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Wilde Malve

© Kiya Grafica - Fotolia.com

Wilde Malve: Reich an wertvollen Schleimstoffen

Diese hüllen die gereizte Schleimhaut ein und lindern so Hustenreiz, Halsschmerzen, Heiserkeit, Sodbrennen und Gastritis.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Patentierte Heilpflanze

Mindestens seit 5.000 Jahren wird die Wilde Malve (Malva sylvestris) von den Menschen als Nutzpflanze geschätzt. Dabei dürfte sie anfangs als Nahrungsmittel gedient haben. Es war aber vermutlich kein Zufall, dass die haut- und schleimhautschützende Wirkung entdeckt wurde. Die schleimige Konsistenz der Malvenblüte ist eine augenfällige Eigenschaft. Man verwendet die Wilde Malve heute um Reizungen und Entzündungen der Haut und Schleimhaut zu lindern. Behandelt werden trockener Reizhusten sowie Schleimhautreizungen im Mund und Rachen.

Aber die hübsche Gartenpflanze hat offensichtlich noch mehr zu bieten. So gibt es mehrere Patentanmeldungen zu Malvenextrakten für die Anwendungen rund um die Haut. Von Hautalterung bis Hautrockenheit und Pigmentflecken reichen die proklamierten Einsatzgebiete. Neben Kosmetika sind auch Malven-Tee oder Abkochungen als Gurgellösung beliebt. Einfache Hausmittel bei Schleimhautentzündungen in Mund und Rachen finden Sie hier .

Wogegen hilft Wilde Malve?

Schleim für die Schleimhaut

Die Malve ist einer der Klassiker unter den Heilpflanzen. Griechen und Römer nutzten die Pflanze zum “Einweichen” und Abführen. Die Malve ist aber immer noch aktuell und hat Eingang in europäische, britische oder brasilianische Pharmaziebücher gefunden. Entzündungen und Reizungen von Haut und Schleimhaut sind die Kernanwendungsgebiete der Malve. Schleimhautentzündungen in Mund und Rachen sowie trockener Reizhusten nennt die Kommission E als Indikationen. Die Anwendung dürfte aber auch auf der Magen- und Darmschleimhaut sinnvoll sein. Verantwortlich für die Wirkung sind aber nicht nur die Schleime, denn die Malve hat diverse relevante Bestandteile, die direkt die Entzündung angehen.

Heilwirkung von Wilde Malve

Malvenschleime: Der perfekte reizlindernde Überzug

Die mediterrane und die europäische Erfahrungsheilkunde nutzt die Malve seit langer Zeit bei diversen innerlichen Entzündungen. Dabei ist vor allem der reiche Gehalt an Schleimstoffen verantwortlich. Sie hüllen kurzer Hand die gereizte Schleimhaut ein und lindern so Hustenreiz, Brennen im Rachen, Halsschmerzen, Heiserkeit, Sodbrennen und Gastritis. Auch andere diverse Reize wie Geschmack, Temperatur, Alkohol oder sogar das Brennen der Chili-Frucht wird mit Malvenschleim gedämpft. Faustregel: Die Malve wirkt dort am besten, wo der Schleim hinreicht.

Aber nicht nur innerlich, auch bei äußerlichen Hautreizungen wie Ekzemen oder Wunden setzt man die Wilde Malve ein. Verstärkt wird die abschließende Wirkung durch die leicht adstringierenden Gerbstoffe, die in geringer Konzentration vorliegen.

Neben diesen rein physikalisch abschließenden Eigenschaften, entfaltet die Malve aber auch echte pharmakologische Wirkungen:

Malve bekämpft ganz konkret Entzündungsvorgänge

Ein Grund für die starken Schmerzen bei Infektionen im Rachen und Hals sind die entzündlichen Reaktionen, die in der Schleimhaut ablaufen. Bestandteile aus dem wässrigen Extrakt der Malve wirken direkt auf diese Vorgänge und zwar bei Einnahme und lokalem Auftrag: Im Tierversuch lindert die Malve die Schwellung, den Schmerz und die Ansammlung von Immunzellen (Leukozyten) am Ort, sowie die Ausschüttung entzündlicher Botenstoffe (IL-1β, Prostaglandine). Daneben dämpft sie die entzündlichen Radikal-Reaktionen beim Wundgeschehen: Die antioxidativen Bestandteile der Malve fangen oxidativen Schaden durch die Immunantwort ab. Nach allem was man weiß, bestätigt dies voll und ganz die traditionellen Vermutungen. Malve ist eine typische Heilpflanze gegen Entzündungen.

Malve ist ein patentiertes Schönheitsmittel

Die antioxidativen Inhaltsstoffe und die Schleime schützen nicht nur die Schleimhaut, auch die Haut und andere Gewebe. So sollen Malvenextrakte schädigende Einflüsse abwehren und auch von innen die Festigungselemente der Haut schützen (Elastin). Davon profitieren verschiedene Gewebe des Körpers wie die Blase, vaginale Schleimhaut oder Blutgefäße, so die Patentschrift. Der Malvenextrakt ist patentrechtlich geschützt als Mittel gegen Falten, Akne und Gesichtsrötungen sowie trockene Haut. In Kombination mit anderen Heilpflanzen (Pfefferminze) soll der Malvenextrakt außerdem die Haut aufhellen sowie störende Hautverfärbungen ausgleichen. Bis auf die Hinweise aus Laborversuchen fehlen aber klinische Studien.

