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Oxidativer Stress – Teil II: Balance

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Radikale und Antioxidantien im (Un-) Gleichgewicht

Das Gleichgewicht zwischen Radikalen und Antioxidantien im Körper ist entscheidend für das allgemeine Wohlbefinden.

Von: Berthold Musselmann

Definition und Ursache

Im Artikel "Oxidativer Stress - Teil I: Definition und Ursachen" wird "Oxidativer Stress" definiert und die vielen Möglichkeiten und Situationen genannt, bei denen überschießend reaktive Sauerstoffverbindungen (ROS = reactive oxygen species, (Sauerstoff-) Radikale) im Körper gebildet werden, die vorübergehende oder bleibende Schäden und ein beschleunigtes Altern im Körper auslösen können.

Bei anhaltendem Oxidativen Stress liegt ein ständiges Ungleichgewicht zwischen aggressiven ROS und schützenden Antioxidantien vor. Die wichtigsten reaktiven Sauerstoffverbindungen sind z. B. die besonders gefährlichen Hydroxyl-Radikale (bilden sich unter Mitwirkung von Eisen-Ionen) die Peroxynitrit-Anionen (hemmen die CytochromC-Oxidase der Atmungskette; im Gegensatz zum Stickoxid-Radikal nicht reversibel, sondern irreversibel) und die Akonitase des Zitronensäurezyklus.

Oxidativer Stress als Grundprinzip von Krankheit

Oxidativen Stress kann man als ein Grundprinzip von Krankheit überhaupt sehen, genauso, wie man „Entzündung“ als ein solches betrachten kann. Entzündung und oxidativer Stress treten regelmäßig gemeinsam auf. Überall, wo der Körper mit Umwelt-/Körperstress nicht mehr klar kommt, wird es zu einer länger andauernden Störung der Balance zwischen schützenden Stoffen und aggressiven Radikalen kommen können.
Auch für eine typische Erkrankung des Alters – den Krebs – kann man beide Prozesse (Entzündung und oxidativen Stress) als wesentliche Faktoren ansehen, die in mehreren Schritten schließlich zur Entkopplung von Körperregulation und Zellwachstum/-kommunikation, also „Krebs“ führen. Beide Prozesse treten häufig gemeinsam auf.

Die Körperzellen brauchen Radikale

Andererseits brauchen die Körperzellen Radikale, spezielle Vorgänge im Körper erfordern geradezu diese hochreaktiven Moleküle: Wasserstoffperoxid (H2O2) wird für die Immunabwehr benötigt. Es ist einer der Bestandteile in den antibakteriellen und antiviralen Abwehr-„Bomben“. Dabei handelt es sich um Bläschen, sog. Vesikel oder Granula, auch Lysosomen genannt, die bei einem Angriff auf Krankheitserreger diese zersetzen, indem die Erreger in die Abwehrzelle aufgenommen und mit diesem hochaktiven Chemiecocktail zusammengebracht werden. Sie werden in den für die Abwehr wichtigen Polymorphkernigen Neutrophilen Granulozyten (PNG, sog. Segmentkernige, die häufigste Art weißer Blutkörperchen) und den Monozyten (aktiviert als Fresszellen oder Makrophagen bezeichnet) in großen Mengen produziert.
Stickoxide (NO) werden für die Regulation der Durchblutung (Gefäßerweiterung) benötigt und für die Muskelversorgung. Radikalenfänger, sog. Antioxidantien können Signalwege unterdrücken, die z.B. Muskeln für eine reibungslose Funktion benötigen.

Es gilt also für die Zufuhr dieser Zell-, Krebs- und Altersschutzstoffe nicht „Viel hilft viel“. Im Körper muss das richtige Gleichgewicht zwischen anti- und prooxidativen Substanzen erreicht werden.

Bedarf an Antioxidantien

Dabei ist immer zu bedenken, dass bei hoher Belastung mit Radikalen, z.B. beim Leistungssport, ein entsprechend höherer Bedarf besteht. 

An der Kansas State City-Universität hat Steven Copp (Cardioresp. Exercise Lab) festgestellt, dass 1,5 l alkoholfreies gehopftes Weißbier (reich an Polyphenolen und Tanninen durch den Hopfen) – getrunken während des Laufs - bei Marathonläufern in den zwei Wochen nach einem Marathonlauf bewirkt, dass dreimal weniger Infekte als unter Placebobier (ohne Polyphenole/Tannine, nur mit wirkungslosen Farb- und Geschmacksstoffen) auftreten. Beim traditionell hergestellten Bier tragen auch Stoffe, die bei der bakteriellen Gärung auftreten, zum schützenden Effekt bei. Auch vier Tabletten eines hochwertigen Sonnenhut-Extraktes (Echinacea) vor und nach dem Wettkampf haben nach unserer Erfahrung einen ähnlichen Effekt. 

Wie immer im Bereich "gesundheitsfördernde Nahrungsstoffe/Nahrungsergänzung" gilt: die richtigen Stoffe in der richtigen Dosis zur richtigen Zeit und bei der körperlich passenden Situation und Verfassung. Hier spielen neben wissenschaftlichen Daten auch (Selbst-) Erfahrung, gesunder Menschenverstand und ein vernünftiges Maß eine große Rolle; nicht dagegen Marketing und Kommerz, der uns „Gesundheitskost und -pillen“ verkaufen will.

Bleiben Sie hier wachsam und vermeiden Sie insbesondere die Zufuhr von Einzelstoffen/-vitaminen/-nahrungsergänzungsmitteln in hohen Dosen über längere Zeiträume (über vier Wochen), ohne einen Therapeuten gesprochen zu haben, der sich hier wirklich auskennt und frei von Eigeninteresse am Verkauf der Substanzen ist.

In "Oxidativer Stress - Teil III: Körpereigene und fremde Schutzstoffe" erfahren Sie, welche Stoffe mit antioxidativer Wirkung es gibt.

Ihr

Berthold Musselmann