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Lymphdrainage

Behandlung mit Manueller Lymphdrainage. © Dr. Ulrich Herpertz

Lymphdrainage: Den Lymphabfluss fördern

Lymphdrainage ist eine Entstauungstherapie zur Behandlung von Schwellungen (Ödemen).

Von: PhytoDoc-Redaktion

Was versteht man unter Lymphdrainage?

Ähnlich wie die Blutgefäße für die Blutversorgung sorgen, sind die Lymphgefäße für die Regulation des Gewebewassers zuständig. Dieses System ist bei verschiedenen Erkrankungen gestört oder überfordert. Überall dort, wo die Lymphbahnen zerstört sind oder der Lymphfluss gestört ist, schwellen die Regionen an, weil das Gewebewasser nicht ausreichend abgeführt wird. Besonders häufig ist dies nach Verletzungen und Operationen der Fall, aber auch bei vielen Gefäßerkrankungen. Dieses Symptom wird auch „Ödem“ oder genauer Lymphödem genannt. Mit der Lymphdrainage regt der Physiotherapeut die natürliche Lymphfunktion an, so dass das Gewebewasser effektiver abgepumpt wird. Wichtigstes Prinzip der Lymphdrainage ist eine sanfte Massagetechnik. Der Ausdruck „Manuelle Lymphdrainage“ (MLD) meint die einfache Massage; die „Komplexe Physikalische Entstauungstherapie“ umfasst noch weitere Schritte.

Das Verfahren ist relativ neu, es wurde im letzten Jahrhundert entwickelt (zur Geschichte der Lymphdrainage). Die Wirkung der Lymphdrainage ist jedoch gut abgesichert.

Behandlungsprinzip

Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie kombiniert insgesamt mehrere ineinander greifende Komponenten:

  • Manuelle Lymphdrainage (MLD): Mit dieser sanften Massage stimuliert der Therapeut die Lymphbahnen, so dass sie mit pulsierender Bewegung mehr Lymphflüssigkeit abführen. Sanfte, großflächige und streichende Massagebewegungen kennzeichnen die Technik.
  • Ödemgriffe: Das Lymphsystem muss man genau kennen, um es richtig zu stimulieren. So arbeitet sich der Therapeut langsam an die erkrankte Stelle heran. Dann kann ein Ödem in ein gesundes Gebiete verschoben werden, das noch bestens entsorgt wird. Dabei wird mit Hilfe der Hände ein Pressdruck und Schub auf das geschwollene Gebiet ausgeübt.
  • Kompressionsbehandlung: Ist die Behandlung abgeschlossen würden die Gebiete wieder anschwellen. Um den Therapieerfolg zu erhalten werden die Gebiete bandagiert oder mit Kompressionsstrümpfen versorgt. Dieser Druck von außen unterbindet mechanisch neuerliches Ansammeln von größeren Flüssigkeitsmengen im Gewebe.
  • Hautpflege: Abgesehen von der Massagebehandlung muss auf gute Hautpflege geachtet werden: Bei Ödemen spannt die Haut. Das Gewebe wird nur schlecht versorgt, da auch die Blutgefäße durch das Ödem gequetscht werden. Es drohen schnell Verletzungen und schwer heilende Wunden. Damit sind die Regionen auch für Infektionen gefährdet. Eine konsequente Hautpflege wirkt vorbeugend.

Welche Krankheiten werden behandelt?

Helfen kann die Lymphdrainage bei verschiedenen angeborenen oder erworbenen Erkrankungen:

Primäre Lymphödeme entstehen infolge angeborener Fehlanlage des Lymphsystems, meist der Beine. Das System schafft es nicht, aus eigener Kraft das Gewebewasser abzupumpen. Unbehandelt würden die Beine unförmig verdicken (Elephantiasis). Das Gewebe ist verändert (verhärtet, verfettet) und die Haut neigt zu Wunden und Ekzemen. In Deutschland sind ca. 40.000 Menschen betroffen (davon 3 % erblich, 97 % nicht erblich). Häufigstes Auftreten ist in der Pubertät.

Sekundäre Lymphödeme werden durch eine erworbene Lymphsystem-Schädigung hervorgerufen. Sie treten als Folge von Operationen, häufig Lymphknoten-Operationen wegen Krebs, seltener nach Unfällen, schweren Entzündungen und infolge von Tumorwachstum auf. Meist sind die Arme, häufig auch die Beine, selten die Genitalien oder der Kopf betroffen. Betroffen sind insgesamt ca. 80.000 Menschen in Deutschland.

Die Liste der sekundären Lymphödem-Ursachen ist beachtlich lang:

  • Phlebödem = Venöses Ödem: Ursache für das Lymphödem sind die Blutgefäße. Durch das Versagen der Venenklappen bleibt das Blut in den Gefäßen stehen (z.B. bei Krampfadern, Thrombosen und Venenentzündungen). Dann sickert viel Flüssigkeit aus den Adern ins Gewebe. Das Phlebödem tritt meist an den Beinen auf („geschwollene Beine“).
  • Ischämisches Ödem: Bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) im fortgeschrittenen Stadium entsteht durch Sauerstoffmangel eine erhöhte Durchlässigkeit der Kapillaren, wodurch Wassereinlagerung stetig zunehmen
  • Traumatisches Ödem: Es entsteht durch Verletzungen (Prellungen, Quetschungen, Verdrehungen und Brüche), meist mit begleitendem Bluterguss. Die Gefäße sind geschädigt und ergießen sich ins Gewebe. Zusätzlich heizt eine Entzündung die Ödembildung an.
  • Diuretika-induziertes Ödem: Über mehrere Wochen nach dem Absetzen von falsch eingenommenen Entwässerungsmitteln (Diuretika) kann ein generalisiertes Spannungsgefühl durch Wassereinlagerungen bestehen.
  • Inaktivitätsödem = Lähmungsödem: Durch fehlende Muskelbewegung sickert zu wenig Lymphe in die Kanälchen, da sie zu wenig Eigenaktivität zeigen und nicht effektiv transportieren.

