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Vitamin E

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Vitamin E: Unentbehrlicher Schutz

Vitamin E schützt den Körper vor schädlichen Oxidantien. Zu viel von dem Vitamin könnte jedoch schädlich sein.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Schutz biologischer Membranen

Vitamin E ist ein Pflanzenprodukt mit fettlöslichen Eigenschaften. Es handelt sich dabei nicht um nur einen Stoff, sondern eine Stoffgruppe mit acht Varianten. Bekannt geworden ist Vitamin E als Fruchtbarkeitsvitamin. Die eigentliche Spezialaufgabe von Vitamin E ist aber der Schutz biologischer Membranen vor Zerstörung durch aggressive Radikale. Neben dieser Haupteigenschaften wirkt Vitamin E zellteilungshemmend und regulierend auf das Immunsystem. In der Regel sind wir in Mitteleuropa mit dem Vitamin ausreichend versorgt, dennoch kann ein Mangel bei gestörter Verdauung und einseitiger Ernährung auftreten. Vitamin E ist in der Selbstmedikation sehr beliebt, vor allem im Bereich Anti-Aging, Herz-Kreislauf und Krebs. Dabei wird in der Regel nur ein Stoff aus der komplexen Stoffgruppe zugeführt. Heute ist der Blickpunkt vermehrt auch auf mögliche Nebenwirkungen von Vitamin E gerichtet. Natürliche Vitamin E Quellen und Vitamin E-Mischungen gewinnen daher an Bedeutung.

Indikationen und Beweiskraft der Studien

Vitamin E: ein Molekül zur Verteidigung

Vitamin E gehört zu den Schutzsystemen des Körpers gegen zerstörerische Oxidantien. Das ist ein unstrittiger Fakt. Abgesehen davon, dürfte es noch weitere Wirkungen auf Blutgerinnung und das Immunsystem (von Immunschwäche bis Allergie) geben. So nimmt man an, dass es als Anti-Aging-Vitamin entzündlicher und degenerative Erkrankungen vorbeugen kann (Krebs, Gefäß- und Herzerkrankungen, Alzheimer, Gelenk- und Augenerkrankungen, Katarakt, Makuladegeneration).

Komplexität unterschätzt

Unter künstlichen Laborbedingungen hat Vitamin E überzeugt, problematisch erwies sich der Nutzen in der Praxis: Bisher ist die Wirkung auf Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs oder Gelenke nur theoretisch belegt (Labor- und Tierversuch). Es gibt zwar unzählige klinische Studien zum Thema Vitamin E, jedoch sind die gefundenen Wirkungen gering oder strittig.

Mögliche Ursache: Der Vitamin E Stoffwechsel besteht aus vielen komplexen Wechselwirkungen. Nur einen Stoff zu ergänzen, bringt weniger als angenommen. Vitamin E braucht weitere Begleitstoffe: Heute verspricht man sich von komplexen Antioxidantien-Mischungen und natürlichen Vitamin E Formen mehr als von isolierter Gabe von einzelnen Vitamin E-Varianten oder synthetisch hergestelltem Vitamin E (alpha-Tocopherol). Daneben konzentriert man sich auf den zielgenauen Einsatz. Wissen muss man auch: Vitamin E kann eine vitaminreiche pflanzliche Ernährung und gesunde Gewohnheiten nicht ersetzen und es kann bereits vorhandene Schäden nicht mehr aufheben.

Heilwirkung von Vitamin E

Oxidieren heißt altern

Auf die Frage, warum wir altern, würde ein Biochemiker heute antworten: Wir oxidieren langsam aber unaufhaltsam dem Tode entgegen. Oxidantien sind aggressive Stoffe, welche mit den Molekülen im Körper reagieren und sie dabei schädigen. Das alleine ist noch kein Problem. Der Körper kennt die Gefahr und schützt sich mit Antioxidantien gegen den Angriff. Diese Antioxidantien werden ständig ergänzt und immer wieder regeneriert. Hier kommt Vitamin E ins Spiel. Es ist ein Vertreter in der Phalanx der Abwehrfaktoren. Die Zuständigkeit für Vitamin E beschränkt sich auf die Fette in den Zellmembranen. Andere Stoffe wirken im wasserlöslichen Milieu (wie Vitamin C).

