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Nebenwirkungen von Soja

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Soja als Lebensmittel wird generell als sicher angesehen. Anders ist dies mit den isolierten und konzentrierten Soja-Isoflavonen:

Nebenwirkungen von Phytoöstrogenen beim Menschen, vor allem bei hoher Dosierung und über einen langen Zeitraum, wie sie insbesondere bei Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln auftreten können, sind nach heutigem Wissensstand nicht auszuschließen. Eine Aufarbeitung von 174 placebokontrollierten Untersuchungen konnte bei Phytoöstrogengabe aus verschiedensten Pflanzen aber nur Magen-Darmstörungen, Übelkeit, Blähungen und Darmträgheit feststellen. Möglich wären auch Muskelschmerzen und Schlaflosigkeit. Alle anderen Symptome waren gleichermaßen in der Kontrollgruppe aufgetreten.

Kropf

Auf eine kropffördernde Wirkung von Soja-Isoflavonen bei einer Mangelversorgung mit Jod wurde hingewiesen. Auch bei gesunden Erwachsenen, die über drei Monate täglich 30 g Soja aufnahmen, wurde bei der Hälfte der Probanden eine Kropfbildung diagnostiziert, welche sich aber nach dem Absetzen zurückbildete. Bei ausreichender Jodversorgung sind solche Auswirkungen unwahrscheinlich. Auch eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) wird möglicherweise durch sojareiche Ernährung verstärkt. Unterfunktionen kommen bei Frauen nach den Wechseljahren und nach Geburten öfter vor.

Eine Studie an Kindern mit autoimmunbedingten Schilddrüsenerkrankungen lässt auf einen Zusammenhang mit der Verwendung von Sojanahrung im Säuglingsalter vermuten. Dies ist plausibel, da ja auch der in Europa häufige langjährige Jodmangel als wichtige Mitursache für Hashimoto-Thyreoiditis bekannt ist und Soja den Jodmangel verstärkt.

Schilddrüse

Personen, die Schilddrüsenhormone einnehmen müssen, sollten ohne Überwachung des Hormonspiegels auf Soja-Isoflavone verzichten.

Phytoöstrogene und Krebs

Frauen mit Brustkrebs, Krebsvorstufen in der Brust oder einer genetischen Veranlagung für Brustkrebs sollten zur Sicherheit keine isolierten Soja-Isoflavone in hoher Dosierung aufnehmen.

In einigen klinischen Studien an Frauen übte die Aufnahme von isolierten Isoflavonen einen Stimulus auf das Brustdrüsengewebe aus, der unerwünscht ist. Das betrifft besonders Frauen vor der Menopause. Eine seltene Krebsgefahr durch Isoflavone kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. In Zellkultur und Tierversuch hängt es von den exakten Bedingungen ab, ob östrogenabhängige Krebszellen durch Isoflavone gefördert oder behindert werden. Beides ist möglich.

Möglicherweise ist auch der Grad der Aufreinigung ein relevanter Faktor. Während Sojamehl in Versuchen kaum krebsaktiv war, ließen die konzentrierten Mischungen und noch mehr hochreines Genistein den Tumor wachsen. Wenn dazu noch andere pflanzliche Stoffe (Lignane aus Leinsamen) zugefügt wurden, ging die Tumoraktivität wieder zurück. Ein Hinweis darauf, dass die Zubereitung und die zusätzlich genossenen Lebensmittel bei der Wirkung mitmischen. Eine Studie an Asiatinnen hat das bestätigt: sojahaltige Lebensmittel waren tendenziell eher mit einer geringeren Rückfallrate bei Brustkrebs verbunden. Dennoch weisen die Studienautoren darauf hin, dass größere Untersuchungen notwendig seien, bevor man krebskranken Frauen empfehle, Sojasupplemente mit konzentrierten Isoflavonen einzunehmen.

Die kleineren Studien, die zu dem Thema vorliegen, lassen vermuten, dass auch hier die Gefahr sehr klein ist. Um das Problem umfassend zu klären, wären sehr große, langdauernde Studien an sehr vielen Probandinnen notwendig, um auch geringfügige Abweichungen zu erfassen. Die Frauen sollten – wie bei Hormonen auch – über die möglichen Risiken aufgeklärt sein und entsprechende präventive Maßnahmen ergreifen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Brustkrebsgefahr bei Frauen jenseits der Menopause generell leicht ansteigt.

