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Omas Hausmittel unter der Lupe

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2. Teil: Heiße Milch mit Honig, Kohlwickel & mehr

Damit Sie bei Alltagswehwehchen wissen, welches Hausmittel wirklich hilft, nimmt Phytodoc für Sie die gängigsten Tipps aus „Omas Hausapotheke“ unter die Lupe.

Von: Eva Pantleon

Hausmittel: Wo Oma (nicht) Recht hatte

Ob Kohlwickel gegen Gelenkschmerzen oder Zwiebelsäckchen aufs Ohr – als sanfte Medizin sind alte Hausmittel heute wieder sehr beliebt. Und das zu Recht, belegt die moderne Medizin – jedenfalls meistens. Manchmal allerdings zeigt sich auch, dass ein über Generationen weitergereichtes „Wundermittel“ bei näherer Betrachtung nur eines hat: eine äußerst gute Placebo-Wirkung. In manchen Fällen ist von einer Anwendung auch komplett abzuraten. Damit Sie bei Alltagswehwehchen wissen, welches Hausmittel das richtige ist, nimmt PhytoDoc im zweiten Teil weitere gängige Tipps aus „Omas Hausapotheke“ unter die Lupe.

In jedem Fall gilt: Halten die Beschwerden länger an, unbedingt zum Arzt gehen – vor allem mit Kindern.

Lecker, aber wirkungslos: heiße Milch mit Honig

Beim Gemütlichkeitsfaktor rangiert sie ganz weit vorne unter den Hausmitteln: ab ins Bett und dazu eine heiße Milch mit Honig – die Vorstellung allein lässt die triefende Schnupfennase etwas leichter ertragen. Empfohlen wird das cremig-süße Getränk bei jeder Form von Erkältungserscheinungen – ob der Hals kratzt, die Nase läuft oder gar trockener Husten das Schlafen erschwert. Und das grundsätzlich auch zu recht: Schließlich hat Honig nachweislich antibakterielle Wirkungen. In einer US-Studie zum Thema Hustenmittel schnitt das Bienenprodukt sogar besser ab als ein gängiger Hustensaft. Das Problem dabei: Seine wirkaktiven Substanzen vertragen keine Hitze – zumindest keine über 40 Grad. Wird Honig also mit heißer oder gar kochender Milch übergossen, verliert er seine Wirkung.

Daher sollte zur medizinischen Anwendung ausschließlich kalt geschleuderter Honig verwendet werden. Und wer den Honig unbedingt in Milch oder Tee zu sich nehmen möchte – sollte die Flüssigkeit vor dem Einrühren abkühlen lassen, bis sie lauwarm ist. Besser aber ist: einfach ein bis zwei Löffel Honig vor dem Schlafengehen im Mund zergehen lassen.

Cola und Salzstangen bei Durchfall: Hilft vor allem der Soft-Drink-Industrie

Viele schwören drauf. Und es ist sicher die einzige Medizin, bei der Kinder leuchtende Augen bekommen: Cola mit Salzstangen. Grundlegend scheint die Sache auch Sinn zu machen: Cola soll die Flüssigkeit im Körper ersetzen und den geschwächten Körper mit Kohlenhydraten versorgen. Und die Salzstangen sollen Natrium zuführen, das dem Körper durch den Durchfall verloren geht. Soweit schon ganz richtig. Leider aber fehlt dem Körper bei Durchfall vor allem Kalium, und das hat die beste Salzstange nicht zu bieten. Und was die Idee angeht, die Flüssigkeitsreserven des Körpers mit stark zuckerhaltiger Brause aufzufüllen, rät der Kinder-Gastroenterologe Dr. Stefan Razeghi entschieden ab: „Cola enthält sehr viel Zucker. Man hat herausgefunden, dass für einen Flüssigkeitsersatz bei Austrocknung der Zuckergehalt im Cola zu hoch, sein Elektrolytgehalt zu niedrig ist. Auch Apfelsaft enthält zuviel Zucker“. Und es kommt noch schlimmer für den Cola-gegen-Durchfall-Mythos: Denn abgesehen davon, dass stark zuckerhaltige Getränke nicht als Flüssigkeitsersatz taugen, können sie die Symptome sogar noch verschlimmern. Denn Zucker ist für die Aufnahme von Salzen im Darm zwar notwendig, zuviel davon kann aber weiteren Durchfall auslösen, so Dr. Razeghi: „Zucker bindet Flüssigkeit im Darm. Das bedeutet, dass der Stuhl noch dünner wird“.

Statt der berühmten braunen Brause empfiehlt sich bei Durchfall daher eher Wasser oder schwach gesüßter Tee - insbesondere Kamillentee, dessen Wirkstoffe den Magen-Darm-Trakt beruhigen. Und: Bei länger als 3 Tagen anhaltendem Durchfall unbedingt zum Arzt gehen – mit Kindern schon früher!