Klar ist auch, dass nicht immer alle Radikale und Oxidantien vor einem fatalen Schaden abgefangen werden können. Viele Schäden werden repariert, andere sind dauerhaft. Ganz fatal sind Schäden an der Erbsubstanz. Dann gehen nach und nach die Informationen für die Regenerationsprozesse verloren und Falschinformationen (durch ROS Radikale hervorgerufene Mutationen) fördern Erkrankungen wie Krebs. Problematisch sind auch Schäden an nicht regenerierenden Geweben wie Knorpel, Linse und Sehrinde. Andere Schäden werden zur Dauerbaustelle (Arteriosklerose). So kann man zusammenfassend festhalten: Antioxidantien wie Vitamin E sind Schutzstoffe, die degenerative Erscheinungen im Körper dämpfen helfen, aber Alterung bestenfalls verzögern, aber nicht aufhalten können. Bleibt die entscheidende Frage, ob man alle die Wirkungen, die man im Labor gefunden hat, auch auf die Praxis übertragen kann.

Blut, Arteriosklerose und Herz-Kreislauf

Blutzellen sind in besonderer Weise der oxidativen Kraft der Sauerstoffradikale ausgesetzt. Um die Membranen der Blutzellen vor Zerstörung zu schützen, hilft die Einlagerung von Vitamin E. Sauerstoffradikale greifen auch Aderwände und Cholesterin an. Vitamin E verhindert die Oxidation von Cholesterin. Heute weiß man aber, dass nur die Tocotrienole aus der Vitamin E Gruppe das Cholesterin senken. Vitamin E reduziert das Verklumpen von Blutzellen oder deren Anhaftung an die Gefäßwände. Damit würde es einer Verstopfung von Blutgefäßen im Sinne einer Blutverdünnung vorbeugen. Die Stoffgruppe kann so - zumindest theoretisch - viele gefährliche Prozesse auf dem Weg zur Arteriosklerose unterbinden.

Die großen klinischen Studien haben bisher keinen Nutzen der isolierten Vitamin E-Form (alpha Tocopherol) auf das Herz/Kreislauf-System zeigen können. Die wenigsten Studien verliefen positiv, über alle Studien gemittelt verliert sich der Effekt. Empfehlen kann man dennoch eine Vitamin E-reiche Ernährung, die meisten Erhebungen des Ernährungsverhaltens nämlich verliefen bezüglich Vitamin E und Herzerkrankungen positiv: Menschen mit gesunder und Vitamin E-reicher Ernährung (mit allen Vitamin E Formen und weiteren pflanzlichen Antioxidantien) erleiden im Alter weniger Herz-Kreislauferkrankungen.

Fazit:

  • Vitamin E kann nicht pauschal für alle älteren Menschen zur Prävention von KHK (koronare Herzkrankheit) empfohlen werden.
  • Bei bestehender KHK vermindert Vitamin E weitere Krankenhauseinweisungen nicht, zusätzlich gibt es mögliche Bedenken einer Verschlimmerung des Zustandes.

Die Idee ist aber noch nicht ausgereizt. Neue Versuche sind gezielt auf die Patienten mit nachgewiesenem vermehrtem oxidativen Stress ausgerichtet. Gerade bei Gefäßverschlüssen drohen Gewebeschäden durch oxidativen Stress. Es wird nun untersucht, ob bei einer Gefäßweitung bei einem akuten Herzinfarkt die Gabe von Vitamin E und C das Schadensgebiet verringert. Bei Revaskularisation in den Extremitäten oder auch Nierentransplantationen jedenfalls wirkt ein Antioxidantienschutz offensichtlich positiv für den Patienten. Die Tendenz geht also weg von einem pauschal-präventiven Einsatz hin zu einer zielgenauen Therapie.

