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Säure-Basen-Gleichgewicht: Alles im Lot? Teil 1

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Sauer macht nicht immer lustig

„Übersäuerung“: Ein Schlagwort, das zum Standard-Repertoire zahlreicher Gesundheits- und Frauenzeitschriften zählt.

Von: Johannes W. Steinbach

Der pH-Wert des Bluts

Bei einer Übersäuerung (Fachjargon „Azidose“) handelt es sich um eine Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichts im Blut, die durch eine vermehrte Säurebildung oder eine verminderte Basenzufuhr gekennzeichnet ist. Der pH-Wert des Bluts liegt im Normbereich zwischen 7,36 und 7,44. Wenn allerdings die Pufferkapazitäten für die überschüssige Säure aufgebraucht sind, sinkt der pH-Wert in den unteren Bereich. Man spricht dann von einer chronischen Übersäuerung.

Der Körper lagert die überschüssige Säure im Bindegewebe ab, wodurch die Gewebsfunktion beeinträchtigt und das Gewebe nicht mehr optimal versorgt wird. Daher kann eine anhaltende chronische Übersäuerung zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Beschwerden durch Übersäuerung

Erhöhte Harnsäurewerte (ggf. Gicht):

Bei gleichzeitiger entsprechender genetischer Veranlagung können erhöhte Harnsäurewerte zur Gicht führen. Den Ausbruch dieser Krankheit spüren Betroffene oftmals erstmalig daran, dass der große Zeh aufgrund in den Gelenken eingelagerter Harnsäurekristalle plötzlich schmerzt. „Der Harnsäurespiegel spielt bei der Entstehung von Gicht eine wichtige Rolle“, erklärt dazu Prof. Dr. Jürgen Vormann, Leiter des Instituts für Prävention und Ernährung in München. Er allein erzeugt jedoch noch keine Gicht. Es müssen mehrere Faktoren zusammenkommen. „Zunächst einmal eine bereits vorhandene Veranlagung für Gicht sowie eine ungünstige Ernährung“, sagt Vormann. „Wenn Fleisch zu oft auf dem Speiseplan steht, können die darin enthaltenen Purine (Eiweißverbindungen, Anm. d. Red.) den Harnsäurespiegel im Blut erhöhen.“

Zur Regulierung des Harnsäurespiegels sollten betroffene Patienten deshalb auf den übermäßigen Verzehr purinreicher Lebensmittel wie Fleisch, Hülsenfrüchte sowie Schalen- und Krustentiere verzichten. Daneben ist ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt wichtig, um überschüssige Säure zu neutralisieren. „Der Abbau von Säure ist ratsam, weil sich die für den Schmerz verantwortlichen Harnsäurekristalle bei einer Übersäuerung ausbilden können“, konstatiert Vormann.

Ein weiterer Tipp des Ernährungsexperten: „Wer gichtgefährdet ist, sollte Fastenkuren oder Diäten nur nach Rücksprache mit seinem Arzt machen.“ Der damit einhergehende Fettabbau belastet den Stoffwechsel durch die Bildung so genannter Ketosäuren, wodurch die Säurebelastung des Körpers steigt. Es kann so zu einer vorübergehenden Übersäuerung kommen, die außerdem den weiteren Fettabbau erschwert. Deshalb sollte man gerade während einer solchen Abnehmphase ausreichend trinken, damit die Nieren die überschüssige Säure leichter ausschwemmen können. Vor allem Getränke wie Wasser, ungezuckerte Kräuter- oder Früchtetees und Gemüsesäfte unterstützen das Ausleiten der Säure.

Diabetes mellitus Typ 2:

Chronische Übersäuerung mit steigender Säurelast der Niere spielt neueren Untersuchungen zufolge möglicherweise auch eine Rolle beim Typ-2-Diabetes – sprich: der erworbenen und nicht genetisch bedingten Form der Zuckerkrankheit. So berichtete die Ärzte Zeitung (Springer Medizin) zu Beginn dieses Jahres darüber, dass Wissenschaftler der Universität Paris-Süd insgesamt 66.485 Frauen über einen Zeitraum von 14 Jahren im Hinblick auf die Entwicklung dieser Erkrankung beobachtet hätten. Verglichen wurden eine säurebelastende Ernährung mit viel Fleisch, Fisch, Käse, Brot und süßen Getränken (High-PRAL-Diät) und eine säureentlastende Ernährung mit viel Obst und Gemüse (Low-PRAL-Diät). Dabei wurde bei 1.372 Frauen, die sich in der Mehrzahl überproportional säurebelastend ernährten, ein Typ-2-Diabetes festgestellt.

