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Enzymtherapie

Das Enzym Papain wird aus der Papaya gewonnen. © Boyarkina - Fotolia.com

Enzymtherapie zur Umstimmung bei Entzündungen und Verdauungsschwäche

Die Enzymtherapie nutzt molekulare Spezialisten, um Problemstoffe im Körper zu beseitigen.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Enzyme zu Therapiezwecken nutzen

Die Enzymtherapie nutzt aus der Natur isolierte Enzyme, um entweder die Verdauungstätigkeit zu unterstützen oder molekularen Abfall im Körper zu beseitigen. So bauen von außen zugeführten Enzyme entzündliche Stoffe ab und erleichtern die Umstimmungsreaktion. Enzymtherapie wird bei diversen entzündlichen Indikationen eingesetzt.

Was ist ein Enzym?

Enzymprodukte von Alkohol bis Joghurt

Enzyme sind Spezialisten, die ganz bestimmte Fähigkeiten haben. In der Kultur der Menschheit haben Enzyme eine lange Geschichte, zum Beispiel verwendet man mikrobielle Enzyme zur Lebensmittelherstellung. Alkoholische Gärung und Fermentation von Joghurt sind nichts anderes als Enzymreaktionen. In allen lebenden Organismen spielen Enzyme eine elementare Schlüsselrolle. Praktisch jede Stoffwechseltätigkeit im Körper basiert auf der Tätigkeit von Enzymen. Dabei hat jedes Enzym nur eine bestimmte Funktion. Zum Beispiel werden sie zum Aufbau von Reservestoffen oder zum Abbau von Nährstoffen benötigt. Und die Besonderheit ist: Enzyme können unzählige Male wirken, ohne dabei verbraucht zu werden. Am Ende ihrer Tätigkeit werden sie einfach abgebaut. Die Bausteine lassen sich weiter verwenden. Die Natur ist sparsam und effektiv.

Enzymtherapie mit molekularer Hexelmaschine

Die in der Enzymtherapie verwendeten Proteine gehören meist zu den „Hydrolasen“. Sie spalten jeweils bestimmte Bindungstypen in Bruchstücke. Man unterscheidet je nach der Art zwischen Eiweiß-, Zucker/Stärke- oder Fett-abbauenden Enzymen. Ein Problem haben Enzyme jedoch: Sie sind empfindlich, zum Beispiel gegen Magensäure. Enzyme sind außerdem vergleichsweise riesige Moleküle und können Membranen nur schwer überwinden.

Der lange Weg ins Blut

Dass geschluckte Darmenzyme im Darm die Arbeit aufnehmen, ist gut belegt. Über andere Anwendungen der Enzymtherapie hat man lange Zeit gestritten. Es ist bekanntermaßen nicht offensichtlich, dass die Enzyme aus der Tablette auch im Blut ankommen. Schließlich müssen sie die Passage durch Magen und Darm überleben und darüber hinaus auch dem Abbau im Blut widerstehen. Mehrere Versuche konnten neuerdings zeigen, dass zumindest ein kleiner Teil der geschluckten Enzyme aktiv das Blut erreicht. Damit finden sie auch den Weg in Haut- oder Schleimhaut und Organe, womit zumindest die Grundlage für eine echte Wirkung gelegt ist. Für die Wirkung der Enzymtherapie gibt es bereits zahlreiche Hinweise.

Behandlungsprinzip

Aus der belebten Welt geliehen

Enzyme zur Enzymtherapie werden aus Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen isoliert. Dazu verwendet man in der Regel Teile, in denen die gesuchten Enzyme besonders hoch konzentriert sind (z.B. die Bauchspeicheldrüse von Schweinen). Sie können aber auch gentechnisch hergestellt werden.

Die Enzymtherapie rechnet man formal zur Phytotherapie und zur orthomolekularen Medizin.