Malvenschleim gegen Bakterienschleim

Die antibiotische Wirkung der Malve ist eher gering, dennoch dürfte ein konzentrierter Malvenextrakt das mikrobielle Wachstum hemmen. Zumindest gewisse Bakterien reagieren empfindlich auf Malve, darauf verweisen Laborversuche. Möglicherweise ist aber nicht der antibiotische Effekt entscheidend, sondern der Effekt auf die „Klebrigkeit“ der Bakterien. Die Bakterien selbst bilden nämlich „klebrige“ Schleime, die Bakterienklumpen mit der Unterlage verbinden und selbst die Zugänglichkeit für Antibiotika behindern. Viele bakterielle Angreifer (wie das Methicillin-resistente Eiterbakterium Staphylococcus aureus) entkommen der Immunantwort, einer Antibiotikabehandlung oder mechanischem Ausspülen, indem sie schleimige Biofilme bilden. Sie überziehen hartnäckig jede Oberfläche wie Zähne, Haut und Implantate und überleben dort völlig unbehelligt. Damit lösen sie langwierige Infektionen aus.

Vor Bildung dieser Biofilme schützt offensichtlich der wässrige Extrakt der Malvenblätter bei erstaunlich geringen Werten. Damit werden die Eindringlinge wieder angreifbar. In Zeiten von zunehmenden Antibiotikaresistenzen dürfte diese Beobachtung wichtig werden. Gerade bei der Mundhygiene spielen Biofilme eine große Rolle. Mundspülungen mit Cetylpyridinium-Chlorid haben nur eine beschränkte Wirkung. Auch hier verstärkt der Malvenextrakt offensichtlich den Effekt des Desinfektionsmittels. Ein Praxistest wäre auch hier wünschenswert.

Feuer im Magen: die Malve hilft

Der wässrige Auszug schützt den Magen im Tierversuch vor Geschwüren. Auch bei dem Gastritis-Erreger Helicobacter pylori, der aus Patienten mit Magenschleimhautentzündung oder Gastritis isoliert worden war, ließ ein Effekt zeigen: Konzentrierte Malvenextrakte hemmen ihr Wachstum. Dabei waren aber nicht alle Isolate gleichermaßen empfindlich, weshalb andere Heilpflanzen eine sinnvolle Ergänzung sind (wie Kamille oder Preiselbeere). Auch hier kann die Malve eine Antibiotikabehandlung bestens unterstützen.

Malvenkraft gegen Pilze

Gerade in warmen Ländern verderben Nahrungsmittel schnell durch Pilzwachstum. Deshalb kommen dort gerne präservierende Gewürze zum Einsatz. Konzentrierter Malvenextrakt unterdrückte das Pilzwachstum der Testkeime vollständig. Damit war die Malve in der Wirkung vergleichbar mit Lavendel oder Zimt. Übrigens hatten Pfefferminze und Knoblauch im Vergleich schwächer abgeschnitten. Auch als Fungizid gegen gewisse Schadpilze könnte sich die Wilde Malve eignen, das zeigen Versuche. Bei einem human pathogenen Pilz (Candida albicans) aber versagte der wässrige Extrakt. Die Malve ist natürlich kein Allheilmittel…

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Schleimhautreizungen im Mund und Rachen (Halsschmerzen, Rachenentzündung/Pharyngitis, Mandelentzündung)
  • trockener Reizhusten

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Fertigarzneimittel mit Malvenblüten werden bisher nicht angeboten. In der Apotheke erhalten Sie allerdings lose, getrocknete Malvenblüten oder -blätter für Tees oder Abkochungen. Alternativ gibt es auch fertige Arzneitees aus Malve zu kaufen (z. B. von Bombastus oder Alexander Weltecke).

Hausmittel: Malventee als Getränk oder Gurgelwasser

Tee aus den Blüten:
  • pro Tasse 1–2 g Malvenblüten mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen.
  • Gerade bei schleimigen Bestandteilen macht man häufig einen Kaltwasserauszug, um den Schleimgehalt zu erhöhen. Dazu gießt man eine Tasse kaltes oder lauwarmes Wasser auf die getrockneten Malvenblüten und kocht sie dann kurz auf.

Dosierung

Tagesdosis bis zu 5 g getrocknete Blätter oder Blüten.

Tee aus den Blättern:

  • Etwa 2 Teelöffel (3–5 g) getrocknete Malvenblätter mit einer Teetasse kochendem Wasser übergießen und 10 bis 15 Minuten abseihen.
  • Blätter in kaltem Wasser zwei- bis drei Stunden stehen lassen und gelegentlich umrühren.
  • Getrocknete Malvenblätter mit kaltem Wasser ansetzen und kurz aufkochen.

Gurgelwasser:

  • Zum Gurgeln setzt man den Tee etwas konzentrierter an: Man nimmt 5 g Blüten auf 0,1 L kaltes Wasser und kocht kurz auf.

Aufbewahrung

Malvenblüten und Blätter trocken und lichtgeschützt aufbewahren.

Kataplasma

  • Die Blüten in wenig heißem Wasser eingeweicht ergeben einen schleimigen Brei, der traditionell auf Hautreizungen aufgelegt wird.

Wirkstoffe

  • Schleimstoffe (8–10 % des Trockengewichts): bestehend aus Zucker wie Arabinose, Galactose, Glucose und Rhamnose) sowie Galacturonsäure
  • Anthocyanine (Blüten; etwa 7 % Trockengewichts): Malvin, Malvidin-3-glucosid und Cyanidin-3-glucosid
  • Gerbstoffe (wenig)
  • Proanthocyanidine
  • Terpenoide
  • Sterole: Campesterol, Stigmasterol und γ-Sitosterol
  • Phenole
  • Cumarine