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Tausendgüldenkraut

© C. Heyer/PhytoDoc

Tausendgüldenkraut: Tausend Anwendungen?

Hilft als bitteres Tonikum bei Verdauungsstörungen, doch auch sonst scheint die Pflanze recht vielseitig zu sein.

Von: PhytoDoc-Redaktion

In Deutschland ist das Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) streng geschützt, weshalb die zu pharmakologischen Zwecken verarbeitete Heilpflanze vorwiegend aus Osteuropa und Nordafrika importiert wird. Tausendgüldenkraut wird aufgrund seines bitteren Geschmacks häufig als Magenbitter oder Zusatzstoff in Nahrungsmitteln, wie auch in Getränken genutzt. Die heilende Wirkung des Tausendgüldenkrauts bezieht sich in erster Linie auf den gesamten Bereich des Verdauungstrakts. Die Bitterstoffe regen sowohl die Speichelsekretion, Magensaftabgabe als auch die Aktivität der Bauchspeicheldrüse, Leber und Galle an. Dies stimuliert nicht nur den Appetit, es wirkt sich auch nach einem üppigen Essen positiv aus: Die Bitterstoffe regen die Magen- und Darm-Aktivität an und wirken antioxidativAnwendungsgebiete des Tausendgüldenkrauts sind neben der erwähnten Appetitlosigkeit auch dyspeptische Beschwerden, Verdauungsschwäche, Völlegefühl, Blähungen und Durchfälle. In der Volksmedizin wird die Heilpflanze weiter bei vielen anderen Beschwerden verabreicht, beispielsweise bei Blasenentzündungen und Reizblase. Tinkturen oder Extrakte sind gängige Präparate des Tausendgüldenkrauts.

Wogegen hilft Tausendgüldenkraut?

Tausendgüldenkraut: Bitter und wirkungsvoll

Wer sich überwindet und den bitteren Tee aus Tausendgüldenkraut trinkt, der wird auch die appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung erfahren. Die klinische Wirkung als bitteres Tonikum gegen Verdauungsstörungen ist so überzeugend, dass in diesem Punkt keine Studien notwendig sind – so sehen es einige Autoren.

Tausend Anwendungen?

Die anderen Eigenschaften des Tausendgüldenkrauts sind weniger offensichtlich und auch nicht sicher belegt. Angaben liegen lediglich aus der traditionellen Literatur und einigen Tierversuchen vor. Die Pflanze wirkt antioxidativ und schützt Magen, Leber und Bauchspeicheldrüse. Die Anwendungen reichen von Wundbehandlung, Entwässerung, Blutdrucksenkung bis zum Austreiben von Würmern und Nierensteinen. Wenn Tausendgüldenkraut auch nur wegen der Wirkung auf die Verdauung angewendet wird, scheint die Pflanze doch recht vielseitig zu sein.

Heilwirkung von Tausendgüldenkraut

Blasenleiden

Ursprüngliche Überlieferungen berichten über eine heilende Wirkung von Tausendgüldenkraut bei Leiden der Blase und Austreiben von Nierensteinen. Eine klinische Untersuchung des Sachverhalts liegt zwar nicht vor, dennoch gibt es gewisse Belege aus Tierversuchen. Ein Extrakt des Tausendgüldenkraut (8% in Wasser) förderte die Harnbildung bei Ratten, wenn er mindestens 5 Tage verabreicht wurde (vermehrte Wasser-, Natrium-, Kalium- und Chlorausscheidung).

Bittere Medizin

Iridoide schmecken extrem bitter. Das löst Reflexe über die Bitterrezeptoren am Zungengrund aus, die eine starke Speichelsekretion und eine gesteigerte Magensaftabgabe bewirken. Angeregt werden auch die Bauchspeicheldrüse, Leber und Galle. Nach Messungen erhöht sich die Sekretion des Verdauungssekrets um 20-80%. Der bittere Geschmack ist der Hauptmechanismus dabei, aber es kommt auch dann noch zu einem Effekt, wenn man die Zunge umgeht und ein Präparat schluckt.

