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Die Hausapotheke auf dem Balkon

© Friedberg - Fotolia.com

Heilkräuter selbst anpflanzen

Wie sich Heilkräuter ohne großen Aufwand zu Hause anbauen lassen.

Von: Eva Pantleon

Ein sonniges Plätzchen für die Lieblingskräuter

Natürlich kann man Heilkräuter auch einfach in der Apotheke kaufen. Doch wer jemals an einem warmen Sommerabend auf dem Balkon oder im Garten etwas Thymian oder Lavendel abgezupft und ihr zartes Aroma gerochen hat, der weiß: Selbst angebaute Kräuter sind anders. Man weiß, wie sie gewachsen sind, hat sie keimen, sprießen und mit etwas Glück zu einem wilden Gestrüpp heranwachsen sehen. Man hat gebangt, wenn es im Mai draußen noch mal richtig kalt wurde, ist in der Julihitze zweimal am Tag mit der Gießkanne umher gelaufen und hat gefeiert, als einem eines Morgens die erste Blüte entgegen leuchtete.

„Alles schön und gut“, mögen Skeptiker nun einwenden, „aber Kräuter anzubauen: Kostet das nicht Zeit, braucht viel Platz und überhaupt - muss man da nicht ein Profi sein?“. Muss man nicht, braucht man nicht und alles halb so wild, lauten die Antworten in umgedrehter Reihenfolge. Denn die Hausapotheke Marke Eigenbau ist weitaus einfacher zu realisieren, als man denkt - und somit auch für Menschen machbar, die keinen grünen Daumen besitzen und „Guano“ für ein polynesisches Nagetier halten.

Denn alles, was an Grundvoraussetzung gebraucht wird, ist eine sonnige Garten-, Terrassen- oder Balkonecke. Selbst eine relativ sonnige Fensterbank im Freien kann Raum für wenige Lieblingskräuter bieten.

Ohne Sonne geht gar nichts

Das Wichtigste, was auf dem Weg zum erfolgreichen Kräutergärtner zu beachten ist, ist nämlich nicht die Größe des Standortes, sondern dessen Lichtverhältnisse. Die meisten bekannten Kräuterarten sind südländischer Abstammung und daher Sonnenkinder. Dazu zählen beispielsweise Zitronenmelisse, Salbei, Thymian und Rosmarin. Diese Kräuter gedeihen an einem sonnigen Ort am besten und bilden so besonders viele ihrer wertvollen Inhaltsstoffe. Daher sollte der gewählte Standort mindestens halbtags von Sonne beschienen sein. Je nach Wahl der Kräuter ist aber eventuell auch ein Sonnenschutz angebracht: Denn einheimische Kräuter wie etwa Bärlauch, Lungenkraut, Storchschnabel oder Baldrian bevorzugen eher schattige Plätzchen.

Schlange oder Schnecke?

Um solch unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, wird Gartenbesitzern meist zum Bau einer Kräuterschnecke oder –spirale geraten. Hierbei legt man das Kräuterbeet spiralförmig an und erhöht zur Mitte hin den Boden, so dass ein kleiner Hügel entsteht. Auf diesen wird hauptsächlich nährstoffarmer, sandiger Boden gefüllt, während weiter unten nährstoffreicher Mutterboden zu finden ist. Die sonnenhungrigsten Pflanzen, die meist magere Böden bevorzugen, werden dann auf dem „Gipfel“ der Spirale angebaut. Halbschatten- oder Schattengewächse gedeihen dagegen im feuchten, kühleren Kleinklima am Fuß der Spirale, an dem man auch einen kleinen Wasserbereich anlegen kann. Sinn und Zweck des Ganzen ist, viele verschiedene Kräutersorten auf kleinem Raum anpflanzen zu können. (Eine ausführliche Anleitung zum Bau einer Kräuterspirale findet sich hier).

Kasten oder Topf?

Wer nur auf dem Balkon oder Fensterbrett gärtnert, der kann den individuellen Bedürfnissen seiner Zöglinge mit der Topfgärtnermethode gerecht werden: Jede Kräutersorte wird in einen eigenen Topf gesät oder umgetopft. Dies ist besonders für Pflanz-Novizen empfehlenswert. Denn so lassen sich die einzelnen Pflanzenarten und ihre Wuchseigenschaften am besten kennenlernen und mit dieser Erfahrung später funktionierende Pflanzengemeinschaften zusammenstellen.

