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SOS-Hilfe beim ersten Kratzen im Hals: zwei Experten geben Tipps

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Nasskaltes Wetter, dunkle Tage und starker Wind: Der Herbst schlägt zu und schnell spürt man das erste Kratzen im Hals. Dann ist schnelle Hilfe gefragt. PhytoDoc hat bei einem Arzt und einer Heilpraktikerin nachgefragt, welches ihre Geheimwaffen gegen die Erkältungsviren sind.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Herbstzeit = Erkältungszeit: Warum ist das so?

Um das zu verstehen, muss man sich anschauen, was Erkältungsviren gerne mögen und was nicht.

  1. Viren vertragen keine Hitze und starke UV-Einstrahlung – im Sommer überleben sie daher nur kurz
  2. Was Sie mögen sind trockene Luft in Innenräumen, kühlere Temperaturen draußen und ausgetrocknete Schleimhäute.

Unsere Schleimhäute in Nase und Rachen sind die ersten Eintrittspforten für Erkältungsviren. Sind diese gut befeuchtet und von Schleim (Mucos) eingehüllt, haben es Viren deutlich schwieriger, sich dort einzunisten. Doch was passiert im Herbst? Wir halten uns mehr in geschlossenen Räumen auf und die erste Heizungswelle sorgt für trockene Heizungsluft. Auch starke Temperaturschwankungen mit Schwitzen und dann wieder Frieren sorgt für eine Minderdurchblutung der Haut und auch unserer Schleimhäute. Also passiert genau das, was den Viren besonders zusagt, um unsere Zellen "zu kapern" und sich darin zu vermehren.

Doch zum Glück verraten uns unsere beiden Interviewpartner ihre SOS-Tipps bei anschleichender Erkältung und wissen auch, wie wir uns vorbeugend gegen Schnupfen & Co. wappnen können.

Der Arzt Dr. med. Berthold Musselmann ist Allgemeinmediziner mit naturheilkundlicher Praxis in Wiesloch bei Heidelberg. Dr. rer. nat. Stefanie Burkhardt-Sischka ist Heilpraktikerin und Diplom-Biologin mit Praxis in Magstadt bei Stuttgart.

Was tun, wenn die Erkältung droht, akut zu werden?

Der Allgemeinmediziner Dr. Musselmann setzt hier zum einen auf die Einnahme von Zinktabletten, zum anderen auf Lutschtabletten mit Zistrosenextrakt. Die Einnahme beider Präparate muss über einen mehrtägigen Zeitraum geschehen.

Musselmann empfiehlt folgende Dosierung: die ersten 3 Tage eine erhöhte Tagesdosis von 75 bis 100 mg Zinkorotat. Also drei bis vier 25 mg-Tabletten über den Tag verteilt einnehmen (am besten zum Essen und zusammen mit Vitamin C). Wichtig: In der akuten Phase nicht länger als 3 Tage einnehmen. Dann anschließend je eine Tablette pro Tag für 5 Tage einnehmen. Anschließend eine 7-tägige Pause einlegen, daraufhin abermals 7-14 Tage eine Tablette am Tag einnehmen.

Zink unterstützt die Abwehrzellen, lindert den Verlauf und kann bestenfalls die Viren am Einnisten in der Schleimhaut hindern und so den Ausbruch der Erkältung verhindern.

Zistrose: Antivirale Hilfe aus dem Mittelmeer

Bei Tabletten mit Zistrosenextrakt („Cystus Pandalis Lutschtabletten“ mit dem Extrakt Cystus 052®) wirken die Polyphenole lokal in der Mundhöhle bis zum Rachen und können die Viren ebenfalls beim Eindringen in die Zelle hindern. Wichtig ist hier die häufige Einnahme und das langsame Zergehenlassen im Mund. Musselmanns Tipp:

 Am besten stündlich und zu den Mahlzeiten am Ende der Nahrungsaufnahme langsam lutschen, drei Tage lang!


Doktor Blatt

Achtung: Cystus kann Nebenwirkungen durch Gerbstoffe und Flavonoide auslösen, wie Magenreizung/Verdauungsstörung. Dann sollte die Dosis reduziert oder Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.

Auch Wechselwirkungen sind möglich, da andere Arzneimittel gebunden werden können. Cystus sollte daher nicht mit anderen Arzneimitteln eingenommen werden.

Was empfiehlt die Heilpraktikerin?

Heilpraktikerin Dr. Burkhardt-Sischka schwört beim ersten Kratzen im Hals oder Niesen auf das homöopathische Metavirulent, das acht Wirkstoffe enthält (unter anderem Eisenhut, Gelber Jasmin, Schwammgurke und Weißer Germer). Ihre Dosierung für Erwachsene als Stoßtherapie für 2 Tage lautet: 1 bis 3 mal 20 Tropfen in Wasser im Abstand von 1 bis 2 Stunden einnehmen. Anschließend nimmt man 10–15 Tropfen im Abstand von 1–2 Stunden ein, allerdings nur so lange, bis die maximale Tagesdosis von 120 Tropfen erreicht ist. Nach 2 Tagen oder bei Nachlassen der Symptome wird die Dosis reduziert.

Hinweis: Die Dosierung weicht von der Gebrauchsinformation der Firma Metafackler ab, wichtig ist, die maximale Tagesdosis von 120 Tropfen nicht zu überschreiten.