Tipp für gestresste Mütter und Väter: Soll es wegen des ansonsten maulenden Kindes trotzdem eine Cola sein: das Getränk 1:1 mit Wasser verdünnen, dann hat es etwa die richtige Zuckerkonzentration für den Darm. Außerdem die Kohlensäure hinausrühren, da diese die Darmschleimhaut weiter reizen würde.

Einmal rollen bitte: Kohlwickel gegen Gelenkschmerzen

Schon die alten Römer wussten um die Heilkraft von Weißkohl & Co. - und haben sich offenbar nicht getäuscht. Wie moderne Untersuchungsmethoden zeigen, enthalten Kohl-Blätter spezielle Flavonoide und Senföl-Glykoside. Diese wirken vor allem bei chronisch-entzündlichen Prozessen abschwellend und schmerzstillend – also etwa bei Rheuma, Gicht, Tennisarm und anderen Gelenkschmerzen. Doch auch bei Bronchitis und Halsschmerzen kann das Gemüse heilsam sein.

Die beste Wirkung entfalten Kohlblätter, wenn sie als Wickel auflegt werden. Dafür am besten Weiß- oder Wirsingkohlblätter verwenden (nur die inneren, noch ganz frischen!). An diesen zuerst die Blattrippen entfernen, dann mit einer Flasche oder einem Nudelholz platt walzen, um die wirkaktiven Stoffe freizusetzen. Die Blätter dann mit einer Mullbinde oder notfalls auch einigen Streifen Klebeband an der betreffenden Stelle fixieren, eventuell mit einer Lage Frischhaltefolie verstärken (dient auch als Wäscheschutz) und mit einem Tuch umwickeln. Den Kohlwickel 3 - 6 Stunden liegen lassen, danach bei Bedarf erneuern.

Achtung: Kohlwickel niemals auf offene Verletzungen legen!

Keine gute Idee: Butter, Öl oder Mehl auf Brandwunden

Neben tollen Naturheilmitteln halten sich leider auch viele vollkommen unsinnige Tipps für „gute alte Hausmittel“ sehr hartnäckig. Hierzu gehört die Idee, auf Brandwunden Butter, Öl oder Mehl zu geben. Statt die Wunde „abzudecken“, was wohl Sinn der Sache sein soll, dienen diese nämlich als Nährboden für Keime. Was bedeutet: Es vergrößert sich dadurch die bei Brandwunden ohnehin sehr akute Infektionsgefahr. Also: Hände weg von der Mehltüte - und auch von Nadeln. Das Aufstechen von Brandblasen erhöht nämlich ebenfalls die Gefahr, dass sich die Wunde entzündet.

Stattdessen ist das erste Gebot der Stunde bei Verbrennungen: kühlen kühlen kühlen – mit kühlem (ca. 24 Grad, aber nicht eiskaltem!) Wasser und feuchten sauberen Tüchern. Nach dem Kühlen die Haut mit einem Pflaster oder sterilen Verband abdecken.

Zahnpasta - das Clearasil aus der Tube?

In Teenager-Foren immer noch heiß gehandelt ist der Tipp, lästigen Pickeln im Gesicht per Zahnpasta den Gar auszumachen. Auch dieser „Geheimtipp“ gehört zu den völlig unsinnigen – denn die Zahnpasta mag den Pickel zwar etwas austrocknen, vermag aber nichts gegen die den Pickel verursachenden Bakterien auszurichten. Außerdem reizen die Wirkstoffe der Zahnpasta das ohnehin schon entzündete Gewebe. Also im Akutfall lieber Teebaumöl auftupfen – und ansonsten helfen am besten eine gesunde Ernährung und Sport, um den Hormonhaushalt wieder ins Lot zu bringen.

Schmerz lass nach: Gewürznelken gegen Zahnschmerzen

Zahnmediziner aus Kuwait veröffentlichten 2006 eine Studie, die bewies: Bei Zahnschmerzen Gewürznelken zu lutschen oder den Zahn mit Nelkenöl zu betupfen, kann tatsächlich den Schmerz lindern. Verantwortlich ist dafür vor allem das in den Nelken enthaltene Eugenol. Dieses hat sowohl eine antibakterielle wie auch eine lokal betäubende Wirkung. In der placebo-kontrollierten Studie konnte es das Nelkenöl an Wirkkraft sogar mit dem Lokalanästhetikum Benzocain aufnehmen. Außerdem wurde bei chronischen Migränepatienten auch eine Wirkung gegen Kopfschmerzen beobachtet - bis hin zur Schmerzfreiheit.