Die Folge der Sekretion ist eine Anregung des Appetits. Nicht umsonst wird ein bitterer Aperitif vor dem Essen genossen, Tausendgüldenkraut hilft aber auch nachträglich, wenn sich nach üppigem, fetten Essen Übelkeit, Blähungen und Völlegefühl einstellen: 2 Tassen Tausendgüldenkrauttee bringen zügig Linderung.

Starke Verdauung

Die Bitterstoffe unterstützen die Entleerung des Magens und fördern außerdem die Motorik des Darms, so dass man von einer Tonisierung des Verdauungstraktes spricht.

In der Summe erreicht man ein besseres Aufschließen der Nahrung, weswegen man das Kraut auch bei Abmagerung, zur Stärkung und Rekonvaleszenz einsetzt.

Aber: Zu viel davon ist kontraproduktiv: Eine zu hohe Dosis hemmt die Sekretion. Versuchstieren nehmen dann weniger Nahrung auf.

Antioxidativ = schützend

Der Gehalt an Xanthonen und Phenolen lässt annehmen, dass das Tausendgüldenkraut antioxidativ wirkt und oxidativem Gewebsschaden durch reaktive Sauerstoffverbindungen vorbeugt. Der Laborversuch konnte genau das belegen, allerdings wird der Tee aus Tausendgüldenkraut vom Grünen Tee in diesem Punkt geschlagen.

Bitterer Magenschutz?

Rechtzeitig eingesetzt kann Tausendgüldenkrautextrakt eine Magenschädigung verhindern. Im Tierversuch mit Ratten unterbindet ein wässrig/alkoholischer Extrakt aus der Pflanze die magenschädigende Wirkung von Aspirin. Verantwortlich sind wieder die antioxidativen Eigenschaften des Extrakts. Aber Achtung: Sind Magen- und Darmgeschwüre schon vorhanden, darf Tausengüldenkraut nicht verwendet werden. Die vermehrte Sekretion könnte eine Selbstverdauung bewirken.

Stärkung der Bauchspeicheldrüse

In Mallorca gilt Tausendgüldenkraut als Heilmittel bei leichtem Diabetes, dies erscheint zumindest logisch, da auch die Sekretion der Bauchspeicheldrüse angeregt wird. Klinische Untersuchungen hierzu fehlen allerdings. Aber der Tierversuch liefert Argumente für die Annahme: Hier wurden die degenerativen Veränderungen und oxidativen Schäden in der Bauchspeicheldrüse aufgehalten, die im Experiment zum Versagen der Drüse führen.

Übrigens wird auch die Leber im Experiment durch den Extrakt vor einer Schädigung durch Giftstoffe geschützt. Eingesetzt wurde jeweils ein Trockenextrakt aus den Blättern der Pflanze, allerdings in extrem hohen Dosierungen im Gramm-Bereich.

Bluthochdruck

In der Traditionsheilkunde aus Ägypten wird Tausendgüldenkraut auch bei Bluthochdruck verwendet. Dass dies nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigen Versuche. Dieser Effekt läuft ebenfalls über die reflektorische Nervenaktivität ab und führt zu einem verminderten Herzschlagvolumen. Da pro Schlag weniger Blut bewegt wird, fällt auch der Blutdruck. Versuche am Menschen gibt es aber keine.

Wunden und Infektionen

Die Tradition berichtet außerdem über eine wundheilende Wirkung. Tatsächlich enthält die Pflanze antibakteriell wirksame ätherische Öle. Die Extrakte aus dem Kleinen Tausendgüldenkraut wirken darüber hinaus gegen Pilze. Verantwortlich sind die Secoiridoidglycoside. Der Tierversuchen hat dies bestätigt. Daneben zeigt der wässrige Extrakt gewisse entzündungshemmende und fiebersenkende Aktivitäten. Bei Wunden fällt die entzündliche Reaktion bei äußerer und innerer Anwendung eines Extraktes. Sogar ein schmerzhemmender Effekt ist verzeichnet (gespritzter Extrakt).

