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Die Medizin entgleist! Wir machen Sie wieder ganz! Teil II

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Angelina Jolies Brust-Amputation wirft die Frage auf, ob das Schicksal dank innovativer Medizin jetzt beherrschbar ist?

Von: Berthold Musselmann

Wie drückte es Matthias Matussek am 17.05.2013 auf spiegel-online aus: "Das Schicksal scheint beherrschbar geworden: Die Brustoperation (beidseitige Brustamputation wegen genetisch bedingten hohen Risikos für Brustkrebs) der Hollywood-Göttin Angelina Jolie suggeriert, dass es möglich ist, in alle Ewigkeit jung, gesund und schön zu bleiben. Der Mensch wird zur Biomasse ohne höheres Geheimnis.Eine Art kalte Makellosigkeit ist in. Werner Bartens in der "SZ" kommentierte, dass Jolie und ihr Publikum nun glauben, "mit einer fast naiven Selbstverständlichkeit Leben und Leiden, Krankheit und Tod dirigieren" zu können. Göttergleich.

Prompt gibt es einen Run auf gynäkologische Zentren zur Diagnostik genetisch bedingten Brustkrebses. Obwohl höchstens 5% der Frauen mit Brustkrebs aus vorwiegend genetischen Gründen ihren Krebs bekommen. Die meisten bekommen zu viel Umweltschadstoffe, Zigarettenrauch, tierische Fette, Pestizide, Weichmacher, Alkohol und Stress ab.

Und Matussek weiter: "Wir leben in Zeiten ohne jede Transzendenz, im Diesseitsreich der unbegrenzten wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten. Was wir uns nur an Glück verschaffen können, muss in dieses Leben hinein, sonst haben wir unsere Chance verpasst. Das führt zu einer dramatischen Seinsverstümmelung, einer trostlosen Eindimensionalität, einem hedonistischen Stress, der schlimmer ist als jede Operation am Busen. Denn wir operieren uns den Zufall heraus. Und damit die Hoffnung, das Glück, die Trauer, den Schmerz. Wir opfern uns als Menschen auf dem Altar der Planbarkeit und totalen Selbstbestimmung"…

Das heißt meiner Meinung nach nicht, dass das blinde Verlassen auf Religionen, Vertrauen in eine bestimmte Gottesvorstellung und das Hinnehmen aller Schicksalsschläge automatisch der bessere Weg war/ist. Dennoch gehört ein Akzeptieren von Grenzen, das Hinnehmen der Unbeantwortbarkeit mancher Fragen, von Bereichen, die unserem irdischen Geist verschlossen bleiben, menschliche Bescheidenheit, Einordnung in die Natur als ein Wesen unter vielen, zu den Bestandteilen geglückten Menschseins. Davon sind wir z.Zt. weit entfernt.

Bescheidenheit vermittelt z.B. der Einblick in die faszinierende Welt der Ameisen in den Büchern von Bert Hölldobler und E. O. Wilson. Diese Insekten leben seit 120 Millionen Jahren auf der Erde, mit großem Erfolg: Ihre Biomasse entspricht der aller Menschen. Und: Sie werden sehr wahrscheinlich noch auf diesem Planeten weilen, wenn wir längst vergessen sind, da sie ihre Ressourcen nicht zerstören.

Reich sein: eine Garantie für Gesundheit?

Wer zu den Machtzirkeln der neofeudalen Globalschicht gehört, kann sich jetzt schon bessere Medikamente, Pro-Aging-Maßnahmen, bessere Therapeuten, aussichtsreichere Operationen, frische Organe junger, gesunder Delinquenten und manch anderes Appetitliche in der Medizin leisten. Der Normalbürger als unterprivilegierte, voll digital erfasste Arbeitsameise bleibt auf der Stecke. Die aktuelle, entgleiste Medizin leistet ihre perversen Beiträge zu immer neuen Schreckensvisionen. Immer natürlich mit „guten Gründen“ für ihr Forschen, z.B. Taube hörend, Blinde sehend, Versehrte unversehrt zu machen, Organe nachwachsen zu lassen etc.

Wir drohen unsere Seele zu verkaufen...

