Ihr Portal für Gesundheit,
Naturheilkunde und Heilpflanzen

natürlich gesund

Oxidativer Stress – Teil IX: Wissenschaftliche Herangehensweise

© stock.xchng

Oxidativer Stress und Antioxidantien im Alltag

Wie kommen wir nun wissenschaftlich bei dem komplexen und multifaktoriellen Gebiet auf einen grünen Zweig?

Von: Berthold Musselmann

Wie gehen wir nun letztlich praktisch im Alltag und in der Medizin mit dem Thema „oxidativer Stress und Antioxidantien“ um?
Wie kommen wir wissenschaftlich bei dem komplexen und multifaktoriellen Gebiet auf einen grünen Zweig?

Forschung im Gebiet der täglichen Praxis

Entscheidend bleiben die natürlichen Lebenssituationen des Alltags, da dort die Komplexität der Realität herrscht und damit doch am ehesten Hinweise auf einen Nutzen erkennbar sind.
Das heißt, dass Forschung im Gebiet der täglichen Praxis (Versorgungsforschung) und epidemiologische Studien zusammen mit anderen Ansätzen uns der Erhellung näher bringen können. Vielleicht lässt sich kein eindeutiger Effekt nachweisen, es könnte sogar sein, dass der Nutzen, den man durch Phytopharmaka und bestimmte Nahrungsmittel erreichen kann, wenig oder gar nichts mit Radikalen zu tun hat. Dies ist aber dann gar nicht so wichtig, wenn ein Nutzen bezüglich „harter Endpunkte“ eintritt, d.h., wenn die Therapie lebensverlängernd ist oder die Lebensqualität spürbar verbessert. Menschen haben gute Dinge schon oft beim falschen Namen genannt oder falsch erklärt und doch den Nutzen genossen.

Die Diagnostik des oxidativen Stresses ist nicht valide, die Therapie ist bisher empirisch-intuitiv. Ernstzunehmende große Studien, insbesondere Endpunktstudien fehlen noch.

Ein Beispiel für eine mögliche sinnvolle Herangehensweise kann sein:
Beobachtung der Masttierhaltung = Hochleistung, bestes Beispiel von „klinischer Erfahrung“; Beispiel: Mineralfutter für Rinder: Messung der Milchleistung als Großversuch für wirklich Sinnvolles!
Bewährt: Zusatzstoffe wie Vitamin A, D3, E, B1, B2, B6, B12, Nikotin-, Pantothensäure, Zink-, Mangan-, Kupferoxid, Jod, Kobalt, Selen, NaCl, Ca, Mg, Zuckerrübenmelasse (pflanzliche Mischprodukte mit sekundären Pflanzenstoffen), Rübentrockenschnitzel (dito! Insbesondere Carotin! auch UV-Schutz!), Malzkeime, Kleie.
Das könnte ein hochinteressantes Feld sein, da hier Placebo keine so große Rolle spielt und da man anders als beim Menschen den Benefit (wie z. B. ordentliche Milchleistung bei Kühen als harter Parameter der biologischen Gesundheit) genau beobachtet, allein schon aus Gründen der Gewinnmaximierung.

Anders als in klinischen Studien, bei denen man nur einige wenige Parameter beobachten kann, sind in solchen Feldgroßversuchen unmittelbare Nutzeneffekte, oft noch objektiv messbar (Milchleistung, Resistenz der Kühe, Gesundheitszustand, Überlebenszeit etc.) nachweisbar. So könnte das am Menschen gar nicht untersucht werden, allein schon aus ethischen Gründen.
Hier ist aber auch an ethischen Umgang mit Tieren zu denken. Wesentlicher Punkt ist hier: artgerechte Tierhaltung! artgerechte Ernährung! Frisches Gras ist sicher am besten und nicht die rücksichtslose Maximierung der „Milchernte“, gerade im Hinblick auf Milchprodukte hoher Qualität – hier sind Demeter und Bioland führend.

