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Rotwein-Extrakt

© C. Heyer/PhytoDoc

Wein für das Herz-Kreislaufsystem?

Wein ist eines der ältesten Kulturgetränke der Welt. Bereits die alten Ägypter, Griechen und Römer schätzten Wein als wichtiges Heilmittel. Auch heute werden dem Wein positive Wirkungen auf die Gesundheit zugesprochen.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Das "Französische Paradoxon"

Die Tatsache, dass in Frankreich trotz fettreicher Mahlzeiten bedeutend weniger Menschen durch Herzerkrankungen sterben als in anderen Industrieländern, wird als „Französisches Paradoxon" bezeichnet. Dieses wird durch den höheren Verbrauch an Rotwein erklärt und hauptsächlich auf die im Rotwein enthaltenen Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) zurückgeführt, welche Schäden am Erbgut verhindern und entzündungshemmend wirken können. Der als Nahrungsergänzungsmittel verfügbare Rotwein-Extrakt wird aus Rotwein oder Traubenkernen hergestellt (enthält aber keinen Alkohol). Inwieweit gesundheitsfördernde Wirkungen des Rotweins oder seines Extrakts (beispielsweise gegen Krebserkrankungen), die bisher nur im Reagenzglas nachgewiesen wurden, auf den Menschen übertragbar sind, ist noch ungewiss.

Heilwirkung von Rotwein-Extrakt

Das Prinzip "Schutz"

Die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Polyphenole (Gruppe von sekundären Pflanzenstoffen) werden hauptsächlich ihren Eigenschaften als Radikalfänger zugeschrieben. Eine Gruppe der Polyphenole, die Anthocyane, fangen reaktiven Sauerstoff und Stickstoffmoleküle ab und verhindern so oxidative Schäden an der DNA (Gene im Zellkern), an Proteinen und Fetten. Außerdem verlangsamen sie die Blutgerinnung, verringern die Verklumpung der Blutplättchen und zeigen gefäßschützende und entzündungshemmende Wirkung. Eine auf den ganzen Körper bezogene antioxidative Wirkung ist wegen der geringen Bioverfügbarkeit fraglich. Möglicherweise sind noch andere - bisher noch nicht identifizierte - Inhaltsstoffe für die von mehreren Autoren berichtete antioxidative Wirkung von Rotwein verantwortlich.

Koronare Herzerkrankungen:
Dass Rotwein die Herzkreislauffunktion schützt, dafür gibt es zahlreiche ganz unterschiedliche Hinweise:

Gefäßerweiterung:

  • Im Laborexperiment mit menschlichen Zellen konnte festgestellt werden, dass Rotwein-Extrakt die Produktion eines Stickstoffmonoxid (NO) produzierenden Enzyms (eNOS) fördert. Stickstoffmonoxid erweitert die Gefäße und beugt der Arteriosklerose vor. Wie im Tierexperiment nachgewiesen wurde, wird die Arteriosklerose durch Hemmung des Enzyms eNOS verursacht.
  • An Zellkulturen aus Rinderzellen wurde gezeigt, dass Polyphenole aus Rotwein die Synthese von Endothelin-1 hemmen. Endothelin-1 ist ein gefäßverengendes Eiweiß, das bei der Entwicklung von Arterienverkalkung (Arteriosklerose) eine wichtige Rolle spielt.
  • Eine mögliche entspannende Wirkung auf die Blutgefäße wurde bei Testpersonen untersucht, die an unterschiedlichen Tagen jeweils Rotwein, Weißwein und Wodka tranken. Die koronare Blutfließgeschwindigkeit wurde nur bei der Einnahme von Rotwein erhöht, nicht bei den anderen alkoholischen Getränken.

Gesunde Gefäßwände:

  • Auch im Tierexperiment mit Hamstern wurde festgestellt, dass Rotwein-Extrakt die Entwicklung von Arteriosklerose hemmt. In einer 2004 veröffentlichten Studie konnte auch die Wirksamkeit von Traubenkernextrakten und einem Extrakt aus festen Pressrückständen gegen die Entwicklung der Arteriosklerose bei Hamstern festgestellt werden: Hierbei waren Procyanidine und Anthocyanidine wirksam.

Oxidativer Schaden:
Der nach dem Essen auftretende Anstieg der Blutfette stellt einen Risikofaktor für Arteriosklerose dar: Der Gehalt an bestimmten Fettsubstanzen (Lipidhydroperoxiden) im Plasma steigt, LDL wird leichter oxidiert. Wein kann diese Reaktionen hemmen.