Vitamin E und Krebs

Ob Vitamin E nun Krebs verhindert oder nicht, ist ein langer Diskussionsprozess, der sich über viele Jahre hinweg zieht. Rein theoretisch hemmt Vitamin E das Wachstum von Krebszellen. Die Zellkultur zeigt, dass es an unzähligen weiteren Stellen die Krebsprogression hemmt. So stärkt es zum Beispiel die Kontrolle der Zellteilung, den geregelten Zelltod und unterbindet die Bildung von tumorversorgenden Blutgefäßen. Diese Erkenntnis lieferten aber nur die Versuche mit Krebszellkulturen und Tierversuchen. In der Realität haben klinische Studien durch das alpha-Tocopherol bisher keinen Krebsschutz nachweisen können (auch nicht höhere Mengen von 400 IE - 600 IE). Aber die Diskussion ist nicht vom Tisch. Besonders wirksam ist das gamma-Tocopherol oder gamma- plus delta-Tocopherol und die Tocotrienole. In Studien verwendete man aber überwiegend alpha-Tocopherol. Neuerdings hat man sogar künstliche Vitamin E-Varianten entdeckt, die noch effektiver gegen Krebs arbeiten. Auch hier bleibt Vitamin E im Gespräch.

Immunantwort steigern und schwächen

Vitamin E hemmt Entzündungen, stärkt aber dennoch die Immunabwehr. In der Summe kann also von einer immunmodulierenden Aktivität gesprochen werden.

Gerade die Fresszellen profitieren. Sie sind in der Beseitigung der bekannten Erreger aktiv. Auch bei der Antikörperproduktion lässt sich erfreuliches berichten. So könnte Vitamin E das Ansprechen auf eine Impfung stimulieren. Ältere Menschen leiden bei guter Vitamin E-Versorgung weniger häufig an einer viralen Infektion. Vitamin E liefert also auch einen Beitrag zur Abwehr von Infektionserkrankungen. Dabei dürften die verschiedenen Vitamin E Formen ergänzen. So zeichnet sich ab, dass alpha-Tocopherol eher dämpfend und gamma- und delta-Tocopherol eher immun-(allergie)-anregend wirkt (Tierversuch). Auch die Tocotrienole haben verschiedene gegenläufige Wirkungen auf Allergien und die Immunantwort.

Von der antientzündlichen alfa-Tocopherol-Wirkung verspricht man sich auch einen Vorteil bei Allergien und Asthma. Die Daten dazu sind jedoch nicht einheitlich. Die Studien, die einen gewissen Nutzen von Vitamin E gegen Asthma berichten, sind von geringer Beweiskraft und die Ausführung der Datenerhebung wird kritisiert. Hier braucht es noch ein genaueres Hinsehen. Offensichtlich ist aber der Mangel an Antioxidantien in der Nahrung (gerade in der Kindheit und auch von der schwangeren Mutter) mit dem vermehrten Auftreten einer asthmatischen Neigung verbunden.

Vitamin E – das Gelenk-Vitamin?

Einige Erhebungen lassen vermuten, dass Rheumapatienten Defizite in der Aufnahme und im Spiegel von Antioxidantien haben, gleichzeitig verbraucht die Entzündung die antioxidative Pufferkapazität. So sind die wertvollen Schutzstoffe auch in der Gelenkflüssigkeit erniedrigt. Die nicht entschärften Sauerstoffradikale wiederum heizen die Produktion entzündlicher Botenstoffe an und die Entzündung sorgt für den beständigen Nachschub an Sauerstoffradikalen. Ein Teufelskreis beginnt.

Vitamin E war die große Hoffnung für eine ursächliche Behandlung entzündlicher Gelenkerkrankungen (Arthrose, rheumatische Arthritis). Immerhin: Studien dazu zeigten gelegentlich (nicht immer) einen leichten Effekt auf das Schmerzgeschehen. Dabei war der Effekt durchaus mit dem Entzündungshemmer Diclophenac vergleichbar. Gerade von der Kombination aus Vitamin AC und Selen verspricht man sich viel, bewiesen werden konnte aber auch hier der Effekt nicht.

