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Sibirischer Rhabarber

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Sibirischer Rhabarber bei Wechseljahresbeschwerden

Präparate gegen Wechseljahresbeschwerden wurden in klinischen Studien erfolgreich geprüft.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Der Verwandte aus dem fernen Sibirien

Der Sibirische Rhabarber (Rheum rhapontikum) stammt – wie der Name bereits vermuten lässt – aus dem südlichen Sibirien, wächst aber auch im Süden Norwegens und in Bulgarien. Er ist ein naher Verwandter des uns bekannten Gemüse-Rhabarbers, der ein beliebter Kuchenbelag ist oder für Konfitüren und Kompott verwendet wird. Als Heilpflanze wird das auch als Rhapontik-Rhabarber bezeichnete Gewächs vor allem bei Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Depressionen oder Ängstlichkeit eingesetzt. Er enthält Stilbene, die zu den Phytoöstrogenen zählen, und ist daher eine pflanzliche Alternative zur Hormonersatztherapie. Erhältlich sind Präparate aus den Wurzelextrakten, die einen therapeutisch wirksamen hohen Wirkstoffgehalt garantieren und keine darmschädigenden Anthranoide enthalten.

Wogegen hilft Sibirischer Rhabarber?

Wegen der häufig diskutierten negativen Auswirkungen einer Hormonersatztherapie – wie Brustkrebs und Thrombosen – werden natürliche Alternativen von vielen Frauen gewünscht.

Präparate mit Rhapontik-Rhabarber gegen Wechseljahresbeschwerden wurden in klinischen Studien erfolgreich geprüft. Gebessert hatte sich der Zustand bei Zweidritteln der Probandinnen, vor allem die somatovegetativen und psychischen Symptome wie Hitzewallungen und Ängstlichkeit, bei vergleichsweise guter Verträglichkeit. Das Präparat hat eine Zulassung des BfArM, die Pflanze wurde aber bei der Kommission E nicht berücksichtigt.

Heilwirkung von Sibirischer Rhabarber

Östrogenartige Wirkung

Die Stilbene aus dem Rhapontik-Rhabarber haben eine nachweislich östrogenartige Wirkung. Der Effekt erwies sich im Tierversuch als eher schwach. Die Stoffe scheinen dabei nur ganz bestimmte Östrogenrezeptoren zu aktivieren, andere sogar zu blockieren. Damit gehören die Stilbene aus dem Rhapontik-Rhabarber zu den so genannten SERMs („selektive Östrogenrezeptormodulatoren“).

In Deutschland wird ein Präparat gegen Wechseljahresbeschwerden seit 1993 angewendet. Es zeigte bisher eine sehr gute Verträglichkeit.

Wechseljahre sind häufig mit Beschwerden wie Hitzewallungen, Schwitzen, Herzbeschwerden, Schlafstörungen, Depressionen, Ängstlichkeit, Erschöpfung, sexuelle Störungen und Inkontinenz verbunden (nähere Infos dazu in den Blogbeitragen „Hormontherapie in den Wechseljahren“ Teil 1-6 von Dr. B. Musselmann ).

Die Wirksamkeit eines Extrakts aus der Heilpflanze bei klimakterischen Beschwerden wurde bereits in kleinen klinischen Studien getestet. Die Ergebnisse wiesen bereits nach 4 Wochen eine Besserung auf, der maximale Effekt wurde nach 3 Monaten verzeichnet. Besonders bei Hitzewallungen/Schwitzen, Ängstlichkeit/Depression/Reizbarkeit sowie bei Schlafstörungen und Erschöpfung konnte das Präparat punkten. Bei den 263 Patientinnen, die nach einem halben Jahr zur Nachuntersuchung gekommen waren, hatten die Beschwerden etwa um die Hälfte abgenommen. Am meisten profitierten die Patientinnen mit den stärksten Beschwerden. Nach einer Befragung gaben 69,1 % der Probandinnen an, ihr Zustand habe sich gebessert oder sie seien beschwerdefrei.

Laxierende Wirkung

Die Volksmedizin kennt den Rhabarber wegen der abführenden Wirkung als Mittel gegen Verstopfung. Man verwendete ihn nebenbei auch als Schlankheitsmittel. Für die abführende Wirkung sind die darin enthaltenen Anthrachinon-Derivate verantwortlich. Für diese Anwendung setzt man aber für gewöhnlich Medizinalrhabarber (R. palmatum) oder Südchinesischen Rhabarber (R. officinale) ein. Rhapontik-Rhabarber ist vergleichsweise arm an Anthrachinonen.