Behördensicht

Eine Garantie für die Sicherheit (bezüglich Brustkrebs, Schilddrüse und Endometrium) einer längerfristigen Anwendung isolierter und hoch dosierter Isoflavone kann zum derzeitigen Zeitpunkt aber nicht gegeben werden. Wegen der ungeklärten Problematik und dem nicht eindeutig nachgewiesenen Nutzen werden Isoflavonpräparate auf Sojabasis als Nahrungsergänzungsmittel oder diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke von den Behörden nicht empfohlen (Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), DFG - Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln, Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung im Bundesgesundheitsblatt 2/2013). Die Europäische Lebensmittelbehörde (European Food Safety Authority; kurz EFSA) kommt zu einem ähnlichen Statement. Auch die Beweislage bei Osteoporose ist nicht ausreichend für eine Empfehlung der Isoflavone. Die EFSA sieht den Zusammenhang zwischen isolierten Soja-Isoflavonen und den Fettspiegeln als nicht gesichert an.

Metabolismus der Isoflavone

Isoflavone und Fruchtbarkeit/Entwicklung

Im Tierversuch führt eine Ernährung auf der alleinigen Basis von isoflavonreichen Pflanzen (Soja oder Rotklee) zu einer eingeschränkten Fruchtbarkeit. Bekannt ist, dass Hormone auf die Fötus- und Kindsentwicklung einen tiefgreifenden Einfluss haben. Der Einfluss von Phytoöstrogenen ist hier nur ansatzweise untersucht. Tierversuche lassen vermuten, dass es einen Einfluss gibt, zum Bespiel auf die Entwicklung des Eierstocks und der Brust.

Bei Frauen, die als Säugling mit Soja ernährt wurden, kommt es im späteren Leben häufiger zu längeren Menstruationsblutungen und auch -beschwerden. Ursache sind vermutlich gutartige Tumore der Muskulatur der Gebärmutter (Leiomyome). Ein Verdacht eines Zusammenhangs von Genistein mit infantiler Leukämie wurde nicht abschließend geklärt.

Die lange menschliche Nutzung lässt annehmen, dass die Effekte aber eher gering sind. Zur Sicherheit sollte man nicht ohne Grund oder ärztliche Empfehlung Kuh- oder Muttermilch gegen sojahaltige Säuglingsnahrung ersetzen, so die Empfehlung des BfR´s.

Isoflavone und Männlichkeit

Anders als im Tierversuch haben Isoflavone am erwachsenen Mann keinen Einfluss auf die Spermienqualität oder die Blutwerte von Testosteron oder Östrogen. Es gibt aber sehr seltene Fälle, wo männliche Brustbildung oder Impotenz vermutlich durch Isoflavone aus Lebensmitteln ausgelöst wurden. Offensichtlich handelt es sich um Einzelfälle, größere statistische Untersuchungen und eine Auswertung von 32 Studien über Soja in der Nahrung gaben Entwarnung.

Allergie

In seltenen Fällen sind Personen gegen Soja allergisch. Achtung: bei einer Birkenpollenallergie kann es zu einer Kreuzallergie gegen Soja kommen.

Wechselwirkungen

Frauen, die wegen Brustkrebs mit Tamoxifen oder wirkgleichen Stoffen behandelt werden, verzichten besser auf Sojaprodukte. Im Tierversuch hebt Genistein den Effekt von Tamoxifen auf.

Soja enthält im Vergleich zu Milchprodukten wenig Kalzium. Bei Produkten, die den ganzen Samen (auch die Samenschale) enthalten, ist die Kalziumaufnahme durch die enthaltenen Phytate und Polyphenole behindert.

Phytate hemmen ebenfalls die Aufnahme von Spurenelementen wie Eisen und Zink, daher sollten auch Fleisch, Eier, Milchprodukte und (angereicherte) Cerealien verzehrt werden, um den Bedarf zu decken.