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Die Erkrankung verstehen: Alzheimer

Was ist Alzheimer überhaupt?

Alzheimer ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns. Sie tritt meistens erst mit höherem Lebensalter auf und führt im Verlauf von vielen Jahren zu Demenz und Pflegebedürftigkeit.

Definition

Das steckt dahinter

Die Spuren des Alters

Im Alter lässt die Gehirnfunktion häufig nach, das ist noch kein Grund zur Sorge. Etwa 16% der Personen über 70 Jahre haben leichte Gedächtnisstörungen. Man nennt diese Erscheinung leichte kognitive Störung (Mild Cognitive Impairment, kurz MCI). Wenn die Erkrankung jedoch kontinuierlich schlimmer wird, kann aus der alterstypischen Einschränkung eine ernste Erkrankung werden. Die Gründe für fortschreitende Gedächtnisschwäche sind vielfältig, meist sind Durchblutungsstörungen, Schlaganfälle, Alkohol, Parkinson oder Alzheimer die Ursache.

Gehirnschädigung

Bei Alzheimer wird in zunehmendem Maße die Struktur des Gehirns geschädigt. Dabei bilden sich Ablagerungen aus Protein (so genannte amyloide Plaques). Außerhalb der Zellen verhindern sie die Versorgung der Zellen mit Nährstoffen und Sauerstoff. Die Proteine in den Zellen stören Transportvorgänge sowie den Zellstoffwechsel. Zu den Ablagerungen kommen bei den meisten Patienten auch noch massive Gefäßschäden. Nach und nach gehen bei Alzheimer die Nervenzellen zugrunde, das Gehirn schrumpft um bis zu 20 %. Desweiteren verändert sich das Gleichgewicht der Botenstoffe, so dass die Nervenaktivität abnimmt.

Schwerwiegende Folgen

Zunächst stört Alzheimer das Kurzzeitgedächtnis, später folgen Orientierungsprobleme und Koordinationsstörungen. Daneben ist das Denken verlangsamt und Auffassung sowie die Sprache sind behindert. Auch intellektuelle Fähigkeiten schwinden bei Alzheimer zunehmend. Die Betroffenen können ihre Gefühle nicht mehr kontrollieren und das Sozialverhalten ändert sich. Nach und nach entwickeln sich bei Alzheimer Demenz und Pflegebedürftigkeit.

Häufigkeit

Alzheimer macht 60% aller Demenzerkrankungen aus. In der Regel tritt Demenz erst jenseits des 65. Lebensjahr auf. Mit steigendem Alter erhöht sich das Risiko für diese Erkrankung:

zwischen

65 und 69 Jahren ist 1% der Personen an Demenz erkrankt

70 und 79 10%

80 und 90 20%

90 und 100 30%

Im Gesundheitswesen werden derzeit 5,6 Milliarden € pro Jahr zur Behandlung und Betreuung dementer Patienten ausgegeben. Durch die Überalterung der Bevölkerung wird diese Erkrankung in Zukunft von zunehmender Bedeutung sein. Augenblicklich sind 1,2 Millionen Menschen in Deutschland von Demenz betroffen. Nach Hochrechnungen werden es im Jahr 2050 2,6 Millionen Personen sein.

Ursachen

Über die Ursachen von Alzheimer wird derzeit intensiv geforscht. Sicher ist, dass es eine genetische Veranlagung für Alzheimer gibt. Nur 5 % der Alzheimerpatienten haben die Krankheit geerbt. Meist tritt die Krankheit spontan auf.

Viele Untersuchungen schreiben auch dem oxidativen Stress eine bedeutende Rolle zu. In den Gehirnen von verstorbenen Patienten kann man die Spuren davon nachweisen.

Außerdem findet man oft erhöhte Werte an Eisen-und Kupfer-Ionen. Diese Metalle steigern den oxidativen Stress. Auch weisen Alzheimer-Gehirne höhere Konzentrationen von Aluminium auf, wobei man aber nicht sicher ist, ob dies ursächlich mit der Erkrankung zu tun hat.

