Chirotherapie
Von Dr. Helmut Stahlhofer, Fachlicher Leiter Bayerisches Ärzteseminar für Manuelle Medizin, Deutsche Gesellschaft für Chirotherapie und Osteopathie e. V. (DGCO), http://chirotherapie.net in Zusammenarbeit mit dem Team von PhytoDoc
Einleitung
Die Chirotherapie ist eine der ältesten Therapieformen. Schon der Gründervater der westlichen Medizin, der berühmte Arzt des griechischen Altertums Hippokrates, beschrieb Techniken, um mit Handgriffen schmerzhafte Störungen an der Wirbelsäule zu heilen. Der Name der Therapieform leitet sich von griechisch "cheir" = Hand ab, was bedeutet "mit den Händen zu heilen".
In der Neuzeit wurde die Chiropraktik von Daniel David Palmer (1845-1913) wieder begründet. Er ging davon aus, dass durch Verschiebungen von Wirbeln Nerveneinengungen entstehen, die sich lokal und ausstrahlend auf ein ganzes Körpergebiet auswirken.
Heutzutage ist man teilweise von dieser Erklärung abgekommen. Es spielt die Mobilisation des Gelenkes und eine eher ganzheitliche Behandlung und die Beseitigung der auslösenden Ursache eine wesentliche Rolle.
In Deutschland werden die Begriffe Chirotherapie, Osteopathie und Manuelle Medizin oft gleichbedeutend gebraucht. Während "Chirotherapeut" ausschließlich eine Zusatzbezeichnung für ausgebildete Ärzte ist, kann die Bezeichnung “Chiropraktiker“ auch von anderen Therapeuten geführt werden.
Bewertung
Die Manuelle Medizin, welche sowohl die Chirotherapie wie die Osteopathie umfasst, behandelt funktionelle Störungen der Wirbelsäule und der Extremitätengelenke sowie ihre Auswirkungen auf das ganzheitliche Skelettsystem des Patienten. Auch die im Volksmund als "verhoben", Hexenschuss“ oder "falsch bewegt" beschriebenen Beschwerden kann der Therapeut oft mit wenigen gezielten Handgriffen behandeln, und mit einem meist deutlich hörbaren Knacken ist der Schmerz beseitigt.
In der Vergangenheit feindeten sich konventionelle Mediziner und die Vertreter der Chiropraktik heftig an, in neuerer Zeit zählt man Chiropraktiker zu angesehenen Fachkräften des modernen Gesundheitswesens. Die Akzeptanz und das allgemeine Interesse spiegeln sich auch in der zunehmenden Anzahl an Studien wider. Dennoch wird die Bedeutung von Chirotherapie für die Behandlung von Kreuzschmerzen kontrovers diskutiert. Die Wirkung bei Kopfschmerzen wurde als „ermutigend“ aber nicht vollkommen überzeugend eingestuft. Allgemein bezeichnen Experten die Datenlage als nicht ausreichend.
Die deutschen Fachgesellschaften* empfehlen in ihren Leitlinien zur Behandlung von Rückenschmerzen die manuelle Therapie bei Rückenschmerzen (ausgenommen Ischialgie und Lumboischialgie). Die Chirotherapie wurde in klinischen Studien als „nicht wirksamer als Physiotherapie“ eingestuft.
*Fachgesellschaften:
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin
- AKDAE, Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft
- DGOT, Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie
- DGSS, Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes
Anwendungsbeispiele:
- Schulter- Armschmerzen, Tennisarm
- Lumbalgien (Schmerzen in der Lenden-Kreuzbeinregion)
- Hüftschmerzen
- Knieschmerzen
- Tortikollis (muskulär bedingter Schiefhals)
- Von der Gelenkstörung ausgehende Beschwerden: Schwindel, Kopfschmerz, Migräne, Schleudertrauma
Die von den Patienten erfahrenen Symptome sind Verspannungszustände, Blockierungsgefühle der Wirbelsäule und daraus resultierende Fehlhaltungen, welche den Beschwerdedruck unterhalten. Die Schmerzen entstehen oft nicht durch Ausrenkungen von Wirbeln und Gelenken, wie früher angenommen, sondern durch Störungen in der Steuerung des Gelenkspiels. Dies geschieht aufgrund einer reflektorischen Beeinflussung durch äußere und innere Störfaktoren auf Ebene des Rückenmarkes, der Nervenbahnen und des Zentralnervensystems. So ist erklärbar, dass sowohl durch mechanische Faktoren wie ungewollte Bewegungsveränderungen, als auch durch psychische Stressfaktoren Blockierungsgefühle an der Wirbelsäule und den Gelenken ausgelöst werden können, welche dem Patienten den Eindruck vermitteln, Wirbel seien herausgesprungen oder Nerven seien eingeklemmt.

