Ihr Portal für Gesundheit,
Naturheilkunde und Heilpflanzen

natürlich gesund

Oxidativer Stress – Teil IV: Diagnostik

© wikipedia/ Infrogmation

Wie lässt sich Oxidativer Stress diagnostizieren?

Erfahren Sie hier, welche Parameter auf Oxidativen Stress hinweisen können.

Von: Berthold Musselmann

Im Teil I definieren wir den Begriff „Oxidativer Stress" und nennen die vielen Möglichkeiten und Situationen, bei denen überschießend reaktive Sauerstoffverbindungen im Körper gebildet werden, die vorübergehende oder bleibende Schäden und ein beschleunigtes Altern im Körper auslösen können.

Bei anhaltendem Oxidativen Stress liegt ein ständiges Ungleichgewicht zwischen aggressiven ROS und schützenden Antioxidanzien vor. Die wichtigsten reaktiven Sauerstoffverbindungen sind z. B. die besonders gefährlichen Hydroxyl-Radikale, Peroxynitrit-Anionen und die Akonitase des Zitronensäurezyklus. Sie blockieren die Energiegewinnung in der Zelle mit der Folge schwerwiegender Funktionsstörungen bis zum Zelltod. Im Teil II stellen wir dar, dass Radikale für die Immunabwehr, für die Regulation der Durchblutung (Gefäßerweiterung) und für die Muskelversorgung benötigt werden. Im Teil III erfahren Sie, über welche eigenen Antioxidantien bzw. Radikalenschutzstoffe der Körper selbst verfügt. Außerdem werden Beispiele von körperfremden Schutzstoffe im alkoholfreien Bier genannt und wir berichten von den positiven Wirkungen von Kaffee mit Milch gegen eine Reihe von Erkrankungen, wohl teilweise auch durch antioxidative Effekte.

In diesem Teil kommen wir zu den Diagnose-Methoden.

Rationale Stufendiagnostik

Oxidativer Stress ist in seiner Bedeutung umstritten.
Glaubt man an die Relevanz des Themas für viele Körpersymptome und -erkrankungen, will man natürlich wissen, wer in welchem Maße von Radikalen belastet wird.

Für eine, soweit bei diesem Feld möglich, rationale Diagnostik gelten folgende Grundsätze:

  1. Je größer der Oxidative Stress, desto geringer die antioxidative Kapazität.
  2. Endprodukte des Oxidativen Stresses, wie Malondialdehyd (MDA), oxidiertes LDL (ox-LDL) oder 8-Hydroxy-2-Desoxyguanosin (OHDG) sind generell aussagekräftiger als Enzyme, da sie kaum Schwankungen unterliegen.
  3. Ist die Aktivität eines Enzyms zu niedrig, sollten seine Kofaktoren (Spurenelemente) kontrolliert werden. Darüber hinaus sind Substrate der Redox-Reaktionen, z. B. die beiden Vitamine C und E zu bestimmen.

Je nach interessierendem Feld, auf dem der Therapeut/die Therapeutin die Hauptgefährdung der Patienten sieht, sind verschiedene Parameter sinnvoll:

Bei Patienten mit erhöhtem Herz-/Kreislaufrisiko:
Marker der Fettsäureverbrennung (Lipidperoxidation) und des Fettstoffwechsels

  • Malondialdehyd(MDA)
  • oxidiertes LDL (ox-LDL)

Bei Patienten mit erhöhtem Krebsrisiko:
Marker der Nukleinsäure-Oxidation, die im Zellkern, insbesondere aber in den Kraftanlagen der Zelle (Mitochondrien) stattfindet

  • 8-Hydroxy-2-Desoxyguanosin (OHDG)

und

Marker des nitrosativen Stresses

  • 3-Nitrotyrosin
  • Arginin
  • Citrullin/g Kreatinin

Patienten, die rauchen oder auf sonst einem oder mehreren Feldern in ihrer Lebensführung gravierendes Fehlverhalten zeigen, würde ich als Therapeut raten, das Geld für solche Tests zu sparen und das zu tun, was wissenschaftlich einwandfrei erwiesen ist:

Nichtrauchen, Normalgewicht halten, sich bewegen (Ausdauer-, Kraft- und Koordinationssport) und an die eigene Konstitution angepasst vernünftig ernähren sind neben den Prinzipien der Ordnungstherapie die aussichtsreichsten Maßnahmen, um mit der höchsten Wahrscheinlichkeit relativ gesund relativ alt werden zu können.

Will man bei Menschen mit einigermaßen vernünftiger Lebensweise einen zusätzlichen Einblick in die Versorgung mit möglicherweise gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen aus der Nahrung, insbesondere wenn diese Menschen Erbfaktoren mit erhöhtem Gesundheitsrisiko tragen, dann ist gegen folgende Marker nichts einzuwenden. Sie sollten nicht als absolut und sicher wissenschaftlich geklärt beworben, sondern als mögliche Hinweise eingestuft werden.

Marker der antioxidativen Kapazität

  • Totale AntioxidativeKapazität (AOC): „Globaltest“, mit dem das gesamte Reduktions-Vermögen zur Entgiftung von ROS gemessen wird.
  • Glutathion: ist das wichtigste Antioxidans. Reduziert Lipidhydro-Peroxide mit Hilfe der Glutathionperoxidase(GPX).
  • Glutathion-Peroxidase (GPX): Kofaktor der GPX ist Selen. Selen ist für die Redox-Reaktionen das Elektronen-Reservoir.
  • Ubichinon (Coenzym-Q10)
  • Superoxid-Dismutase (SOD)
  • Vitamin C und Vitamin E
  • Kofaktoren (Redoxfaktoren): Kupfer, Zink, Mangan und Selen

Erfahren Sie in Teil V, wie wichtig eine individuelle Lebens- und Ernährungsweise in Hinblick auf Oxidativen Stress ist.

Ihr

Berthold Musselmann