Die direkte Ursache für die auftretenden Störungen ist ein Verlust der Vernetzung der Nervenzellen sowie ein Absterben der Nervenzellen. Dadurch nimmt das Gehirnvolumen ab (Gehirnschrumpfung, Hirnatrophie) und alle geistigen Prozesse werden gestört.

Faktoren, welche die Erkrankung verschlimmern, sind:

  • Rauchen
  • Alkoholismus
  • hohe Blutfettwerte (Cholesterin)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz
  • Fettleibigkeit (Adipositas) und Bewegungsmangel
  • Vitaminmangel (hohe Homocysteinwerte)
  • Kopfverletzungen (Schädel-Hirn-Trauma)
  • hohe Zufuhr an Kupfer und Eisen (z.B. über Trinkwasser)
  • Vergiftungen (Kohlenmonoxid, Quecksilber, Blei, Perchlorethylen)
  • Depressionen
  • Dauerstress
  • Dehydration (zu wenig getrunken)
  • Infektionen/Entzündungen
  • medikamentöse Wechselwirkungen
  • hohes Lebensalter

Gut zu wissen: Je besser ein Gehirn während des Lebens trainiert wurde, umso komplexer sind auch die Nervenverbindungen. Hier dauert es beträchtlich länger, bis die Schäden durch Alzheimer sichtbar werden. Auch körperliche Betätigung verringert Demenz und verzögert die Heimeinweisung deutlich.

Verlauf und Komplikationen

Verlauf

Alzheimer entwickelt sich schleichend und langsam. Es gibt mitunter kurze Zeiten, in denen es den Betroffenen besser geht, insgesamt verschlechtert sich der Zustand aber.

Je nach Schwere der Symptome wird der Verlauf in drei Stufen eingeteilt. Jede Stufe dauert etwa 3 Jahre, jedoch mit beträchtlicher Schwankungsbreite. Alzheimer reduziert die Lebenserwartung und führt am Ende zur vollständigen Pflegebedürftigkeit.

Wenn die Erkrankung vor dem 65. Lebensjahr auftritt, ist der Verlauf in der Regel schneller und schwerwiegender.

Die zu erwartende Lebensspanne vom Eintreten der Erkrankung bis zum Tod beträgt etwa fünf bist acht Jahre. Durch intensive Beschäftigung mit den Patienten und in geringem Maße durch die bisher verfügbaren Medikamente kann die Einweisung in Pflegeeinrichtungen um ein oder zwei Jahre hinausgezögert werden

Komplikationen

Die Geschwindigkeit des Fortschreitens ist je nach Begleiterkrankungen schwerer oder milder. Zum Beispiel können Arteriosklerose, Durchblutungsstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfälle zusätzlich schwere Nervenschädigungen auslösen.

Alzheimer-Patienten erleben den geistigen Verfall am Anfang noch ganz bewusst. Viele leiden an Depressionen und begehen unter Umständen sogar Selbstmord.

Infektionen und Sturzverletzungen verschlimmern den aktuellen Zustand. Da die Personen nicht mehr selbst essen können, kommt es zu Gewichtsverlust und Mangelernährung. Ein besonderes Problem sind die Inkontinenz, das Wundliegen, Schluck- und Atemprobleme.

Formen

Bei Demenzen unterscheidet man je nach den auslösenden Ursachen folgende Formen:

  • Nervendegeneration (neurodegenerativ)
  • Gefäßschädigungen (vaskulär)
  • sekundäre Demenzen durch andere Auslöser (wie Verletzungen, Giftstoffe und organische Erkrankungen)
  • ererbte Geisteskrankheiten

Demenzartige Erscheinungen lösen auch folgende Erkrankungen aus:

  • Depression
  • Erhöhung des Hirndrucks (Hydrozephalus)
  • Alkoholabhängigkeit, Delirium
  • Tumor/Gefäßmissbildung
  • Stoffwechselstörung
  • Epilepsie
  • Post-traumatische Syndrome
  • Atemaussetzer beim Schlafen (obstruktive Schlafapnoe)
  • organische Erkrankungen (Leber, Niere, Schilddrüse)

Quellen/Weitere Informationen

Quellen

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