Orthomolekulare Medizin (Nährstofftherapie)

Wirkungsweise

Der Mensch kann viele Stoffe, die er für seinen Stoffwechsel oder als Baustoffe benötigt, nicht selbst herstellen. So ist er auf die ständige Zufuhr von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, Fettsäuren, Aminosäuren angewiesen.

Die Orthomolekulare Medizin postuliert dabei folgende Wirkungen:

  • Ausgleich und Verhinderung von Mängeln: Der Mensch sei auf ein Leben als Jäger und Sammler angepasst ist, da er schätzungsweise 100 000 Generationen in dieser Lebensform verbrachte. Die Ernährung heute habe sich grundlegend gewandelt und damit sei die Zufuhr einzelner Mikronährstoffe nicht an die Bedürfnisse des Menschen angepasst.
  • Vermeidung oder Hinausschieben von Krankheiten: Eine ausreichende Mikronährstoffversorgung soll degenerativer Erkrankungen sowie 30-40%  der Krebserkrankungen vermeiden und durch den Lebensstil- oder die genetische Veranlagung bedingte Risiken mindern.
  • Optimale Behandlung von Krankheiten und Vermeidung von Rückfällen: Die Orthomolekulare Medizin geht davon aus die Ursache der Krankheiten und nicht die Symptome zu behandeln. Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für orthomolekulare Medizin wird dies durch die Schulmedizin nicht ausreichend berücksichtigt.

 

Kritik

1. Der Bedarf

Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist eine ausgewogene Ernährung heute sehr einfach. Es gibt keine Hungerperioden mehr und pflanzliche Nahrung ist zu jeder Jahreszeit verfügbar. So ist auch die Versorgung mit Vitaminen und Mineralien zu jeder Zeit gedeckt, so die DGE. In Deutschland besteht nur bezüglich der Jod und Selen, unter Umständen auch Eisen ein Bedarf. Nur in besonderen Lebenssituationen wie Schwangerschaft, Stillzeit, extreme körperliche Leistung und Alter, sei eine ergänzende Einnahme von Nahrungsergänzungsstoffen sinnvoll.

Nach Untersuchungen hat eine Versorgung mit Vitaminen und Mineralien nur in den Hungergebieten der Erde einen signifikanten und langfristigen Effekt auf die Gesundheit. In den reichen Ländern dieser Erde ist der Effekt sehr gering.

 

2. Die Dosis

Der Körper kann nur begrenzte Mengen an Vitaminen auf einmal aufnehmen, ein Überschreiten der notwendigen Tageszufuhr garantiert keineswegs mehr Gesundheit. Die überschüssigen Vitamine werden ungenutzt ausgeschieden. Ab einer bestimmten Dosis sind einige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente im Gegenteil sogar schädlich (siehe Nebenwirkungen und Gegenanzeigen). Es ist anzunehmen, dass dies besonders dann gilt, wenn diese Stoffe als Einzelstoffe und nicht in einer natürlichen Zusammensetzung wie in der Nahrung verzehrt werden. Umstritten außerdem ist dir richtige Dosis.

 

3. Das schlechte Gewissen und die Werbung

Viele Menschen versuchen mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Die industrielle Werbung bedient diese Neigung mit hohem Aufwand. Das führt zu absurden Verhaltensweisen wie etwa der Einnahme von „Rauchervitaminen“, statt mit dem Rauchen aufzuhören. Ein lebensverlängernder Effekt ist für von Nahrungsergänzungsstoffen ist bisher nicht bewiesen.
Besser wäre es auf eine gesunde Lebensweise und Ernährung zu achten und abzuwägen, ob tatsächlich ein Bedarf vorliegt und ob er nicht besser mit einem natürlichen Lebensmittel gedeckt werden kann.