Müdigkeit und Erschöpfung:

Anhand der so genannten Frühjahrsmüdigkeit lässt sich der Zusammenhang zwischen Erschöpfung und Azidose besonders gut erklären: So essen viele Menschen gerade während der Wintermonate bevorzugt deftige Speisen wie Braten, Wurst und Käse, die säurebildend wirken. Dazu kommt häufig noch ein wetterbedingter Bewegungsmangel. Zum Frühjahr hin kann es dadurch zu einer ernährungsbedingten Übersäuerung kommen, die uns müde und antriebslos macht.

Muskel- und Gelenkbeschwerden:

Säureablagerungen im Bindegewebe können dazu führen, dass die Elastizität von Sehnen, Bändern und Gelenkknorpeln nachlässt und so die Beweglichkeit beeinträchtigt wird. Die Säure stimuliert außerdem Schmerzrezeptoren und verursacht auf diesem Wege eine Schmerzwahrnehmung im Gehirn.

Hautprobleme:

Wird die Ausscheidungskapazität der Nieren auf Grund zu hoher Säureablagerungen überstrapaziert, kann das auch Auswirkungen auf das Hautbild haben. Elastizität, Festigkeit und Widerstandskraft unserer Haut lassen nach. Auffälligkeiten wie Hautunreinheiten, Rötungen sowie eine vermehrte Falten- oder Cellulite-Bildung können die Folge sein.

Erste Studien zeigen darüber hinaus, dass eine chronische Übersäuerung auch an Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis beteiligt sein kann.

Mögliche Ursachen einer Azidose

Doch wie entsteht nun eigentlich eine solche Übersäuerung? Wie bereits erwähnt u.a. durch zu viele Nahrungsmittel, die im Stoffwechsel Säure bilden bzw. zu wenige, die Basen bilden.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist übrigens, dass sich Fett, Öl und Zucker neutral verhalten, also weder sauer noch basisch wirken.

In der westlichen Welt spielt aber nicht nur der mangelnde Verzehr von Obst und Gemüse eine Rolle, was die Unterversorgung mit basischen Mineralstoffen angeht. Auch durch die zunehmende hochgradig industrielle Verarbeitung zahlreicher Nahrungsmittel (Fertig- und Convenience-Produkte usw.) sowie das Fehlen von frischen Zutaten ist unsere Nahrung im Vergleich zu früheren Epochen mineralstoffärmer geworden. Des Weiteren begünstigen Stress und Bewegungsmangel eine Übersäuerung.

Was hilft gegen Übersäuerung?

Um einer Entsäuerung vorzubeugen bzw. eine vorhandene Übersäuerung überwinden zu können, sollte man in erster Linie darauf achten, genügend basische Lebensmittel zu sich zu nehmen und säurebildende Nahrung zu reduzieren. Die exakte Beurteilung, was basisch oder sauer wirkt, fällt dabei oft nicht ganz leicht. Beispiel: Eine Zitrone schmeckt zwar eindeutig sauer, wirkt in Bezug auf den Stoffwechsel aber basisch. Hier helfen entsprechende Tabellen weiter, die die einzelnen Lebensmittel detailliert gruppieren (nachzulesen im Internet, zum Beispiel unter www.basica.de). Eine entsprechende Liste mit sauren bzw. basisch wirkenden Lebensmitteln folgt außerdem in Teil 2 dieser Artikelreihe.

Entweder zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung oder unabhängig davon (getreu dem Motto ‚Besser als nichts!‘) kann auch die regelmäßige Einnahme spezieller Nahrungsergänzungsmittel (Basica, Basakatt N, Basomin usw.) aus der Apotheke sinnvoll sein. Eine gesunde Ernährungsweise ersetzen sie aber nicht. Solche Nahrungsergänzungsmittel enthalten Kombinationen basischer Mineralstoffe in Form organischer Mineralverbindungen, wie sie natürlicherweise auch in Obst und Gemüse vorkommen. Diese basischen Mineralstoffe tragen dazu bei, die überschüssigen Säuren zu neutralisieren.

Teil 2 dieser Artikelreihe wird sich den Diagnose-Methoden einer Azidose widmen und beschreiben, was im Falle einer vorliegenden Azidose zu tun ist (Lebenswandel, Ernährung usw.). Er folgt als nächstes TOP-THEMA.