Die schon lange praktizierte Zugabe von Nahrungsergänzungsstoffen im agrarischen Feld ist ein starkes Pro-Argument für den Sinn von Nahrungsergänzung – zumindest in Hochleistungssituationen. Beim Menschen können vorgerücktes Alter, Schwangerschaft, chronische Krankheit, Darmresorptionsstörungen, Einnahme vieler stark wirksamer Medikamente und andere vergleichbare Situationen sein, bei denen eine Nahrungsergänzung genauso sinnvoll wie bei Tieren unter hoher Belastung sein kann.

Ja sogar erprobte konventionell chemisch-synthetische Medikamente wie Metformin gegen die Insulinresistenz bei Diabetes mellitus Typ II bieten Radikalenschutz:
Metformin-Patienten zeigten gegenüber nicht damit behandelten Diabetikern ein um 38 % geringeres Krebsrisiko, auch bei den bei Diabetikern häufigen Brust- und Darmkrebsfällen (6).

Krankheitsrelevante Quellen von oxidativem Stress ausschalten

Neueste wissenschaftliche Ergebnisse weisen eher in die Richtung, dass gezielt die krankheitsrelevanten Quellen von oxidativem Stress ausgeschaltet werden müssen. Danach ist es nicht sinnvoll, oxidativen Stress ungezielt zu bekämpfen, da er ja auch nötig und nützlich sein kann. Dazu muss man aber die Risiken von Patienten genau kennen und wissen wie man gezielt Radikale in bestimmten Körperregionen, Zellen etc. bekämpfen kann (7). Also noch Zukunftsmusik.

So beliebte Nahrungsmittelzusätze wie Nitrite in Fleischwaren können reaktive Sauerstoffverbindungen vermehrt bilden, die dann das Lungenparenchym angreifen (Entwicklung einer COPD = Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung) und verschiedene Krebsarten begünstigen können (8).

Unter Therapie mit bestimmten Antibiotika (besonders Doxycyclin, Minocyclin, Ciprofloxacin) und anderen Medikamenten kann es unter Einwirkung von UV in der Haut zur vermehrten Bildung reaktiver Sauerstoffverbindungen und damit zu oxidativen Stress kommen. Betroffene Patienten können schwere Hautschäden und Nagelveränderungen bzw. Nagelbettentzündungen bekommen.

Ginkgo-Präparate (z.B. Tebonin) können den oxidativen Stress und Mitochondrienfehlfunktionen (Störung der Energieversorgung in den Zellen) deutlich verbessern. Damit gelingt es, insbesondere bei frühem Einsatz von Ginkgo, die Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung zu verzögern oder unter Umständen sogar aufzuhalten. Die Dopamin- und Acetylcholin-Freisetzung (zwei wichtige Botenstoffe im Hirn) und die Fähigkeit des Hirns zur Ausbildung neuer Nervenzellverbindungen werden zudem verbessert.

Nach einer Übersicht des Arzneitelegramms (9-12) erlaubt Glutathion, dessen Konzentration durch Ganzzellextrakte bestimmt wird, keinen Rückschluss, ob Zellen oxidativem Stress ausgesetzt sind oder nicht. Es ist auch nicht mehr möglich, die pauschale Behauptung aufrecht zu erhalten, dass schädliche Oxidantien den Altersprozess beschleunigen. In Studien mit Einzelstoffen blieb der Nachweis der erhofften Wirkungen von Antioxidantien bisher aus. Vitamin E in einer Dosis höher als 400IE pro Tag erhöht das Risiko für Prostatakarzinom, für Herz-Kreislauferkrankungen und (Blutungs-) Schlaganfall, Betakarotin steigert bei Rauchern die Lungenkrebsrate und erhöht die Gesamtsterblichkeit. Hochdosierte Antioxidantien-Präparate verschlechtern das Ansprechen von Krebspatienten auf Bestrahlungen und verkürzen ihre Überlebenszeit.

Bei aktuell nicht valider Diagnostik des oxidativen Stresses und bisher empirisch-intuitiver Therapie bleibt es spannend beim Für und Wider von antioxidativen Maßnahmen durch Phytopharmaka, Lebensweise, Ernährung und Nahrungsergänzung, ob bei oxidativem Stress oder allgemein in der Prävention.

Ihr

Berthold Musselmann

Quellen/Weitere Informationen

Literatur und Links