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Das große Frieren - und wärmende Abwehrstrategien

© Robert Kneschke - Fotolia.com

Was passiert beim Frieren?

Der Winter ist zurück: Warum wir frieren, was dabei im Körper passiert – und was man am besten dagegen tut.

Von: Eva Pantleon

Ui, ist das kalt!

Vereiste Straßen und eingemummelte Gestalten an den Bushaltestellen, die mit roten Nasen und blassen Gesichtern sehnsüchtig auf den warmen Bus warten: Der Winter ist zurück - und mit ihm zugleich das große Frösteln, Frieren und Zähne klappern.

Denn mag der Mensch sich auch als Krone der Schöpfung fühlen, in punkto Kälteresistenz sieht er im Vergleich mit vielen Tieren ziemlich blass aus: So können Enten stundenlang übers Eis watscheln, ohne festzukleben - dank eines engmaschigen Netzes von Blutgefäßen in ihren Füßen. Und der dichte ölige Pelz von Eisbären isoliert die Wärme der Tiere so gut, dass sie auf Infrarotaufnahmen der Arktis nicht mal erkennbar sind. Ganz zu schweigen vom Star der animalischen Kälte-Künstler: dem nordamerikanischen Waldfrosch, der auch als „süßer Frosch“ bekannt ist. Das Tier trotzt nämlich der winterlichen Kälte seiner Heimat mit einem speziellen Verfahren: einer Massen-Produktion an körpereigenem Traubenzucker. Schon im Spätherbst beginnt die Leber des Frosches mit der Produktion des Zuckers. Als Folge steigt sein Blutzuckerspiegel bis zum Winter auf das bis zu 250fache des natürlichen Wertes an. Der Gefrierpunkt des Blutes sinkt dadurch auf unter minus vier Grad Celsius - und so kann der Frosch auch zum Eisklumpen gefroren einige Tage oder sogar Wochen überleben, ohne dass seine Körperzellen Schaden nehmen.

Ganz im Gegensatz zum Menschen. Hier beginnen die Probleme schon, sobald die Körpertemperatur nur minimal unter die magische 37-Grad-Grenze sinkt: Die Muskeln können nicht mehr so schnell reagieren und werden steif. Das Hirn funktioniert schlechter. Das Herz gerät aus dem Takt. Ab einer Körperkerntemperatur von 32 Grad wird es gefährlich, unter 28 Grad kommt das Stoffwechselgleichgewicht im Herzmuskel derart durcheinander, dass Herzflimmern einsetzt. Der Kältetod ist ein Herztod.

Das Anti-Kälteprogramm des Körpers

Doch bevor es soweit kommt, setzt auch der menschliche Körper einige Überlebensstrategien in Gang, um die Kälte abzuwehren: Stresshormone, vor allem Kortison, spielen dabei die wichtigste Rolle. Sie regulieren den Wärmehaushalt und geben den Startschuss für die beiden wichtigsten Strategien des Körpers gegen Kälte. Zuerst wird die Durchblutung in den arteriellen Blutgefäßen der Hautoberfläche gedrosselt. Der Grund: Das Blut transportiert Wärme. Wenn es aber auf seinem Weg über die Körperoberfläche zu viel davon verliert, ist die Wärmeversorgung der inneren Organe in Gefahr. Daher wird die Durchblutung der Körperhülle reduziert – und wir bekommen kalte Hände und Füße.

Sollte das noch nicht reichen, greift der Körper zu Plan B. Und damit beginnt das große Zittern - oder vielmehr: die unwillkürliche Muskelarbeit des Körpers. Diese funktioniert quasi wie die Standheizung im Auto. Denn wie bei der normalen Muskelarbeit entsteht auch beim Zittern, also der Muskelarbeit „im Leerlauf“, Wärme.

Nozizeptoren – die Kälte-Alarm-Glocken

Sollte das alles nichts nutzen und die Unterkühlung fort schreiten, beginnt es in der Nase zu zwicken und schließlich richtig zu schmerzen – zum Glück. Denn dieser Schmerz ist ein Schutzmechanismus des Körpers und warnt vor einer Unterkühlung, die Gewebe irreversibel schädigen könnte. Zu diesem Zweck besitzen Nozizeptoren – das sind Rezeptoren im Körper, die auf drohende oder schon eingetretene Verletzungen reagieren – eine Art kältefeste Zündvorrichtung für Nervenimpulse. Das heißt, sie sind wesentlich weniger empfindlich gegen Kälte als andere Nervenendigungen, welche bei Absinken der Körpertemperatur nach und nach ihre Arbeit verlangsamen und schließlich ganz einfrieren. Die Nozizeptoren hingegen sind verblüffend kälteresistent – und können sogar bei 10 Grad in der Haut noch einen Kälteschmerz ans Gehirn melden, wie Dr. Katharina Zimmermann und Dr. Andreas Leffler von der Universität Erlangen-Nürnberg herausgefunden haben.

Wider das Frösteln

Doch was lässt sich nun tun, um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen? Wie kann man sich am besten gegen Kälte schützen – oder am effektivsten wieder aufwärmen, wenn sie einem in die Glieder gekrochen ist?