Auch das Nervensystem braucht Schutz

Nerven und Gehirn sind besonders reich an Biomembranen, die Schutz bedürfen. In den Gehirnen von Alzheimer Patienten findet man darüber hinaus mehr oder weniger starke Anzeichen für chronische entzündliche Vorgänge an den Gefäßwänden. Auch der oxidative Stress und die Ablagerungen setzen den Nervenzellen zu und bewirken vermehrtes Absterben. Beides Prozesse, die man im Zellkulturexperiment mit Vitamin E aufhalten kann. Seit etwa 1990 hält sich der Verdacht, dass Vitamin E Abhilfe schaffen könnte. Man untersuchte daraufhin die Wirkung auf das Fortschreiten der Alzheimersymptome bei sehr hohen Dosierungen (2000 IU/Tag). Eine neuere Studie beziffert den Effekt genauer: So war die Zunahme der Symptome etwa um 6 Monate verzögert.

Fazit für die Praxis: Da die Studien für eine umfangreiche Aufnahme möglicher Schädigungen (wie etwa Schlaganfälle durch Blutungen) sprechen und es zahlreiche ungeklärte Fragen und Widersprüche gibt, wird derzeit eine systematischen Versorgung mit Vitamin E für Alzheimerpatienten in dieser hohen Dosierung nicht erwogen. Patienten sollten Vitamin E nicht ohne Wissen des Arztes einnehmen, da zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu erwarten sind. Übrigens konnte man bei den ersten leichteren kognitiven Beeinträchtigungen derzeit keinen positiven Effekt nachweisen.

Makuladegeneration: Ein Vitamin sichert den Durchblick

Auch Licht transportiert eine Menge Energie. Sie bewirkt die Entstehung von Sauerstoffradikalen, die in der Sehrinde (Makuladegeneration) und der Linse (Grauer Star) schwere Schäden und Ablagerungen verursachen. Vitamin E ist daran beteiligt solche Schäden im Auge aufzufangen. Dass eine vermehrte Zufuhr noch mehr bewirkt, ist nicht zwangsläufig richtig. Bei altersabhängiger Makuladegeneration und Grauem Star experimentiert man aber mit Antioxidantien-Gemischen mit Vitamin E (daneben auch Vitamin Cbeta-KarotinZink). Dabei kann man die bereits entstandenen Schäden natürlich nicht rückgängig machen, jedoch ist in einigen Studien ein langsameres Fortschreiten belegt worden. Insgesamt aber sind die Ergebnisse nicht einheitlich: Ein Erfolg stellte sich nämlich nicht in jeder Studie ein. Aber eine antioxidantien-reiche Ernährung ist nach dem aktuellen Wissen für alle Augenpatienten sinnvoll.

Am Ende der Geschichte: nachdenklich

Eine lange Zeit galt das Dogma: Je mehr Antioxidantien umso besser. Heute hat man einen viel differenzierteren Blick auf das Thema. So weiß man, dass bei einem zu hohen Vitamin E-Spiegel, ohne die Möglichkeit der Vitamin E-Regeneration, Probleme auftreten. Das Vitamin E wird selbst zu einem oxidierenden Stoff, der Schaden anrichtet (Peroxid-Stau). Auch bei Anwesenheit von Kupfer- und Eisenionen dreht sich die Wirkung um. Daneben greift eine Vitamingabe in die körpereigenen Regulationsprozesse ein und es gilt: Zu viele Antioxidantien hält man heute für genauso schlecht wie zu viele Oxidantien. Was zählt, ist die richtige Balance.

Der Oxidantien-Kick

Verwirrender Weise hat man entdeckt, dass ein gezielter Stimulus durch Oxidantien sogar die antioxidativen Schutzsysteme des Körpers hochreguliert. Das geht am besten dann, wenn er ab und zu den richtigen Reiz bekommt: Pro-oxidierendes Fasten etwa, ein kurzer Infekt, ein Sonnenbad oder sportliche Aktivität regen die Nachregulation an. Oxidantien sind nicht zwangsläufig schlecht. Verblüffender Weise braucht der Muskel ein wenig Stress für die Anpassung an die geforderte Leistung. Die Fähigkeit oxidativen Stress zu erzeugen ist sogar lebenswichtig und kann die Lebensspanne von Versuchstieren verlängern!

