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Schöllkraut: Ehemals ein beliebtes Leber- und Gallemittel

Traditionelles Heilkraut mit neu erkannten unerwünschten Nebenwirkungen

Im Jahr 2006 hat das BfArM, nach Abschluss eines Stufenplanes, die Zulassung aller Schöllkrautpräparate zurückgenommen.

Von: Prof. Dr. Schilcher

Leber- und Gallemittel?

Frischpflanzenpresssäfte, Teezubereitungen, alkoholische Tinkturen und Trockenextrakte aus den Wurzeln und/oder aus dem blühenden Kraut von Chelidonium majus L. besaßen seit Dioskurides (1. Jh. nach Chr.), aufgrund der gut nachgewiesenen spasmolytischen (entkrampfenden) und cholekinetischen (galletreibenden) Wirkung eine herausragende Bedeutung in der „Naturmedizin“ als „LEBER- und GALLEMITTEL“.

Warnung vor Selbstmedikation mit Schöllkraut!

Die Monographie der Kommission E bescheinigt das Anwendungsgebiet: „Krampfartige Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Traktes“ und kannte 1985 noch keine unerwünschten Nebenwirkungen. Relativ hoch war die Zahl der ärztlich verordneten Schöllkrautpräparate bis im Jahr 2002 der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) 60 (!) unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW-Meldungen) nach Einnahme von Schöllkrautpräparaten mitgeteilt worden sind. Die UAWs äußerten sich in Leberzellschädigungen, erhöhten Leberenzymwerten (Transaminasen) und einer Bilirubinämie (erhöhter Bilirubinwert, wie bei einer Gelbsucht). In einem Fall wird von einem tödlichen Leberversagen berichtet, wobei es sich bei den Schöllkraut-Alkaloiden nicht um Pyrrolizidin-Alkaloide, wie bei Kreuzkraut-Arten, handelt.

Im Jahr 2006 hat das BfArM, nach Abschluss eines Stufenplanes, die Zulassung aller Schöllkrautpräparate zurückgenommen, wenn diese in der Tagesdosis mehr als fünf Mikrogramm Gesamtalkaloide enthalten (entspricht der homöopathischen Verdünnungsstufe D4).

Einige pharmazeutische Unternehmen sind zurzeit dabei, Trockenextrakte mit 5 mg Gesamtalkaloide als Tagesdosis auf ihre unbedenkliche Anwendung experimentell und klinisch zu prüfen, denn es existiert keine gleichwertige Alternative zu normierten Schöllkrautextrakten. Vor der Verwendung eines ungeprüften Schöllkraut-Tees oder Presssaftes in der Selbstmedikation muss trotz Jahrhundert-langer traditioneller Anwendung gewarnt werden!

Gegen die Verwendung des Milchsaftes als so genannte „Warzenmittel“ ist aus toxikologischer Sicht nichts einzuwenden. Ein Wirksamkeitsnachweis dazu existiert nicht.