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Oxidativer Stress – Teil VIII: Neue Erkenntnisse und Fortschritte

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Wie gehen wir nun letztlich praktisch im Alltag mit dem Thema „oxidativer Stress und Antioxidantien“ um?

Von: Berthold Musselmann

Wie gehen wir nun letztlich praktisch im Alltag mit dem Thema „oxidativer Stress und Antioxidantien“ um?

Was sich seit Jahrtausenden in der Vorratshaltung, im Haushalt und in der Volksmedizin gehalten hat, hat meist Vorteile für das Überleben der Menschen, z.B. die milchsaure Gärung.

Neue Erkenntnisse und Fortschritte

Wir werden also weiter nicht um Empirie, Hausmittel und alte Rezepte kommen. Mancher Schatz ist da noch zu heben. Moderne Produkte der Pharmazeutik könnten demgegenüber deutlich im Nachteil sein. Gut gedacht ist noch nicht praktisch bewährt. Dennoch kann auch moderne Forschung das ein oder andere an neuen Erkenntnissen und Fortschritten bringen:

Das Krankheitsgeschehen bei Makuladegeneration wurde mit 80 mg Zink 2 mg Kupfer (zur Verhinderung einer Zink-assoziierten Anämie) 500 mg Vitamin C, 400 I. E. Vitamin E und 15 mg Betakarotin verlangsamt: 28 % in der Placebogruppe, 20 % in der Verumgruppe erleiden nach fünf Jahren eine Progression bei höhergradigen Makulaschäden.

Das BfR (Bundesamt für Risikobewertung) empfiehlt präventiv nur das Spurenelemente Jod, Eisen bei nachgewiesenem Mangel und Folsäure bei Frauen vor und während Schwangerschaften. Weitere Nahrungsergänzungsmittel (NEM) können aber unter bestimmten Umständen (chronisch Kranke, stark Belastete, Leistungssportler, Ältere, Patienten mit Malabsorption etc.) und bei nachgewiesenem Mangel mit Symptomen sinnvoll sein.

Der biologischen Situation besser angepasst und damit gesundheitsfördernder könnten Nahrungsmittelextrakte mit hohem Anteil an wirksamen sekundären Pflanzenstoffen sein.

Der Mensch nimmt etwa 1,5 g sekundäre Pflanzen-Stoffe pro Tag mit Nahrung auf bei Mischkost. Es gibt etwa 400 Tausend sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, etwa 5-10 Tausend sind in Mischkost enthalten, bekannt sind nur einige 10 Tausend “Radikalen-Fänger”. Problematisch sind die individuellen Entgiftungs- und Stoffwechsel-Systeme in der Leber (CYP-450-Polymorphismen u.a.) und im Körper allgemein. 

Wechselwirkungen mit Medikamenten sind verbreitet, z. B. bei Gewürzen: System der P-Glykoproteine (oft synergistisch mit CYP 450-Problemen, bei Johanniskraut u. Cyclosporin z.B.)(5);

Sekundäre Pflanzenschutzstoffe sind niedermolekulare Naturstoffe, die nicht am Primärstoffwechsel (Sauerstoff, Fette, Zucker, Eiweiße) der Pflanze beteiligt sind. Sie stellen die aktiven Wirkstoffe der Arzneipflanzen dar. Obwohl erst etwa 30 % aller höheren Pflanzen phytochemisch untersucht sind, kennt man heute schon zehntausende Sekundärstoffe.

Ein inzwischen gut belegtes Beispiel ist Johanniskraut-Extrakt, das die Wirkung von Cyclosporin, Digoxin, Indinavir, Amitriptylin, Midazolam u. a. vermindern kann. Aber auch Nahrungsmittel wie Grapefruit haben ein erhebliches Wechselwirkungspotenzial:

Die Wirkung von Statinen, Sertralin, Sildenafil, Tacrolimus, Fluoxetin u. a. kann durch Furanocumarine in der Grapefruit, die CYP 3A4 hemmen, in den toxischen Bereich angehoben werden. Auch bei Koffein, Traubensaft, Kohlgemüse (CYP 1A2), Knoblauch (CYP 3A4), Alkohol, Brunnenkresse (CYP 2E1) sind relevante Arzneimittelinteraktionen bekannt. So kann Brunnenkresse-Extrakt, der bei Bronchitis und Harnwegsinfektionen eingesetzt wird (Angocin), den Abbau von Paracetamol verlangsamen.

Als isolierte Medikamente wirksam können in speziellen Situationen Zink (Teil der zytoplas-matischen Superoxiddismutase = SOD, Mg/Cu- Mn-abhängige mitochondriale SOD) und Selen (Teil der Glutathionperoxidase = GPX) sein. Selen hat auch Bedeutung bei der Hashimoto-Thyreoiditis u. a. Schilddrüsen-Krankheiten (entlastet die Schilddrüse durch eine Aktivierung der Dejodase).

Bei Vitamin-, Spurenelement- und Mineralmängeln ist natürlich die Zufuhr der fehlenden Stoffe vernünftig. Für besondere Zustände wie Schwangerschaft, Erschöpfung, chronische Erkrankungen, Belastung durch Umwelttoxine, Medikamente, Hochleistungssport/-beruf etc. können Vitamine & Co ebenfalls sinnvoll sein. Hier müssen dann meist hohe Dosen eingenommen werden, wegen möglicher Nebenwirkungen nur für begrenzte Zeiträume.

Ein kürzlich erschienenes systematisches Review widmete sich der Frage, ob Zink bei Erkältung hilft. Fazit der Arbeit ist, dass Zink-Lutschtabletten bei Erkältung in hoher Dosierung (> 75 mg/Tag, bei 70 kg Körpergewicht am besten 100mg/Tag) eingenommen werden müssen, um therapeutische Effekte zu erzielen. Vor dem Hintergrund, dass in gängigen Zink-Präparaten zwischen 10 und 25 mg pro Tablette enthalten sind, muss dementsprechend alle 2-3 Stunden eine Tablette eingenommen werden, um auf diese Tagesdosis zu kommen. Diese hohe Dosierung gilt nur für das Anfangsstadium eines Infektes und ist wegen möglicher Nebenwirkungen in dieser Form nicht dauerhaft empfehlenswert (1).

Weitere Einsatzmöglichkeiten für einzelne Nahrungsergänzungsstoffe bzw. Kombinationen könnten sich in Zukunft noch ergeben.

Entscheidend bleiben die natürlichen Lebenssituationen des Alltags, da dort die Komplexität der Realität herrscht und damit doch am ehesten Hinweise auf einen Nutzen erkennbar sind. Es könnte natürlich sein, dass der Nutzen, den man durch Phytopharmaka und bestimmte Nahrungsmittel erreichen kann, wenig oder gar nichts mit Radikalen zu tun hat.

Dies ist aber nicht so wichtig, solange ein Nutzen eintritt. Menschen haben gute Dinge schon oft beim falschen Namen genannt und doch den Nutzen genossen Vgl. Anti-Aging.

Die Diagnostik des oxidativen Stresses ist nicht valide, die Therapie ist bisher empirisch-intuitiv. Ernstzunehmende große Studien, insbesondere Endpunktstudien fehlen noch.

Ihr

Berthold Musselmann

Quellen/Weitere Informationen

Literatur und Links