Achtung: Anthrachinone sind nur für eine vorübergehende Einnahme geeignet. Auf die Dauer verstärken sie die Beschwerden und schädigen den Darm. Dabei werden sowohl der Wasser- als auch der Salzhaushalt gestört. Rhabarberhaltige Präparate zur Abführung sind weitgehend vom Markt verschwunden. Anthrachinone färben den Darm nach längerer Zufuhr schwarz (Melanosis coli). Diese Erscheinung verschwindet meist nach dem Absetzen wieder und gilt als harmlos. Es wurde mehrfach diskutiert, ob chronischer Missbrauch von Abführmitteln das Darmkrebsrisiko ansteigen lässt. Der Symptom-Komplex Verstopfung – Abführmittelgebrauch ist mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden. Welcher Anteil auf die ungesunde Lebensweise und welcher auf die Abführmittel zurückgeht, lässt sich letztlich schwer herausfinden.

Vergessene Tradition: Rhabarber gegen Verdauungsbeschwerden

Auch bei weiteren Verdauungsbeschwerden sagt man dem Rhabarber eine Wirkung nach. In der Tat finden sich verschiedene Stoffe darin mit einer antibakteriellen und adstringierenden Wirkung. Auch wegen der Bitterstoffe wurde die Heilpflanze in kleinen Mengen zur Stärkung des Magens eingesetzt. Heute gibt es zu dieser Indikation unbedenklichere Alternativen.

Rhapontik-Rhabarber wird nicht wegen der abführenden Eigenschaft kultiviert, sondern zur Nutzung der enthaltenen Phytoöstrogene. Die laxierenden Stoffe werden bei der Herstellung des Extrakts abgetrennt.

Diskutiert und nicht geprüft

Verschiedene Stoffe aus der Gruppe der SERM werden bereits am Menschen gegen Unfruchtbarkeit der Frau, Brustkrebs, Osteoporose und Endometriose eingesetzt. Ersten Versuchen zur Folge könnte auch das Rhaponticin aus dem Rhapontik-Rhabarber für diese Anwendungen geeignet sein. Erfahrungsberichte über die Behandlung von Amenorrhö, Dysmenorrhö und Endometritis mit einem Rhaponticin-Hopfenextrakt-Kombinationspräparat sollen positiv ausgefallen sein.

Es liegen bereits verschiedene Patente für die Anwendung eines Extrakts aus Rhapontik-Rhabarber für die Behandlung von Osteoporose, Kopfschmerzen und hormonabhängigen Tumoren vor.

Entsprechende Studien bleiben abzuwarten.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • klimakterische Beschwerden (Hitzewallungen, Ängstlichkeit, Depressionen, Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Verstopfung (bei Hämorrhoiden, Analverletzungen und operativen Eingriffen) (wenn laxierende Anthranoide vorhanden sind)
  • Kopfschmerzen (menstruations- oder menopausebedingten Kopfschmerzen und Migräne)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Fettleibigkeit (traditionell)
  • Unverträglichkeit von Speisen: Verdauungsförderung (traditionell)
  • Magenschleimhauterkrankungen (traditionell)
  • Menstruationsstörungen: Oligo-, Dys- und Amenorrhö (traditionell)
  • Menstruationsbeschwerden
  • Endometritis (traditionell)
  • Entzündung der Gebärmutterschleimhaut

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Für die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden gibt es Wurzelextrakte ohne die darmschädigenden Anthranoide. Das Präparat aus 4 mg Rhapontik-Rhabarberwurzel-Trockenextrakt wird auf ein bestimmtes der hormonwirksamen Stilbene eingestellt. Die Tabletten haben einen magensaftresistenten Überzug und lösen sich erst im Darm auf.

Dosierung

Tagesdosis: 1 Tablette mit 4 mg Rhapontik-Rhabarberwurzel-Trockenextrakt am besten morgens 30 Minuten nach dem Essen einnehmen.

Wirkstoffe

  • Anthranoide mit den Aglyka Chrysophanol, Emodin und Physcion sowie ihrer Mono- und Diglucoside
  • Stilbene: Aglyka: Desoxyrhapontigenin, Rhapontigenin; Glucoside: Desoxyrhaponticin (= Desoxyrhaponticosid), Dioxyrhaponticin (= 3,5,3',4'-Tetrahydroxystilben-3-O-β-D -glucosid), Rhaponticin (= Rhaponticosid)
  • Gerbstoffe und Gerbstoffbausteine: komplexe Gemische von partiell galloylierten Proanthocyanidinen und von Gallotanninen
  • Organische Säuren: Oxalsäure, im Gemüserhabarber auch Äpfelsäure, viel Oxalsäure, Zitronensäure
  • Vitamine und Mineralien