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Geschichte der Homöopathie

Der Begründer der Homöopathie: Samuel Hahnemann

Als Arzt mit praktischer pharmazeutischer Ausbildung wusste Hahnemann über die Medizin des 18. Jh. bestens Bescheid. Lesen Sie jetzt, was es mit dem Chinarinden-Versuch auf sich hat und wie die Lehre der Homöopathie entstand.

Historische Entwicklung

Wer hat Homöopathie erfunden?

Der Begründer der Homöopathie war der Arzt, Apotheker und Chemiker Samuel Hahnemann (1755-1843). Er wurde 1755 in Meißen als Sohn eines Porzellanmalers geboren. Die Verhältnisse waren ärmlich, bedingt durch den Krieg zwischen Preußen und Österreich. Doch fiel das Kind seinen Lehrern auf, so dass Hahnemann die höhere Schule unentgeltlich besuchen konnte. Später hat er sich an der Universität in Leipzig (1775), Wien (1777) und Erlangen (1779) immatrikuliert. Was ihn besonders interessierte, war die praktische Medizin direkt am Krankenbett. Beeindruckt hat ihn seine Zeit in Wien, in der er bei Joseph von Quarin am Wiener Spital der Barmherzigen Brüder die praktische Seite der Heilkunst erlernte. Später wird er über ihn schreiben: „Quarin verdanke ich alles, was an mir Arzt genannt werden kann.“

Wanderjahre: Hahnemann führte ein unstetes Leben, an 20 verschiedenen Orten war er anzutreffen. Besonders zu erwähnen ist sein Aufenthalt in Dessau, denn dort heiratete er die Stieftochter des Apothekers Henriette Küchler. Mit ihr hatte er elf Kinder. Die wachsende Familie lebte aber zunächst nicht von seinem Einkommen als Arzt, sondern von Hahnemans Tätigkeit als Übersetzer und Autor eigener Schriften. Von den ärztlichen Möglichkeiten seiner Zeit war er wenig überzeugt. Er vermutete, dass mancher Patient an der ärztlichen Kunst seiner Zeit verstarb, was ihn in eine schwere Gewissenskrise stürzte.

Missstände der Ärzteschaft: Die Medizin verfuhr damals nicht gerade sensibel mit den Patienten. Aderlass, herbeigeführtes Erbrechen und Durchfall schadeten den ohnehin geschwächten Patienten oft schwer. Daneben waren Gifte wie Arsen und Quecksilber in den Medikamentenmischungen üblich. Oftmals fand gar kein direkter Kontakt mit dem Patienten statt, viele der Kranken wurden über Boten behandelt. Daneben setzten die Ärzte ihre Anschauungen um, ohne auf den Erfolg der Behandlung zu achten. In einer Zeit, da kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über den Körper verfügbar waren, zählten die theoretischen Vorstellungen des Arztes mehr als objektive Fakten. Viele orientierten sich noch an der Vier-Säfte-Lehre aus der Antike. Man hielt Krankheit für ein Missverhältnis von Blut, Schleim, schwarzer und gelber Galle. „Entleerung“ der Körperflüssigkeiten war also Ziel vieler Therapien. Hahnemanns Lebenswerk beruht auf Kritik dieser Maßnahmen und hat an mehreren Punkten wichtige Meilensteine in der Medizin gesetzt.

Die Entwicklung der Homöopathie war für Hahnemann eine logische Reaktion auf die Missstände seiner Zeit. Man darf annehmen, dass er ab 1800 nach seiner Heilmethode verfuhr. Zwanzig Jahre später hatte die Lehre bereits eine größere Anhängerschaft gefunden.