4. Sicherheit künstlicher Lebensmittel und die wissenschaftliche Grundlagen

Die Industrie versucht künstlich in Vitaminpräparaten nachzuahmen, was natürliche Lebensmittel längst in optimaler Form bieten. Eine „natürliche“ Zusammensetzung kann kaum erreicht werden, da es sich um eine komplexe Mischung von Stoffen handelt, die im Einzelnen nicht bekannt ist.

Zwischen den Komponenten besteht eine wechselseitige Beeinflussung. Einzelstoffe wirken sehr wahrscheinlich erst in Kombinationen mit vielen Stoffen im menschlichen Organismus optimal. Ob die künstlichen Kombinationen auch wirklich harmlos sind, vor allem wenn sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, ist nicht wirklich gesichert.

Untersuchungen zur Sicherheit von Vitaminpräparaten sind wissenschaftlich wegen der Komplexität  der Wechselwirkungen vieler Faktoren sehr schwierig. Untersuchungen zu  „Laborsituationen“ oder speziellen Personengruppen sind von den Verhältnissen in der Realität oft weit entfernt. Menschen sind außerdem genetisch sehr verschieden. Was einem hilft kann für einen anderen Menschen schlecht sein. Allgemein gültige Aussagen sind so schwierig.

Einzelne Menschen haben oft ungewöhnliche Ernährungsgewohnheiten. Auch werden mitunter die Grenzwerte von Vitaminzusätzen (versehentlich) überschritten. Es könnte daher sein, dass bei einem übermäßigen Verzehr eines mit Vitaminen angereicherten Produkts Schädigungen auftreten können. So kam es in den USA zur Vergiftungen mit Vitamin D3 aus angereicherter Milch.

Eine Studie in der Rauchern und Nicht-Rauchern beta-Carotin verabreicht wurde mußte abgebrochen werden, da die Gruppe der Raucher vermehrt an Krebs erkrankte. Dies zeigt deutlich, dass speziellen Personengruppen Vitamine unter Umständen schaden können.

Sicherer wäre es daher, sich auf die naturgegebene Zusammensetzung der Nahrung zu verlassen.

 

Gesteigerter Bedarf an Vitaminen und Spurenelementen

Nahrungsergänzungsmittel werden heute sinnvoller Weise zur Gesundheitsvorsorge bei vorübergehender oder dauerhafter Überbelastung eingesetzt. Das betrifft insbesondere folgende Situationen:

 

Alte Menschen

Im vorgerückten Alter könnte eine optimierte Zufuhr von Vitalstoffen wie Vitaminen, Spurenelementen und essentiellen Fettsäuren sinnvoll sein. Der Grund: Die Aufnahme im Darm reicht bei natürlichen Lebensmitteln bei Älteren oft  nicht mehr zur Deckung des Kalorien- und Vitalstoffbedarfs aus. Verstärkt wird dies durch chronische Krankheiten, Zahnprobleme und eine herabgesetzte körperliche Aktivität. Alte Menschen haben oft auch keine „Lust am Essen“ mehr.

 

Besondere Lebensumstände

Konsens ist die Zufuhr von Vitaminen bei Mangelerkrankungen bei besonderen Lebensumständen. Einige Beispiele

  • Alkoholiker haben häufig eine Unterversorgung von Vitamin B1 und B6.
  • Veganer, Vegetarier und besonders deren Kindern können unter Umständen Mangelzustände entwickeln. Hier fehlt noch häufiger als in der Durchschnittsbevölkerung Eisen.
  • Chronisch Kranke haben einen erhöhten Bedarf und können von einer zusätzlichen Versorgung profitieren.
  • Sportler haben einen erhöhten Umsatz und benötigen daher auch mehr Vitamine und Spurenelemente.
  • Schwangere oder stillende Frauen haben einen kräftig erhöhten Stoffwechsel und damit auch Bedarf an Vitaminen und Spurenelementen.