Prinzip der Enzymtherapie: Schlucken, spritzen oder cremen

Jedes Enzym wirkt anders und wird zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt. In den meisten Fällen werden Enzymmischungen in Kapseln zum Schlucken verkauft. Je nach Bestimmungsort und Empfindlichkeit der Enzyme müssen sie unterschiedlich aufgearbeitet und verpackt werden. Verdauungsenzyme kommen in Tablettenform ganz einfach an ihren Wirkort, sie müssen für die Magenpassage mit einer resistenten Ummantelung geschützt werden. Auch Salben zur Wundbehandlung bringen die Enzyme schnell an die richtige Stelle. Nur bei der Thrombosetherapie werden die Enzyme vom Arzt direkt ins Blut gespritzt (Thrombolyse). Enzymtherapie soll aber auch über den Darmtrakt die Blutviskosität verringern.

Welche Krankheiten werden behandelt?

Kontrolle von Entzündung, Schwellung und Schmerz

In der Regel nutzt hier die alternative Medizin die Enzymtherapie. Sie geht davon aus, dass Enzyme ins Blut gelangen und dort „systemisch wirken“, d.h. überall dort, wo das Blut hingelangt. Anwendungsgebiet sind in der Regel entzündliche Erkrankungen. Dazu zählen in erster Linie Sportverletzungen, Muskelkater, Knochenbrüche, Prellungen, Blutergüsse, aber auch Wunden, insbesondere auch schwer heilende Geschwüre, Dekubitus und diabetischer Fuß. Ferner lindert die Enzymtherapie schwelende Entzündungen bei VenenleidenRheuma und Gelenkschmerzen. Auch Schwellungen und Ödeme, prämenstruelle Wassereinlagerungen (Mastodynie) sowie postoperative Schwellungen gehören zu den geläufigen Indikationen. Gerade bei verstopfter Nase bei Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) und Operationen im Kopf und Kiefer hilft erfahrungsgemäß die abschwellende Wirkung (Bromelain).

Infektion

Bei chronischen Wunden sollen Enzyme (Streptokinase, Trypsin) nicht nur abgestorbenes und funktionsloses Gewebe entfernen („enzymatischen Débridement“) sondern auch ein bakterien-feindliches Milieu schaffen. Begleitend gegebene Antibiotika wirken effektiver. Daneben aktiviert die Enzymtherapie das unspezifische Immunsystem, so dass Viren besser abgewehrt werden (z.B. Herpes). Auch die Schmerzen sprechen an (Herpes zoster).

Ersatz von Verdauungsenzymen

Eine mangelnde Produktion von Verdauungsenzymen (Verdauungsschwäche) führt zu unangenehmen Verdauungsbeschwerden. Die Substitution von Enzymmängeln im Magen-Darm-Trakt (Maldigestion) gehört zu den anerkannten Verfahren der Enzymtherapie. Dann helfen die Enzyme dabei die Nahrung in kleinere aufnehmbare Bestandteile zu spalten. Bei Lactoseintoleranz fehlt nur ein einziges Enzym, das durch bakterielle „Laktasen“ ersetzt werden kann. Weitere Beispiele sind Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Mukoviszidose oder Magenentfernungen. Auch bei älteren, gebrechlichen Menschen und Abmagerung sollen Verdauungsenzyme stärken. Nicht beheben kann die Enzymtherapie einen Aufnahmedefekt der Darmschleimhaut (Malabsorption). Dann würden die Bausteine weiter im Darm liegen bleiben und von den Darmbakterien zersetzt werden. Allerdings könnte die Enzymtherapie den Körper beim Abklingen von Darmentzündungen unterstützen, so dass die Aufnahmefähigkeit schneller regeneriert. Über die Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa jedoch vermisst man aussagekräftige Studien.

Thrombolyse, Arterienthrombose, Schlaganfall, Herzinfarkt

Die Auflösung von Blutgerinnseln mit Enzymen ist ein Standardverfahren in der modernen Medizin (Lysetherapie bei Herzinfarkt und Schlaganfall). Dabei wird das Enzym direkt ins Blut gespritzt. Über die Anwendung liegen Erfahrungen von mehreren Jahrzehnten vor. Die Anwendung muss mit den Risiken genau abgewogen werden. Nicht jeder Patient mit Thrombose kann auch damit behandelt werden. Die Enzymtherapie löst nur frische Thromben wenige Stunden nach dem Ereignis.

