Elektrotherapie

Wirkungsweise

Durchblutung und Stoffwechsel

Elektrischer Strom bewegt bei Gleichstrom geladene Teilchen. Dadurch kommt es bei  Elektrotherapie im Gewebe zu einem Ionenfluss und zu einer Veränderung im Salzhaushalt. In dessen Folge verschieben sich auch Flüssigkeiten im Gewebe. Mit einer Erweiterung der Adern und verstärkten Durchblutung stellt der Körper die Normalität wieder her.

Bei Anlegen von Gleichstrom kann man direkt eine Zunahme der Durchblutung messen. Das betrifft die Haut (500%) und den darunter liegenden Muskel (300%). Dabei werden sowohl der Zufluss durch die Arterien, als auch der venöse Abfluss sowie der Lymphstrom gefördert. Die Elektrotherapie ist entstauend und wirkt abschwellend. Die Haut ist rosa verfärbt und die Gewebstemperatur steigt an. Der Effekt dieser Elektrotherapie hält bis zu zwei Stunden nach der Behandlung an.

Durch diese Vorgänge werden der Stoffwechsel und die Entgiftung stimuliert. Der Austausch von Nähr- und Schlackenstoffen im Gewebe erhöht sich. Das Gewebe wird durch Elektrotherapie besser versorgt, die Zellteilung gefördert und die Heilung beschleunigt.

Spastische Lähmung

Diese Lähmungen sind mit einer Verkrampfung bestimmter Muskelgruppen verbunden. Durch eine Elektrotherapie soll die Entkrampfung eingeleitet werden. Alternativ kann auch der natürliche Gegenspieler des Muskels gereizt werden.

Schlaffe Lähmung

Wenn ein Muskel durch ein Trauma geschädigt ist und nicht mehr durch den jeweiligen Nerv erregt wird, kommt es zu einem Abbau des Gewebes und damit zu einem Verlust der Muskelgruppe. Durch konsequente Stimulation mit Elektrotherapie kann der Muskel trainiert werden, bis der geschädigte Nerv soweit regeneriert ist, dass er den Muskel wieder bedienen kann.

Bei Lähmungen bei intakten Nervenbahnen fördert man mit dieser Elektrotherapie die Nervenleitung. Damit kann man die Ansprechbarkeit des Muskels verbessern.

Training

Auch gesunde Muskeln können durch Elektrotherapie zur Kontraktion gebracht werden. Das nutzt man zu Trainingszwecken, neuerdings sogar im Sport als Krafttraining oder im Kosmetikbereich zur Muskelstraffung. Mit der Muskelkontraktion wird auch die Lymphflüssigkeit und Venenblut in Bewegung gebracht.

Schmerzlinderung

Die Schmerzlinderung durch Elektrotherapie ist vermutlich ein Kombinationseffekt ganz verschiedener Mechanismen.

Strom bewirkt eine Hemmung der langsamen schmerzleitenden Nervenfasern auf der Ebene des Rückenmarks. Schmerz wird dann nicht ins Gehirn weiter geleitet. Die Reizung durch Elektrotherapie betrifft den gesamten Bereich des gereizten Nervensegments. Das umfasst die Haut, die zum Segment gehörigen Organe. Wenn nur eine Körperseite gereizt wurde, kann sich der Effekt etwas schwächer auch auf die unbehandelte Seite ausweiten.

Bei Reizen, die über der Schmerzschwelle liegen, erfolgt die Hemmung über den Hirnstamm und eine Ausschüttung von Endorphinen („Glückshormonen“). Stärkere Reize der Elektrotherapie führen zu einer überregionalen Schmerzlinderung.

Daneben beschleunigt sich die Heilung durch den stimulierten Stoffwechsel. Entzündliche Signalfaktoren werden schnell abtransportiert. Entzündungsschmerzen klingen ab.

Außerdem führt das Anlegen von Reizstrom zu einer Erhöhung der Erregungsschwelle der Nerven. Je schwächer die sensiblen Nerven aktivierbar sind, umso geringer auch das Schmerzempfinden. Schmerzbehandlung ist eine der Hauptindikationen der Elektrotherapie.

Iontophorese

Mit Hilfe von Elektrotherapie kann auch die lokale Aufnahme von Medikamenten unter die Haut stimuliert werden. Dann bildet sich unter der Haut ein Wirkstoffdepot, das in den nächsten drei Tagen freigesetzt wird. Verwendet wird zum Beispiel Bienengift, Antirheumatika, entzündungshemmende Medikamente, Schmerzmittel sowie gefäßerweiternde Mittel.

Anwendungsgebiete und Erkrankungen
Therapeut
Elektrotherapie
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  • Abnutzungserscheinungen (Arthrose), degenerative Gelenkszuständen: Verbesserung der Gewebeernährung
  • Atemwegserkrankungen: chronische Bronchitis, Mittelohrentzündung, Tubenkatarrh, Kehlkopf- und Rachenentzündung
  • Chronische Schmerzen (chronifiziertes Schmerzsyndrom, Phantomschmerzen nach Amputationen, Gürtelrose, Fibromyalgie, Nervenschmerzen (Neuralgien), Trigeminus, Muskelschmerzen (Myalgien), Gelenkschmerzen und rheumatische Schmerzen, Schmerzen nach Verletzungen Morbus Sudeck, Migräne)
  • Durchblutungsstörungen: Morbus Raynaud, Arteriosklerose, Thrombosen
  • Gynäkologische Erkrankungen: Menstruationsbeschwerden, Entzündung der Brustdrüse (Mastitis), Gebärmutterentzündung (Endometritis), Eierstockentzündung (Adnexitis)
  • Lymphschäden: venös Insuffizienz mit Hautschädigungen (z.B. Ulcus cruris) postthrombotisches Syndrom, operativer Behandlung von Gefäßerkrankungen
  • Lymphabflussstörungen bei bösartigen Erkrankungen, nach Bestrahlung
  • Nervenschäden: Polyneuritis, Polyneuropathien, Verletzungen der Nerven, Parkinson, Schlaganfall
  • Osteoporose
  • Rheuma, rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Fibromyalgie
  • Schließmuskelschwäche: Stuhlinkontinenz, Harninkontinenz
  • spastische und schlaffe Lähmungen, Störung der Wahrnehmung (sensorische Störungen)
  • Steifigkeit, Schultersteife
  • Tinnitus
  • Verletzungen: Brüche, Operationen, Blutergüssen, Zerrungen, Prellungen, Gelenksnahe Frakturen, Ödeme
  • Wirbelsäulenerkrankungen: Bandscheiben, radikuläre Syndrome, Lumbago, Schiefhals, Skoliosen
  • Wundheilungsstörungen: Geschwüre und wundgelegene Stellen

Links zu den Erkrankungen, bei denen Elektrotherapie helfen kann