Was man nicht tun sollte:

  • Alkohol trinken:

Natürlich scheint ein heißer Glühwein verlockend, wenn man frierend auf dem Weihnachtsmarkt herumsteht. Und kurzfristig stellt sich dadurch auch tatsächlich ein Wärmegefühl ein. Alkohol erweitert nämlich die Gefäße und so kann die „Innenwärme“ des Körpers an die Hautoberfläche dringen. Doch genau das ist das Problem. Wenn die Körperwärme nach außen entweicht, droht eine Unterkühlung der inneren Organe – was mit ein Grund ist, warum Betrunkene, die in den Schnee gefallen sind, so schnell erfrieren.

  • Kaffee und Rauchen:

Ebenfalls keine gute Idee, da sowohl Koffein als auch Nikotin die Gefäße verengen und damit das Frieren verstärken.

  • Den ganzen Tag warme Pullover tragen:

Natürlich ist warme Kleidung bei dieser Witterung unabdingbar – aber nicht, wenn man den ganzen Tag im 21 Grad warmen Büro sitzt. Faustregel: in geschlossenen Räumen die dicken Winterpullis ausziehen bzw. nur dann überziehen, wenn man friert. Alles andere verwöhnt den Körper zu sehr. Eskimos haben keine anderen Gene als wir – sie ertragen die Kälter nur besser, weil sie daran gewöhnt und abgehärtet sind.

  • bei Erfrierungen:

Wenn es dem zum Schlimmsten gekommen ist und eine Erfrierung droht - die betroffenen Körperteile auf keinen Fall mit Eis einreiben! Das würde den Gewebeschaden nur verschlimmern. Besser ist es, die Betroffenen ganz langsam zu erwärmen. Also nicht gleich an die Heizung setzen, sondern erst in Decken einwickeln. Eine zu schnelle Erwärmung kann zu gefährlichen Kreislaufproblemen führen, da sich das Blut bei Kälteopfern in den inneren Organen konzentriert. Wird ein Unterkühlter zu großer Wärme ausgesetzt, strömt das Blut zu schnell von diesen Organen weg und ein Kreislaufkollaps droht.

Was man unbedingt tun sollte:

  • Sich abhärten:

Dazu muss niemand ein Loch ins Eishacken wie einst der alte Goethe, der winters regelmäßig in der Ilm gebadet haben soll. Es reicht schon, bei Kälte täglich an die frische Luft zu gehen – und zwar bei jedem Wetter. Denn nur Gewöhnung und Training können aus einem ewig schlotternden „Fröstelchen“ eine Wikingernatur machen: „Wenn der Mensch oft tiefe Temperaturen ertragen muss, dann lernt der Organismus, sich darauf einzustellen. Die Nerven werden weniger empfindlich, die Durchblutung stellt sich besser auf die äußeren Umstände ein“, erklärt Dr. Dieter Conrad, Vorstandsvorsitzender des Hessischen Hausärzteverbandes.Kontraproduktiv sind dagegen zu warme Kleidung und eine nur auf heißes Wasser eingestellte Dusche. Denn das macht den Körper für niedrige Temperaturen noch empfindlicher.

Stattdessen können „regelmäßige kalte Güsse und kalte Waschungen des Oberkörpers zum Beispiel zwei bis drei Mal in der Woche bereits im Spätsommer die Immunabwehr für den Herbst stärken“, rät der Internist Dr. Wolfgang Wesiack. Weitere Maßnahmen, um Kälte besser aushalten zu können, sind Sauna mit anschließendem Bad in kaltem Wasser, Trockenbürsten-Massagen und Wechselduschen nach Kneipp: 50 Sekunden lang warm duschen, damit sich die Blutgefäße weiten, dann fünf Sekunden sehr kalt duschen. Mehrmals wiederholen! Das bringt die Durchblutung in Schwung.

  • Die richtige Kleidung tragen:

So wichtig eine Gewöhnung an die Kälte auch ist - um optimal mit Minusgraden umgehen zu können, sollten sich Abhärtung und guter Kälteschutz die Waage halten, empfehlen die Experten. Doch wie sieht ein optimaler Kälteschutz aus? Alleroberste Pflicht (und zugleich der Beweis, dass die Omas dieser Welt eben doch immer recht haben mit ihrem „Kind, zieh was auf den Kopf“): den Kopf bedecken. Zwar nimmt dieser nur neun Prozent der Körperoberfläche ein. Da sich aber dort viele oberflächliche Blutgefäße befinden, wird über den Kopf reichlich Wärme abgegeben - sofern er ungeschützt ist. Bei Schuhen und Handschuhen sollte man darauf achten, dass sie nicht zu eng sind, da sich sonst kein wärmendes Luftpolster bilden kann. Aus demselben Grund gilt für die übrige Kleidung das „Zwiebel-Prinzip“: lieber mehrere dünne Schichten übereinander ziehen als eine dicke.

