Sommer die zweite
Donnerstag, 13.08.2009, 14:35
Meinem letzten Beitrag zum Thema Sommer möchte ich noch einen zweiten folgen lassen. Schließlich haben wir ja immer noch Sommer. Auch wenn sich die Sommer anders darstellen, als man es aus Kindertagen kennt.
Hier sind die Ferien bereits vorüber, der eigene Urlaub ist ebenfalls vorbei. Früher gab es während und auch nach den Sommerferien eine gewisse Flaute, die auch Zeit für andere Dinge meistens organisatorischer Art ließ. Doch auch hier haben sich die Zeiten gewandelt. In Zeiten von Schweine- Vogel- und sonstiger Grippe bleibt die Flaute aus, die Praxis bleibt voll und es geht direkt nach dem Urlaub mit voller Kraft in gewohntem Fahrwasser weiter. Es soll hier keinesfalls der Eindruck des Klagens aufkommen, im Gegenteil, schließlich freue ich mich, wenn die Menschen zu mir kommen und der Schwerpunkt der Arbeit in Diagnostik und Therapie und im Gespräch mit den Menschen liegt.
Die Behandlungsstrategien der Schweinegrippe sind einem stetigen Wandel unterworfen. Wurden vor einigen Wochen noch die Patienten mit Verdachtsdiagnosen abgesondert und in die Klinik transferiert, so werden jetzt Abstriche durchgeführt und vom Gesundheitsamt unentgeltlich untersucht. Die Zahl der Abstriche wurde bereits aus Kostengründen rationiert. Anderenorts werden die Untersuchungen wohl nicht kostenfrei durchgeführt und müssen vom Patienten getragen werden (?). Mit zunehmender Zahl der Infizierten wird die Intensität von Diagnostik und Therapie wohl weiter eingeschränkt. Derweil streitet man sich anderenorts über die Verteilung und die Kostenübernahme der kommenden Impfstoffe. Ob nun alles übertrieben ist, die Schweinegrippe harmlos im Verlauf bleiben wird, oder skizzierte Szenarien eintreffen werden, die den phasenhaften Verlauf der spanischen Grippe als Hintergrund haben, ist derzeit wohl nicht sicher vorherzusehen. Ich denke, dass in Zeiten solch intensiver Reisetätigkeit mit dem Entstehen solcher Pandemien jederzeit zu rechnen ist. Auf jeden Fall herrscht große Verunsicherung (soll ich nach London fahren? Wie kann ich mich schützen ?, Soll ich Tamiflu mitnehmen ?).
Insbesondere in solch unruhigen Zeiten stellt die chinesische Medizin immer wieder einen wohltuenden Gegenpol dar. Gerade bei der Akupunkturbehandlung hat man intensiv und regelmäßig Zeit, sich dem Patienten (mit Nadeln) und vor allem mit Gesprächen zuzuwenden. Hier entstehen ganz andere Dynamiken, als sie jemals in einer regulären Sprechstunde möglich wären.
Nun wünsche ich allen Noch-Urlaubern und allen Garten- Terrassen- und Biergartenfreunden einen schönen und sonnenreichen (ja auf jeden Fall trotz Hautkrebsgefahr!) Restsommer 2009.
Ihr Martin Wörffel
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