Anerkennung: Seine Anerkennung begann mit Hahnemanns Habilitation in Leipzig. Neben zahlreichen Streits und Anfeindungen genoss er auch gesellschaftliche Anerkennung. In Köthen wurde er Leibarzt des Herzogs Ferdinand von Anhalt-Köthen, 1822 wurde er zum Hofrat ernannt. So entstand in dieser Zeit sein Grundlagenwerk "Organon der Heilkunst", das er mehrfach überarbeitete. Im Jahr 1829 feierte Hahnemann sein 50jähriges Doktorjubiläum, zu diesem Anlass wurde die "Gesellschaft homöopathischer Ärzte" gegründet (heute der "Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte"). Zu seiner Anerkennung trug mit Sicherheit das Wohlwollen der oberen Schichten bei, denn gerade sie waren von der aktuell praktizierten Medizin wenig begeistert. Dennoch war es für ihn eine einsame Zeit, er arbeitete meist alleine nach seinen Grundprinzipien. Im Jahr darauf verstarb seine Frau. 1831 drohte eine weiteres Unglück: Eine Choleraepidemie zog über das Land. Hahnemann empfahl es, mit hygienischen Maßnahmen und Homöopathie der Seuche beizukommen. Dies stößt auf allgemeine Aufmerksamkeit, denn die üblichen Methoden wie Schwitzen und Aderlass halfen den Kranken nicht, sie schadeten. Hahnemann lehnte diese schwächenden Maßnahmen ab und erlaubte den Kranken sogar, zu trinken. Das führte mitunter zu heftigen Diskussionen. Am Ende haben aber die Heilerfolge der Therapie überzeugt.

Neuanfang: Der Ruhm Hahnemanns ist früh über die Grenzen Deutschlands in andere Länder gedrungen. So suchte ihn 1834 die französische Malerin Mélanie d’Hervilly auf. Ein Besuch, der Folgen hatte: es war wohl Liebe im Spiel. Mit 79 Jahren wagte Hahnemann eine zweite Ehe mit Mélanie und siedelte mit ihr sogar nach Paris über. Auch dort eröffnete er eine erfolgreiche Praxis und praktizierte 1835 bis zu seinem Tode 1843. Hahnemann hatte eine unglaubliche seelische Energie und arbeitete selbst in dieser Zeit weiter an der Verfeinerung seiner Lehre.

Die Entwicklung der homöopathischen Idee

Hahnemann entwickelte seine Grundprinzipien nicht im luftleeren Raum. Im medizinischen Gedankengut war das Ähnlichkeitsprinzip schon lange im Umlauf.

Bei Hippokrates (460-370 v.Chr.) klingen schon erste Überlegungen zum Heilprinzip an. So heißt es bei ihm: „Beschwerden werden durch das ihnen Entgegengesetzte behoben, jede Krankheit nach ihrer Eigenart“. Für chronische Beschwerden gilt für ihn also „Contraria contrariis curentur.“ Bemerkenswerter Weise sah er bei akuten Krankheiten die Ähnlichkeitsregel vor:

„durch das Ähnliche entsteht die Krankheit und durch die Anwendung des Ähnlichen wird sie geheilt.“

Diese Einschätzung wurde zwar vergessen, sie taucht aber immer wieder in ähnlicher Form auf. So auch bei Theophrastus Bombastus von Hohenheim bekannter unter dem Namen Paracelsus (1493–1541):

„Ähnliches wird durch Ähnliches behandelt und nicht Gegensätze durch Gegensätze.“

