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Insektengiftallergie – kleine Ursache, große Gefahr

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Wenn Insektenstiche gefährlich werden

Insektenstiche sind eine lästige und mitunter schmerzvolle Angelegenheit, doch eigentlich sind sie harmlos. Anders sieht das bei Allergikern aus!

Von: Corinna Heyer

Notärztliche Behandlung wegen eins Insektenstichs

Picknick im Grünen, Straßencafés und Grillpartys sind das pure Glück, wären da nicht diese kleinen Quälgeister – die Insekten! Viele Menschen haben Angst vor einem Insektenstich, weil es meist ein schmerzliches Erlebnis ist. Auch wenn der Stich einer Honigbiene, Wespe oder Hornisse für die meisten Menschen schmerzhaft ist, so bleibt er doch harmlos. Für manche aber, die allergisch auf Insektengifte reagieren, kann ein Stich zu einem sehr ernsten, gesundheitlichen Problem werden. Bei rund 3.000 Insektengiftallergikern muss in Deutschland jedes Jahr notärztlich behandelt werden.

Was ist eine Insektengiftallergie?

Hierzulande wird eine Insektengiftallergie (umgangssprachlich auch oft als Insektenstich­allergie bezeichnet) hauptsächtlich durch Honigbienen und Wespen verursacht.. Hummeln und Hornissen lösen dagegen nur selten allergische Reaktionen aus. Auch Bremsen, Ameisen und Mücken können der Grund für Insektengiftallergien sein. Die Ursache ist jedoch bei allen die gleiche: Insekten geben während des Stechens ihr Gift durch den Stichkanal in die Haut des Opfers ab. Rund um die Einstichstelle entwickelt sich eine rote, juckende, brennende Quaddel, die sich nach ein paar Tagen wieder zurückbildet. Diese Quaddelbildung tritt bei jedem Menschen auf und ist die normale Abwehrreaktion des Körpers auf das Gift. Selbst eine schmerzhafte Rötung und Schwellung auch über zwei Tage sind normale Reaktionen auf einen Insektenstich und haben nichts mit einer möglichen allergischen Reaktion zu tun.

Bei manchen Menschen kommt es jedoch beim ersten Stich durch das Insekt zur sogenannten Sensibilisierung des Immunsystems des Gestochenen, und beim nächsten Stich verursacht dann der eingebrachte Stoff auf dem Blutweg eine allergische Reaktion. Allergien gegen Insektengifte sind die Folge einer Immunreaktion auf Eiweiße, die in den Giften vorkommen. Ebenso wie beispielsweise beim Heuschnupfen ist die Insektengift­allergie eine Sofortreaktion, die nicht nur lokal begrenzt ist, sondern ganzkörperliche Folgen haben kann. Das bedeutet dann, der Körper reagiert mit heftigen Symptomen wie starke Schwellungen in Gesicht und Hals, nervösen Störungen, Hautrötung, Atemnot und Kreislaufkollaps bis hin zum anaphy­laktischen Schock.

Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 5 Prozent der Bevölkerung eine allergische Überempfindlichkeitsreaktion auf Insektengifte zeigen. Gefährdete Personen sind vor allem Kinder (mit und ohne sonstiger Allergie) und Personen, die beruflich stark mit Insekten zu tun haben wie beispielsweise Imker, Gärtner, Obst- und Bäckereiverkäufer sowie Waldarbeiter. Während es bei Erwachsenen einer Vielzahl von Stichen bedarf, kann bei Kindern bereits eine Wespe oder Biene eine allergische Reaktion auslösen.

Erste Anzeichen für eine allergische Reaktion sind über das normale Maß hinausgehende, zunehmende Schwellung im Bereich der Einstichstelle, Quaddeln und Rötung der Haut, Ausschläge an anderen Körperstellen sowie starker Juckreiz. Innerhalb weniger Minuten fällt der Blutdruck ab. Es kommt zu Kreislauf­be­schwerden, Schwindelgefühl, Übelkeit, Herzrasen, Kaltschweißigkeit und Atemnot.

Allergische Insektenstichreaktionen können folgendermaßen klassifiziert werden:

  • Grad 0 - schwere Lokalreaktion: lokale Schwellung größer als eine Handfläche
  • Grad I - leichte Allgemeinreaktion: generalisierte Nesselsucht, Juckreiz, Übelkeit, Angst.
  • Grad II - mäßige Allgemeinreaktion: beliebige Symptome aus Grad I und mindestens zwei der folgenden: Schwellungen der Lippen und Augenlider, Engegefühl im Brustkorb, auch mit Atemnot, Bauchbeschwerden, wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, sowie Schwindel.
  • Grad III - schwere Allgemeinreaktion: beliebige Symptome aus Grad II und mindestens zwei der folgenden: Schluckbeschwerden, Heiserkeit, verwaschene Sprache, Benom­men­heit, Schwächegefühl, Todesangst.
  • Grad IV - Anaphylaxie (Schockreaktion): beliebige Symptome aus Grad III, II und I sowie mindestens zwei der folgenden: Blauverfärbung der Lippen, Blutdruckabfall, Kollaps, unwillkürlicher Stuhl- und Urinabgang, Bewusstlosigkeit.

