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Baunscheidtieren

© Praxis Brigitte Nußhart

Sticheln erlaubt: therapeutische Nadelstiche

Das Baunscheidtverfahren gehört zu den ausleitenden Naturheilverfahren. Hierbei wird die Haut durch Sticheln mit Nadeln geringfügig verletzt. Anschließend reibt man eine hautreizende Substanz ein.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Das Baunscheidtverfahren soll die Lebensgeister wecken

Beim Baunscheidtieren wird die Haut großflächig durch eine Nadelwalze eingeritzt. Anschließend reibt man eine hautreizende Substanz in die Haut. Die Stellen sind zunächst warm und gerötet. Nach einiger Zeit bildet die Haut Wundsekret. Diese Hautreaktion ist gewollt und verschwindet nach etwa zwei Wochen meist ohne Komplikationen. Zum Abheilen braucht es die richtige Wundpflege.

Entwickelt wurde das Verfahren von Karl Baunscheidt (1809-1872). Er hatte bemerkt, dass seine Gelenkbeschwerden durch Insektenstiche verschwanden. Daher erdachte er ein gezieltes Verfahren, um lokale Hautreizungen auszulösen. Baunscheidt selbst verwendete Crotonöl als Reizmittel, das man heute wegen der kanzerogenen Wirkung nicht mehr verkauft. Stattdessen nimmt man andere reizende Ölmischungen (wie zum Beispiel Nelken-, Wacholderöl, Rainfarnöl und immunreizendes Histamin, Senföl, Chili oder auch Cantharidin).

Welche Krankheiten werden behandelt?

Schwerpunkt der Baunscheidtbehandlung sind Beschwerden des Bewegungsapparates, Schwächezustände sowie vegetative Störungen. Früher hat man gerade schwächliche Menschen zur Anregung der Lebensgeister baunscheidtiert. Auch bei vegetativen und psychosomatischen Störungen, Schwindel und Tinnitus wird dieses Verfahren praktiziert. Daneben ist es ein beliebtes Stimulantium bei Abwehrschwäche oder bei Rückfallneigung in der Rekonvaleszenz, wenn sich zum Beispiel eine chronische BronchitisKeuchhustenBlasenentzündung und Mandelentzündung festgesetzt hat. Der Reiz soll daneben Reizzustände beenden (Reizdarm, Reizmagen, Reizblase) und auch bei DepressionenWechseljahren und Osteoporose setzt man auf die anregende Wirkung.

Behandlungsprinzip

Baunscheidtverfahren gehört zu den Ab- und Ausleitenden Verfahren, Reiztherapien und Umstimmungsverfahren. Die Verletzungen wässern und geben Lymphflüssigkeit nach außen ab. An Ausscheidung von Gift- und Krankheitsstoffen durch eine Baunscheidtbehandlung glaubt man heute nicht mehr. Dennoch dürfte es eine therapeutische Wirkung auf den Lymphfluss und die Durchblutung geben. Auch die Stimulation des Immunsystems liegt im Bereich des Möglichen. Gezielte Schmerzen regulieren die Schmerzverarbeitung und lindern so chronische Schmerzen. Ob aber eine stimulierende Fernwirkung auf innere „träge“ Organe und hormonelle Regulation besteht, ist nicht gesichert.

Wirksamkeit und Bewertung

Zum Baunscheidtverfahren gibt es keine klinischen Studien. Bei anderen Methoden - wie der Akupunktur - konnte aber gezeigt werden, dass leicht schmerzhafte Reize zur Ausschüttung von Glückshormonen beziehungsweise schmerzhemmenden Substanzen führt und zu einer Schmerzlinderung beitragen („Counterirritanswirkung“). Auch eine Wirkung auf das Immunsystem wäre durchaus möglich.

Kosten und Erstattung

Da entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen fehlen, wird das Baunscheidtverfahren von den Krankenkassen nicht erstattet.

Quellen

Literatur

Volger, E. und Brinkhaus, B.: Kursbuch Naturheilverfahren, 1. Auflage, Elsevier Verlag, München, 2013