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Homöopathie: Mythen und Fakten

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Umstrittene Homöopathie

Kaum ein naturheilkundliches Therapieverfahren spaltet die Gemüter mehr als die Homöopathie. Welche Aussagen stimmen und welche nicht?

Von: Johannes W. Steinbach

Nicht nur pflanzliche Wirkstoffe

Kaum ein naturheilkundliches Therapieverfahren spaltet die Gemüter mehr als die Homöopathie: für die einen DIE perfekte Medizin, für die anderen reiner Humbug. Doch wer hat Recht? Welche Aussagen stimmen und welche nicht? PhytoDoc schaut genauer hin.

Zunächst einmal ist die Homöopathie ein Therapieverfahren, bei dem durch Verabreichung potenzierter pflanzlicher, tierischer oder mineralischer Wirkstoffe Heilung erzielt werden soll. Die landläufige Annahme, dass die Homöopathie nur mit pflanzlichen Wirkstoffen arbeite, ist also schon mal falsch.

Ebenso falsch und nicht weniger weit verbreitet ist die Meinung, dass die vielleicht bekannteste homöopathische Darreichungsform – Globuli – auf Milchzucker (Laktose) basiert. Vielmehr dient heutzutage im Allgemeinen gewöhnlicher Haushaltszucker (Saccharose) als Trägerstoff, der auch bei Laktose-Unverträglichkeit gut bekömmlich ist. Lediglich zu Lebzeiten des Begründers der Klassischen Homöopathie, Samuel Hahnemann (1755-1843), bestanden die Globuli, im Volksmund auch Streukügelchen genannt, aus einer Basis-Mischung aus Stärke- und Haushaltszucker.

Daneben gibt es weitere homöopathische Darreichungsformen; etwa Tabletten, bei denen tatsächlich meist Milchzucker der Trägerstoff ist. Eingesetzt werden sie überwiegend im Bereich sogenannter Komplexmittel: gewissermaßen Universal-Mittel gegen bestimmte Krankheiten, die mehrere homöopathische Einzelmittel niedrigerer Potenzen enthalten. Ziel dieser Komplexmittel: die aufwändige Auswahl („Homöopathische Repertorisation“) des geeigneten Einzelmittels zu umgehen. Motto: ‚Das richtige Mittel wird schon dabei sein und die überflüssigen können nicht schaden‘ – im Gegensatz zur klassischen Homöopathie, die in der Regel nur Einzelmittel berücksichtigt und Komplexmittel ablehnt. Ebenfalls überwiegend im Komplexmittel-Bereich finden die meisten homöopathischen Dilutionen (alkoholische Lösungen), Ampullen, Salben und Tropfen Anwendung.

Homöopathie-Prinzip: Ähnliches heilt Ähnliches

Doch was unterscheidet nun generell ein homöopathisches Arzneimittel, sowohl Einzel- als auch Komplexmittel, von einem schulmedizinischen Arzneimittel? Zunächst einmal die Simile-Regel als einer der Grundpfeiler der Homöopathie: „Similia similibus curentur“ – „Ähnliches möge durch Ähnliches behandelt werden“. Soll heißen, dass Krankheiten bzw. die darunter leidenden Menschen mit dem Mittel in Kleinstdosis behandelt werden, das beim Gesunden in höherer Dosierung ähnliche Symptome hervorrufen würden wie die zu behandelnde Krankheit. O-Ton Hahnemann in seinem Hauptwerk Organon der Heilkunst: „Wähle, um zu heilen, in jedem Krankheitsfall eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll.“

Im Gegensatz zu diesem Ähnlichkeitsprinzip werden in der Schulmedizin Arzneimittel eingesetzt, die der Krankheit entgegengesetzt wirken. Die Homöopathie ist also als stark empirisch geprägte Reiz- und Regulationstherapie zu verstehen, da der Kranke in verdünnter und aufbereiteter Form eine Arznei erhält, die bei hochdosierter und längerer Einnahme durch Gesunde bei diesen Symptome hervorrufen würde, die seinem Krankheitsbild ähnlich sind.

Was genau heißt eigentlich „Arnica D6“?

Ein weiteres zentrales Merkmal der Homöopathie ist der Herstellungsvorgang, der mindestens genauso wichtig wie der Inhaltsstoff ist und hier einmal anhand des vielen Kleinkind-Müttern bekannten Prellungsschmerz-Klassikers „Arnica D6“ erklärt werden soll. Der erste Teil der Arzneimittelbezeichnung ist immer der lateinische Name des verwendeten Wirkstoffs, in unserem Beispiel „Arnica“ für Bergwohlverleih. Der Großbuchstabe danach zeigt den Grad der Potenzierung an, sprich der stufenweisen Verdünnung der Urtinktur. „D“ (für Dezimal, 10) wie im Beispiel bedeutet im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt; „C“ (Centesimal, 100) würde bedeuten im Verhältnis 1 zu 100.

