Pflanzenheilkunde (Phytotherapie)

von Dr. Berthold Musselmann, Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Einleitung

Pflanzenheilkunde oder Phytotherapie gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und beschreibt die Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten und Befindensstörungen durch Pflanzen, Pflanzenteile und deren Zubereitungen. Dabei werden die Extrakte in ihrer Gesamtheit verwendet. Das Wort "Phyto" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Pflanze".

Der Begriff geht auf Rudolf Fritz Weiss (1895-1991) zurück. Er nannte die Pflanzenheilkunde in Anlehnung an den französischen Arzt Henri Leclerc als erster im deutschen Sprachraum „Phytotherapie“. Weiss legte ein Schwergewicht auf die Anwendung und Anerkennung der modernen Phytotherapie als einen unverzichtbaren Bestandteil in der praktischen Medizin.

Rechtlicher Status
Phytotherapie ist in Deutschland eine anerkannte Besondere Therapieform im Sinne des Sozialgesetzbuches. Seit 1978 bekennt sich der deutsche Gesetzgeber im Arzneimittelgesetz zum Wissenschaftspluralismus der Medizin. Darunter werden derzeit die Schulmedizin einerseits und andererseits drei Besondere Therapierichtungen verstanden:

  • Anthroposophisch erweiterte Medizin
  • Homöopathie
  • Phytotherapie.


Die Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen dürfen verordnet werden, auch ohne einen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis gebracht zu haben. Die pharmazeutischen Qualitätskriterien und die Forderung der Unbedenklichkeit sind selbstverständlich zu erfüllen. Soweit möglich, muss es auch Belege der Wirksamkeit geben.

Phytotherapie ist keine Homöopathie
Irrtümlicherweise wird die Phytotherapie häufig mit der Homöopathie gleichgesetzt. Wenn auch die Grundsubstanzen der Homöopathie vielfach pflanzlichen Ursprungs sind, so bestehen doch zwischen den Lehren beider Heilmethoden grundlegende Unterschiede.

Bewertung

Nach medizinischer Erfahrung sind Phytotherapeutika bei Beachtung der Beipackinformationen sichere, preisgünstige und wirksame Arzneimittel, die für viele Einsatzgebiete den Synthetika ebenbürtig und unter Berücksichtigung der Bilanz von Wirkung, Kosten und Nebenwirkungen diesen oft überlegen sind.

Pflanzliche Arzneimittel verbessern häufig das Befinden durch die gleichzeitige Beeinflussung vieler Körpersysteme, den Allgemeinzustand von Patienten und damit die Gesamtgesundheit. Ihr Vorteil liegt also darin, dass sie gerade nicht nur einzelne Messwerte beeinflussen, wie es die Schulmedizin vorwiegend macht.

Die "erwiesenen Wirkungen" im schulmedizinischen Sinn (durch quantitative Studien, so genannte randomisierte kontrollierte Studien (RCT für englisch: Randomized Controlled Trial) stellen nur EIN Standbein der medizinischen Erkenntnis dar. Eine positive Studie muss nicht immer heißen, dass das Medikament insgesamt eine gute Relation Wirkung – Nebenwirkung – Preis hat, auch gegenüber bekannten älteren Standardpräparaten (siehe viele schulmedizinische Medikamente, insbesondere onkologische und viele „Neueinführungen“). Zudem sind Studien bei weitem nicht die einzige Möglichkeit, in der Medizin zu aussagekräftigen Aussagen über Wirkungen zu gelangen. Die tägliche Erfahrung in der Praxis, die Erfahrung über Jahrhunderte, qualitative Studien (Interviews, Expertenbefragungen und -runden, Fokusgruppen u.a.) und die Rückmeldungen von Patienten stellen weitere wertvolle Erkenntnisquellen dar.

RCTs allein können nicht einmal annähernd die Realität der Patienten darstellen. "Befindlichkeitsstörungen" sind wesentlich mehr als eingebildete Beschwerden. Die subjektive Sicht und Empfindung der Patienten über ihren Körper und Gesundheitszustand wurde mehr als ein Jahrhundert sträflich vernachlässigt. Sie ist durch Phytotherapeutika oft günstig zu beeinflussen.

Anwendungsgebiete und Erkrankungen
Therapeut
Pflanzenheilkunde (Phytotherapie)
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Nach medizinischer Erfahrung sind Phytotherapeutika sichere, preisgünstige und wirksame Arzneimittel, die für viele Einsatzgebiete den Synthetika überlegen sind. Lediglich in der Notfallmedizin und bei schweren Erkrankungen mit drohenden oder bleibenden Organschäden sind synthetische Arzneimittel oft besser.

Anwendung findet die Phytotherapie bei:

  • Krankheiten der Atmungsorgane
  • Frauenkrankheiten
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Wunden
  • Erkältungskrankheiten
  • psychovegetative Störungen und Schlafstörungen
  • Krankheiten der Verdauungsorgane
  • Stoffwechselkrankheiten
  • Krankheiten der Harnorgane
  • Immunstärkung, Vorbeugung