Fazit: Die Folgerungen, die man daraus zieht, könnte man unter dem Begriff „zurück zur Natur“ umschreiben. So propagiert man Vitamine nur in ihrem natürlichen Zusammenhang mit Antioxidantien wie Flavonoiden und Gerbstoffen. Dauerhafte Vitamin E-Gaben sowie der Einsatz ohne konkretes Ziel sind heute fragwürdig. Vielmehr geht es um den gezielten Einsatz gegen konkrete Probleme für überschaubare Zeiträume.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Vitamin-E-Mangel mit Störungen der Nerven (Neuropathie) und Muskelabbau (Muskeldystrophie), Muskelschwäche und Sehstörungen
  • Vitamin E Aufnahmestörungen bei organischen Erkrankungen wie: Mukoviszidose, Zöliakie, chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung, Kurzdarmsyndrom nach einer Darmoperation, Morbus Crohn, Gallenwegs- und Lebererkrankungen.

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Fruchtbarkeitsstörungen (weibliche und männliche), Impotenz (versuchsweise)
  • Gelenkerkrankungen, Rheuma, Arthrose (Schmerzlinderung, unsicher)
  • Grauer Star, Makuladegeneration (Vorbeugung, Verlangsamung, unsicher)
  • Herzinfarkt, Thrombosen (begleitend zur Revaskularisation, experimentell)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

Die Hinweise aus traditioneller Anwendung oder Laborversuchen sind zu wenig überzeugend und gehen über einen experimentellen Status nicht hinaus. Es gibt bisher keine korrekten oder positiven klinischen Studien.

  • Allergie, Asthma (fraglich)
  • Alzheimer (Verlangsamung, unsicher)
  • Anti-Aging
  • Arteriosklerose, Herz-Kreislauferkrankungen (Vorbeugung, wirkungslos)
  • Hautprobleme, Hautalterung, Pigmentflecken
  • Infektanfälligkeit, Immunschwäche (in Untersuchung)
  • Krebs (Vorbeugung, wirkungslos)
  • Müdigkeit, Chronische Müdigkeit, Leistungsschwäche, Konzentrationsstörungen
  • Muskelschwäche, Sportler

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Vitamin E: echt pflanzlich

Der Mensch kann kein Vitamin E herstellen, in diesem Punkt ist er auf pflanzliche Nahrung angewiesen. Wichtig zu wissen ist, dass Vitamin E nur fettlöslich ist: Logischerweise ist es in pflanzlichen Ölen und fettigen Speichergeweben in größeren Mengen enthalten als in anderen Geweben. Vitamin E bekommt man in Form von Nahrungsmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln.

Wissen, was man kauft

Bevor man sich Vitamin E kauft, sollte man wissen, welches Präparat man haben will oder ob man gar zum Lebensmittel greift. Hier gibt es große Unterschiede, denn Vitamin E ist eine Stoffgruppe und kein einzelner Stoff.

Natürliches Vitamin E besteht eigentlich aus 8 verschiedenen Formen. Im engeren Sinne versteht man unter Vitamin E die vier Tocopherole (alpha, beta, gamma, delta). Daneben gibt es noch vier Tocotrienole. Forschungsdaten zeigen, dass jede Vitamin E-Form einen anderen Wirkschwerpunkt hat.

Natürliche Vitamin E-Mischungen

Vitamin E-Komplex“ (Complete Vitamin E) ist am weitesten gefasst. Hierunter verbergen sich nicht nur die vier natürlichen Tocopherole sondern auch vier Tocotrienole. Es handelt sich hier also um die natürlichste Vitamin E-Quelle.

Auch „Gemischte Tocopherole“ (= Mixed Tocopherols) meinen Vitamin E aus natürlichen Quellen (mit alpha-, beta-, gamma- und delta-Tocopherol). Tocotrienole fehlen. Verwendet werden dürfen dabei auch gentechnisch hergestellte Organismen.

Daneben gibt es reine Präparate mit Pflanzenöldestillaten, die überwiegend nur eine der natürlichen Vitamin E-Formen enthält (RRR-alpha-Tocopherol, alt: D-alpha-Tocopherol). Es ist die häufigste Vitamin E Form im Körper. Achten muss man hier auf das Haltbarkeitsdatum, diese Form ist nicht sehr stabil. Die antioxidative Wirkung der Mischungen ist stärker und die Produkte stabiler. Möglicherweise wirkt die alpha-Form stärker anti-entzündlich, vermutlich aber nicht gegen Krebs.