Nelkenöl (Apotheke) ist am wirksamsten. Doch auch Gewürznelken zu kauen oder zu lutschen, vermindert den Schmerz.

Backpulver bei Sodbrennen ...

… ist durchaus wirksam, aber leider trotzdem nicht zu empfehlen. Zum einen, da Backpulver neben Natron oft noch Citronensäure enthält, welche einzunehmen bei Sodbrennen überhaupt keinen Sinn macht. Zum anderen, weil auch das im Backpulver enthaltene Natron (andere Namen: Natriumbikarbonat, Natriumhydrogenkarbonat, doppelt kohlensaures Natron) nur kurzfristig hilft: Zwar neutralisiert es im Magen tatsächlich die überschüssige Salzsäure, welche das lästige saure Aufstoßen hervorruft. Dennoch gilt Natron unter Experten heute als veraltetes und riskantes Therapieprinzip bei Sodbrennen. Denn es kann dadurch nicht nur zu verstärkter Gasbildung im Magen kommen (bei der Reaktion von Natron mit den Magensäften entsteht Kohlensäure), sondern auch zu einem so genannten „Acid Rebound“: einer vermehrten Säurebildung nach Abklingen der Wirkung. Schlimmstenfalls droht sogar eine Stoffwechsel-Entgleisung („metabolische Alkalose“). Bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion ist auch der hohe Natriumgehalt von natriumhydrogenkarbonat-haltigen Präparaten ein Problem.

Fazit: Wer bei Sodbrennen auf Hausmittel setzen will, sollte lieber folgende Tipps ausprobieren: Milch trinken und dazu eine Scheibe trockenes Weißbrot essen, Bananen oder Mandeln (vorher im Mund zu einem Brei verkauen) essen. Ansonsten lesen Sie hier, was die Phytodoc-Experten empfehlen.

Erkältung im Anmarsch - am besten hilft ein steifer Grog?

Mit dieser Legende räumte unlängst Professor Dr. Ronald Eccles in einem Interview auf. Und der Mann sollte es wissen: Eccles ist Direktor eines Institutes zur Erforschung von Erkältungen an der Universität Cardiff. „Ein heißer Grog ist bei Erkältungskrankheiten nicht zu empfehlen“, so der Arzt. Ein Grog könne zwar durch eine Gefäßerweiterung ein Wärmegefühl hervorrufen. Es fühle sich aber nur so an. In Wirklichkeit verliere man durch Alkohol aber Wärme über die vermehrte Durchblutung der Körperoberfläche.

Abgesehen davon belastet der Abbau von Alkohol das Immunsystem – und das sollte zwecks Erkältungsabwehr doch lieber einwandfrei funktionieren. Also lieber heißen Kräutertee trinken – ist zwar etwas langweiliger, hilft aber besser.

Schlecht riechend, aber effektiv: Knoblauchmilch gegen Erkältung (auch Zwiebelmilch)

Nicht nur in Transsilvanien – auch hierzulande soll es Großmütter geben, die nachfolgende Generationen damit traktieren, wenn die Nase läuft: Knoblauch in heißer Milch. Und mag diese Mischung auch etwas exzentrisch wirken, so hat sie durchaus ihre Berechtigung. Bereits seit den 70er Jahren ist belegt, dass Knoblauch eine gesundheitsfördernde und heilende Wirkung besitzt. Der wichtigste im Knoblauch enthaltende Wirkstoff ist das ätherische Öl Allicin, das, kombiniert mit den Vitaminen A, B, C und E, Enzymen, Mineralstoffen sowie Spurenelementen, den Stoffwechsel ankurbelt und die Immunabwehr stärkt. Außerdem hat der Wirkstoff antibiotische Eigenschaften, was ihm den Namen „Penicillin des Südens“ einbrachte. Insgesamt ist daher der Einsatz von Knoblauch bei Erkältungen (wie auch bei Magen-Darm-Erkrankungen) durchaus sinnvoll – vor allem im Anfangsstadium und in Kombination mit Milch. Denn die verhindert, dass die scharfen Wirkstoffe des Knoblauchs die bereits angegriffenen Schleimhäute zu sehr reizen.

Für eine Knoblauchmilch einen Viertel Liter Milch erhitzen und kurz vorm Siedepunkt 1-3 Knoblauchzehen reinpressen. Das Ganze NICHT kochen! Zur Geschmacksverbesserung eventuell etwas Honig einrühren.

Eine ähnliche Wirkung hat übrigens heiße Milch mit Zwiebeln (enthalten ebenfalls Allicine) und frisch geriebenem Meerrettich (Senföle) – was aber leider auch nicht viel besser schmecken dürfte…