  • In einer Studie verzehrten 8 Testpersonen eine fettreiche Mahlzeit mit oder ohne 300 mg eines Traubenkernextrakts, der reich an Proanthocyanidin war. Der Traubenkernextrakt minimierte den oxidativen Stress nach dem Essen: er verringerte den Gehalt an oxidierenden Substanzen und steigerte den der Antioxidantien im Plasma. Dadurch wurde die LDL-Oxidation erschwert.
  • In einer weiteren klinischen Studie erhielten 15 Patienten mit koronarer Arterienerkrankung täglich roten Traubensaft (8 ml/kg Körpergewicht). Daraufhin verbesserte sich die Funktion der inneren Gefäßauskleidung und die LDL-Oxidation wurde reduziert. Für diese positiven Wirkungen werden die Polyphenole verantwortlich gemacht.
  • Eine andere Studie bestätigt dies. Hier erhielten männliche Probanden für 2 Wochen täglich eine Kapsel mit 1 g Rotwein-Extrakt. Diese Menge entspricht 0,375 l Rotwein. Als Folge wurde die LDL-Oxidation gehemmt.

Krebserkrankungen (Darm- und Brustkrebs)

Rotwein-Extrakt hemmt die Entstehung von Darmkrebs an Ratten, wenn diese mit einer krebserregenden Substanz behandelt wurden. Es wird angenommen, dass niedermolekulare Polyphenole (wie Resveratrol) im Rotwein-Extrakt schützend wirken. Rotwein vermindert möglicherweise auch die Gefahr von Brustkrebs: Wie im Reagenzglas und an Labormäusen nachgewiesen wurde, hemmt ein Procyanidin von Rotwein das Enzym Aromatase. Dies Enzym ist bei der Biosynthese des weiblichen Hormons Östrogen beteiligt, das wiederum eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs spielt.

Kritische Meinung

Eine kritische Meinung über Rotweinextrakt sei hier angemerkt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) befasst sich mit allen Fragestellungen bezüglich Ernährung und hat sich zum Ziel gesetzt, ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse der Bevölkerung zu vermitteln. Wie die DGE schreibt, können im Reagenzglas nachgewiesene Wirkungen nicht auf den Menschen übertragen werden. Die antioxidative Wirkung vieler Anthocyane wurde im Reagenzglas nachgewiesen. Dabei wurden weitaus höhere Konzentrationen verwendet, als beim Menschen nach der Aufnahme von Anthocyanen gemessen wurden. Für die inzwischen häufig angebotenen Rotweinkapseln gibt es keine Studien zur biologischen Wirksamkeit der in ihnen enthaltenen Anthocyane. Zudem enthalten Rotweinkapseln teilweise Vitamin- und Mineralstoffzusätze. Welche Wirkungen direkt auf den Rotwein-Extrakt zurückzuführen sind, wäre nur durch gezielte Studien am Menschen festzustellen.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

Für diese Anwendungsgebiete liegen eindeutige klinische Studien vor, um von einer Wirksamkeit auszugehen. Die Wirksamkeit wurde von mindestens einer der maßgeblichen Bewertungskommissionen (Kommission E/ESCOP/HMPC/WHO) verbindlich festgestellt.

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Anti-Aging
  • Arterienverkalkung (Arteriosklerose), Vorbeugung
  • Koronare Herzerkrankungen, Vorbeugung und Linderung

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Bluthochdruck
  • Demenz, Nervenerkrankungen (Vorbeugung)
  • Diabetes, Linderung der Folgen
  • Falten, Hautschutz
  • Hypercholesterinämie, Dämpfung der Folgen
  • Krebsvorbeugung
  • Thrombosen, Herzinfarkt, Schlaganfall (Vorbeugung)

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

• Rotwein-Extrakt wird in Kapsel- oder Tablettenform angeboten, die 200 bis 957 mg Rotwein-Extraktpulver enthalten und ist alkoholfrei.
• In einer Studie mit Testpersonen (s.o.) wurde täglich 1 g Rotwein-Extrakt verabreicht. Dies entspricht einer Menge von 375 ml Rotwein.
Vom Extrakt aus Traubenkernen werden 50 – 100 mg als Tagesdosis empfohlen.

Wirkstoffe

  • Rotwein-Extrakt enthält wirksame Polyphenole und ist alkoholfrei.
  • Polyphenole: Anthocyanine, Flavonole, Catechin, Epicatechin sowie Proantho-cyanidin-Einheiten, bestehend aus Epigallocatechin, Catechin, Epicatechin und Epicatechingallat, Resveratrol (Stilbenderivat)
  • Weinextrakt enthält auch etwa 5,0 % Polysaccharide (Kohlenhydrate) und 2,8 % Proteine.