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Symbioselenkung (Mikrobiologische Therapie)

© wikimedia

Heilen mit Bakterien

Unser Darm enthält mehr Bakterien als unser Körper Zellen. Mit Hilfe der Symbioselenkung werden unter anderem nützliche Darmbakterien zugeführt, um einen gestörten Darm zu sanieren und das Immunsystem zu stärken.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Die Symbioselenkung will mitreden bei ganzen 100 000 000 000 000 mikrobiologischen Gästen

Mikroorganismen sind in unserer Umwelt allgegenwärtig, jeder Mensch hat mehr Untermieter als eigene Zellen. In der Vergangenheit wurden Bakterien allzu oft nur als infektiöse Krankheitserreger gesehen. In den letzten Jahrzehnten hat man entdeckt, wie sehr sie an unserer Gesundheit teilhaben. So unterscheidet man zwischen nützlichen, weniger nützlichen und schädlichen Mikroorganismen (Pilzen, Bakterien und Viren). Mikrobiologische Therapie nennt man die Symbioselenkung daher auch häufig. Doch mit gezieltem Eingreifen steckt man noch in den Kinderschuhen, die Darmflora hat eine Eigendynamik, die von vielen Faktoren abhängt. Nicht alle kann man beeinflussen.

Welche Krankheiten werden behandelt?

Die Industrie wirbt mit Aussagen wie: „Probiotika fördern Wohlbefinden und Gesundheit“. Erste Studien zeigen handfeste Effekte. Am häufigsten wird die Symbioselenkung zur Darmsanierung angewendet. Von Blähung, Verstopfung über Durchfall bis zu entzündlichen Darmkrankheiten reichen die Anwendungsgebiete. Daneben ist das Immunsystem eines der Hauptziele der Symbioselenkung. Die Liste reicht von Immunstärkung bei Abwehrschwäche bis zu Immundämpfung bei Allergien. Langsam erwacht das Bewusstsein, dass man nach einer Antibiotikagabe oder Chemotherapie die Darmflora wieder aufforsten muss, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Blasen-, Magen-/Darm-, Haut-, Vaginal- und Atemwegsinfektionen kehren immer wieder zurück, wenn gesunde Keime am Körper fehlen.

Der Blick in die Zukunft

Erstaunlicherweise sind die Mikroorganismen auch eng mit unserem Stoffwechsel verwoben: Diabetes, Übergewicht, Hypercholesterinämie, Rheuma und Bluthochdruck haben so manche Wurzeln im Darm. Im Tierversuch beeinflusst die Darmflora Autoimmunerkrankungen, Krebsentstehung und Nervenerkrankungen und sogar das Verhalten der Versuchstiere. In Zukunft wird man wohl noch viel mehr Erkrankungen mit einer Symbioselenkung behandeln können.

Behandlungsprinzip

Bei der Symbioselenkung werden gezielt Bakterien in den Körper gebracht. Dies kann über ein „fermentiertes“ Lebensmittel erfolgen – wie Sauermilchprodukte, Sauerkraut oder Federweißer. Daneben werden die relevanten Mikroorganismen im Labor gezüchtet und in Präparaten zum Schlucken verarbeitet. Man kann sowohl lebende als auch tote Mikroorganismen nutzen. Krankheitskeime zum Beispiel sind mit einer immunstimulierenden Impfung vergleichbar. Die Magensäure überleben die meisten Besucher ohnehin nur teilweise, darum züchtet man heute auch säureresistente Stämme oder ummantelt die Präparate mit einer magensaftresistenten Schicht. Trotzdem sind probiotische Mikroorganismen oft nur kurze Zeit zu Gast. Letztendlich ist die Konkurrenz im Darm erheblich. Und jeder Keim hat bestimmte Ansprüche. Darum kommen bei der Symbioselenkung begleitend auch Präbiotika, wie Ballaststoffe, zum Einsatz. Diese Stoffe liefern erst die Nahrungsgrundlage für die Gäste. Besonders stabil siedeln echt Bakterien im Darm, doch die Stuhltransplantation ist bei chronischen Durchfall erst im Versuchsstadium.

Wirksamkeit und Bewertung

Neuere Studien haben erstaunliches ans Tageslicht gebracht. Die Mikroorganismen, die uns besiedeln, haben tiefgreifende Wirkungen auf uns. Im Darm kommen sie mit dem Immunsystem in Kontakt und bestimmen mit darüber, was der Körper als „Fremd“ und „Selbst“ definiert. So hilft die Symbioselenkung, Entzündungen und Immunerkrankungen zu bekämpfen und die Darmbarriere zu stärken. Daneben reguliert sie das Milieu im Darm, was Konkurrenten und Krankheitserreger vertreiben kann. Viele Bakterien bringen eigene Antibiotika mit und begünstigen oder benachteiligen andere Keime. Auch in den Stoffwechsel greifen sie ein und verdauen mit, was wir verdauen oder übrig lassen. Dabei produzieren sie einfache Verbindungen, die der Darmwand als Energiequelle dienen und auch ins Blut kommen.

Kosten und Erstattung

Noch ist die Symbioselenkung ein experimentelles Feld, dennoch hat sie ein erhebliches Zukunftspotential. Bei immunologischen Erkrankungen und nach Antibiotikaeinsatz ist sie zunehmend anerkannt. Prä- und Probiotische Lebensmittel, wie vergorene Milchprodukte und Ballaststoffe, sollten in keiner gesunden Ernährung fehlen. Dennoch ist Symbioselenkung noch Eigenleistung.

Quellen

Literatur:

Schmiedel, V., Augustin, M.:Leitfaden Naturheilkunde, 5. Auflage, Elsevier Verlag, München, 2008.

Links:

Arbeitskreis für Mikrobiologische Therapie e. V.