Künstlich synthetisiertes Vitamin E

Bei der chemischen Synthese entstehen noch weitere sieben unnatürliche Vitamin E-Formen (all-rac-alpha-Tocopherol, nicht zu verwechseln mit den acht natürlichen Vitamin E-Formen). Diese sieben künstlichen Stoffe haben ebenfalls eine Vitamin E-Funktion, die aber geringer ist. Um dieselbe Wirkung von natürlichem Tocopherol zu erhalten, muss man daher mehr künstliches Vitamin E einsetzen. Die künstlichen Formen werden vom Körper außerdem wenig effektiv aufgenommen und schnell wieder ausgeschieden. Es verschiebt außerdem die natürliche Vitamin E-Verteilung im Körper.

Des Weiteren wird nicht die fertige Form angeboten, sondern Vitamin E als Provitamin (Tocopherolacetat, Tocopherolsuccinat). Diese Form ist inaktiv (also nicht antioxidativ), aber stabiler und länger lagerbar. Der Körper stellt daraus erst die aktive Form her. Die synthetische Vitamin E-Mischung als Provitamin erkennt man an der Bezeichnung „all-rac-alpha-Tocopherolacetat“. Die meisten Studien verwenden Präparate mit dieser Form. Sie sind billig, stabil und immer in gleicher Qualität lieferbar.

Das Vitamin E-Kombipaket

Da in der Praxis bisher keine Wirkung bei künstlichem Vitamin E gezeigt wurde, geht man dazu über, komplexe Präparate mit einem Antioxidantien-Mix anzubieten. Er enthält üblicherweise die antioxidativen Vitamine, die der Körper selbst nicht herstellen kann (Vitamin C, Carotin, Selen, Zink). Damit möchte man sicherstellen, dass Vitamin E im Körper auch schnell wieder regeneriert wird, um so die biologische Wirksamkeit zu erhöhen. Das stellt sicher, dass verbrauchtes Vitamin E nicht prooxidativ wirkt. Wer künstliches Tocopherol einnimmt, verzehrt am besten auch begleitend antioxidantien-reiche Pflanzenkost.

Wissen, wie man dosiert

Da jedes Tocopherol und jedes Gemisch eine andere „Aktivität“ aufweist, wird es kurzer Hand auf RRR-alpha-Tocopherol bezogen und als Tocopherol-Äquivalent angegeben (RRR-alpha-Tocopherol-Äquivalente). Bei Aktivität meint man nicht etwa die antioxidative, antientzündliche oder antikrebs-Wirkung, sondern die Fähigkeit bei weiblichen Ratten mit Vitamin E-Mangel die Furchtbarkeit wiederherzustellen. Gebräuchlich sind auch internationale Einheiten (IE oder IU). Dabei entspricht 1 mg RRR-alpha-Tocopherol 1,49 IE.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung schätzt für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 12-15 mg Tocopherol-Äquivalenten (entspricht 18 IE). Bei gesunder Ernährung erreicht man die geforderten Werte spielend. Ein Esslöffel Weizenkeimöl würde reichen. Man vermutet aber, dass viele Vitamin E-Wirkungen erst ab einer höheren Dosierung auftreten. Da Vitamin E in größeren Mengen nicht giftig ist, enthalten Supplemente deutlich höhere Dosen. Faustregel: Im Normalfall sollte man unter 100 mg (150 IE) liegen. In dieser Dosierung sind keine schädlichen Nebenwirkungen nachgewiesen worden. Unter ärztlicher Beobachtung können zeitlich begrenzt bis zu 300 mg pro Tag (oral oder intramuskulär). Grenzwert ist nach der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 300 mg (450 IE). Da die Sicherheit bei einer Langzeiteinnahme über viele Jahre nicht ganz gesichert ist, sollte man Vitamin E nicht dauerhaft und ohne Grund nehmen. Im Zweifelsfall kann der Arzt über einen Bluttest die Vitamin E-Werte bestimmen lassen.

Übrigens: Nur bei leichteren Störungen reicht eine vermehrte Zufuhr über Supplemente. Bei schweren Verdauungsstörungen muss das Vitamin E zusammen mit anderen fettlöslichen Vitaminen gespritzt werden.

