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Aderlass

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Aderlass: Therapeutischer Blutverlust

Im Mittelalter häufig übertrieben und dann teilweise mit Todesfolge, wird der Aderlass heute gezielt zum Wohle des Patienten angewendet.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Verankert in der Humoralpathologie

Unter Aderlass versteht man die Blutabnahme aus einer Vene zu therapeutischen Zwecken.

Wieder entdeckt

Aderlass ist eine uralte Heilmethode. Sie wurde von der Antike bis Mitte des 19. Jahrhunderts praktiziert. Im Rahmen der Vorstellungen der Humoralpathologie sollten durch einen Aderlass „schlechte Säfte“ ausgeleitet werden. Allerdings wurde die Therapie häufig unpassend bei geschwächten Personen eingesetzt und führte zu zahlreichen Todesfällen. Heute hat man den Aderlass wiederentdeckt, verwendet ihn jedoch ganz gezielt bei Eisenspeicherkrankheit, Eisenüberladung, gelegentlich bei Herz-Kreislauferkrankungen und Bluthochdruck.

Nicht für jeden geeignet

Voraussetzung für einen Aderlass ist ein guter Ernährungszustand. Bei den geeigneten Patienten findet sich oft eine Gesichtsröte, ein kräftiger Körperbau und ein starker Puls. Im Vokabular der Alternativmedizin sind dies Zustände der Fülle und feuchten Wärme. Sehr junge und sehr alte Menschen lässt man nicht zur Ader. Auf keinen Fall wendet man den Aderlass bei Personen mit Blutarmut (Anämie), niedrigem Blutdruck (Hypotonie), schweren Infektionen, Erschöpfung oder bei einem instabilen Zustand an. Auch bei Frauen im fruchtbaren Alter setzt man die Methode selten ein; sie verlieren regelmäßig Blut bei der monatlichen Blutung.

Welche Krankheiten werden mit Aderlass behandelt?

Anerkannt:
  • Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)
  • Polycythaemia vera (eine Störung der Blutbildung)
  • Porphyria cutanea tarda (Störung im Aufbau des Blutfarbstoffs Häm)
  • Venenthrombose in der Retina

Erfahrung:

  • Arterielle Verschlusskrankheit (AVK), Claudicatio intermittens
  • Bluthochdruck: arterielle Hypertonie, Schwindel
  • Entzündungen (akute und chronische entzündliche Prozesse)
  • Herz-Kreislauferkrankungen: Lungenödem mit Rechtsherzinsuffizienz, Bluthochdruck im Lungenkreislauf
  • Gesichts-/Körperrötung: Blutüberfülle (Kongestion)
  • Thromboseneigung

Behandlungsprinzip

Verdünnung bis Ausleitung

Durch die Entnahme von venösem Blut beim Aderlass wird der Blutdruck gesenkt. Der Körper reagiert auf den Volumenverlust und ergänzt die fehlende Flüssigkeit bzw. verdünnt das Blut. Dadurch verbessern sich die Fließeigenschaften des Blutes und es wird „dünnflüssig“. So verbessert sich die Durchblutung der feinen Adern (Kapillaren) und die Blutgerinnungsneigung sinkt. Die Wirkung bei Herz-Kreislauferkrankungen ist daher positiv und die Thromboseneigung sinkt. Auch eine antientzündliche Wirkung wird diskutiert.

Aderlass ist mit blutigem Schröpfen und der Blutegeltherapie verwandt und man schreibt ihm eine entgiftende sowie ausleitende Wirkung zu.

Wie wirksam ist die Methode?

Aderlass ist eine uralte Methode, die in vielen Kulturen bekannt war.

Während die Methode früher zu häufig zum Einsatz kam, wird sie heute nur gezielt bei bestimmten Krankheiten eingesetzt. Erste kleinere klinische Studien konnten tatsächlich eine positive Wirkung bei den genannten Indikationen feststellen.

Kosten/Erstattung

Die Kassen zahlen Aderlass nur bei den anerkannten Indikationen (z.B. Hämochromatose).

Quellen

  1. Melchart, D. et al. (Hrsg.): Naturheilverfahren, Leitfaden für die ärztliche Aus-, Fort- und Weiterbildung, 1. Auflage, Schattauer, Stuttgart, New York, 2002
  2. Verband Heilpraktiker Deutschland e.V., Homepage, Aderlass, Stand Oktober 2009
  3. Hämochromatose Vereinigung Deutschland e.V. (HVD), Homepage, Hämochromatose, Stand Oktober 2009
  4. Universität Essen: Aderlass
  5. Verband Freier Heilpraktiker e.V., Homepage, Ausleitende Verfahren, Stand Oktober 2009