Hahnemann hatte bereits die Ähnlichkeitsregel im Kopf, als er mit der Thematik über Umwege wieder in Kontakt kam. Als er die Materia medica des schottischen Pharmakologen William Cullen, übersetzte, stieß Hahnemann auf die These, dass Chinarinde wegen der bitteren, magenstärkenden Eigenschaft Malaria heilen könnte. Er legte im Text eine Fußnote an und bezweifelte, dass Chinarinde ein Fiebermittel sei. Doch sein Interesse war geweckt, er entschloss sich kurzer Hand zu einem Selbstversuch. Dabei stellte er fest, dass er gewisse Symptome des Wechselfiebers entwickelt hatte: Pulsbeschleunigung, Wangenröte, Schüttelfrost und Schwächeanfälle. Er folgerte daraus, dass Chinaride dazu geeignet sein müsste, Wechselfieber zu behandeln. Die magenstärkende Wirkung gab dabei aber nicht den Ausschlag. Das war im Jahr 1790, offensichtlich arbeitete die Idee eine ganze Weile in ihm. Sicherlich hat ihn das auch an seine Wiener Zeit erinnert. Der Wiener Arzt Störck hatte bereits mit der Arzneimittelprüfung begonnen und mit gängigen Arzneisubstanzen wie Pulsatilla, Conium, Aconitum und Colchicum experimentiert. Hahnemann kannte die Mittel und verwendete sie bereits. Um die Wirkung genauer kennen zu lernen, testete er sie an Gesunden. Viele Versuche an sich und seiner Familie folgten, bis er sechs Jahre später einen Aufsatz an einem renommierten Journal veröffentlichte (Hufelands Journal, herausgegeben von dem berühmten Arzt Christoph Wilhelm Hufeland).

„Man ahme der Natur nach, …, und wende in der zu heilenden (vorzüglich chronischen) Krankheit dasjenige Arzneimittel an, welches eine andre, möglichst ähnliche, künstliche Krankheit zu erregen im Stande ist, und jene wird geheilet werden; Similia similibus curentur."

Somit gilt das Jahr 1796 als das Geburtsjahr der Homöopathie. Heute würde man das Heilprinzip wohl etwas anders formulieren, etwa so: Ein gezielter Reiz kann die Selbstheilungskräfte des Körpers herausfordern und eine Umstimmung Richtung Heilung bewirken.

Bis zu den Verdünnungen war es aber noch ein großer Schritt. Zunächst bemerkte Hahnemann nur die schweren Nebenwirkungen der Medikamente. Als praktisch denkender Mensch verdünnte er die Mittel. Während er in den ersten Jahren mit geringen Schritten (D-Potenzen 1:10) arbeitete, hat er mit zunehmendem Experimentieren 1798 Hochpotenzen eingeführt (C-Potenzen 1:100) und erhob sogar den Vorgang der Verdünnung zum eigentlichen Wirkprinzip. Damit sollen die „im inneren Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft“ frei gesetzt werden. Potentiertes Gift könnte man etwas salopp das Wesen der Homöopathie überspitzen.

Im Jahr 1807 fällt zum ersten Mal der Begriff Homöopathie, was übersetzt so viel wie „ähnliche Krankheit“ bedeutet. Die homöopathische Behandlung setzt eine detaillierte Kenntnis der Symptome voraus, sowie eine umfangreiche Arzneimittellehre. Sein Hauptwerk publizierte er 1810 unter dem Titel „Organon der rationellen Heilkunde“. Er wird es in den folgenden Jahren immer wieder überarbeiten. In dieser letzten und sechsten Überarbeitung des Organons führt er die Q-Potenzen ein. Diese sanften Mittel werden mit besonders großen Verdünnungsschritten von 1:50.000 erzeugt.

Aktuelle Praxis

Was hat sich seit Hahnemann geändert?

Hahnemann sah zwar die Symptome, er wusste aber nichts über die wirklichen Krankheitsursachen. Er hatte keine Anhaltspunkte darüber, wie und warum die Organe funktionieren oder gar wofür sie zuständig sind. Die ersten Grundlagen zur Zellpathologie lieferte Rudolf Virchow (1821 – 1902). Er führte Krankheiten auf zelluläre Veränderungen zurück. Heute sind viele Krankheitsprozesse bis ins Detail aufgeklärt. Auch die Idee, dass Krankheiten durch Bakterien, Pilze oder Viren verursacht werden, wurde erst 1864 von Louis Pasteur formuliert. Die Homöopathie ist daher kein umfassendes Medizinsystem. Sie behandelt bestimmte Krankheitsaspekte. Nur die Moderne Medizin kann heute viele Krankheiten ursächlich behandeln und damit ausheilen. Auf diesen Teil der Medizin sollte heute kein aufgeklärter Mensch verzichten.