Bei den folgenden beiden Formen ist die Lymphdrainage nur eingeschränkt anwendbar:

  • Entzündliche Ödeme: Bei rheumatischen Erkrankungen, Kollagenosen, chronischen Ekzemen und anderen Hauterkrankungen, Verbrennungen und durch Strahlentherapie entwickeln sich entzündliche Ödeme.
  • Ödem bei Sudeck-Syndrom (komplexes regionales Schmerzsyndrom = CRPS): Es entsteht häufig in Folge einer Verletzung. Typischerweise klingen in der Heilungsphase Schmerzen und Schwellung nicht wieder ab. Man vermutet eine Fehlregulation des sympathischen Nervensystems als Ursache.

Eine Reihe von Ödemen betrifft nur Frauen. Bei der Behandlung zählt eine angepasste Bestrumpfung besonders.

  • Lipödem = Fettödem: Schmerzhaftes Fettgewebe, welches sich meist an Beinen und Gesäß bildet. Seltener findet man es an den Armen. In der Regel ist dieses Leiden mit Fettsucht kombiniert. In diesem Fall ist die Gewichtsabnahme wichtiger als die physikalische Therapie.
  • Orthostatisches Ödem: Diese Form des Ödems ist eine Schwellneigung der Beine, welche bei längerem Stehen auftritt und über Nacht wieder verschwindet. Typisch ist diese Form bei Berufsgruppen die lange stehen oder sitzen. Hier ist die richtige Bestrumpfung wichtiger als die Drainage.
  • Idiopathisches Ödem: Beobachtet wird diese Form bei Frauen in den Wechseljahren. Das Ödem ist nicht deutlich sichtbar, dennoch klagen die Betroffenen über eine Spannungssymptomatik am ganzen Körper. Die Lage ändert sich im Laufe des Tages. Die Ursache ist eine erhöhte Durchlässigkeit der Haargefäße (gesteigerte Kapillarpermeabilität).
  • Schwangerschaftsödem: Durch Umstellungen verschiedener Hormone und des Stoffwechsels kommt es zu Ödemen während der Schwangerschaft. Ödeme können aber auch durch Nierenerkrankungen in der Schwangerschaft bedingt sein.

Wie wirksam ist Lymphdrainage?

Entstauender Beitrag

Der Beitrag der Lymphdrainage gegen Ödeme ist allgemein anerkannt. Dadurch wird nachweislich die Flüssigkeitsbewegung in den Lymphgefäßen stimuliert. Da sich das Gewebe entspannt und abschwillt, stellt sich meist eine Erleichterung bis hin zur Schmerzlinderung ein. Auch die Gewebeversorgung kann sich normalisieren, so dass die Regeneration der Bahnen erfolgen kann. Daneben leistet die Kompression einen wichtigen Beitrag gegen das weitere Ausströmen von Flüssigkeit aus den Blutkapillaren. Aber nur bei einem Teil der Ödeme ist die Manuelle Lymphdrainage indiziert. Ein weiterer Teil der Ödeme ist durch Diuretika behandelbar.

Lymphdrainage ist Symptombeseitigung keine Heilung

Je nachdem wie schwerwiegend die Zustände sind, wird die Lymphdrainage täglich bis wöchentlich wiederholt. Die Wirkung einer einzelnen Behandlung hält nur für Stunden an. In den Zwischenphasen wird der Bereich bandagiert.

Aber: Eine Lymphdrainage kann die Ursache nicht heilen, jedoch die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessern sowie Komplikationen vermeiden. Begleitend dazu muss die eigentliche Ursache des Ödems beseitigt werden, manchmal heilt auch die Zeit die Verletzungen. Ist eine Heilung nicht möglich (zum Beispiel wegen einer angeborenen Fehlbildung oder einer Lymphknotenentfernung) muss die Lymphdrainage dauerhaft erfolgen.

Was zeichnet einen guten Therapeuten aus?

Lymphtherapeuten benötigen eine abgeschlossene Ausbildung als Masseur, Krankengymnast oder Physiotherapeut an staatlich zugelassenen Schulen. Lymphdrainage darf aber nicht jeder dieser Therapeuten anbieten. Dazu ist eine entsprechende Weiterbildung notwendig: Das Wissen wird in einer Spezialausbildung in Lymphdrainage vermittelt. Dieser Kurs ist staatlich vorgeschrieben und dauert etwa vier Wochen.

Kosten und Erstattung

Die manuelle Lymphdrainage kann bei vielen Indikationen auf Kosten der Krankenkasse oder des Unfallversicherungsträgers abgerechnet werden, wenn das „Heilmittel“ von einem Arzt verordnet wird. Der Patient zahlt 10 € je Verordnung und 10 % der Kosten. Je nach Bedarf ist das Angebot ambulant oder stationär. In Deutschland gibt es auch einige Kliniken, die auf das Behandlungsgebiet spezialisiert sind.