Denn natürlich können auch Blumenkästen oder -Kübel als Zuchtgefäße dienen. Aber es sollte dabei darauf geachtet werden, nur Kräuter mit identischen Standortbedingungen nebeneinander einzupflanzen. Aufschluss über die Bedürfnisse der einzelnen Pflanzen finden sich meist auf der Packung der Sämlinge. Umfangreiche Datenbanken mit individuellen Anbautipps zu vielen Kräutern finden sich aber auch im Internet (z.B. hier). Sollten sich zu einem bestimmten Heilkraut trotzdem keine ausreichenden Informationen aufspüren lassen: einfach genau anschauen, wo und wie das Kraut in der freien Natur wächst.

Aussäen: wann und wie?

Eine alte Bauernregel lautet: wie die Saat, so die Ernte. Denn natürlich kann man Samen auch im Supermarkt kaufen. Nur sollte sich dann niemand wundern, wenn das Ergebnis nicht dem schönen Bild auf der Packung entspricht. Ratsamer ist der Gang in den Fachhandel, wo es kompetente Hilfe hinsichtlich von Zusammenstellung und Bedürfnissen der einzelnen Kräuterpflanzen gibt.

Mit der Aussaat kann schon jetzt im März begonnen werden – sofern dies im Topf oder Kasten geschieht, der vorerst noch im Haus bleibt (und optimalerweise mit einer Blumenleuchte belichtet wird, eine Neonröhre tut es aber auch). Wer noch nie etwas ausgesät hat, dem sei die Schritt-für-Schritt-Anleitung auf der Seite http://www.heilkraeuter.de/report/kraeuter-kasten/index.htm empfohlen.

Grundsätzlich aber gilt bei der Aussaat die Faustregel: Die Saattiefe soll 3–5 mal so tief wie die Länge des Samenkornes sein, abgesehen natürlich von den – nomen est omen - „Lichtkeimern“. Die müssen nur leicht in die Erde gedrückt werden.

Mit den ersten Keimen ist dann je nach Kräuterart nach frühestens 10 Tagen, meist eher nach 15-20 Tagen zu rechnen. Ab April, wenn die Sonne kräftiger wird, können die Töpfe dann tagsüber nach draußen. Ab Mai (nach den Eisheiligen, dieses Jahr vom 11.-15 Mai!) schließlich können sie ganztags draußen bleiben bzw. nach draußen gepflanzt werden.

Platz da!

Nicht zu vergessen ist bei der Aussaat auch das Platzbedürfnis einzelner Pflanzen. Kräuter, die sehr viele Nährstoffe benötigen oder sich gern ausbreiten, bekommen am besten einen eigenen Standort. Sie würden sonst den gesunden Wuchs der anderen Sorten beeinträchtigen: Liebstöckel etwa wächst so stark, dass für andere Pflanzen kaum noch ausreichend Platz und Licht zur Verfügung steht. Deswegen pflanzt man dieses Kraut am besten einzeln in einen Topf. Weitere Kräuter, die sich in ihrem Wachstum gegenseitig behindern, sind z.B.: Fenchel und Koriander, Pfefferminze und Kamille, Basilikum und Melisse. Aufmerksamkeit ist auch bei Ringelblumen, Dill oder Borretsch gefragt – sonst kann man sein „grünes Wunder“ erleben: Denn diese Pflanzen versamen sich stark und müssen nach dem 1. Jahr nicht mehr nachgesät, sondern im Zaum gehalten werden.

Welche Erde?

Nicht nur das „wer-mit-wem“, sondern auch die Frage nach der richtigen Erde ist ein wichtiger Aspekt. Auch hier muss man sich „individuell“ informieren: So mögen einige Kräuter nur karge Böden – wie etwa Rosmarin, Thymian und Salbei. Diese Kräuter sollten in einer ganz bestimmten Erden-Mischung ausgesät werden. Dazu am besten eine Mischung aus drei Teilen Erde und einem Teil Sand herstellen. Andere Kräuter wiederum brauchen nahrhafte Erde. Basilikum, Kamille oder Fenchel zum Beispiel reagieren äußerst dankbar auf gute, mit Humus angereicherte Erde.