Die auf die Buchstaben folgende Zahl kennzeichnet die Anzahl der Verdünnungsschritte. Im Falle unseres Beispiels Arnica D6 heißt das demnach, dass der Wirkstoff Bergwohlverleih sechsmal im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt, genauer „potenziert“ wurde. Der Schritt des Potenzierens erfolgt dabei nach einem ganz bestimmten Schema, wonach für jeden Verdünnungsschritt ein neues Gefäß („Mehrglasmethode“) verwendet werden muss. In diesem werden die Flüssigkeiten pro Verdünnungsschritt mindestens zehnmal geschüttelt.

Neben D- und C-Potenzen gibt es außerdem noch die weitaus exotischeren LM- oder Q-Potenzen, die hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt sein sollen. Denn deren Herstellung verläuft weitaus komplizierter, die gesamte Handhabung setzt detailliertere Kenntnisse voraus.

Weniger drin und trotzdem stärker?

Doch warum behaupten nun erfahrene, nach dem Prinzip der Klassischen Homöopathie arbeitende Therapeuten, dass Hochpotenzen wie C300 wesentlich stärker wirken als Niedrigpotenzen wie D6 oder D12? Wo doch jedem, der den Herstellungsvorgang kennt, klar ist, dass in C300 kaum noch ein Molekül des Wirkstoffs vorhanden sein kann? Diese Frage lässt sich nicht abschließend beantworten. In Zeiten der Nanotechnologie gebe es durchaus noch kleinere Teilchen als Atome und Moleküle, argumentieren einige Therapeuten. Teilchen, die so winzig sind, dass sie in die einzelnen Körperzellen gelangen können um dort ursächlichst zu wirken. Andere wiederum glauben zu wissen, dass sich die Moleküle während des Potenzierens auf eine bestimmte Art formieren und diese Entwicklung bei jedem weiteren Verdünnungsschritt zunimmt. Mit dem Ergebnis, dass nicht mehr der eigentliche Wirkstoff weitergegeben wird, sondern nur dessen mit jeder Potenzierung stärker werdendes energetisches Muster. Es gehe also weniger um das Enthaltensein des Wirkstoffs selbst als um dessen weitergegebene Informationen.

Wer tatsächlich Recht hat, lässt sich nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht belegen. Die Praxis sieht jedenfalls oft so aus, dass bei organischen Erkrankungen in der Regel niedrige Potenzen eingesetzt werden, während Hochpotenzen bei psychischen und chronischen Beschwerden Anwendung finden. Hochpotenzen werden außerdem im Rahmen konstitutioneller Behandlungen eingesetzt: einem sehr speziellen Terrain der Klassischen Homöopathie, bei dem nicht akute Beschwerden, sondern die gesamte Konstitution, also die individuelle Veranlagung zu einer Krankheit, angeborene oder erworbene Schwächen eines Organs sowie der Allgemeinzustand des Patienten usw. berücksichtigt werden soll.

Wirkung nur, wenn man dran glaubt?

Kritiker der Homöopathie führen immer wieder als Argument an, dass Heilungserfolge, die mit einer entsprechenden Behandlung einher gehen, grundsätzlich nur auf den Placebo-Effekt zurückzuführen seien. Dem entgegen halten erfahrene Homöopathen jedoch, dass die Homöopathie vor allem bei der Behandlung von Babys, Kleinkindern und Haustieren hilft, die naturgemäß keinen Placebo-Effekt kennen.

Ein Effekt, den sich auch die Techniker Krankenkasse zunutze macht: Seit dem 01. Januar 2012 übernimmt sie als erste gesetzliche Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für verschreibungsfreie homöopathische Arzneimittel sowie für weitere Maßnahmen der Naturheilkunde. Und das bestimmt nicht nur, um ihren Versicherten einen Gefallen zu tun, sondern aus handfesten betriebswirtschaftlichen Überlegungen heraus.

Fazit: Wer eine homöopathische Therapie für sich in Anspruch nehmen will, sollte die Auswahl des richtigen Mittels einem auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt oder Heilpraktiker überlassen. Denn nur ein kompetenter und seriöser Therapeut ist in der Lage, zu entscheiden, was homöopathisch behandelbar ist und was nicht – und was in die Hände der Schulmedizin gehört.

Hier finden Sie ein Auflistung von Ärzten und Heilpraktikern mit Schwerpunkt Homöopathie