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Spagyrik

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Spagyrik - Verfahren zur Arzneimittelzubereitung

Die Spagyrik ist ein besonderes Verfahren zur Zubereitung von homöopathie-ähnlichen Arzneimitteln. Das Besondere ist die ihr zugrunde liegende philosophische Lebenseinstellung.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Trennen und vereinen

Übersetzt bedeutet Spagyrik so viel wie „trennen“ (spao) und „vereinen“ (ageiro). Die Spagyrik ist ein besonderes Verfahren zur Zubereitung von Arzneimitteln, ähnlich denen in der Homöopathie. Sie hat sich aus der Alchemie entwickelt und wird heute im Rahmen der anthroposophischen Medizin praktiziert. Das besondere an der Spagyrik ist die ihr zugrunde liegende philosophische Lebenseinstellung.

Welche Krankheiten werden mit Spagyrik behandelt?

Behandelt werden alle Krankheiten, die einer Selbstregulation des Organismus zugänglich sind, sofern keine bleibenden organischen Schädigungen eingetreten sind.

Psychosomatische (funktionelle) Erkrankungen wie

  • Reizdarm, Reizmagen
  • Migräne,
  • Menstruationsstörungen
  • hoher oder niedriger Blutdruck

Psychovegetative Störungen, zum Beispiel

  • Schlafstörungen
  • Ängste
  • Depressionen

Allergische Erkrankungen

  • Heuschnupfen
  • Ekzeme
  • Asthma

Entzündliche Erkrankungen, soweit sie noch nicht zu Organveränderungen geführt haben, zum Beispiel

  • Nebenhöhleninfekte
  • Blasenentzündung
  • entzündliche Darmerkrankungen
  • leichte Infektionen

Behandlungsprinzip

In der Spagyrik wird angenommen, dass alles was lebt, von einer unsichtbaren Lebenskraft beseelt wird.

Die Lebenskraft wird in die drei philosophischen Prinzipien der Alchemie unterteilt:

  • „Sal“, das materialistische Prinzip oder Körper, die Gerüststoffe der Pflanze
  • „Sulfur“, das feinstoffliche oder formgebende und brennbare Prinzip, die Seele (Aromastoffe, ätherische Öle)
  • „Mercurius“, das belebende Prinzip, die Heilkraft, welche zwischen Sal und Sulfur vermittelt, auch das Flüchtige und der Geist (Alkohol, der bei der Vergärung der Pflanze entsteht).

Getrennt wiedervereint

In der Spagyrik wird das Heilmittel in nützliche und nutzlose Bestandteile aufgeteilt. Nach dem Vereinigen der nützlichen Bestandteile verschiedener Substanzen soll sich ein veredeltes Heilmittel gewinnen lassen. Verwendet werden Stoffe aus verschiedenen Naturreichen: Pflanzen, Tier-, Mineralreich.

Die Zubereitung der Medikamente in der Spagyrik ist ein mehrstufiger Laborprozess.

Zum Einsatz kommen verschiedenste chemische und mikrobiologische Verfahren wie

  • Extraktion mit verschiedenen Lösungsmitteln und Erwärmen
  • Fermentationsprozesse mit Mikroorganismen
  • Destillation
  • Verbrennen, Rösten, Brennen

Im Anschluss werden die gewonnenen Bestandteile nach homöopathischen Regeln potenziert, die Verdünnung vereinigt und gemeinsam verdünnt. Dieser Kombinationsprozess wird als Konjugation oder Konjunktion bezeichnet. So vereinigt man z.B. Metalle mit Pflanzen, Metalle mit Metallen und Kombinationen mit Kombinationen.

Spagyrik und die Planeten

Metalle verkörpern in der Spagyrik bestimmte Eigenschaften und Kräfte. Aus diesem Grunde enthalten spagyrische Mittel häufig in hoch verdünnter Form metallische Bestandteile. Als Symbol für diese Kräfte stehen die Namen von Planeten. Spagyrik ist keine Astrologie in unserem heutigen Sinn. Bei einigen Verfahren werden bei der Herstellung dennoch natürliche Rhythmen besonders berücksichtigt und Stand von Sonne, Mond und Planeten beachtet.

  • Sonne – Gold – "erwärmende" und tonisierende Kraft
  • Mond – Silber – kühlende, beruhigende Kraft
  • Merkur – Quecksilber – vermittelnde Wirkung
  • Venus – Kupfer – harmonisierend und entspannend
  • Mars – Eisen – kämpferische und überwältigende Prinzip
  • Jupiter – Zinn – energiefördernde, energieerhaltende und stabilisierende Kraft
  • Saturn – Blei – festigende, beruhigende und auch kühlende Kraft

Die Spagyrik hält auch Pflanzen für Träger von "Planeten-Eigenschaften". Dabei sind die Kräfte der einzelnen Heilpflanzen häufig Mischformen – das bedeutet, sie vereinen eventuell auch mehrere "Planeten-Kräfte".

Beispiel: Johanniskraut ist in der Spagyrik eine "Sonnen-Pflanze". Es soll die Aufnahme von "Licht" verbessern. Daher werden Medikamente mit Johanniskraut zu aufhellenden, aktivierenden, regenerations- und heilungsfördernden Zwecken angewandt.

Eigene Rezepte

Heute gibt es zahlreiche Verfahren in der Spagyrik. Sie werden nach dem Entwickler des Verfahrens oder nach dem verarbeitenden Labor benannt (Beispiele: Zimpel, Krauss, Heinz, Beyersdorff, Strathmeyer). Der bekannteste Vertreter und Gründer der Spagyrik war Paracelsus (1493-1541).

Wie wirksam ist die Methode?

Patient

Darüber, ob man spagyrische Heilmittel anwenden soll oder nicht, gibt es leidenschaftliche Diskussionen. Da harte Daten fehlen, bleibt dies Meinungssache.

Therapeut

Die Spagyrik wird zum Beispiel im Rahmen der anthroposophischen oder homöopathischen Medizin ausgeübt. Der spagyrische Therapeut betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele und versucht durch die Heilmittel diese Elemente in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen.

Schulmedizin

Spagyrik ist wie die Homöopathie nicht wissenschaftlich bewiesen. Die naturwissenschaftlich ausgerichtete Medizin lehnt diese Richtung als „esoterisch“ ab.

Einige spagyrische Verfahren sind im homöopathischen Arzneibuch beschrieben und standardisiert. Die entsprechend hergestellten Arzneimittel werden rechtlich wie homöopathische Arzneimittel gehandhabt und der Verkauf muss behördlich genehmigt werden. Insofern kann durch die Anwendung spagyrischer Heilmittel kein Schaden entstehen, wenn auch der Nutzen nicht belegt werden kann. Man sollte nur darauf achten, dass eine dringend notwendige schulmedizinische Therapie durch Spagyrik nicht verzögert wird.

Quellen

  1. Bauer J.C.: Spagyrik - die Grundlagen, 23. September 2009
  2. Bauer, J.C.: Spagyrik / Spagyrische Medizin - heute noch zeitgemäß? Phönix Laboratorium, Homepage, Stand 1995
  3. Bierbach, E. (Hrsg.): Naturheilpraxis Heute; 3. Auflage, Elsevier Urban & Fischer, München, Jena, 2006
  4. HSI-Spagyrik Institut GmbH zum Thema „Spagyrik“; Homepage, Stand 12 Mai 2010
  5. Optikur: Spagyrische Essenzen, Stand Mai 2010
  6. Schmiedel, V. und Augustin, M.; Das große Praxisbuch der Naturheilkunde, Gondrom Verlag, Bindlach, 2004