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Risikofreie Anwendung von Wild- bzw. Heilkräutern: Was Sie wissen sollten

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Tipps für Kräutersammler

Vier Punkte, die bei der Verwendung von selbst gesammelten Wild- und Heilkräutern beachtet werden müssen.

Von: Prof. Dr. Schilcher

Risiken vermeiden durch verlässliche Informationen

Die Anwendung von Heilpflanzen ist nicht immer unbedenklich. Wenn man sich selbst mit den heilenden Kräften der Natur behandeln möchte, sollte man gut informiert sein und die Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe der Pflanze nicht unterschätzen.

1. Wirkung der Heilkräuter

Die nicht zu unterschätzenden aktuellen Berichte in medizinischen und pharmazeutischen Fachzeitschriften zeigen, dass in der Bevölkerung relativ häufig die Wirksamkeit traditionell angewendeter Heilkräuter überschätzt wird, was nicht zuletzt auf übertriebene Darstellungen in „Laienhandbüchern“ zurückzuführen ist. Zum anderen werden die in Fachkreisen durchaus bekannten unerwünschten Nebenwirkungen in Laienkreisen häufig nicht zur Kenntnis genommen oder sind unbekannt.

Beifuß ist nicht als Heilpflanze geeignet

Gewöhnlicher Beifuß © C. Heyer

Ein "schönes" Beispiel dafür ist die ständige Empfehlung des Beifußkrautes als Heilkraut, obwohl die Sachverständigenkommission E aufgrund des relativ hohen Potentials einer Kreuz-Allergie sowie der Möglichkeit eines anaphylaktischen Schocks oder von Fehlgeburten eine Negativ- Monographie im Bundesanzeiger veröffentlicht hat. Dort wird eindeutig klargestellt, dass das Risiko größer ist als der Nutzen und sich daher eine arzneiliche Anwendung verbietet.

Nichts einzuwenden hatte die Kommission gegen die Verwendung geringer Mengen des Krautes (vor der Blüte gesammelt) zum Würzen von Gänse- oder Entenbraten.

2. Einordnung der Heilpflanzen durch Kommision E

Dass von den rund 400 in Europa traditionell und ärztlich genutzten Arzneipflanzen die Kommission E 378 Pflanzen und Pflanzeninhaltsstoffe auf Wirksamkeit und Unbedenklichkeit geprüft und davon Positiv- oder Negativ-Monographien erstellt hat, ist in der Bevölkerung viel zu wenig bekannt. 130 Heilkräuter, darunter leider zahlreiche nur in der Volksmedizin verwendete Pflanzen, erhielten eine Negativ-Monographie.

Bei 65 Kräutern lautete das Urteil der Kommission: „Das Risiko einer Anwendung ist größer als der Nutzen“. Bei arzneilichen Anwendungsempfehlungen gegenüber Dritten z. B. in Führungen, Seminaren, Kursen etc. sollten zumindest die Kursleiter diese 65 Negativ-Monographien kennen, auch wenn sie selbst noch keine negativen Erfahrungen mit den Kräutern gemacht haben. Auf dieser Negativ-Liste steht auch das mit Rucola leicht zu verwechselnde Kreuzkraut (Greiskraut).

3. Unterschiedliche Zubereitungen

Der dritte Punkt betrifft die unterschiedlichen Zubereitungen. Beispielsweise kann ein Wermut-Tee längere Zeit ohne jegliche Nebenwirkung getrunken werden, während alkoholische Wermutkraut-Zubereitungen (z. B. Wermut- Tinktur) wegen des Gehaltes an Thujon nur kurzfristig eingenommen werden dürfen. Thujon ist ein Nervengift, welches das „Wermutzittern“ (Delirium tremens) verursachen kann.

4. Dosis

Der vierte Punkt betrifft den Satz von Paracelsus: „Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ Potenzierungen (Verdünnungen) ab D4 von Auszügen aus dem äußerst giftigen Blauen Eisenhut (Aconitum napellus) sind hervorragend verträgliche homöopathische Arzneimittel zur Therapie hochakuter entzündlicher und fiebriger Infekte, obwohl 1 mg des Wirkstoffes Aconitin bereits tödlich sein kann.