Würmer mögen es nicht bitter

Der Überlieferung nach hilft Tausendgüldenkraut gegen Würmer im Darm. Auch in diesem Punkt fehlen objektive Untersuchungen, aber eine Wirkung ist durchaus anzunehmen: Ein insektizider Effekt gegen die Larven des Reismehlkäfers kann nämlich gezeigt werden. Tausendgüldenkraut hemmt Enzyme im Speichel der Tiere, so dass sie verhungern. Auch Krebstiere (Salinenkrebs) reagieren sensibel darauf.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Appetitlosigkeit
  • dyspeptischen Beschwerden, Verdauungsschwäche, Völlegefühl, Blähungen, Durchfälle (durch Verdauungsschwäche)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • allgemeine Schwäche, Rekonvaleszenz: Stärkungsmittel (Tonikum)
  • Leber- und Gallenbeschwerden (träge Galle, traditionell)

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Bluthochdruck
  • Entzündungen von Mund und Rachen (äußerlich, traditionell)
  • Fieber (traditionell)
  • Harnblasen- und urologischen Beschwerden (Austreiben von Nierensteinen, traditionell)
  • Schwäche der Bauchspeicheldrüse (leichte Diabetes, traditionell)
  • Wundbehandlung (äußerlich, traditionell)

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Kraut, Tinkturen oder Extrakte sind Bestandteil von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Tausendgüldenkraut wird in vielen Verdauungstees mit anderen Bestandteilen gemischt (wie Kamille, Enzianwurzel, Wermut, Ingwer, Kümmel, Koriander, Fenchel, Kalmuswurzel), das bessert auch den Geschmack etwas.

Dosierung

Tee:
  • 1 gehäufter Teelöffel der getrockneten Krauts in 1 Tasse mehrere Stunden im kalten Wasser einweichen und anschließend auf Trinktemperatur erwärmen.
  • 1 gehäufter Teelöffel des getrockneten Krauts in 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen und nach 10-15 Minuten abseihen. Etwa 30 Minuten vor einer Mahlzeit trinken. Durch mehrfaches Aufkochen vermindert sich der bittere Geschmack – aber auch die Wirkung.

Empfohlene Tagesdosis: 6 g getrocknetes Kraut oder 1–2 g Extrakt.

  • um die bittere Wirkung des Krautes zu umgehen, kann das Kraut (0,25-0,5 g) zerstoßen werden und in eine Oblate gewickelt geschluckt werden. Auch die Mischung mit Honig und Marmelade ist möglich.

Tinktur (5:1) in 70% Alkohol

- 2-5 g pro Tag

Tausendgüldenkrautextrakt in 25% Alkohol (Extractum Centaurii fluidum)

- 2-4 ml pro Tag

Tausendgüldenkrautextrakt EB 6 (Extractum Centaurii spissum)

- Einzeldosis 0,2 g, Tagesdosis 1 bis 2 g

Vor Licht und Feuchtigkeit geschützt in dicht schließenden Behältern aufbewahren.

Wirkstoffe

  • Bitterstoffe: Iridoidglykoside, sogenannte Secoiridoide (Swertiamarin, Gentiopicrin, Gentiopicroside, Deacetylcentapicrin und Swerosid), geringere Mengen an dimeren Secoiridoiden wie Centaurosid
  • Secoiridoidalkaloide (Spuren): wie Swertiamarin
  • Flavonoide
  • Xanthonderivate (wie Eustomin, Demethyleustomin, Methylbellidifolin)
  • Phenolcarbonsäuren
  • Monoterpene: Terpinene-4-ol, Methon, p-Cymen, γ-Terpinen und Limonen
  • Triterpene
  • Sterole: β-Sitosterol
  • Cumarine