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Verhaltenstherapie

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Verhaltenstherapie - richtiges Verhalten erlernen

Zentrales Dogma der Verhaltenstherapie ist das „Lernen“. Alles was gelernt wurde, kann wieder verlernt werden. Veränderung im Umgang mit den eigenen Problemen und anderen Menschen, ist also der Grundstein.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Festgefahrene Denkmuster lösen

Zentrales Dogma der Verhaltenstherapie ist das „Lernen“. Alles was gelernt wurde, kann wieder verlernt werden. Das schließt Verhalten, Denkstrukturen und Gefühle mit ein. Manchmal steht man sich mit eingefahrenen Denkmustern und Verhaltensabläufen selbst im Weg. Dabei bräuchte man nur einen Schritt in eine andere Richtung zu tun. Besonders schwierig ist die Situation dadurch, dass viele Variablen von außen scheinbar festgelegt sind. Die Verhaltenstherapie möchte neue Möglichkeiten aufzeigen und bei der praktischen Umsetzung unterstützen.

Von allen allgemein anerkannten Verfahren ist die Verhaltenstherapie die Therapie mit dem größten Praxisbezug.

Welche Krankheiten werden mit Verhaltenstherapie behandelt?

  • Ängste: Panikattacken
  • Belastungsstörungen, Verarbeitung von Krisensituationen (z.B. Verlustgefühle nach Tod, Scheidung, Trennung, Traumatherapie, …)
  • Bewältigung körperlicher Erkrankungen (z.B. Krebs, Aids, Parkinson, …)
  • Beziehungsprobleme (z.B. sexuelle Probleme, Kommunikationsprobleme, Partnerschaftsprobleme, …)
  • chronische Schmerzen
  • Essstörungen (z. B. Anorexia nervosa, Bulimia nervosa)
  • Persönlichkeitsstörungen (z. B. instabil, zwanghaft, ängstlich, abhängig, …)
  • Phobien (z.B. Flugangst, Angst vor Spinnen, Sozialphobie, …)
  • Psychosomatische Beschwerden (z.B. Bluthochdruck, Störungen des Magen/Darmsystems, Kopfschmerzen, Verspannungen, …)
  • Schlafstörungen
  • Störung von Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Störungen der Stimmung (z.B. Depressionen, Euphorien, Gefühllosigkeit, …)
  • Suchterkrankung (z.B. Raucherentwöhnung, Arbeitssucht, Spielsucht, …)
  • Zwänge: Zwangshandlungen, Zwangsgedanken

Behandlungsprinzip

Neulernen, Umlernen und Verlernen

Während der Verhaltenstherapie erarbeiten der Therapeut und der Klient neue Einstellungen und Verhaltensweisen. Das ist der Grundstein für eine Veränderung im Umgang mit den eigenen Problemen und anderen Menschen. Die Vorgehensweisen sind sehr unterschiedlich und richten sich nach den Problemen und den Möglichkeiten des Klienten.

Folgende Elemente werden von der Verhaltenstherapie genutzt und oft auch kombiniert:

  • Selbstbeobachtung: Durch Selbstbeobachtung lernt der Patient, wie er sich tatsächlich verhält, wie er auf andere wirkt und welche Auslöser zu problematischem Verhalten führen. Gegebenenfalls kann auch eine Videoaufzeichnung in der Verhaltenstherapie unterstützend eingesetzt werden.
  • Kognitive Therapie: Zunächst soll der Patient erkennen, was automatisch in seinem Gehirn abläuft und welche Emotionen er dabei empfindet. In der nächsten Phase untersucht man, ob diese Reaktionen angemessen sind. Abschließend werden andere und neue Verhaltens-, Denk- und Wahrnehmungsmöglichkeiten entwickelt.
  • Entspannungstechniken: Angst, Stress und Verspannung können sehr belastend sein und auch psychosomatische Beschwerden auslösen bzw. verstärken. Durch eine gezielte Verhaltenstherapie ist es möglich, körperliche Reaktionen teilweise zu kontrollieren. In unserer Kultur sind solche Techniken wenig verankert. Es bedarf daher einiger Übung, bis man entspannte Zustände bewusst herbeiführen kann. Je nach Vorlieben stehen zahlreiche Methoden zur Verfügung wie Progressive Muskelrelaxation, Biofeedback, Autogenes Training, Yoga, Atemtherapie, Hypnose, Feldenkrais, Qi Gong, Meditation
  • Systematische Desensibilisierung, Reizkonfrontation: Phobien behandelt die Verhaltenstherapie durch eine so genannte „Desensibilisierung“. Dabei wird der Patient schrittweise mit dem Objekt konfrontiert. Er lernt, dass die Gegenwart des Objekts keinerlei schlimme Folgen für ihn hat, dennoch bedarf es Anleitung, um mit den belastenden Panikzuständen umzugehen. Es mag zunächst schwierig erscheinen, diese extremen Gefühle auszuhalten, aber erfahrungsgemäß sinkt der Angstpegel mit zunehmender Übung.
  • Vorbeugende Maßnahmen: Daneben kennt die Verhaltenstherapie auch vorbeugende Maßnahmen, um Frühwarnzeichen für aufkeimende psychische Verstimmungen, Angst und Panik zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Dies findet insbesondere bei Depressionen, besonders bei bipolaren Störungen, bei Angsterkrankungen, u.U. als begleitende Hilfe auch bei schwereren psychischen Krankheiten wie Psychosen Anwendung.
  • Gedankenstopp: Unerwünschte negative Gedanken führen zu vielen Störungen wie Aggressionen oder Depressionen. Der Patient lernt in der Verhaltenstherapie, seine Gedanken und Empfindungen zu verfolgen und sie anzuhalten (Stoppsignal). Nach und nach werden sie durch andere Gedanken ersetzt.
  • Positive Verstärkung: Trotz seiner Vernunft lernt der Mensch nicht nur über Einsicht, sondern auch über positive Verstärkung. Gemeint ist, dass das gewünschte Verhalten über einen positiven Reiz – wie eine Belohnung – verstärkt und gefestigt werden kann.
  • Rollenspiel: Da die Interaktionen meist lange Zeit eingefahren sind, kann es Schwierigkeiten bei der Umsetzung geben. Dann kann ein Rollenspiel helfen, das angestrebte Verhalten bzw. die erwünschten Zustände Realität werden zu lassen – spielerisch wird die Situation in der Verhaltenstherapie erprobt und eingeübt.
  • Konfrontative Methoden: Auch diese Methode der Verhaltenstherapie ist sehr praxisorientiert. Dabei wird – oft ziemlich heftig – die problematische Alltagssituation hergestellt, wie zum Beispiel eine aggressive Provokation. Nach entsprechender Schulung sollte der Klient in der Lage sein, in einer neuen und gesunden Weise die Situation zu meistern und überschäumende Gefühle zu kontrollieren.
  • Genusstraining: Manchmal laufen wir mit geschlossenen Augen an unserem Glück vorbei. Verhaltenstherapie möchte Fähigkeiten entwickeln, das Leben grundsätzlich positiver und befriedigender zu gestalten. Das »Genusstraining« soll sensibilisieren und aufzeigen, wo sich im eigenen Leben das Glück versteckt.
  • Umfeld: Eine Verhaltenstherapie bezieht sinnvollerweise auch Angehörige und Bezugspersonen mit ein. Bei vielen psychischen Erkrankungen ist das Umfeld mit betroffen oder auch verursachend beteiligt. Ändern kann sich nur etwas, wenn auch die (Mit-)Auslöser verschwinden. Insbesondere bei familiären Problemen ist es notwendig das ganze Beziehungsnetz zu involvieren.