Am Anfang (aber auch gegen Ende) der Erkältungszeit haben sich auch Produkte mit Sonnenhut (Echinacea) bewährt, die die Immunabwehr unterstützen. Echinest Nr. 160: 3 Mal täglich eine Tablette lutschen einen Monat lang. Neben dem Hauptbestandteil Echinacea als D1 ist auch das Gift der Buschmeisterschlange als D8 enthalten

Welche Hausmittel helfen begleitend?

Kratzt die Erkältung an der Haustür, kann man auch mit den richtigen Hausmitteln verhindern, dass die Krankheit ausbricht.

  • Schwitzen ist für den Körper im gewissen Maße sinnvoll, um die Erreger wieder loszuwerden. Dazu eignet sich ein Erkältungsbad oder eine sogenannte „Schwitzkur“ mit Tee aus Mädesüß- oder Lindenblüten.
  • Ein Tee aus Ingwer ist ebenfalls ein beliebtes und oft verwendetes Hausmittel. Die Ingwerwurzel wird in der TCM als Allroundtalent angesehen. Durch die Einnahme von Ingwer werden verstärkt Abwehrstoffe im Körper ausgeschüttet, sodass Viren und Bakterien keine Chance haben. Täglich ein Becher Ingwertee kann den Verlauf einer Erkältung verkürzen.

Der Klassiker aus Omas Küche ist jedoch die Hühnersuppe

Dazu, dass diese nicht nur eine leicht verdauliche und wärmende Kost bei einer Erkrankung ist, sondern tatsächlich heilsame Kräfte haben könnte, gibt es folgende Vermutung.

Professor Dr. Michael Wink, versierter Ornithologe und bis September 2019 Direktor am Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg hat bei Vögeln das Phänomen beobachtet, dass Wunden sofort abheilen. Sie haben also ein vielfach besseres Heilungsvermögen als Säugetiere. Wink weiter: "Wenn man einen Vogel operiert und die Haut zusammennäht, braucht man nichts weiter zu machen. Nach zwei Tagen ist alles verheilt und es gibt keine Infektion. Eine Substanz, die wir kennen, sind antimikrobielle Peptide, die in der Haut von Vögeln in großer Menge enthalten sind. Diese Peptide sind offenbar schnell wirkend und töten bei Infekten alle möglichen Keime schnell ab. Wir vermuten, dass es diese Peptide sind, die in der Hühnersuppe zum Tragen kommen".

Huhn samt Gemüse für eine Hühnersuppe.

Um von diesem gesundheitlichen Benefit zu profitieren, muss aber das ganze Huhn gekocht werden (am besten ein Bio-Huhn). Das Huhn sollte vorher zwar gewaschen werden, aber nicht zu gründlich, da so auch einige Peptide weggewaschen werden. Damit die Wirkstoffe weiterhin erhalten bleiben, das Suppenhuhn im kalten Sud erhitzen. Sobald dieser kocht, Temperatur reduzieren, auf kleiner Flamme mindestens zwei Stunden köcheln lassen. Rezept >

Die besten Tipps zur Vorbeugung: Heilpflanzensäfte und Sauna

Heilpflanzensäfte als Herbstkur

Dr. rer. nat. Stefanie Burkhardt-Sischka empfiehlt zur Vorbeugung eine Kur mit den Heilpflanzensäften Echinacea und Acerola (zum Beispiel von Schoenenberger). Von jedem Saft sollen 2 mal täglich 5 ml in Wasser oder Kräutertee möglichst 15 Minuten vor den Mahlzeiten über 2 Wochen lang als Kur eingenommen werden.

Acerola verfügt über die 20- bis 30-fache Vitamin C-Menge im Vergleich zur Zitrone. Das Vitamin C im Acerola-Saft ist natürlichen Ursprungs (also nicht im Labor gewonnen) und eingebunden in das ganze Inhaltsstoff-Spektrum der Frucht. Der Vorteil von Acerola ist auch, dass der Saft bei Zitrus-Allergie eingenommen werden kann.

Bestimmte Inhaltsstoffe von Sonnenhut/Echinacea (Cichoriensäure, Alkylamide) stimulieren das unspezifische Abwehrsystem (Erhöhung der Leukozytenzahl, Steigerung der Phagozytose).

Achtung: Präparate mit Sonnenhut dürfen nicht bei Überempfindlichkeit gegen Korbblütler und auch nicht bei bestehenden Autoimmunerkrankungen angewendet werden.

Auch Heilpraktikerin Burkhardt-Sischka hält viel von der Zistrose. Ihr Tipp:

Immer dann, wenn das Risiko besteht, infiziert zu werden, zum Beispiel bei Menschenansammlungen im Bus oder der Bahn, lassen Sie 1 bis 2 Tabletten im Mund zergehen.

Warum helfen Sauna und Kneippen?

Wenn die Tage kälter werden, empfiehlt Dr. med. Berthold Musselmann, die Abwehrkräfte des Körpers durch regelmäßige Saunagänge zu stärken. Einen ähnlichen Effekt hat eine Kneipp-Kur. Der Körper wird im Wechsel extremen Temperaturen ausgeliefert und wird dadurch abgehärtet. So reagiert er schneller auf die anstehenden Temperaturschwankungen der Übergangszeit.

Achtung: Hat die Erkältung bereits zugeschlagen, sollte ein Gang in die Sauna vermieden werden. Die zusätzliche Belastung durch die Hitze ist schlecht für den ohnehin schon geschwächten Körper.