Tipps: So beugen Sie vor

  • Verzehren Sie im Freien keine Speisen oder süße Getränke.
  • Vorsicht beim Pflücken von Obst oder Blumen!
  • Vorsicht beim Kochen von Süßspeisen (Marmelade/ Obst einwecken).
  • Halten Sie sich im Freien nicht im Bereich von blühenden Blumen, reifem Fallobst oder Abfallkörben auf.
  • Vorsicht bei Gartenarbeiten!
  • Laufen Sie im Sommer nie ohne Schuhe! Bienen bevorzugen den Aufenthalt im Klee, und viele Wespen leben in Bodenlöchern
  • Sorgen Sie dafür, dass die Haut durch Kleidung möglichst bedeckt ist und Insekten nicht unter die Kleidung gelangen können (lange Ärmel, lange Hosen, Hut).
  • Meiden Sie weite, flatternde Kleidung, schwarze Stoffe und farbige Blumenmuster.
  • Schweiß lockt Insekten an, vermeiden Sie also körperliche Anstrengungen im Freien.
  • Verwenden Sie keine Parfüms oder parfümierte Kosmetika
  • Verwenden Sie Insektennetze vor Ihren Fenstern.
  • Vermeiden Sie hastige Bewegungen in der Nähe von Insekten und schlagen Sie nicht nach ihnen.
  • Wenn Sie trotz allem gestochen wurden, entfernen Sie bitte sofort den Stachel mit einer Pinzette oder Insektengiftpumpe. Wenn Sie beides nicht haben, entfernen Sie den Stachel, indem Sie ihn mit dem Fingernagel wegkratzen
  • Tragen Sie immer ein Notfallset bei sich und wenden Sie es sofort an, wenn Sie gestochen wurden.

Was tun im Notfall?

Personen, die von ihrer Insektenstichallergie wissen, müssen Insekten bzw. deren Stiche strikt meiden. Da dies nicht immer machbar ist, sollten sie ein Notfallset zuhause haben und in der Lage sein, im Falle eines Stiches schnellstmöglich einen Notarzt oder eine Klinikambulanz erreichen zu können. Das Notfallset sollte aus einem schnellwirksamen oralen Antihista­minikum (möglichst in flüssiger Form), einem oralen (möglichst flüssigem) Kortisonpräparat (bei Kindern Zäpfchen), ev. einem Betasympathomimetikum und einer adrenalinhaltigen Spritze bestehen. Dieses Set kann ein Arzt verordnen, den Gebrauch der Spritze lässt man sich am besten in der Apotheke zeigen. Alle Wirkstoffe sollen die allergische Reaktion blockieren und einen Schock verhindern.

Zusammenfassend sind die Erstmaßnahmen folgende:

  • Sofort Hilfe holen
  • Den Stachel rasch entfernen (mit dem Finger wegschnippen)
  • Oberhalb des Stiches an Armen oder Beinen Stauschlauch anlegen
  • Notfallset bereithalten

Hyposensibilisierung als Ausweg

Menschen, die schon einmal eine problematische allergische Reaktion auf einen Insektenstich erlebt haben, finden Hilfe in einer spezifischen Immuntherapie (Allergie-Impfung, Hyposensi­bilisierung oder Desensibilisierung). Dabei wird das Immunsystem des Patienten Schritt für Schritt durch regelmäßige Injektionen kleiner Mengen des Gifts an die Allergie auslösende Substanz gewöhnt und so unempfindlich gemacht. Die anfangs geringe Dosis wird behutsam, aber kontinuierlich gesteigert. An diese Grundbehandlung schließt sich die Erhaltungsphase an. Der Zeitraum zwischen den Injektionen wird behutsam von einer Woche über zwei und drei auf vier Wochen ausgedehnt. Schon nach der Grundbehandlung ist ein Schutz aufgebaut, der durch die Weiterbehandlung gesichert wird. Insgesamt dauert eine Behandlung etwa drei bis fünf Jahre. Die spezifische Immuntherapie führt bei bis zu 95% der Bienen- oder Wespengift­allergiker zum Erfolg und kann etwa ab dem 5. vollendeten Lebensjahr begonnen werden.