Abgesehen von den hochreinen gespritzten Enzymen sollen auch geschluckte Proteasen die Blutviskosität günstig beeinflussen. Thrombosen und Gefäßverschlüsse sollen damit seltener auftreten. Auch bei hartnäckigen Thrombosefolgen wie Schwellung und offene Beine könnte die Enzymtherapie einen Beitrag liefern. Erste positive Untersuchungen bei Schmerz und Durchblutungsstörungen bei  arteriellen Verschlusskrankheit (Claudicatio intermittens) liegen bereits vor.

Krebstherapie

Für die Anwendung von Enzymen in der Krebstherapie gibt es interessante Vorversuche und auch einige Studien (Brustkrebs). Bislang gilt die Behandlung als nicht hinlänglich bewiesen. Enzymtherapie kann daher die klassische Krebstherapie nicht ersetzten, sondern nur ergänzen.

Wie wirksam ist die Enzymtherapie?

Meist kommen die Anwendungen der Enzymtherapie aus dem alternativen Teil der Medizin. Einige Anwendungen sind jedoch bereits etabliert und ein fester Teil der Schulmedizin. Die Krankenkassen verhalten sich abwartend gegenüber der Enzymtherapie.

  • Standard sind Enzyme bei Linderung von entzündlichen Schwellungen nach Sportverletzungen. Studien belegen den Erfolg.
  • Der schulmedizinische Einsatz hochreiner Enzyme bei frischen Thrombosen in Form von Injektionen ist in einigen Situationen sinnvoll.
  • Eine Enzymtherapie unterstützt die Verdauung bei Enzymmangel. Die Kasse erstattet aber nur bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen. Leichtere Formen der Verdauungsschwäche (Maldigestion) müssen selbst bezahlt werden.
  • Bakterielle Laktasen können eine Laktoseintoleranz lindern, dafür gibt es viele Hinweise. Finale Beweise fehlen.
  • Wirksam behandelt werden mit Enzymtherapie entzündliche Zustände und Schwellungen im Nasenbereich (Sinusitis) und bei Operationen am Kopf (Zähne, Hals-Nasen-Ohren) sowie kosmetischen Operationen.
  • Bei Rheuma kann man nicht immer mit einem Erfolg rechnen. Für die Wirkung gegen Knie- und Hüftarthrose gibt es viele gute Anhaltspunkte.
  • Ob auch die geschluckten unspezifischen Enzyme (Proteasen) Einfluss auf die Blutgerinnung haben, ist am Menschen nicht schlüssig gezeigt.
  • Unsicher ist, ob Enzyme auf die Haut wirken, Augenringe entfernen oder Fettpolster schmelzen lassen.
  • Als nicht gesichert gilt ebenfalls die Wirkung gegen Krebs. Möglicherweise leistet die Enzymtherapie einen Beitrag bei Bewältigung von Chemotherapie und Bestrahlung. Über die möglichen Risiken gibt es bisher wenige Belege.

Was zeichnet einen guten Therapeuten aus?

Zur Enzymtherapie in der Komplementärmedizin gibt es noch keine geregelte Ausbildung. In der Regel sind Enzympräparate Teil der Selbstmedikation.

Die in der Enzymtherapie eingesetzten Proteine haben sehr unterschiedliche Wirkspezifitäten. Es sollte daher darauf geachtet werden, dass die jeweils für die Indikation relevanten Enzyme oder Enzymkombinationen eingesetzt werden: Zum Beispiel:

  • Laktasen gegen Laktoseintoleranz
  • Lipase zur Fettverdauung
  • Amylasen zur Stärkeverdauung
  • Proteasen wie Bromelain, Trypsin und Chymotrypsin zur Proteinverdauung, Ödemreduktion, Linderung von Entzündung und Blutverdünnung. Papain gegen Wundödem und Entzündung, Geburtsverletzungen, Serrapeptase: postoperative Schwellungen im HNO-Bereich, Mastodynie
  • Lysozym bei viralen und bakteriellen Infektionen

Die Präparate der Enzymtherapie enthalten häufig auch komplexe Wirkstoffmischungen.