Brokkoli als Arzneipflanze
Freitag, 14.05.2010, 14:00
Dass Gemüse gesund ist wissen wir alle. Aber Brokkoli scheint eine ganz besondere Eigenschaft zu besitzen, die ihn besonders wertvoll macht.
Seit einigen Jahren weiß man, dass bei der Tumorentstehung bestimmte Zellen, die sogenannten Tumorstammzellen, für die Entstehung des Primärtumors und der Metastasen verantwortlich sind. Das tückische an diesen Tumorstammzellen ist, dass sie mit den normalen Chemotherapien nicht erreicht werden können. Außerdem haben sie die Eigenschaft, im Körper herumzuwandern und sich z.B. im Knochenmark zu verstecken. Dort können sie viele Jahre ruhen, bevor sie wieder Tumorzellen abgeben, die dann zu einem neuen Tumor heranwachsen können. Diese Tumorstammzellen sind nur mit sehr hohen Dosen an Chemotherapeutika zu erreichen, die aber so hoch liegen, dass damit alle Körperzellen geschädigt werden. Je mehr Tumorstammzellen ein Tumor besitzt, desto aggressiver ist er.
Hier setzt nun die "Brokkoli-Therapie" an. Brokkoli besitzt einen Inhaltsstoff, das sogenannte Sulforaphan, das zu der Gruppe der Senfölglykoside zählt, die unter anderem dem Senf und Meerrettich den charakteristischen scharfen Geschmack verleihen. Das Sulforaphan ist nun in der Lage, die Krebsstammzellen so zu verändern, dass sie empfindlich werden für die Chemotherapie.
Dies konnte man z.B. an dem sehr aggressiven Bauchspeicheldrüsenkrebs zeigen, der eine hohe Anzahl an Stammzellen aufweist und nur schwer zu behandeln ist. Mit dem Verzehr von großen Mengen Brokkoli hat man aber erreicht, das das Tumorwachstum und die Metastasierung des Bauchspeicheldrüsenkrebs verhindert werden kann. Und das gilt nicht nur für Bauchspeicheldrüsenkrebs, sondern wahrscheinlich für alle Krebsarten, die über Tumorstammzellen verfügen.
Neben Brokkoli scheinen auch noch andere Gemüsearten aus der gleichen Familie (Blumenkohl, Rosenkohl, Grünkohl) diesen Inhaltsstoff zu besitzen.Sie haben einen hohen Gehalt an Sulforaphan. Es schützt Körperzellen offenbar vor Schäden im Erbgut und leitet den Zelltod ein, wenn Zellen sich unkontrolliert teilen. Broccoli hat von allen diesen Gemüsearten den höchsten Sulforaphan-Gehalt.
Mittlerweile laufen klinische Studien, die den Einfluss von Brokkoli und Blumenkohl bzw. des Sulforaphans auf die Entwicklung und Metastasierung des Pankreaskrebs untersuchen.
Aber das ist noch nicht alles, was Brokkoli und Co. kann. Es ist auch nachgewiesen, dass es gut wirkt bei Asthma und der durch Rauchen erzeugten chronischen Atemwegsobstruktionen. Brokkoli scheint hier die Lungenzellen vor den Giftstoffen zu schützen und die typischen Entzündungszeichen des Asthmas zu verhindern.
Und das alles ist rezeptfrei zu haben und für wenig Geld im Supermarkt, oder besser noch im Biomarkt. Außerdem schmeckt es noch und macht satt.
- Kallifatidis G, Rausch V. et al: Sulforaphane targets pancreatic tumor-initiating cells by NF-kB-induced anti-apoptotic signaling. GUT, in press 2008
- Zhao H., Lin j.: Dietary isothiocyanates, GSTM1, GSTT1, NAT2 polymorphisms and bladder cancer risk IJC, Bd. 120, Nr. 10, S. 2208-2213, 2007
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