Hahnemanns Nachfolger

Nach Hahnemann wäre seine Arzneimittellehre einige Male beinahe wieder vergessen worden. Nur wenige Menschen praktizierten noch in Deutschland, meist waren es Laien, die zumeist geringe Verdünnungen verwandten. Im Gegensatz dazu war die Gemeinde der Homöopathen in Amerika eine Basis der Weiterentwicklung.

So formulierte Constantin Hering (1800-1880) genaue Vorstellungen, wie ein Mittel wirken und in welcher Reihenfolge die Beschwerden abzuklingen haben (von oben nach unten, von innen-nach außen-Regel).

Auf James Tyler Kent (1849- 1916) geht die Typenlehre zurück. Demnach werden die Patienten nach ihren charakterlichen Neigungen behandelt. Für jeden Typ gibt es eine typische Heilpflanze: Der Arnica-Typ zum Beispiel, will in Ruhe gelassen werden und Belladonna-Menschen haben eine hohe Lebensintensität. Damit bekommen seelische Eigenarten einen hohen Stellenwert bei der Arzneimittelwahl.

Daneben hat der Deutsche Erdmann Leopold Stephanus Emanuel Felke (1856-1926) seine Spuren in der homöopathischen Lehre hinterlassen. Er gilt als der Vater der Komplexmittel, dabei werden mehrere homöopathische Arzneimittel mit ähnlichen Wirkungen gemischt, so dass die komplizierte Auswahl des Einzelmittels einfacher ausfällt. Damit können auch Menschen mit weniger intensiver Kenntnis der komplexen homöopathischen Arzneimittelbilder geeignete Mittel zuweisen.

Im folgenden Zeitraum (1900-1950) wäre die Homöopathie beinahe verschwunden. Entscheidenden Aufschwung gewann die Homöopathische Lehre aber erst Mitte der 1970er-Jahre. So wird die Lehre auf der einen Seiten in vielen Varianten fortentwickelt, während sich Gegenströmungen wieder auf die historischen Grundlagen besinnen wollen.

Homöopathie ist ein weltweites Erfolgsmodell

Obwohl heute gänzlich andere Prinzipien in der Medizin gelten, hat sich das Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie bis heute gehalten. Brasilien, Indien, Amerika, Europa - überall ist die Heilmethode bekannt und praktiziert. Mit homöopathischen Medikamenten macht die Branche 400 Millionen Euro Jahresumsatz. Das zeugt vom ungebrochenen Glauben an die Wirkung. Die Menschen suchen in der Homöopathie Aspekte, die unsere Schul-Medizin nicht zu bieten hat. Gerade aufgrund der Umweltkrise und verschiedenen Arzneimittelskandalen wenden sich immer mehr Menschen alternativen Arzneimitteln und der Naturheilkunde zu. Sie finden in der Homöopathie eine ganzheitliche Medizin, die auch die Seele berücksichtigt.

Homöopathie und vorsichtige Kritik

Etwa 200 Jahre nach ihrer Erfindung wird Homöopathie weltweit praktiziert. Während bei uns die meisten Menschen darüber aufgeklärt sind, dass Globuli bzw. die Homöopathie Grenzen und Nebenwirkungen hat, ist das in anderen Kulturen völlig anders. So treten in Entwicklungsländern leider immer wieder problematische Anwendungen auf: Tuberkulose oder HIV wurden dort mit homöopathischen Hochpotenzen behandelt. Dann kann diese ungefährliche Therapie ernsten Schaden anrichten. Darum kann die Lehre gerade dann gefährlich werden, wenn sie auf Menschen trifft, die noch Schamanismus praktizieren. Für sie ist es besonders schwer, die naturwissenschaftlichen Fakten zu beurteilen. Homöopathie sollte immer zusammen mit der Kritik daran übermittelt werden. Sie eignet sich für alle, die augenzwinkernd auch vom Placeboeffekt profitieren wollen.

Quellen/Weitere Informationen

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