Wie wirksam ist die Methode?

In Deutschland gehört die Verhaltenstherapie zu den allgemein anerkannten Therapieverfahren. Generell gilt das Verfahren als risikoarm.

Klient

Eine Verhaltenstherapie ist Hilfe zur Selbsthilfe. Es ist daher notwendig, dass der Patient freiwillig an der Therapie teilnimmt. Ohne seine Aktivität und Motivation für z.B. Hausaufgaben, Rollenspiele und Konfrontationen ist die Therapie nicht sinnvoll. Verhaltenstherapie wird meist ambulant als Einzel- oder Gruppentherapie durchgeführt. Wichtig ist, dass sich der Patient darauf einlässt. Neue Denk- und Verhaltensweisen lösen manchmal Angst- oder Abwehrverhalten aus. Geben Sie sich eine Chance, es könnte sich lohnen. Wenn Sie sich überfordert fühlen, sollten Sie dies dem Therapeuten deutlich sagen, damit er darauf richtig reagieren kann.

Therapeut

Wichtig für das Gelingen der Therapie ist ein passender und selbstkritischer Therapeut. Man hat das Recht, den Therapeuten für fünf Sitzungen „zu testen“, bevor die Entscheidung für die Therapie fällt. Wenn einem der Therapeut nicht „liegt“, sollte man keine Scheu haben, ihn zu wechseln.

Verhaltenstherapie kann nur von besonders geschultem Personal angeboten werden.

Vor der Verhaltenstherapie sollte der Therapeut mit dem Klienten die Störungen, Erwartungen und Ziele genau abklären, damit der Klient eine Vorstellung darüber hat, was die Therapie leisten kann und was ihn erwartet.

Während der Therapie kann es zur Verstärkung der Symptomatik oder auch Krisen kommen. Ein geübter Therapeut kann dies auffangen. Außerdem sollte der Therapeut während der Therapie die Resonanz und die Fortschritte immer wieder prüfen und gegebenenfalls die Strategie ändern.

Kosten/Erstattung

Verhaltenstherapie wird von den Kassen erstattet, wenn der Therapeut eine Kassenzulassung hat und der notwendige Antrag von der Kasse bewilligt wird. Grundvoraussetzung dazu sind ein Hochschulstudium der Psychologie sowie eine Ausbildung in Verhaltenstherapie.

In der Regel werden auf Antrag des Therapeuten von der Kasse 25 Sitzungen genehmigt, eine Verlängerung ist in begründeten Fällen möglich. Man kann nur einmal innerhalb von 2 Jahren eine Therapie machen.

Im Erstgespräch mit dem Therapeuten sollte man bereits die Kostenübernahme durch die Kassen ansprechen. Die Psychotherapie kann erst beginnen, wenn die Krankenkasse eine schriftliche Zusage zur Kostenübernahme erteilt. Zusätzlich ist eine körperliche Untersuchung notwendig, um organische Ursachen für die psychische Störung auszuschließen.

Der Hausarzt bescheinigt den körperlichen Zustand und die Indikation zur Psychotherapie im sog. Konsiliarformular und stellt eine Überweisung zur Psychotherapie aus.

Quellen

Links

Eine Liste der praktizierenden Verhaltenstherapeuten in Ihrer Nähe erhalten Sie von Ihrer Krankenkasse.

Alternativ erhalten Sie Adressen auch über die

Literatur

  1. Deutsche Psychologen Akademie GmbH des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Homepage: Psychotherapie-Informationsdienst, Stand September 2010
  2. Gesellschaft für Verhaltenstherapie, GFVT, Ausbildung, Voraussetzungen zur Ausbildung, Homepage, Stand September 2010
  3. Psychiatrienetz: Gesprächstherapie, Homepage, Stand September 2010