Wie viel gießen?

Während der Saat und beim Keimen benötigen Kräuter wie alle Pflanzen viel Wärme und Feuchtigkeit. Hier sollte also generell gut gewässert werden, da die Erde nicht austrocknen darf. Um ein gleichmäßig feuchtes und warmes Klima zu schaffen, ist es sinnvoll die Schalen bzw. Aussaatbeete mit einer Folie oder einem durchsichtigen Plastikdeckel abzudecken.

Kommen dann allerdings die ersten zarten Pflänzchen aus dem Boden, heißt es aufpassen in puncto Bewässerung - besonders für Menschen, die es beim Gießen gern mal zu gut meinen: Viele, vor allem mediterrane Kräuter (z.B. Salbei, Thymian, Rosmarin) mögen es eher trocken und sollten nicht zu oft und vor allem nicht zu reichlich mit Wasser bedacht werden. Diese Kräuter nehmen es auch nicht krumm, wenn einmal das Gießen vergessen wird.

Bei allen anderen Kräutern aber muss regelmäßig für ausreichend Feuchtigkeit gesorgt werden. Das ist für Balkongärtner umso wichtiger, da ihre Pflanzgefäße bei starker Hitze, Wind und Sonnenstrahlung besonders schnell austrocknen. Empfehlenswert sind hier Pflanzgefäße mit eingebautem Wassertank (in Gartencentern und Baumärkten erhältlich). Ansonsten kommt man um regelmäßiges Gießen nicht herum, sollte aber trotzdem gut aufpassen, dass es keine „nassen Füße“ gibt. Das mögen gerade Kräuterpflanzen gar nicht gern. Daher in Pflanzentöpfe und –kästen unbedingt Abflusslöcher bohren und den Boden mit Steinen oder Styropor-Kugeln auslegen.

Düngen oder nicht?

Hier scheiden sich die Geister: Manche empfehlen regelmäßiges Düngen, andere einmal pro Jahr, dritte raten ganz davon ab, da es den Geschmack der Kräuter negativ beeinflusse. Doch generell lässt sich sagen, so die Diplom-Gartenbauingenieurin Katja Palitzsch, dass das Motto „viel hilft viel“ beim Düngen ganz und gar nicht angebracht ist – auch wenn gerade Hobbygärtner oft Angst haben, ihre Pflanzen könnten „verhungern“. Daher lautet die Empfehlung der Expertin: eine Überversorgung mit Nährstoffen ist ebenso zu vermeiden wie eine Unterversorgung. Also nur dann und sehr dezent düngen, falls die Pflänzchen nicht gedeihen, wie sie sollen – weniger ist hier eindeutig mehr.

Bei der Wahl des Düngers empfiehlt Palitzsch eher auf langsam wirkende organische Dünger zurückzugreifen als auf schnell verfügbare künstlich erzeugte Mineraldünger. Bei Hobbygärtnern wird das Mittel der Wahl daher meist der Kompost sein. Für Balkongärtner eignet sich eher die persönliche Empfehlung der Spezialistin: Guano. Denn dabei handelt es sich natürlich nicht um ein Nagetier, und es kommt auch nicht aus Polynesien, sondern aus Peru. Übersetzt heißt Guano ganz einfach „Dung“ und entsteht aus Seevögelexkrementen, genauer den Exkrementen von Pinguinen oder Kormoranen unter Einwirkung auf Kalkstein. Guano ist in jedem Fachhandel erhältlich (.z.B. Compo Guano). Wem der kräftig riechende „Pinguin-Dreck“ allerdings etwas zu aufdringlich ist, der kann es auch mit einer weniger exotischen Variante versuchen: Fledermaus-Guano soll ähnlich gut auf die Pflanzen wirken, hat aber keinen so strengen Eigengeruch.

Und nun: viel Spaß und guten Erfolg beim Pflanzen!