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Heilen statt Zerteilen - Wir machen Sie wieder ganz! Teil III

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Die Spezialisierung von Ärzten zu Fachärzten und Spezialisten vollzieht sich zu Lasten des Patienten. Es werden viel zu viele Pillen verordnet und es führt eher zu einer Verkrankung.

Von: Berthold Musselmann

Wege aus dem Diagnosedilemma der „wissenschaftlichen“ Medizin

Wie können nun ÄrztInnen aussehen, die das Ganze im Blick behalten und die ständige Ausweitung der Spezial- und Körperteilmedizin stoppen?

Eine Patientin berichtete mir vor kurzem: „Ich kam neulich im Wartezimmer mit einer anderen Patientin ins Gespräch, deren Hausarzt Teil eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) ist, in dem viele Ärzte arbeiten. Wie sie erzählte, bekommt man dort zwar immer schnell einen Termin, aber wenn man zu "seinem" Arzt will, muss man immer mehrere Wochen Wartezeit in Kauf nehmen, was bei akuten Problemen natürlich nicht geht. Eine kontinuierliche Betreuung findet folglich nicht statt, weil man ständig wechselnde Ansprechpartner hat, die dann über die Vorgespräche nicht informiert sind. Entgegen meiner Annahme gibt es dort praktisch auch keinen Austausch der Ärzte untereinander, d.h. keine bessere Versorgung durch mehr Wissen. Obwohl ihr Hausarzt Teil eines MVZ mit mehreren erfahrenen Internisten ist, fand sie dort keine wirkliche Hilfe, sodass sie auf Empfehlung eines anderen Arztes zu meinem niedergelassenen Internisten mit Einzelpraxis kam, wo sie sich viel besser aufgehoben fühlt. Welch ein Armutszeugnis für das hausärztlich-internistische MVZ!“

Da viele Studien und die ärztliche Erfahrung zeigen, wie wichtig die Arzt-Patient-Beziehung für einen erfolgreichen Heilungsprozess ist, ist es absehbar, dass die schrittweise Ersetzung der Hausärzte durch MVZ (die in ländlichen Gebieten schon begonnen hat) langfristig zu einer kränkeren, unzufriedeneren Bevölkerung und damit zu steigenden Kosten führen wird. Somit geschieht genau das Gegenteil dessen, was eigentlich damit beabsichtigt war.

Die Patientin weiter: „Ich möchte hiermit jeden, der Kontakt zu Politikern oder Gesundheitsexperten hat, auffordern, diese zu informieren, dass die schöne Theorie der MVZs mit der Praxis nichts zu tun hat und es für das Wohl der Patienten einen festen Ansprechpartner braucht, der umfassend über die Krankengeschichte und die Persönlichkeit des Patienten informiert ist - den Hausarzt! Warum werden in die Gremien, die auch jetzt wieder an einer neuen Gesundheitsreform basteln, eigentlich nie Patienten einbezogen? Als Experten wären sie auf jeden Fall tauglich, denn Experte ist jemand, der Erfahrung hat und wer hätte mehr Erfahrung mit dem Gesundheitssystem als z.B. chronisch Kranke? Ich würde gerne in einem solchen Gremium mitarbeiten, aber wie komme ich da bloß rein?“

Sie hat Recht: Der beste Ansprechpartner für Patienten ist ein Arzt, der komplett über seine Patienten informiert ist. Daher ist auch ein System sinnvoll, dass den Erstkontakt (außer in Ausnahmefällen) über den Allgemeinarzt regelt, bevor Spezialisten aufgesucht werden. Bei letzteren kommt es häufig zum Tunnelblick, der die Sicht auf's Ganze verstellt.

Leider sind aber viele Allgemein- und Hausärzte überlastet, nicht ausreichend qualifiziert und nicht motiviert, diese entscheidend wichtige Arbeit zu tun. Was wir brauchen, sind gute HausärztInnen, die nur eine fest begrenzte Zahl von Patienten behandeln dürfen (damit steht nämlich endlich die nötige Zeit für eine ordentliche Therapie zur Verfügung und die zu schlechte Bezahlung wird nicht durch die Annahme zu vieler Patienten aufgebessert). Die Ausbildung muss praxisnah und breit sein (s. Verbundweiterbildung der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung HD: http://www.verbundweiterbildung-allgemeinmedizin.de/content/impressum.shtml ). Es steht also dringend ein Systemwechsel an.

Die Zahl der Körperteilärzte und Spezialisten, die sich immer weiter erhöht, muss dringend begrenzt und wieder heruntergefahren werden. Wir brauchen ausreichend viele gut qualifizierte Spezialisten. Mehr als nötig schaden aber einer ganzheitlichen Medizin. Zu viel Spezialmedizin erhöht den Grad der Medikalisierung, d.h., es werden viel zu viele Pillen verordnet und es führt eher zu einer Verkrankung als zu einer echten Förderung von Gesundheit. Bei jedem Arzt besteht nämlich aus Systemgründen die Tendenz, Patienten "zu binden", was nichts anderes heißt, als letztlich aus geschäftlichen Gründen eher zu verhindern, dass eine restlose Gesundung eintritt. Chronisch Kranke, die viele Medikamente nehmen, sind geradezu die "Leistungsträger" der Pharma- und Medizinindustrie.

Auch hier braucht es dringend einen Systemwechsel!

Weitere Ansatzpunkte für eine Medizin für den ganzen Menschen im nächsten Beitrag.

Ihr

Berthold Musselmann

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