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Misteltherapie

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Die Kraft der Mistel hilft bei der Krebsbehandlung

Die Misteltherapie wird häufig begleitend zur Chemotherapie eingesetzt. Im Allgemeinen kann sie zur Steigerung der Immunreaktion angewendet werden.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Natürliche Waffen gegen Krebs?

Die Misteltherapie ist eine alternative Form der Krebstherapie. Die für eine konventionelle Chemotherapie verfügbaren Stoffe sind sehr giftig – für alle Zellen. Sie schädigen aber die schnell wachsenden Krebszellen mehr als normale Zellen. Schwere Nebenwirkungen sind an der Tagesordnung. Der Bedarf an Medikamenten gegen die Nebenwirkungen oder auch zu alternativen Therapien ist daher sehr groß. Die Misteltherapie wird seit längerer Zeit daraufhin untersucht.

Welche Krankheiten werden mit Misteltherapie behandelt?

  • Segmenttherapie bei degenerativ-entzündlichen Gelenkerkrankungen (wie Arthrose und Rheuma)
  • Unspezifische Reiztherapie (Komplementärtherapie, Palliativtherapie) bei bösartigen Tumoren

Laut Volksmedizin und Ärzte-Erfahrung

  • Bluthochdruck, moderat blutdrucksenkend (oral)
  • Steigerung der Immunreaktion (Injektion)

Erkrankungen, bei denen Misteltherapie helfen kann

Behandlungsprinzip

Schmarotzende Pflanze kämpft gegen schmarotzenden Krebs

Die Mistel (Viscum album L.) aus der Familie der Mistelgewächse (Loranthaceae) ist ein „halbschmarotzender“ immergrüner Halbstrauch, der auf den Ästen von Bäumen wächst. Er entnimmt dem Baum Wasser und alle Nährstoffe, die er zum Wachsen braucht. Mistelextrakte für die Therapie werden aus dem krautigen Teil der Pflanze hergestellt.

Tumortherapie

Die am genauesten belegte Wirkung der Mistel ist die Reduktion der Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Sie fördert den Appetit und verhindert so eine Gewichtsabnahme. Die Misteltherapie verbessert die Lebensqualität und die allgemeine Leistungsfähigkeit. Sie hat eine allgemein kräftigende sowie stimmungsaufhellende Wirkung. Auch der Schlaf und das Frieren unter einer Chemotherapie sollen sich bessern. Insgesamt wird die Misteltherapie als bestes Verfahren gegen die Müdigkeit bei Tumorpatienten („Tumor-Fatigue“) gehandelt.

Daneben verspricht man sich von der Misteltherapie eine Stimulation des Immunsystems, sowie eine bessere Regenerierung des Knochenmarks. In höheren Konzentrationen nutzt man die zellgiftige (zytotoxischen) und teilungshemmende (zytostatische) Wirkung der Mistel gegen Krebs. Ebenso soll sie die Bildung von Blutgefäßen im Tumor und damit auch seine Versorgung hemmen. Diese Effekte wurden im Wesentlichen in Laborversuchen beobachtet. In Studien wurde bisher durch eine Misteltherapie bisher kein lebensverlängernder Effekt festgestellt. Es gibt nur einzelne Fälle, bei denen eine Heilung durch die Misteltherapie belegt ist.

Ablauf

Bei der Misteltherapie wird täglich (oder alle zwei Tage) Mistelextrakt in steigender Dosis unter die Haut gespritzt, bis die optimale Reaktionsstärke erreicht ist. Es folgt eine leichte vorübergehende Erhöhung der Körpertemperatur. Pausen bei der Misteltherapie sind meist sinnvoll (z.B. zwei Wochen nach sechs Wochen Therapie).

Reiztherapie bei Schmerzen

Die Kommission E befürwortet die Misteltherapie für die so genannte Segmenttherapie bei degenerativ-entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Arthrose und Arthritis. Durch Injektion von Mistelextrakt in die Haut werden Reize erzeugt, welche durch Fernwirkung über das Rückenmark Schmerzen lindern.

Daneben soll die Mistel (oral eingenommen) auch blutdrucksenkende Eigenschaften haben.

Wie wirksam ist die Methode?

Die Misteltherapie wird hauptsächlich als Reiztherapie, zur Steigerung der Immunantwort und in der Krebstherapie angewendet.

Patient

Zur Selbstanwendung ist die Mistel meist nicht geeignet. Handelsprodukte zur Misteltherapie werden in der Regel als Injektionen angeboten. Man spritzt sie unter die Haut, in die Venen oder ausnahmsweise auch direkt in den Tumor. Dabei kann es zu Rötungen, Juckreiz, Schmerzen und Entzündungen kommen. Ziel ist es, durch die Misteltherapie an der Einstichstelle eine Rötung zu erzielen, die höchstens 3cm im Durchmesser hat. Es folgt eine vorübergehende Steigerung der Körpertemperatur auf etwa 38 °C (also noch kein Fieber, das definitionsgemäß erst ab Temperaturen über 38,5 °C vorliegt). Insgesamt gilt die Misteltherapie als verträglich.

Therapeut

Der Therapeut muss über die korrekte Anwendung, die Kontraindikationen und die Nebenwirkungen einer Misteltherapie informiert sein und sollte diese wirksame und von den Patienten als wohltuend empfundene Behandlung in die Standardbehandlungen (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung) von Krebs integrieren. Nicht jeder Arzt wird dem Patienten auch zu einer Misteltherapie raten. Verschiedene Ärzte sind aber aufgrund eigener Erfahrung von einer positiven Wirkung der Misteltherapie überzeugt

Schulmedizin

Die Misteltherapie zählt zu den populärsten komplementären Krebsverfahren im deutschsprachigen Raum. Von offizieller Seite gibt es derzeit weder ein Zu- noch Abraten zur Therapie und in den wissenschaftlichen Leitlinien zur Krebsbehandlung wird Mistelpräparaten noch keine Rolle zugestanden. Die vorhandenen Daten sind widersprüchlich und das Verhältnis von Nutzen und Risiko gilt als ungeklärt. Am besten dokumentiert ist die Verbesserung der Lebensqualität während einer konventionellen Chemotherapie. Aber auch hier sprechen die Daten nicht einheitlich für die Misteltherapie. Die auffällige Therapietreue der Patienten spricht jedoch stark für vorhandene Wirkungen der Misteltherapie.

Kosten/Erstattung

Mistelpräparate fallen unter die Ausnahmeregelung für anthroposophische, homöopathische und pflanzliche Arzneimittel. Begleitend bei geheilten Krebserkrankungen sind zur Zeit nur die anthroposophischen Mistelpräparate verschreibungsfähig. Die Erstattung einer Misteltherapie durch die Krankenkasse ist bei Verschreibung durch den Arzt auf Kassenrezept in der Palliativbehandlung immer möglich.

Literatur

  1. Melzer J; Iten F; Hostanska K; Saller R: Titel: Efficacy and safety of mistletoe preparations (Viscum album) for patients with cancer diseases. A systematic review. Forschende Komplementärmedizin; VOL: 16 (4); p. 217-26 2006
  2. Rüther A; Göhlen B: Bundesministerium für Gesundheit: Mistletoe treatments for minimising side effects of anticancer chemotherapy. , DAHTA-Datenbank des DIMDI, Schriftenreihe Health Technology Assessment; Dokument DAHTA117; VOL: 44 (1. Auflage) 2006