... für das ewige Leben, so wie Schlemihl, der seinen Schatten dem Teufel verkauft und dafür immer Geld in der Tasche hat. Er stirbt ungeliebt, keiner erinnert sich seiner, keiner will mit ihm zu tun haben. Unser Schatten, das sind wir in unseren wesentlichen, teils hellen, teils dunklen Persönlichkeitsanteilen, die uns als Menschen für andere auf immer anziehend, abstoßend, ambivalent besetzt, rätselhaft und letztlich liebenswert machen, einmalig, aber auch verletzlich, sterblich. Vielleicht aber ist u.a. das gerade die Grundlage dafür, andere zu lieben, sich für andere aufzuopfern, Kinder liebevoll und dankbar als das größte Geschenk annehmen zu können.


Julie Zehs Misstrauensbekenntnis

Julie Zeh drückt das in ihrem Schreckensszenario im Roman „Corpus delicti“ (S.186) als negatives Glaubens-/Vertrauensbekenntnis bzw. Misstrauensbekenntnis aus:

  • Kein Vertrauen in eine Gesellschaft aus Menschen, die auf Angst vor dem (wahrhaft) Menschlichen gründet, die den Geist an den Körper verraten hat.
  • Kein Vertrauen in Körper, der nicht eigenes Fleisch und Blut, sondern eine kollektive Vision vom Normalkörper darstellen soll.
  • Kein Vertrauen in Normalität, die sich selbst als Gesundheit definiert, auch nicht in eine Gesundheit, die sich selbst als Normalität definiert.
  • Kein Vertrauen in Herrschaftssystem, das sich auf Zirkelschlüsse stützt.
  • Kein Vertrauen in Sicherheit, die letztmögliche Antwort sein will, ohne zu verraten, wie die Frage lautet.
  • Kein Vertrauen in Philosophie, die vorgibt, dass die Auseinandersetzung mit existentiellen Problemen beendet sei.
  • Kein Vertrauen in Moral, die zu faul ist, sich dem Paradoxon von Gut und Böse zu stellen und sich lieber an „funktioniert“ oder „funktioniert nicht“ hält.
  • Kein Vertrauen in Recht, das seine Erfolge einer vollständigen Kontrolle des Bürgers verdankt.
  • Kein Vertrauen in ein Volk, das glaubt, totale Durchleuchtung schade nur dem, der etwas zu verbergen hat (Leugnung des Rechts auf Privatheit).
  • Kein Vertrauen in die METHODE, die lieber der DNA eines Menschen als seinen Worten glaubt.
  • Kein Vertrauen in allgemeines Wohl, weil es Selbstbestimmtheit als untragbaren Kostenfaktor sieht.
  • Kein Vertrauen in persönliches Wohl, solange es nichts weiter als eine Variation auf den kleinsten gemeinsamen Nenner ist.
  • Ich entziehe einer Politik das Vertrauen, die ihre Popularität allein auf das Versprechen eines risikolosen Lebens stützt.
  • Kein Vertrauen in Wissenschaft, die behauptet, dass es keinen freien Willen gebe.
  • Kein Vertrauen in Liebe, die sich für das Produkt eines immunologischen Optimierungsvorgangs hält.
  • Kein Vertrauen in Eltern, die ein Baumhaus „Verletzungsgefahr“ und ein Haustier „Ansteckungsrisiko“ nennen.
  • Kein Vertrauen in einen Staat, der besser weiß, was gut für mich ist, als ich selbst.
  • Kein Vertrauen in jenen Idioten, der das Schild am Eingang unserer Welt abmontiert hat, auf dem stand: „Vorsicht! Leben kann zum Tode führen.“

Soweit Julie Zehs Misstrauensbekenntnis, leider hochaktuell.

Für eine Medizin des Lebens! Für selbstbestimmte Menschen mit ebensolchen Körpern!
Dazu gehört es besonders, „moderne“ Menschen an die Grundvoraussetzungen für Gesundheit zu erinnern. Gut geeignet als Informationsquelle hierfür ist die Ordnungstherapie
.

Wir werden darüber nachdenken, welche ÄrztInnen am besten geeignet sind, das Ganze im Blick zu behalten. Die ständige Ausweitung der Spezial- und Körperteilmedizin ist zu stoppen.

Nach so viel geistiger Kost empfehle ich z.B. das Ausfüllen der Patientenverfügung als Demutsübung…

Ihr

Berthold Musselmann

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