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Ist die Homocysteintheorie tot?

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Homocystein: Risikofaktor für Gefäßkrankheiten?

Der Homocysteinwert soll laut einigen Studien nicht mehr als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall eingestuft werden und B-Vitamine seien sowieso wirkungslos.

Von: Dr. rer. nat. Ernst Grondal

"B-VITAMINE NUTZLOS GEGEN INFARKT ODER SCHLAGANFALL"

So eine Schlagzeile der FAZ zum Problem des Homocysteins und der B-Vitamine, die durch einige Studien ausgelöst wurde. Zwar ist diese Schlagzeile schon einige Jahre alt, doch werde ich in der Praxis immer noch darauf angesprochen, wenn ich B-Vitamine verordne.

Erhöhte Spiegel der toxischen Aminosäure Homocystein gelten als Risikofaktor für Gefäßkrankheiten und somit für Schlaganfall, Herzinfarkt und Demenz. Die häufigste Ursache für hohe Werte ist die Unterversorgung mit FolsäureVitamin B12 und B6. Diese These zu überprüfen, war Anliegen der Studien.

Dabei handelt es sich um eine norwegische und zwei amerikanische Studien mit insgesamt ca. 9.000 Probanden, also gut für eine ausreichende Statistik. Leider hat man die Chance vertan, saubere Studien mit verwertbaren Ergebnissen zu erhalten.


Hier einige Beispiele:

  • bei der NORVIT-Studie (norwegische Vitamin-Studie) wurden Patienten mit frischem Infarkt ausgewählt und es wurde die Anzahl an Reinfarkten beobachtet. Dabei erhielten die Patienten aber neben den Vitaminen noch weitere Medikamente wie Statine, ASS und Betablocker. Dadurch sind Aussagen über einen zusätzlichen Effekt von Homocysteinsenkung durch B-Vitamine nur schwer möglich.
  • Weiterhin hatten nicht alle Patienten einen erhöhten Homocysteinspiegel, der dann auch nicht durch die B-Vitamine gesenkt werden konnte.
  • Während der Durchführung der amerikanischen Studien wurde in den USA die Anreicherung von Mehl mit Folsäure vorgenommen. Damit ist natürlich im weiteren Verlauf der erwartete Folsäureeffekt nicht mehr messbar, da ja auch die Kontrollgruppen mit Folsäure versorgt wurden.


Es gibt noch weitere Schwachstellen dieser Studien und unabhängige Statistiker haben im Nachhinein diese Studien nochmals evaluiert und doch noch günstige Effekte der Vitamin-Substitution feststellen können.

Dass die günstigen Eigenschaften der Vitamine nicht von der Hand zu weisen sind, zeigen die Angaben des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention. Die Anzahl der Todesfälle durch Herzinfarkt oder Schlaganfall ist nach Einführung der Folsäure-Supplementierung im Jahr 1998 um etwa 48.000 pro Jahr gesunken. Ich denke, das spricht für sich.

Es gibt immer wieder publikumswirksame Auftritte, die eine zusätzliche Vitamingabe als unnötig hinstellen, da „wir ja alle bestens versorgt“ sind. Dabei stellt man gerade bei älteren Menschen häufig Resorptionsmängel fest, so dass die Aufnahme von B12 bzw. Folsäure nur bedingt möglich ist. Man sollte gerade bei dieser Gruppe darauf achten und bei erhöhtem Homocysteinspiegel B12, B6 und Folsäure - am besten parenteral - zuführen, da natürlich auch zusätzlich oral verabreichte Vitamine bei Resorptionsstörungen nicht aufgenommen werden.