  • Kräutertee trinken:

Es ist sicher kein Zufall, dass viele der traditionellen Weihnachtsrezepte Zimt, Anis, Nelken oder Kardamom enthalten. All dies sind Gewürze, die den Körper von innen wärmen – insbesondere, wenn sie als heißer Tee zubereitet werden. Sehr hilfreich für notorische Frostbeutel sind daher z.B. Yogi- oder Chai-Tee. Wärmend wirken aber auch Fenchel- oder Kümmeltee und ganz besonders Lindenblütentee. Lindenblüten aktivieren die Abwehrkräfte und heizen dem Körper nachhaltig von innen ein. Ebenso empfehlenswert: Rosmarin-Tee. Das Heilkraut regt die Blutzirkulation und das Nervensystem an, und seine ätherischen Öle sorgen für die wärmende Wirkung des Tees.

  • Lieber Nüsse statt Bananen essen

Beim Kampf gegen die Kälte spielt auch die richtige Ernährung eine Rolle. Um den niedrigen Temperaturen zu trotzen, sollte man warme Speisen wie Suppen oder Eintöpfe essen, und diese mit Chili, Ingwer oder Curry würzen. Denn scharfe Gewürze regen die Durchblutung an, und der Körper heizt von Innen auf. Besonders wirkungsvoll: Ingwertee - ein Stück der Knolle klein schneiden und mit heißem Wasser aufgießen. Die Wärme der Pflanze mit ihren ätherischen Ölen breitet sich im ganzen Körper aus. Noch speziellere Empfehlungen für das Essen in der kalten Jahreszeit gibt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Hier werden Nahrungsmittel weniger nach der Zubereitungsform beurteilt als nach ihrer „Temperaturcharakteristik“. So ist ein Pfefferminztee zwar heiß, wirkt aber im Organismus laut TCM kühlend.

Ernährungsexperten der asiatischen Lehre empfehlen daher zum Beispiel, im Winter auf alle Südfrüchte zu verzichten, da diese kühlend wirkten. Das würde also bedeuten: Hände weg von Mandarinen, Bananen & Co – und ebenso von Joghurt, Quark, Blattsalaten, Rohkost und Weißwein, da auch diese als kühlend eingestuft werden. Stattdessen empfiehlt die TCM lieber zu wärmenden Lebensmitteln wie Lamm- oder Wildfleisch, Fenchel, Lauch, Zwiebeln, gekochtem Getreide, Nüssen, Truthahn, Ziegenkäse und Rotwein zu greifen. Extra-Tipp: Wer diese Ernährungsform ausprobieren, aber nur ungern aufs morgendliche Joghurt verzichten möchte – kühlende Nahrungsmittel lassen sich durch wärmende Gewürze neutralisieren. Also: einfach eine kräftige Prise Zimt aufs Joghurt streuen oder den Rohkost-Salat mit einer scharfen Chilisauce anmachen.

  • Immer in Bewegung bleiben

Jede Bewegung des Körpers erfordert Muskelarbeit und erzeugt daher Wärme. Also empfiehlt es sich, nicht wie eine Salzsäule an der kalten U-Bahn-Station herumzustehen, sondern lieber den homo mobilis zu geben: also gehen, laufen, hüpfen, wippen, mit den Zehen auf und abrollen, die Hände zur Faust ballen und wieder öffnen oder, besonders effektiv, die Arme wie Windmühlenflügel kreisen lassen – egal was, Hauptsache ist, in Bewegung zu bleiben, um bei Kälte für eine bessere Durchblutung in den Extremitäten zu sorgen.

Kein Mythos: Frauen frieren anders

Und das gilt ganz besonders für Frauen - den traditionellen Inhaberinnen eisklumpenartiger Füße. Denn es ist ganz und gar kein Märchen, dass Frauen schneller frieren als Männer, sondern wissenschaftlich leicht erklärbar. Mutter Natur hat ihre Gaben in punkto Wärmehaushalt nämlich recht ungleich verteilt: Zum einen haben Frauen eine geringere Muskelmasse als Männer (etwa 15 Prozent weniger). Die Muskeln aber sind das am besten durchblutete Gewebe des Körpers und damit sozusagen unsere innere Heizung – von der Frauen folglich deutlich weniger haben.

Zum anderen ist das weibliche Geschlecht mit einer rund 15 Prozent dünneren Haut ausgestattet als Männer. Bei drohendem Wärmeverlust verengen sich die Gefäße, und die Durchblutung der Haut wird zurück genommen. Das funktioniert bei dünner Haut leichter als bei dicker Haut. Die Folge: Die Hautoberfläche einer Frau wird bis zu drei Grad kälter als die eines Mannes und der Temperaturunterschied zwischen der Haut und dem Körperinneren ist somit viel größer als beim Mann. Dementsprechend hat die Frau auch ein gesteigertes Kälteempfinden.

Zum Trost für alle Dauer-Fröstlerinnen: Mittlerweile gibt es Schuhsohlen und Handschuhe, die mit Akkus beheizbar sind und Eisfüße und -finger wohlig wärmen sollen. Etwas traditioneller, aber auch gut wirksam ist ein ansteigendes Fußbad: Nach und nach gießt man in eine Schüssel mit lauwarmem Wasser heißes dazu – bis das Wasser den Füßen richtig einheizt (zirka 20 Minuten).