Vitamin E-Versorgung im Alltag: Hausmittel und Rezepte

Natürliche Vitamin E Quellen enthalten verschiedene natürliche Vitamin E Formen plus das gesamte Paket an Mineralien und antioxidativen Schutzstoffen. Damit ist man (als gesunder Mensch) optimal bedient.

Hohe Mengen an Vitamin E findet man in pflanzlichen Ölen wie Weizenkeimöl (bis 200 mg/100 g), Sonnenblumenöl (45-81 mg/100 g), Maiskeimöl 31 mg/100 g und Olivenöl (13–22 mg/100 g). Je stärker gereinigt die Öle sind („raffiniert“), umso weniger Vitamin E ist enthalten. Rohes Palmöl (auch als Rotes Palmöl bezeichnet) hat mit 80 mg/100 g die höchsten Werte an Carotinoiden und Vitamin E (speziell Tocotrienole).

Gute Quellen sind fettige Nüsse und Samen (Walnuss 6 mg, Mandeln und Haselnüsse 25 mg jeweils auf 100 g) und andere Samen sowie Vollkornprodukte. Auch einige Gemüse – Obstsorten enthalten Vitamin E (Schwarzwurzeln 6 mg, Spargel 2,5 mg, Aprikosen 2,5 mg, Oliven 2 mg oder Paprika 2,5 mg jeweils in 100 g). Vitamin E wird nur in Pflanzen hergestellt, tierische Produkte enthalten deutlich weniger (wie Eier, ca. 2 mg oder Leber 0,7 mg). Die Werte sind außerdem stark abhängig von der Fütterung.

Alles richtig gemacht? Vitamin E-gerecht zubereiten

Die Aufnahme von Vitamin E im Dünndarm wird durch Fett gefördert. Das kann man einfach beim Kochen berücksichtigen, indem Vitamin E reiche Pflanzen mit Öl zubereitet werden. Pflanzliche Öle enthalten praktischerweise bereits Fett. Erfreulich ist, dass Vitamin E relativ stabil gegen Hitze ist. Dennoch sollte man Pflanzenöl nicht längere Zeit erhitzen (frittieren), das entwertet das Öl. Außerdem leiden die empfindlichen ungesättigten Öle unter der Hitze. Ist das Öl ranzig geworden, kann man damit rechnen, dass auch das Vitamin E bereits verbraucht ist. Wichtig auch: Speiseöl soll man dunkel lagern, denn auch UV-Licht zerstört das wertvolle Vitamin. Die Öle sollten nicht in Metallkanister gelagert werden, Kupfer und Eisen wirken nämlich negativ. Zu lange sollte man das geöffnete Öl nicht aufheben, also lieber zur kleinsten verfügbaren Flasche greifen.

Wirkstoffe

Vitamin E: 8 Stoffe unter einem Namen

Vitamin E ist kein einheitlicher Stoff, sondern ein Überbegriff für viele ähnliche Substanzen. Im engsten Sinn versteht man unter Vitamin E nur alpha-Tocopherol, im engeren Sinne die vier Tocopherole (alpha, beta, gamma, delta). Mit den vier Tocotrienolen (alpha, beta, gamma, delta) ist die Familie komplett. Im Standardtest wirkt das alpha-Tocopherol am besten, daher wird Vitamin E oft gleichbedeutend mit alpha-Tocopherol verwendet (was genau genommen falsch ist).

Eine Dosierung für 8 Stoffe

Bei der Dosierung wiederum bezieht man sich nur auf einen Stoff, das alpha-Tocopherol. Üblicherweise wird Vitamin E in internationalen Einheiten (IE = IU) oder „Tocopherol-Äquivalenten“ angegeben. Der Grund ist einfach: Nicht jedes Vitamin wirkt gleich gut gegen Vitamin E-Mangel im Tierversuch. (Umrechnung: 1 mg Tocopherol-Äquivalent = 1,49 IE). Übrigens müsste man für jede Indikation eine „Wertigkeitsskala“ erstellen, denn jedes Vitamin E hat andere Wirkschwerpunkte.

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit den Nebenwirkungen von Vitamin E.