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Die Frühblüher Huflattich und Schlüsselblume

© wikipedia/R-bitzer

„Licht- und Schattenseiten“ von Huflattich und Schlüsselblume

Die beiden Frühblüher finden arzneiliche Anwendung. Will man sie als Heilpflanzen verwenden, sollte man auch über die Risiken informiert sein.

Von: Prof. Dr. Schilcher

Boten des Frühlings

Im Frühjahr erfreuen uns neben dem weiß oder violett blühenden Frühlings-Krokus (Crocus vernus ssp.albiflorus) und dem schwach giftigen Buschwindröschen (Anemone nemorosa L.) die prächtig gelb blühenden Blütenkörbchen des Huflattichs (Tussilago farfara L.), sowie die schwefelgelb blühende große bzw. aufrechte Schlüsselblume (Primula elatior L.). Während der Huflattich kalkhaltigen und humusarmen Untergrund bevorzugt, liebt die aufrechte Schlüsselblume eher einen lockeren, basen- und stickstoffreichen Lehmboden.

Verwendung als Tee gegen Husten

Volksmedizinisch werden vom Huflattich die gelben Zungenblüten und die auf der Unterseite stark behaarten Blätter, die erst nach dem Verblühen aus dem Boden kommen, als Teeaufguss zur Linderung von trockenem Reizhusten und zur Therapie leichter Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut verwendet.

Zweckmäßig ist dabei das Süßen mit Waldhonig bei Husten, während zur Mund- und Rachenspülung der Aufguss ungesüßt verwendet werden sollte.

Von der großen bzw. aufrechten Schlüsselblume (Primula elatior L.), wie auch von der Wiesen- Primel (Primula veris L.), die an den orange gefleckten Blüten zu erkennen ist, werden Teeaufgüsse aus den Blüten mitsamt dem Kelch, sowie aus der getrockneten Wurzel zur Therapie von Husten mit zähflüssigem Schleim verwendet.

Wirksamkeit und Bewertung

Klinische Prüfungen auf Wirksamkeit existieren bislang nur von alkoholisch-wässrigen Trockenextrakten aus der Primelwurzel. Die angeblich beruhigende und schlaffördernde Wirkung eines mit Honig gesüßten Tees aus Schlüsselblumenblüten ist nicht bewiesen, was aber nicht ausschließt, dass bei Einzelpersonen eine Besserung von Schlafstörungen eintreten kann. Bei der Verwendung von Zubereitungen aus Schlüsselblumenblüten sollte man wissen, dass rund 5 % der Bevölkerung unter einer Primelallergie leiden und beim Sammeln der Blüten im Garten (eine Wildsammlung ist aus Naturschutzgründen nicht gestattet) Handschuhe tragen sollten.

Die Verwendung der Huflattichblüten, deren Anwendung die Sachverständigenkommission E beim ehemaligen Bundesgesundheitsamt (heute BfArM) aufgrund möglicher leberschädigender und Leberkrebs auslösender Effekte ablehnt, und auch die Verwendung der Huflattichblätter, die (unter Beachtung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen) jedoch seitens der Wissenschaft gestattet ist, weist ein spezifisches Problem auf, was das Nutzen- Risiko- Verhältnis betrifft. Huflattichblätter, aber ganz besonders die Huflattichblüten enthalten neben den für die Wirksamkeit verantwortlichen Pflanzenschleimen, Gerbstoffen und gelb gefärbten Flavonoiden, in geringen Mengen von 0,001 % bis 0,03% bestimmte Naturstoffe welche in zahlreichen experimentellen Studien leberschädigende und bei längerer Einwirkung auch Leberkrebs erzeugende Effekte zeigten.

Wer auf den bewährten und in vielen Familien seit Generationen verwendeten Huflattich- Blätter- Tee nicht verzichten will, sollte die im Informationskasten genannten Vorsichtsmaßnahmen beachten.

Empfehlungen bei der Anwendung von Zubereitungen aus Huflattich-Blättern

  1. Die Sachverständigen Kommission E gestattet nur für kurze Zeit (maximal 1 Woche) und höchstens 6 mal im Jahr eine Huflattichblätter- Zubereitung, die in der Tagesdosis nicht mehr als 10 Mikrogramm (1 Mikrogramm ist ein Tausendstel Milligramm) der schädigenden Naturstoffe (Pyrrolizidinalkaloide = PA) enthält.
  2. Da man bei selbst gesammelten Huflattichblättern den Gehalt der unerwünschten PAs nicht kennt und außerdem nicht auszuschließen ist, dass die ähnlich aussehenden jungen Blätter der Pestwurz gesammelt werden, die in der Regel noch höhere Gehalte an PAs aufweisen, sollte man besser auf die Wildsammlung verzichten und analytisch geprüfte Huflattichblätter z. B. in der Apotheke erwerben.
  3. Neben der Empfehlung von Hustentee-Mischungen, die etwa nur 10 % Huflattichblätter enthalten und durchaus öfter angewendet werden können, empfiehlt sich ein Frischpflanzen – Presssaft, der z. B. im Reformhaus erhältlich ist und aus einer speziellen Huflattichzüchtung mit kaum nachweisbaren Gehalten an PAs hergestellt wird.
  4. Vor der Verwendung von jungen Huflattichblättern in der Küche (z. B. Kartoffelbrei mit Huflattich oder gedünstete Huflattichblätter in Aufläufen oder Suppen), warnt die Sachverständigenkommission E mit allem Nachdruck!

Da für die PAs der Schwellenwert für die negativen Effekte nicht bekannt ist, wird ein häufiger Verzehr über längere Zeit als nicht verantwortbar angesehen.