 

kranke Menschen

Der Stoffwechsel kranker Menschen ist in besonderer Weise belastet. Neben dem Grundumsatz ist auch vermehrt Energie für den Widerstand und zur Gesundung notwendig. Welche Vitamine hier sinnvoll sind, hängt aber von der jeweiligen Erkrankung ab.

Beispiele:

  • Patienten mit seniler Makuladegeneration (ein fortschreitender Verlust des Sehvermögens der Netzhaut im Alter), die älter als 55 Jahre sind, profitieren von dem Antioxidans Vitamin E.
  • Patienten mit Erkrankungen des Magen-Darmtrakts, chronischer Magenschleimhautentzündung und Schleimhautrückbildung  (chronisch atrophische Gastritis, Zöliakie) nehmen viele Stoffe nicht ausreichend auf und sollten zusätzlich mit Vitamienen versorgt werden.
  • Dicke Menschen haben häufig geringe Vitamin D Werte (25(OH)-Vitamin-D3) da dieses Vitamin fettlöslich ist und in den Fettreserven festliegt.
  • Bei Blutarmut (Anämie) sind Eisen, Vitamin B12 und Folsäure wichtige Komponenten.
  • Zur Vorbeugung von Osteoporose ist eine ausreichende Versorgung mit Calzium und Vitamin sinnvoll.
  • Bei Augenerkrankungen (Nachtblindheit, grauer Star, Xerophthalmie) spielen Vitamin A, Carotinoide und Antioxidantien eine wichtige Rolle.
  • Bei unbehandelter Mukoviszidose werden viele fettlöslichen Vitamine (A, D, E und K) nicht ausreichend aufgenommen. Außerdem kann ein Mangel an Mengen- und Spurenelementen entstehen.
  • Eine chronische Niereninsuffizienz und Dialyse führt zu Störungen des gesamten Vitamin- und Mengenelement- und Spurenelementhaushaltes. Sowohl ein Überschuss als auch ein Mangel ist die Folge, so dass eine konstante Kontrolle notwendig ist.

 

HIV/AIDS

In Ländern in denen eine ausgewogene Ernährung nicht möglich ist, profitieren AIDS-Patienten von einer Vitaminversorgung. Zum Beispiel kann eine Kombination von Vitaminen der Gruppe B, Vitamin C und E das Fortschreiten der HIV-Erkrankung bei schwangeren Frauen in Afrika bremsen. Ähnliches war bereits an HIV-infizierten Männern in den USA und Schwarzafrikanern festgestellt worden.

 

Medikamenteneinnahme

Durch die Einnahme bestimmter Medikamente können Mangelzustände entstehen. Ob für Sie individuell die Gefahr eines Mangels entsteht, erfahren Sie über ihren Beipackzettel oder den behandelnden Arzt.

Beispiele:

  • Antikonvulsiva (Medikamente gegen Epilepsie) zum Beispiel senken den Folsäurespiegel und vermutlich auch den Plasma­spiegel von Biotin.
  • Ein erhöhter Bedarf an Folsäure besteht außerdem bei Behandlung mit verschiedenen Antibiotika.
  • Antibiotika vom Cefalosporin-Typ und Salicylate (Aspirin) verhindern die Bereitstellung von Vitamin K.
  • Verschiedene Arzneimittel (z.B. Hydralazine, bestimmte hydrazidhaltige Tuberkulostatica, Phenytoin, D-Penicillamin, L-Dopa) können den Bedarf an Vitamin B6 erhöhen.
  • Zahlreiche Medikamente (Amiodaron, Lithium u.v.m.) greifen in den Jodstoffwechsel ein. Bei einer Langzeitmedikation ist mit Störungen der Schilddrüsenfunktion zu rechnen.
Anwendungsgebiete und Erkrankungen
Therapeut
Orthomolekulare Medizin (Nährstofftherapie)
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  • Medikamenteneinnahme (Analgetika, Antiazida, Antibiotika, Glukokortikoide, Hormone)
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  • Rekonvaleszenz
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