineren Bausteinen (α-Glucosidase-Hemmung im Dünndarm). Die Kohlenhydrate werden so weniger schnell verdaut. Zumindest im Tierversuch flutet dann der Blutzuckerspiegel weniger schnell an. Zusätzlich hilft die antioxidative Wirkung den oxidativen Stress durch die Zuckerkrankheit zu mildern.

Im Übrigen: Der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der ansässige Behaarte Odermennig (Agrimonia pilosa) als Mittel gegen Diabetes wohl bekannt. Offizielle Tests am Menschen gibt es nicht.

Auch die Linderung der Beschwerden bei RheumaArthritis und Gallenblasenproblemen wurde bisher nicht näher untersucht.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

Für diese Anwendungsgebiete liegen eindeutige klinische Studien vor, um von einer Wirksamkeit auszugehen. Die Wirksamkeit wurde von mindestens einer der maßgeblichen Bewertungskommissionen (Kommission E/ESCOP/HMPC/WHO) verbindlich festgestellt.

  • Erkrankungen des Mund- und Rachenraums (Halsschmerzen, Mandelentzündung, Heiserkeit, Laryngitis)
  • leichte Hautentzündungen (äußerlich)
  • leichte, unspezifische Durchfallerkrankungen (innere Anwendung)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

Es liegen zahlreiche Hinweise aus einer langen Anwendungstradition in der Volksmedizin und in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde vor, die eine Wirksamkeit annehmen lassen. Dennoch sind bisher nicht alle Kriterien erfüllt, die für eine volle Beweiskraft notwendig sind. Falls es klinische Studien gibt, haben die Ergebnisse nicht zweifelsfrei überzeugt.

  • Ekzem
  • Wunden, leichtere, Verletzungen und Abschürfungen

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Odermennig wird meist als Tee angeboten, wegen der schwachen Wirkung kann er auch mit anderen Heilpflanzen gemischt werden wie mit Gänsefingerkraut, Kamille oder Heidelbeeren. Standardisierte Fertigarzneimittel als pflanzliches Medikament gibt es nicht, wohl aber werden im Internet verschiedene Tabletten oder homöopathische Urtinkturen sowie homöopathische Komplexmittel angeboten. Ihre Anwendung sollte von Fachpersonal erläutert werden.

Hausmittel und Rezepte

Anwendung als Tee

Wer den Tee selber machen möchte, nimmt pro Aufguss 1,5 g der Blätter und übergießt sie mit kochendem Wasser. Nach 10 Minuten abseihen. Tagesgesamtdosis für einen Erwachsenen entspricht 3-12 g Kraut und für Kinder (10-16 Jahre) 3-6 g. Da Untersuchungen fehlen, wird die Anwendung für Kinder unter 12 Jahren nicht empfohlen.

Umschläge und Gurgeln:

Für diese Anwendungen darf die Konzentration deutlich höher sein als für die innerliche Behandlung. Man kann bis zu 10 g Kraut in 100 ml kaltem Wasser ansetzen und kurz aufkochen. Dann lässt man den Sud 10 Minuten erkalten und seiht ab. Einen Lappen tränken und mehrfach auf die entzündeten Hautstellen legen. Bei Halsschmerzen oder entzündetem Mund- und Rachenraum empfiehlt sich mehrmaliges Gurgeln mit dem noch warmen Sud. Wer den Tee nach dem Gurgeln schlucken möchte, nimmt das obige Rezept.

Die andere Seite von Odermennig: Bachblüte Nr. 1

„Berühmt“ geworden ist der Odermennig auch bei den Bachblüten, einer Spielart der Homöopathie. In erster Linie behandeln Bachblüten Symptome des Gemüts. Die „Schwingungen der Pflanze“ sollen es richten. Odermennig wird konfliktscheuen Menschen empfohlen. Das Mittel soll dazu beitragen Probleme anzusprechen und Streitigkeiten offen und ehrlich auszutragen. Was letztendlich den Umschwung bringt, könnte auch die pure Erkenntnis über die charakterliche Neigung sein... So einfach klärt Odermennig Probleme!

Wirkstoffe

  • Gerbstoffe, insbesondere Catechingerbstoffe, weniger Gallotannine, Agrimoniin
  • Polysaccharide (20 %)
  • Triterpene
  • Flavonoide (Glucoside von Luteolin und Apigenin)
  • ätherisches Öl (A. procera)

Der Chinesische Odermennig Agrimonia pilosa enthält zusätzlich noch Agrimophol (Polymer der Gallussäure).